Harley Davidson Road Glide 2024 Reise-Test solo und mit Sozia

Mit der High-End Harley auf Tour

Der Luxusdampfer aus Milwaukee kommt für 2024 mit motorischen und elektronischen Updates daher. Wie gut schlägt er sich bei der gemütlichen Wochenendausfahrt?

Testort Steiermark: Ein Eldorado für Motorradfahrer

Die Steiermark aus der Sicht eines Motorradfahrers im Frühling ist ein wahrhaft malerisches Erlebnis. Während man durch diese vielseitige Region Österreichs fährt, offenbart sich eine Landschaft, die geradezu für Motorradtouren geschaffen scheint. Die sanften Hügel und weitläufigen Täler sind in ein lebhaftes Grün getaucht, und die blühenden Obstbäume säumen die kurvigen Landstraßen und bieten eine spektakuläre Kulisse.

Besonders reizvoll sind die zahlreichen Weinstraßen, die sich durch die südliche und östliche Steiermark schlängeln. Hier, zwischen den blühenden Weinbergen, kann man die frühlingshafte Erwärmung spüren und die frische Luft genießen, die von den blühenden Bäumen süß duftet. Der Kontrast zwischen den weißen Blüten der Obstbäume und dem dunklen Grün der Weinblätter bietet dabei immer wieder atemberaubende Ausblicke.

Route des Tests mit Calimoto nachfahren

Meine Route, die ich euch mit Calimoto mitgetrackt habe, führt mich von Wr.Neustadt über den Pfaffensattel über Feistritzsattel, Birkfeld und Heilbrunn nach Graz ist eine faszinierende Tour für Motorradfahrer, die das abwechslungsreiche Terrain der Steiermark erkunden wollen. Beginnend am Pfaffensattel, windet sich die Straße durch dichte, grüne Wälder, die im Frühling lebhaft zum Leben erwachen. Dieser Abschnitt ist bekannt für seine ruhigen, kurvigen Passagen, die sich ideal für eine entspannte Fahrt eignen. Weiter führt die Route über den Feistritzsattel, wo die Straße etwas anspruchsvoller wird. Hier finden sich einige enge Kurven und steilere Abschnitte, die eine gute Beherrschung des Motorrades erfordern. Die Umgebung ist geprägt von malerischen Landschaften mit kleinen Bächen und blühenden Wiesen, die besonders im Frühling ein farbenfrohes Bild bieten.

Nach dem Feistritzsattel gelangt man in das charmante Städtchen Birkfeld. Birkfeld bietet eine perfekte Gelegenheit für eine Pause, um in einem der Cafés zu entspannen. Die Stadt ist umgeben von einer üppigen Landschaft, die sich besonders im Frühling von ihrer schönsten Seite zeigt. Die Fahrt setzt sich fort nach Heilbrunn, einem weiteren malerischen Ort, der für seine traditionellen steirischen Bauernhäuser und die ruhige, ländliche Atmosphäre bekannt ist. Die Straßen hier sind weniger befahren, was eine ruhige und genussvolle Fahrt ermöglicht. Die Route verläuft über weite Strecken am Wasser entlang: Mal ein reißender Fluss, Mal ein kleiner Bach. Neben letzterem erhebt sich beim Vorbeifahren ein Adler mit einer erlegten Schlange in seinen Klauen, wenn das kein gutes Vorzeichen für einen Harley Davidson-Test ist, weiß ich nicht, was es ist.

Fahrendes Motorrad

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Mit einigen Mühen ist es uns gelungen, die Road Glide randvoll getankt auf die 1000PS Viehwaage zu hieven. Das Gewicht beträgt 383 kg und überschreitet die Werksangabe damit um 3 Kilogramm.

Features soweit das Auge blickt am größten Display aller Motorräder

"Go big or go home" lautet ein US-amerikanischer Sinnspruch aus der Skaterszene. Er passt ganz wunderbar zum riesigen 12,3 Zoll TFT-Touchscreen der neuen Harley. Die Bedienung ist 1A und trotz der vielen Einstellmöglichkeiten findet man sich verhältnismäßig schnell zurecht. Da sich Google Ende 2023 dazu entschlossen hat das Android Auto Programm einzustellen, bietet die Road Glide Apple Besitzern mit der Apple Carplay Integration deutlich mehr Möglichkeiten. Die größte Neuheit ist, dass sich das Handy nun kabellos ins Display spiegeln lässt. Das Bild ist scharf und der Screen gut ablesbar, jedoch wirkt die Anzeige etwas in die Breite gezogen. Die Eingaben erfolgen schnell, Latenz ist hier im doppelten Wortsinn ein Fremdwort.

Der Bildschirm bietet drei Anzeigemodi: Classic, Sport und Tour, die es dem Fahrer ermöglichen, die dargestellten Informationen nach persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen anzupassen. Die Classic-Ansicht hält sich an traditionelle Anzeigen, während der Sportmodus die Informationen auf das Wesentliche reduziert und der Tour-Modus vor allem der Navigation viel Platz bietet.

Eine Besonderheit auf Harley-Davidson Touring Bikes ist das integrierte Soundsystem. Die 200 Watt Anlage der Road Glide kann bis ca. Tempo 100 überzeugen. Bei Autobahntempo (130 km/h) ist die Anlage, zumindest wenn man mit Gehörschutz unterwegs ist, auch bei maximaler Lautstärke zu leise. Ein praktisches Feature ist die automatische Lautstärkenanpassung bei sich ändernder Geschwindigkeit.

Die Fahrmodi und Sicherheits-Features der Harley Davidson Road Glide 2024

Die Road Glide verfügt über ein Kurven-ABS, das die Bremskraft in Kurven automatisch anpasst, hinzu kommt eine schräglagenabhängige Traktionskontrolle, die das Durchdrehen der Räder unter rutschigen Bedingungen verhindert, was bei 175 Nm Maximaldrehmoment durchaus von Vorteil ist. Die schräglagenabhängige Motorschleppmoment-Kontrolle, stellt beim Herunterschalten sicher, dass das Hinterrad nicht blockiert. Darüber hinaus bietet die Road Glide vier verschiedene Fahrmodi Road, Rain, Sport und einen frei konfigurierbaren Custom-Modus die, die Motorleistung an die jeweiligen Fahrbedingungen anpasst

Der Sportmodus geht dabei sehr digital zu Werke, subjektiv klingt auch der mächtige 117 Cubic Inch V2 hier etwas stärker und präsenter als im Modus Road. Der Klang fällt im Vergleich zu den Vorgängermodellen jedoch insgesamt dezenter aus. Im Alltag und zu zweit ist der Roadmodus die erste Wahl, die Abstimmung ist komfortabel und die volle Leistung des Motors abrufbar. Den Regen-Modus braucht man hingegen kaum und auch der Sportmodus macht nur bei flotter Solo-Fahrt wirklich Sinn.

Harley Davidson Road Glide 2024 Fahreindrücke auf schlechten Straßen

Zum grundsätzlichen Fahrverhalten kann ich auf Vaulis ersten Testbericht zur Road Glide 2024 verweisen. Ich teile seine Einschätzung beim Fahrwerk, den Bremsen, dem Windschutz und generell zur (in Anbetracht des Fahrzeuggewichts und der Ausmaße) einfachen Handhabung und zum spielerischen Umgang mit fast 500 Kilogramm. Doch drei Punkte möchte ich darüber hinaus herausheben.

Zum ersten ist die Kupplung relativ schwergängig und erfordert ein hohes Niveau an Handkraft, das fällt nach mehreren Stunden im Sattel und viel Schaltarbeit - die zugegebener Maßen der nicht tourertypischen Routengestaltung geschuldet ist - stark ins Gewicht. Hier merkt man, dass die Road Glide für die unendlichen Weiten und breiten Highways Amerikas konstruiert wurde, wie ich letztes Jahr im Sattel des exklusiven Road Glide CVO-Modells erfahren durfte.

Zum zweiten ist der bequem gepolsterte Sitz aus meiner Sicht nicht ausreichend, um über die mäßige Federwirkung der Stereofederbeine im Heck hinweg zu täuschen. Insbesondere kurze Querrillen oder kleine Schlaglöcher bekommt man ziemlich ungefiltert in die Wirbelsäule transportiert. Die etwa 3-stündige 180km-Tour über kleine Straßen und Sträßchen, die schon lange keine Aufmerksamkeit der Straßenmeistereien mehr bekommen haben, spürt man so noch am nächsten Tag im Rücken. Deutlich besser schlägt sich die Harley bei länger gezogenen Wellen oder Unebenheiten, die das Fahrwerk zufriedenstellend schluckt.

Zum Dritten ist das kombinierte Bremssystem auf der Road Glide eine Seite mit zwei Medaillen, wie die österreichische Fußball-Ikone Hans Krankl sagen würde. Einerseits kommt man durch das System in 90% der Bremsvorgänge mit dem Fußbremshebel aus und erspart sich den Griff zum eher schwergängigen Bremshebel, andererseits greift die Vorderradbremse teilweise unvorhersehbar ins Geschehen ein. Als Fahrer, der gerne beim Durchfahren enger Radien mit der Hinterradbremse mitverzögert, ist das gewöhnungsbedürftig. Nach einiger Übung schafft man es, das Bremspedal so zu betätigen, dass die Fuhre nur hinten verzögert, die volle Bremsleitung der Hinterradbremse gibt es aber ausschließlich in Kombination mit vorne.

Fahren zu Zweit auf der Harley Davidson Road Glide 2024

Allein die Ausmaße der Road Glide suggerieren genügend Platz für zwei Personen, doch spätestens nach den ersten 30 Kilometern zeigt sich ein Bild, das den Ersteindruck revidiert. Während in Reihe 1 alles noch im grünen Bereich ist, zeigen sich bei der Mitreisenden in Reihe zwei bereits deutliche Ermüdungserscheinungen und Komforteinbußen - warum? Der erste Grund liegt in der Sattelform begraben, diese ist nach hinten abfallend, um die elegante Linie der Road Glide optisch zu unterstützen. Dadurch muss sich die Sozia entweder am Piloten anhalten, oder mangels anderer Haltepunkte am Gurt, der über der Sitzbank verläuft, aber wenig vertrauenserweckend ausgestaltet ist, sobald der Fahrer die Harley beschleunigt. Der zweite Grund für den unterdurchschnittlichen Komfort ist die Positionierung der Soziusfußrasten. Aus einem mir nicht erklärlichen Grund hat Harley Davidson die Rasten 7 cm über dem Auspuff angebracht, der Schutz vor der Abwärme der Abgasanlage wäre auch mit 3-4 cm noch ausreichend gewesen. Dadurch ist der Kniewinkel, insbesondere für Personen mit langen Beinen, sehr spitz. Man sitzt wie der sprichwörtliche Aff am Schleifstein.

All das gesagt habend, gibt es dennoch Grund zur Hoffnung: Man muss einfach ins Zubehörregal greifen, um Linderung zu finden. Dieses ist bei Harley Davidson traditionell überkomplett bestückt. Wenn ich da zum Beispiel an das Luxusgestühl (King-Tour-Pak) bei meinem CVO-Test zurückdenke: Diese Polsterlandschaft in Reihe 2 wäre einem Papst-Transport absolut angemessen gewesen!

Harley Davidson Road Glide 2024: Gepäcklösung ist tourentauglich

Für 2024 hat Harley Davidson den Stauraum derr Koffer der Road Glide auf insgesamt 69 Liter erweitert. Der Form geschuldet bekommt man zwar keinen Helm in die wasserdichten Hard Cases, aber der Platz reicht locker für einen ausgedehnten Wochenendtrip zu zweit. Solo kommt man vermutlich sogar eine Woche aus. Die Koffer sind angenehm von oben zu beladen und die Deckel werden dabei mittels Bändern in Position gehalten. Als zusätzliche Möglichkeit kleine Gegenstände zu verstauen kommen die Fächer links und rechts in der voluminösen Frontverkleidung in Frage. Im rechten Fach befindet sich ein USB-C Eingang um Mobilgeräte aufzuladen. Das Handy beim Anhalten in einem der Fächer zu belassen, würde ich jedoch nicht empfehlen, versperrbar sind sie nämlich nicht.

Harley Davidson Road Glide 2024: Reisefazit nach 500 Kilometern Tour

Auch die neue Road Glide ist nicht frei von Tadel, Fahrwerk, Bremse und Windschutz sind nicht auf dem Spitzenniveau, das man sich angesichts des ambitioniert gestalteten Preises erwartet. Dennoch lässt sich die Faszination Harley-Davidson in kaum einem anderen Modell besser erleben, als im Sattel dieses Grand American Tourers. Wählt man die Routen weise, kann man die Schwächen der großen Maschine gut kaschieren und sich am überbordenden Luxus erfreuen.

Hinweis: Das Fazit unten ist aus Vaulis Bericht entnommen, da es sich hier um einen Reisetest handelt

Fazit: Harley-Davidson Road Glide FLTRX 2024

Die neue Harley Road Glide verrät sich bereits durch ihre massiv geänderte Optik als neue, viel modernere Version des Baggers mit cooler Sharknose. Die Verkleidung ist grundsätzlich auch effektiv, lediglich bei sehr tiefen Temperaturen merkt man, dass die Hände nicht optimal geschützt sind. Umso erfreulicher ist, dass diese Lenkerposition zu einem erstaunlich agilen Fahrverhalten für ein 380 Kilo schweres Motorrad führt, die Road Glide lässt sich selbst in engem Winkelwerk sehr präzise und intuitiv steuern. Lediglich das Fahrwerk könnte dabei sensibler werken, um den Preis hätten sich mehr Verstellmöglichkeiten als lediglich die Federvorspannung hinten einfinden dürfen und auch die Bremse könnte etwas weniger Handkraft verlangen. Der kräftige und souveräne Motor passt aber wieder äußerst gut zum Charakter der Road Glide, hammermäßig ist nun die umfangreiche Ausstattung mit Assistenzsystemen und der riesige Touchscreen.


  • traditionelle und doch neu gezeichnete Sharknose-Optik
  • kräftiger 117er-V2-Motor
  • komplette schräglagenabhängige Fahrassistenzausstattung
  • riesiges Farb-TFT-Display
  • Tempomat Serie
  • guter Sound, angenehme Vibrationen
  • Soundanlage Serie
  • langstreckentauglicher Sattel und Komfort
  • Bremse braucht viel Handkraft
  • Fahrwerk schluckt nicht alle Unebenheiten

Bericht vom 28.04.2024 | 8.643 Aufrufe

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