Suzuki GSX-8S vs. GSX-S 1000 im Naked Bike Vergleich

Bieten halb so viele Zylinder nur halb so viel Spaß?

Die Suzuki GSX-8S hat als "new kid on the block" ordentlich Staub in der Mittelklasse aufgewirbelt. Reicht es gar, um die große 1000er Schwester zu ärgern?

Zonko ist passionierter Vierzylinder-Treiber seit mehreren Jahrzehnten, es sei die einzige Motorradgattung, die einen echten Klang zu erzeugen vermag und nicht nur ein Geräusch macht. Das legendäre K5-Aggregat, das in der Suzuki GSX-S 1000 steckt, ist genau eines dieser famosen Arienerzeuger. So konnte ich mir keinen passenderen Kumpanen für diesen Vergleichstest mit der neuen GSX-8S wünschen. Gespannt ob sich der hubzapfenversetzte Reihenzweier in Zonkos Herz fahren kann, starten wir in den Testtag.

Suzuki GSX-8S vs. GSX-S 1000 - Technische Daten und Ausstattung im Vergleich: Am Papier hat die kleine Schwester einen schweren Stand

Leicht hat es die neue Herausforderin nicht. Im Vergleich zur Suzuki GSX-8S mit ihrem 4-Takt Reihe 2-Zylinder-Motor mit Einspritzung und einem Hubraum von 776 Kubik, tritt die Suzuki GSX-S1000 mit ihrem 4-Takt Reihe 4-Zylinder-Motor mit 999 Kubik an. Mit 152 PS bei 11.000 Umdrehungen hat die GSX-S1000 einen beeindruckenden Leistungsvorsprung gegenüber der GSX-8S mit 83 PS bei 8.500 U/min. Das maximale Drehmoment der GSX-S1000 beträgt 106 Newtonmeter bei 9.250 Touren, deutlich mehr als die 78 Nm Drehmoment bei 6.800 Umdrehungen der GSX-8S. Die GSX-8S hat vorne eine Telegabel Upside-Down und hinten ein in Federvorspannung verstellbares Monofederbein. Bei der GSX-S1000 setzt man vorne auf eine in Druckstufe, Federvorspannung und Zugstufe verstellbare Telegabel Upside-Down mit 43 Millimeter Standrohr-Durchmesser. Hinten arbeitet ein in Federvorspannung und Zugstufe verstellbares Monofederbein. Die Verzögerung wird bei der GSX-8S durch eine Doppelscheibe mit 310 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Zange vorne und eine Scheibe hinten gewährleistet. Die GSX-S1000 verfügt hingegen vorne über eine Doppelscheibe mit 310 Millimeter Durchmesser und Vierkolben-Zange. Hinten ist eine Scheibe mit 250 mm Durchmesser und Einkolben-Zange verbaut.

Die GSX-8S hat Pneus (in unserem Fall mit Bridgestone S22 statt der serienmäßigen Dunlop Sportsmart 2) mit den Maßen 120 / 70 - 17 vorne und 180 / 55 - 17 hinten. Die GSX-S1000 hingegen setzt auf Reifen in den Größen 120/70-17 vorne und den etwas aus der Mode gekommenen 190/50-17 hinten. Der Radstand der Suzuki GSX-8S misst 1.465 Millimeter, die Sitzhöhe beträgt 810 Millimeter. Die Suzuki GSX-S1000 ist von Radachse zu Radachse 1.460 mm lang und ihre Sitzhöhe beträgt ebenfalls 810 Millimeter. Mit einem fahrfertigen Gewicht von 214 kg bzw. 216,5 kg vollgetankt auf der 1000PS Viehwaage ist die GSX-S1000 jedoch deutlich schwerer als die GSX-8S mit 202 kg/ bzw. 203 kg gemessen. Der Tank der GSX-8S fasst 14 Liter Sprit, während die GSX-S1000 über ein Tankvolumen von 19 Litern verfügt.

Das Datenblatt ist das eine - die Realität etwas anderes: Rosalias aufschluss- und kurvenreiche Straßen

Bei aller faktischen Überlegenheit am Papier: Das herrliche Winkelwerk an der burgenländisch-niederösterreichischen Grenze, ist kein leichtes Terrain für ein klassisches vierzylindriges Powernaked, wie die Suzuki GSX-S 1000. Die Gänge 4-6 könnte man guten Gewissens aus dem Getriebe entfernen und selbst wenn man sich in den niedrigen Fahrstufen tummelt, muss meist bereits wieder der Anker geworfen, bevor die 152 Pferde auch nur ansatzweise galoppieren können. Das heißt nicht, dass der K5-Motor keine Freude spenden kann, aufgrund des großen Volumens surft man schon ab Standgas auf einer satten Drehmomentwelle. Das Ansprechverhalten ist mustergültig und Lastwechselreaktionen kennt dieser Motor nicht einmal vom Hörensagen. Auch das Getriebe ist von höchster Güte, mit dem serienmäßigen bi-direktionalen Quickshifter lassen sich die Gänge knackig durchschalten, dass es eine wahre Freude ist. In höheren Drehzahlregionen entwickelt der (optionale) Yoshimura Endtopf dabei trotz Euro 5 Reglement einen Klang, der mich Zonkos Vorlieben nachvollziehen lässt. wunder

Die GSX-8S beim Debut: Ein überraschend komplettes Naked Bike

Schwingt man sich im direkten Umstieg auf die GSX-8S wähnt man sich vollkommen zu Recht in einer neuen Welt. Trotz des beinahe identen Gewichts von - auf der 1000PS Viehwaage überprüften 203 kg - fühlt sich die neue Mittelklasse-Suzuki nach deutlich mehr Motorrad an. Selbes gilt für den bombastischen Motor, der mit seinem kultivierten und druckvollen Gehabe mehr als die 83 PS Höchstleistung abzugeben scheint. Einzig das Ausdrehen (die perfekt ablesbare Darstellung des Drehzahlmessers im neuen 5 Zoll TFT Display weist eine Skalierung bis 12.000 Touren auf) bringt hier wenig, da die Maximalleistung bereits bei 8.500 Umdrehungen anliegt. Hat man sich daran einmal gewöhnt und bewegt die Suzuki in ihrem bis dahin breiten Wohlfühlbereich steht permanent genügend Kraft zur Verfügung. Es braucht nicht mehr Motorrad. Perfekt ins Bild passt der serienmäßige Quickshifter, mit dem man mühelos Gang für Gang nachlegt.

Ankern mit den Suzuki Nakeds - GSX-8S vs. GSX-S 1000 Bremsen im Vergleich

Die Brembo-Anker auf der 1000er spenden Vertrauen, eine Bremsanlage mit souveräner Performance, die aber nicht bissig oder überfordernd abgegeben wird. Bedenkt man die hohe Spitzenleistung wünscht man sich sogar etwas mehr Initialwirkung, ein Thema, das mit schärferen Belägen vermutlich in den Griff zu bekommen ist. Das ABS regelt souverän, der Eingriff ist einstellbar, mangels IMU arbeitet das System, ebenso wie die Traktionskontrolle lediglich konventionell, nicht schräglagenabhängig und damit vom technologischen Standpunkt aus auf dem selben Niveau, wie das der deutlich günstigeren kleinen Schwester.

Die Performance der Bremsen der GSX-8S hält eine positive Überraschung für den Piloten bereit. Die Nissin-Anlage wartet gar mit schärferem Initialbiss als ihr Pendant in der 1000er auf. Die ABS-Abstimmung schiebt allzu sportlichen Vorhaben jedoch einen Riegel vor. Das konservative Regelverhalten ist auf Einsteiger, die die Suzuki ja ebenfalls ansprechen soll, angepasst. Insgesamt ist die Bremsleistung der Suzuki GSX-8S nahezu optimal dimensioniert, wobei der einstellbare Bremshebel dem Fahrer nur geringe Handkraft abverlangt. Das nicht einstellbare Fahrwerk überzeugt ebenfalls und bietet auch schwereren Fahrern ausreichend Dämpfung, ohne dass die Abstimmung zu weich wäre. Lange Tage im Sattel und das Angreifen im Winkelwerk sind mit der GSX-8S problemlos möglich.

Schnelle Kurven - großes Bike - enges Geläuf - kleines Bike

Beim Fahrwerk merkt man den Preisunterschied dann doch deutlicher. Die Einstellbarkeit auf der 1000er ermöglicht eine individuelle Anpassung auf den Piloten. So liegen zwischen Zonko und mir neben knapp 30 Jahren auch rund 30 Kilogramm Unterschied. Ein Umstand dem man auf der 1000er deutlich besser Rechnung tragen kann als auf der kleinen Schwester. Die Stunde des GSX-S 1000 Fahrwerks schlägt dann in weiteren Radien mit höheren Geschwindigkeiten. Auch wenn die GSX-8S mit einer für die Klasse ungeahnten Stabilität aufwarten kann, bewegt man sich im Sattel der Liter-Suzi auf einem anderen Niveau. Feines Ansprechverhalten und großartiges Feedback stellen auch anspruchsvolle Piloten zufrieden. Ein Besuch auf der Rennstrecke ist anzuraten, will man das gesamte Potenzial dieses Fahrwerks ausschöpfen.

Sitzposition und Ergonomie der Suzuki Nakeds mit überraschenden Erkenntnissen

Die Sitzposition auf der GSX-8S ist so komfortabel und rückmeldungsstark, dass man sie problemlos in eine höhere Fahrzeugklasse einordnen könnte. Der Sattel, der auf einer Höhe von 810 mm platziert ist, bietet eine perfekte Mischung aus Komfort und Rückmeldung. Durch den breiten Lenker lässt sich das Motorrad problemlos in enge Kurven manövrieren, ohne dass es dabei instabil wird. Selbst für größere Fahrer, wie zum Beispiel den Tester mit einer Größe von 1,87 Metern, bietet die Maschine einen entspannten Kniewinkel, der für ein japanisches Naked Bike beinahe untypisch ist. Die Fußrasten sind so positioniert, dass auch bei einer sportlichen Fahrweise genügend Schräglagenfreiheit vorhanden ist.

Ein etwas anderes Bild zeichnet sich im Sattel der GSX-S1000. Größere Zeitgenossen müssen hier mit den Platzverhältnissen haushalten. Das betrifft zu aller erst den Kniewinkel, aber mit Abstrichen auch den schmalen Lenker. Die Sitzposition ist deutlich vorderradorientierter als auf der 800er, man ist etwas mehr über den Tank gespannt und wird stärker in eine Körper- bzw. Fahrposition gezwungen, als bei der kleinen Schwester.

Elektronik - Displays von gestern und heute: Die GSX-8S zeigt der 1000er-Schwester wo die Reise hingeht

Ein angegrautes polychromes LC-Display, das zwar viele Informationen (Ganganzeige, Reichweitenangabe,...) und doch einige Einstellmöglichkeiten (Fahrmodi, Traktionskontrolle), aber sonst wenig Freude (Ablesbarkeit, Übersicht) bietet, bildet das Zentrum des Cockpits der GSX-S 1000.

Die GSX-8S präsentiert sich mit einem völlig anderen Erscheinungsbild, das sich an der Formensprache der 1000er Schwester orientiert und ihre Kampfjet-Optik aufgreift, ohne dabei an eigener Gefälligkeit zu verlieren. In puncto Design verkörpert die GSX-8S eine moderne Ästhetik und bietet ein ebenso tolles Erlebnis in Sachen Haptik. Das zentrale TFT-Display ist dabei ein echtes Highlight, da es in Bezug auf Ablesbarkeit und Helligkeit allen Konkurrenten überlegen ist. Die hochwertigen Bedienelemente sind langlebig und lassen sich intuitiv bedienen. Allerdings sind Connectivity-Funktionen bei diesem Motorrad nicht vorhanden.

An Assistenzsystemen finden sich in beiden Nakeds zusätzlich zum bereits besprochenen ABS eine in drei Stufen einstellbare, abschaltbare Traktionskontrolle und drei Fahrmodi (A,B,C) an Board. Für die flotte Landstraßenhatz empfiehlt sich bei der 800er der Modus A mit der Traktionskontrolle auf Stufe 1, diese schärfsten Stufen sind aufgrund des gelungenen Ansprechverhalten des Motors und der tendenziell konservativen Auslegung der elektronischen Systeme auch weniger versierten Piloten zuzutrauen.

Etwas anders sieht es bei der GSX-S 1000 aus. Hier ist fürs Landstraßenfahren der Modus B die richtige Wahl, er passt am besten zum natürlichen Wesen des Reihenvierers, während der A-Modus mit seinem digitalen Layout eher etwas für den Rennstreckeneinsatz ist.

Der dominante Erst-Aufschlag der Suzuki GSX-8S macht es keinem leicht: Fazit zum Vergleich

Der dominante Erst-Aufschlag der Suzuki GSX-8S macht es keinem leicht: Fazit zum Vergleich Die komplett neu entwickelte GSX-8S ist ein phänomenales Naked Bike. Folglich ist sie zu mehr im Stande als die (in unserem Fall hausinterne) Konkurrenz zu ärgern, etwas (Ehr-)Furcht wäre an der ein oder anderen Stelle durchaus angebracht. Es bleibt zu hoffen, dass Suzuki genügend GSX-8S vorrätig hat, denn die Nachfrage nach der neuen Naked Sensation wird nach den ersten Testfahrten sicherlich enorm sein. Die faszinierende Nackte bietet eine zeitgemäße Ausstattung zu einem fairen Preis, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen. Selbst erfahrene Motorradfahrer werden sich im Sattel der Suzuki vielleicht fragen, ob es wirklich mehr Motorrad braucht, um glücklich zu sein.

Auch Zonko zeigte sich vom neuen Wurf der leidgeprüften japanischen Traditionsmarke sehr angetan. Große Freude darüber, dass Suzuki jetzt (endlich) wieder ein richtig großer Wurf geglückt ist, bestimmt unseren Testtag. Am Ende des Testtages muss es für ihn dann aber doch der Vierzylinder sein: Klang, Prestige und Leistung wiegen aus seiner Sicht zu schwer.

Für mich hingegen wäre es klar die günstigere Zweizylinderalternative. Die gesparten Tausender würde ich dann z.B. in Motorradurlaube mit diesem famosen Naked Bike investieren, oder Jahrzehnte lang "umsonst" tanken. Aktuelle Angebote in eurer Nähe zur Suzuki GSX-8S sowie zur GSX-S1000 findet ihr natürlich am 1000PS Marktplatz.

Fazit: Suzuki GSX-S1000 2023

Die neue GSX-S1000 ist vom Grundaufbau her eine alte Bekannte – Motor und Chassis stammen nach wie vor von der Vorgängerin. Allerdings wurde die Maschine in vielen Bereichen modernisiert und präsentiert sich vor allem optisch auf einem extrem hohen Niveau. Der Motor kann zwar nicht in der Liga der superpotenten Hyper-Nakeds mitspielen, funktioniert aber sehr harmonisch und kräftig genug. Auch das konventionelle Fahrwerk geht einen gelungenen Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort ein. Hammerargumente sind definitiv das gelungene Design, der serienmäßige Quickshifter mit Blipper und nicht zuletzt der vergleichsweise niedrige Preis.


  • souveräner Motor
  • hervorragender Schaltassistent samt Blipper
  • ausgewogenes Handling
  • mutiges Design
  • fahraktive Sitzposition
  • guter Preis
  • Elektronikpaket nicht sehr umfangreich
  • kein 6-Achsen-IMU, kein Kurven-ABS
  • Instrumente am Lenker etwas antiquiert
  • Display nicht sonderlich gut ablesbar

Fazit: Suzuki GSX-8S 2023

Bereits der Name GSX-8S soll klar machen, dass da etwas völlig neues daher kommt, der Tradition wegen hätte sie ja eigentlich GSX-S800 heißen müssen. Aber das Paket ist gut geschnürt, wenn man ein ausgewogenes Allround-Naked Bike sucht. Die Sitzposition erlaubt auch weitere Strecken, der Fahrwerkskomfort bügelt Unebenheiten souverän weg. Der Motor macht grundsätzlich auch alles richtig, ganz sportlich Ambitionierten wird aber der letzte Kick im obersten Drehzahlbereich fehlen. Die Elektronik ist überschaubar aber komplett und die Bremse packt richtig gut zu. Lediglich das ABS mischt sich ein wenig ein und regelt gelegentlich beim harten Anbremsen unnötig früh. Insgesamt aber ein richtig ausgewogenes Naked Bike, das optisch ordentlich etwas her macht!


  • souveräner Motor
  • komfortables, ausgewogenes Fahrwerk
  • ausgezeichnete Bremsen
  • gute Schräglagenfreiheit
  • knackiger Quickshifter
  • ausreichende Elektronik
  • scharfe Optik
  • ABS regelt früh

Bericht vom 15.05.2023 | 18.543 Aufrufe

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