IXS Season-Heat-ST - Touring-Heizhandschuh im Test

Ganzjahresbegleiter im Test von -5 bis +25 Grad

Klamme Finger am Motorrad sind nicht nur eine unangenehme Sache, sie können auch eine sicherheitsrelevante Rolle spielen. Insbesondere für Ganzjahresfahrer stellen beheizte Handschuhe eine interessante Option dar. Das Topmodell IXS Season-Heat-ST hat uns im Dauertest durch alle Jahreszeiten begleitet.

Beheizte Handschuhe - übertriebener Luxus oder fair bepreister Alleskönner?

Zunächst schreckt der Preis der IXS Season-Heat-ST im Webshop für Damen und Herren ab: Knapp 300 Euro für ein Paar Handschuhe sind viel Geld. Dafür bekommt man einen top verarbeiteten, wasserdichten Handschuh, der alle Sicherheitsfeatures bietet, die man für diesen Preis erwartet. Tatsächlich erhält man nicht nur ein paar Handschuhe, sondern zwei, durch die (entnehmbaren) Heizelemente lassen sich die Season-Heat-ST nämlich auch bei tiefen Temperaturen fahren, für die die Polsterung alleine deutlich zu dünn wäre. Teilt man jetzt den Preis durch zwei, landet man bei ca. 150 Euro, was ein mehr als faires Angebot für die gebotene Leistung darstellt. Schließlich ersetzt der IXS Season-Heat-ST den Winterhandschuh und den Handschuh für die Übergangszeit im Herbst oder Frühjahr bzw. auch den Handschuh, den man im Sommer in der Früh, bei Fahrten ins Gebirge oder bei Regen wählen würde.

Es wird nicht immer geheizt! Was ist die clim8® Technologie?

Auch wenn die Lithium-Ionen-Akkus mit 1950 mAh eine Kapazität aufweisen, die sich nicht verstecken muss (zum Vergleich das aktuelle iPhone SE bietet mit 2038 mAh in etwa die gleiche Kapazität), ist ihre Leistungsfähigkeit unter Volllast (14 Watt) nach wenigen Stunden aufgebraucht, doch diese Voll-Last ist ein Ausnahmefall. Hier kommt die clim8-Technologie ins Spiel. Durch Sensoren und einen integrierten Prozessor wird die Wärmeleistung in Echtzeit an die Bedürfnisse angepasst, sodass stets die perfekte Temperatur zur Verfügung steht. Die Idealtemperatur ist natürlich für jeden Fahrer und jede Fahrerin anders. Verbindet man die IXS Season-Heat-ST via App mit dem Mobiltelefon wird man Schritt für Schritt durch die persönliche Anpassung der Handschuhe geführt. Die individuelle Wohlfühltemperatur der Hände lässt sich dabei zwischen 20 und 35 Grad anpassen und wird dann durch das System selbstständig und dauerhaft gehalten. Die Bluetooth-Verbindung ist nur für das Einrichten der Handschuhe und für die Anzeige von Ladestatus, Statistiken, wie der Heiz-/Temperierperiode etc. notwendig, ansonsten funktioniert der Handschuh auf Basis der zuletzt eingestellten Settings auch ohne Verbindung zum Handy.

Der IXS Season-Heat-ST in der Praxis - Winter

In der kalten Jahreszeit spielt der IXS Heizhandschuh seine Stärken voll aus. Beim Anziehen schalten sich die Handschuhe automatisch ein (diese Funktion ist in der App auch deaktivierbar, dann startet der Handschuh, sobald man den Akku anschließt), binnen Sekunden wird der Innenraum auf die gewünschte bzw. eingestellte Temperatur gebracht. Die Heizelemente, die zwischen Außenseite und Futter verlegt sind, sorgen dafür, dass die Wärme dort ankommt, wo sie benötigt wird, nämlich an den Handrückseiten.

Fahrer mit Griffheizung kennen das Problem: Die Handflächen glühen bereits, während die Außenseite friert. Folglich bietet die Kombination aus Handguards, Griffheizung und Handschuh die Idealvariante, da so von allen Seiten Wärme zu den Händen gelangt. Werden die Handschuhe von einer Griffheizung unterstützt, wie es z.B. bei unserer R 1300 GS beim Abholen der Fall war, steigert sich die maximale Temperierfähigkeit der Handschuhe deutlich, da die Sensoren den Temperaturanstieg durch die Griffheizung registrieren und die Heizleistung der Handschuhe selbst drosseln.

Zieht man die Handschuhe aus, erkennt das der Sensor und die Elektronik deaktiviert die Heizelemente sofort, das erkennt man von außen am Erlöschen der LEDs am Handrücken, die ansonsten über den Akkustand informieren. Der Handschuh bietet zudem einen aktivierbaren Standby-Modus, der die Heizfunktion nach 5 Minuten ohne Bewegung unterbricht.

Der IXS Season-Heat-ST in der Praxis - Frühjahr und Herbst

Bei den Einsätzen im Spätherbst und bei unseren Frühjahrsproduktionen in Barcelona kam der Season-Heat-ST ebenfalls viel zum Einsatz. In den Morgenstunden sind die Temperaturen auch in Spanien im einstelligen Bereich, sodass ich auch hier die wärmenden Handschuhe zu schätzen weiß. Mittags haben wir 15 Grad, sodass ich die Akkus entferne und die Handschuhe als normale Handschuhe für die Übergangszeit nutze. Ein Unterschied zu Mitbewerbern ist dabei nicht festzustellen, auch bei feuchten Verhältnissen tut der IXS Season-Heat-ST genau, was er soll - die Hände des Fahrers warm und trocken halten. Die weitenverstellbaren Stulpen mit Wassersperre tragen das ihrige dazu bei, dass auch nach längeren Etappen im Regen keine Feuchtigkeit in den Handschuh dringt.

Die spanische Sonne hat zu Mittag schon ordentlich Kraft, sodass das Thermometer schnell über 20 Grad anzeigt. Hier beginnt das Ende des Temperaturfensters, in dem man sich im IXS Season-Heat-ST wohlfühlt. Trotz der Solto-Tex-Membran, die neben der Wasserdichtheit auch für ein gewisses Maß an Belüftung sorgt, wird es ab 25 Grad Außentemperatur im Handschuh zwangsläufig wärmer als einem lieb ist. Dabei spielt natürlich auch die Farbgebung der Edelhandschuhe in Schwarz eine entscheidende Rolle. Ein Hochsommerhandschuh ist der IXS Season-Heat-ST nicht.

Auch in einer anderen Kategorie performed der Handschuh nicht auf dem, in diesem Fall jedoch erwartbaren, hohen Level: Die beworbene Touchfunktion von Daumen und Zeigefinger funktioniert nicht, wie man es von einem Produkt in dieser Preisklasse erwartet. Während Eingaben am Touchscreen der Honda Africa Twin, deren Touchscreen auf die Eingabe mit Handschuhen ausgelegt ist, locker von der Hand gehen, ist es am Smartphone ein Ding der Unmöglichkeit, zielsicher Eingaben vorzunehmen. Nicht einmal das für das Entsperren notwendige Streichen über den Bildschirm oder das Aktivieren der Kamera gelingt, das ist doch einigermaßen enttäuschend.

Passform IXS Season-Heat-ST

Der Season-Heat-ST ist vom Schnitt her auf der kleinen Seite. Eine Hilfestellung bietet IXS mit der Größentabelle, die aus unserer Erfahrung aber ebenfalls einen zu kleinen Handschuh empfiehlt. Praxistipp: Eine Nummer größer ordern! Ansonsten gibt es in dieser Hinsicht nichts zu meckern: Die Protektoren sitzen dort wo sie sitzen sollen, nichts verrutscht, nichts drückt, die Klettverschlüsse wirken langlebig, die Materialanmutung ist hochwertig, der Tragekomfort in Summe sehr hoch. Der Handschuh ist im Vergleich mit anderen wintertauglichen Modellen angenehm dünn und erlaubt so eine punktgenaue Bedienung von Blinker, 4 Wege-Joystick, Drehrad, etc. Die große Stulpe, die den Akku beherbergt, kann bei dicken Winterjacken eng werden. In diesem Fall spürt man die Energiespender am Arm, die sich sonst unaufdringlich im Handschuh verbergen. Das Mehrgewicht ist tolerierbar, ein Akku wiegt 83 Gramm.

IXS Season-Heat-ST: Ladevorgang, -dauer und Akkulaufzeit

Eines vorweg: Das Verwenden der Handschuhe während des Ladevorgangs ist beim IXS Season-Heat-ST konstruktionsbedingt nicht möglich, der Akku wird über denselben Anschluss geladen, der auch die Verbindung zur Verkabelung im Handschuh darstellt. Die Akkus sind mit dem mitgelieferten Ladegerät in wenigen Stunden geladen. In der Praxis steckt man die Akkus nach der Ausfahrt, bzw. am Ende der Tagestour an und legt am nächsten Tag mit voller Batterie los. Bei ausgedehnten Touren und niedrigen Temperaturen macht es absolut Sinn, das Ladegerät mitzuführen und die Akkus in der Mittagspause etwas nachzuladen. Auf diese Weise kommt man im Regelfall auch über 10 Stunden locker durch.

Generell ist eine pauschale Angabe, wie lange eine Akkuladung hält, unseriös. Es ist ein bisschen wie bei Laufleistungsangaben von Reifen, es kommt einfach auf zu viele Faktoren an. Während der Testperiode hatte ich bei einer konstant eingestellten Wohlfühltemperatur von 26 Grad im Hochwinter bei -5 Grad Außentemperatur noch 55% Akkustand nach einer ca. 90 minütigen Fahrt auf einer Reiseenduro ohne Griffheizung und mit Handguards, während bei Temperaturen von +5 Grad mit der gleichen Reiseenduro (bei aktivierter Griffheizung) noch knapp 80% Akkuleistung nach 90 Minuten zur Verfügung standen. Hochgerechnet kommt man auf 3:30 Stunden bis 8 Stunden, bis der Saft ausgeht. Bei höheren Außentemperaturen und einer niedrigeren Wohlfühltemperatur kann der Akku noch länger reichen, umgekehrt ist bei einer hohen voreingestellten Wunschtemperatur früher Schluss. Um die Lebensdauer des Akkus zu erhöhen und die, bei jedem Akku auftretende, Selbstentladung zu minimieren, empfiehlt IXS die Akkus bei längerem Nichtgebrauch aus den Handschuhen zu entfernen.

Test-Fazit IXS Season-Heat-ST Touringhandschuh

Nennt man einen IXS Season-Heat-ST sein Eigen, braucht man daneben nur noch ein paar leichte, perforierte Sommerhandschuhe. Alle anderen Anwendungsfälle deckt der High-End Handschuh von IXS zufriedenstellend ab, wodurch sich auch der hohe Preis relativiert. Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind hochwertig und robust, der Handschuh schlägt sich auch bei Nässe vorbildlich. Die reichlich verbaute Technik funktioniert zuverlässig und die Funktionen des IXS Season-Heat-ST sind über die App zugänglich einstell- und nutzbar. Wer auf die Bedienung eines Smartphones mit Handschuhen verzichten kann, wird mit dem IXS Season-Heat-ST auf jeden Fall glücklich. Beim Bestellen darauf achten, dass man den Handschuh eine Nummer größer als üblich ordert, er ist sehr eng geschnitten!

Technische Daten IXS Season-Heat-ST

  • Handballen mit Lederaufdoppelung
  • Impacton® (viscoelastischer Schaum) Soft-Knöchelschutz mit Textil überzogen
  • Polsterungen an Zeige-, Mittel- und Ringfinger
  • Stretcheinsatz an den Fingern und am Handrücken
  • Daumen- und Zeigefingerspitze mit Touchscreen-tauglichem Material
  • Gummilippe am linken Zeigefinger zum Abwischen des Helmvisiers
  • Handgelenkstretch mit Klettverschluss
  • Weitenverstellbarer Stulpen mit Klettverschluss
  • Wassersperre am Stulpenabschluss
  • Batterien und Ladegerät im Set enthalten
  • Sicherheit: erfüllt die Prüfnorm EN13594:2015

Materialien

  • Obermaterial Textil 1: 92% Polyester, 8% Elasthan
  • Obermaterial Textil 2: 60% Polyamid, 40% Polyurethan
  • Obermaterial Stretch: 50% Polyamid, 50% Polychloropren
  • Innenhand: Ziegenleder
  • Futter: 100% Polyester Futter
  • Stulpen: 100% Polyamid
  • Knöchelprotektor: 100% Polyurethan solto-TEX® Membrane 100% Polyurethan
Autor

Bericht vom 23.03.2024 | 5.747 Aufrufe

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