BMW R 1300 GS vs Triumph Tiger 900 Rally Pro

Reiseenduro Vergleich

Zwei Vertreter der Reiseenduroszene treffen aufeinander. Was passiert, wenn man die BMW R 1300 GS und die Triumph Tiger 900 Rallye Pro bei einem Familienausflug auf Herz und Nieren testet? Begleitet uns auf eine Reise voller Überraschungen und beeindruckender Erkenntnisse!

Es war ein sonniger Mai im Jahr 2024, als wir das unverschämte Vergnügen hatten, zwei neue Reiseenduros der Saison auf eine ausgiebige Testfahrt mitzunehmen. Die BMW R 1300 GS und die Triumph Tiger 900 Rallye Pro standen bereit, ihre Stärken und Schwächen unter Beweis zu stellen. Wir fuhren mit Gepäck und waren auch mit Sozius unterwegs. Insofern konnten wir die Motorräder richtig praxistauglich vergleichen.

Fahrendes Motorrad

Einen kleinen Augenblick bitte,
die technischen Daten werden geladen...

Fahrendes Motorrad

Einen kleinen Augenblick bitte,
die technischen Daten werden geladen...

Traumhaftes Motorradrevier - unterwegs in der Region bayerischer Wald und böhmischer Wald. Als Ausgangspunkt diente das perfekt Platzierte MoHo Landhotel Neuhof im bayerischen Wald.
Traumhaftes Motorradrevier - unterwegs in der Region bayerischer Wald und böhmischer Wald. Als Ausgangspunkt diente das perfekt Platzierte MoHo Landhotel Neuhof im bayerischen Wald.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Die große GS, obwohl ein mächtiger Brocken, wirkte neben der Tiger 900 Rallye Pro keineswegs gigantisch. Beide sind ausgewachsene Reisemotorräder, die darauf ausgelegt sind, die Welt zu erobern. Doch während die GS mit ihrem 19-Zoll-Vorderrad eher der Tourer unter den Reiseenduros ist, bringt die Tiger 900 mit ihrem 21-Zoll-Vorderrad und mehr Federweg die echte Enduro-DNA auf den Asphalt. Die Triumph hat aufgeholt und bietet nun 108 PS, was sie in der Praxis zu einem ernstzunehmenden Gegner der BMW macht. Beide Maschinen waren mit Gepäcksystemen ausgestattet, und wir wechselten während der vier Tage mehrmals die Motorräder. Es stellte sich schnell heraus, dass die BMW R 1300 GS mit ihrer beeindruckenden Balance und dem exzellenten Handling auch bei voller Beladung und Sozius fast unverändert bleibt eine große Stärke, die auch das Modell 2024 bewahrt hat. Im Gegensatz dazu kämpfte die Tiger 900 Rallye Pro etwas mit ihrer Agilität und Linientreue, wenn die Nutzlast stieg, selbst nach Anpassungen am Fahrwerk.

Wirkt keinesfalls wie eine "Mittelklasse". Die Tiger 900 Rally Pro - hier ausgestattet mit einem Shad Gepäcksystem.
Wirkt keinesfalls wie eine "Mittelklasse". Die Tiger 900 Rally Pro - hier ausgestattet mit einem Shad Gepäcksystem.
Auch 2024 ein Kassenschlager: Die BMW GS. Hier mit einem Gepäcksystem von EMD Adventure Gear!
Auch 2024 ein Kassenschlager: Die BMW GS. Hier mit einem Gepäcksystem von EMD Adventure Gear!

Tolle Balance auch bei hoher Beladung: BMW R 1300 GS

Die GS fühlte sich auch bei niedrigen Geschwindigkeiten und beim Rangieren sicherer an, während die Tiger 900 Rallye Pro leicht kippelig wurde. Doch auf der Langstrecke gewann der Dreizylinder der Triumph an Charme. Seine gespenstische Ruhe und der lineare Lauf sorgten für entspanntere Etappen. Der Quickshifter der Tiger funktionierte besser, und das Fahren wurde weniger anstrengend als auf der GS, deren kraftvolles Drehmoment bei voller Beladung manchmal zu viel des Guten war.

Ein weiterer Pluspunkt für die Tiger 900 war das C-ABS, das eine klarere Rückmeldung und bessere Verzögerung bot als das kombinierte Bremssystem der BMW, welches sich manchmal zu sehr nach Computer und zu wenig nach Bremse anfühlte. Auch beim Sitzkomfort hatte die Triumph die Nase vorn. Doch bei der GS gibt es hier Potential zur Nachbesserung. Es gibt verschiedene Sitzbankoptionen zur Auswahl. Für unsere Dauertest GS haben wir leider einen "Kompromiss" gewählt der am Ende des Tages niemanden glücklich macht. Wir werden eine die Standardsitzbank gegen eine höhere und härtere Sitzbank tauschen.

Handy Integration auf beiden Modellen ohne Landkarten im Display

Die Integration des Mobiltelefons gelang bei der GS etwas schneller, doch auch die Triumph konnte diesmal einigermaßen mithalten. Dennoch bleibt die BMW-App und das dazugehörige Navi-System unerreicht, während Triumph hier noch Hausaufgaben machen muss. Trotzdem war die Navigation mit beiden Pfeilnavigationssystemen im Bayerischen Wald und Böhmerwald problemlos möglich. Wir sind gespannt welcher Hersteller als erstes eine vollwertige Lösung mit Apple oder Android Integration umsetzt.

In Sachen Ausstattung zeigte die GS ihre Überlegenheit: die durchdachten Features, die Multiwippe, das elektrisch verstellbare Windschild alles war an seinem Platz und funktionierte perfekt. Diese Details machen die GS in einem rauen und abwechslungsreichen Alltag zum verlässlichen Begleiter. Die GS wirkte in der Praxis noch einen ticken vollwertiger und umfangreicher ausgestattet.

Insgesamt war die Überraschung groß, dass der Sitz- und Fahrkomfort auf langen Strecken bei der Tiger 900 Rallye Pro besser war. Auf der anderen Seite ist die exzellente Balance der GS bei voller Beladung ein bedeutender Vorteil, den viele Reisende zu schätzen wissen werden. Auch wenn beide Motorräder in unterschiedlichen Hubraumklassen spielen, war der direkte Vergleich auf der Straße äußerst spannend. Keine der beiden Maschinen war der anderen dramatisch überlegen, was auch die Preisschilder deutlich machen.

Die Triumph Tiger 900 Rallye Pro ist längst kein Mittelklasse-Motorrad mehr. Im Modelljahr 2024 hat sie sich in die Oberliga vorgearbeitet und ist eine echte Alternative zur BMW R 1300 GS. Zwei Motorräder, die auf ihre eigene Weise beeindrucken und deren Unterschiede man beim Fahren zu schätzen lernt.

Traumhaftes Wetter im Frühjahr 2024 im bayerischen Wald!
Traumhaftes Wetter im Frühjahr 2024 im bayerischen Wald!

Reifenwahl und Tourenerfahrung

Beide Reiseenduros wurden mit Bridgestone A41-Reifen getestet, die hervorragenden Nassgrip und zuverlässige Traktion bieten. Auf asphaltierten Straßen ermöglichen sie auch bei unterschiedlichen Wetterbedingungen ein sicheres und spaßiges Fahrerlebnis. Die Route führte durch den Bayerischen Wald, den Böhmer Wald und die Wachau, was malerische Ausblicke auf die Donau und die umliegenden Landschaften bot.

Preisvergleich und technische Daten im Vergleich - Tiger 900 und BMW R 1300 GS

Fazit: Triumph Tiger 900 Rally Pro 2024

Die Triumph Tiger 900 Rally Pro beeindruckt mit einer Kombination aus Kraft, Komfort und praktischer Ausstattung, die sie sowohl für Solo-Abenteuer als auch für anspruchsvolle Familienausflüge ideal macht. Der 3-Zylinder-Motor besticht durch seine Linearität und das sanfte Ansprechverhalten, während die umfangreiche Fahrwerkstechnik mit großem Federweg und hochwertigen Bremssystemen hervorragende Stabilität und Sicherheit auf verschiedenen Untergründen bietet. Obwohl sie hervorragend für die Straße ausgestattet ist, zeigt sie auch im Gelände eine solide Grundstabilität, unterstützt von einem komfortablen Lenker und einer ergonomischen Sitzposition, die lange Fahrten erleichtert.


  • Top dimensionierte Motorleistung
  • Linearität und Dosierbarkeit der Leistung
  • Kraftvoll beim Überholen
  • Flüssige Schaltvorgänge durch Schaltassistent
  • Hohe Fahrstabilität auch auf anspruchsvollen Strecken
  • Präzises Fahrwerk mit großem Federweg
  • Hochwertig integrierte Bremsen und ABS
  • Praktische Navigation und Smartphone-Kopplung
  • Angenehme Ergonomie im Sitzen und Stehen
  • Hoher Sitzkomfort für lange Fahrten
  • Motorschutz und untere Crash-Bars serienmäßig
  • Sehr sanfte Gasannahme
  • Guter Kompromiss zwischen Laufruhe und Sportlichkeit
  • Neutrale Balance verwandelt sich in träges Handling bei hoher Beladung
  • ABS der Hinterbremse im Offroad-Modus ausgeschaltet - Kein Offroad ABS verfügbar
  • Handy-Integration ist "gut" aber es gibt keine Kartenintegration ins Display und die derzeitige Lösung hat immer noch Verbesserungspotential

Fazit: BMW R 1300 GS 2024

BMW hat die neue R 1300 GS mit viel Erfahrung und Know-how entwickelt, was sich in ihrer fortschrittlichen Technik und Vielseitigkeit zeigt. Das Modell spricht sowohl erfahrene als auch neue Fahrer an und bietet eine beeindruckende Kombination aus Leistung, Komfort und Individualisierungsmöglichkeiten. Es ist eine gelungene Mischung aus Kompaktheit und Luxus, die sowohl im Gelände als auch auf der Straße zuverlässig und sicher performt.


  • Kräftiger Motor mit atemberaubend guten Ansprechverhalten
  • Sehr tolle Traktion
  • Sehr stabiles Fahrverhalten - trotzdem präsentiert sich das Motorrad agil und kurvenfreudig
  • sehr praxistaugliche Konfigurationsoptionen
  • Handschützer bieten überraschend guten Windschutz
  • In minimaler Ausstattung wirkt das Motorrad kompakter und sportlicher als bisher
  • gut integrierter Radartempomat
  • verständliches Bedienkonzept
  • gut ablesbares Display
  • vielfältige Möglichkeiten zur Ergonomie Anpassung
  • Starke Bremsen
  • Toll funktionierendes und unauffällig integriertes Notrufsystem
  • Sehr gute Balance auch bei sehr hoher Beladung
  • Nicht jede Wunschkonfiguration ist möglich - teilweise müssen unnötige Extras mit gewählt werden
  • Fahrwerk arbeitet auf einem hohem Niveau - ein wirklich makelloses Ansprechverhalten wird jedoch ebensowenig geboten wie ein wirklich breiter Einstellbereich
  • Front Collision Warning (FCW) löst im rauen Alltag nervige Fehlalarme aus
  • Bei sehr sportlicher Fahrweise kriegt man eine leichte Wankbewegung ins Fahrzeug
  • Motorrad wirkt bei großen Piloten vor allem von hinten für eine Reiseenduro etwas zu kompakt
  • ABS System gibt bei sportlicher Fahrweise zu viel Rückmeldung in den Bremshebel
  • Anfälligkeit der Seitenverkleidungen für Kratzer im rauen Gelände und bei Nutzung mit groben Stiefeln
  • Handguards mit integrierten Blinkern nicht geländetauglich
  • Spiegel mit integrierten Totwinkel-Warner und exponierter Verkabelung ungeeignet fürs Gelände
  • Sitzkomfort für Fahrer und Beifahrer auf langen Strecken nur mittelmäßig - Sitzbank ist zu weich!
  • Auf langen Strecken zu Zweit ist das direkte Ansprechverhalten vom kräftigen Motor etwas anstrengend

Bericht vom 28.06.2024 | 11.987 Aufrufe

Empfohlene Berichte

Pfeil links Pfeil rechts