Die neue Honda CMX1100T Rebel im Fahrbericht

Ultimativer Touring-Cruiser?

Ein Tourer will touren, ein Cruiser will cruisen - und ein Touring Cruiser will beides. Einfach lässig dahingleiten und die Welt ohne Stress entdecken, dafür wurde er geschaffen. So wie die neue Honda CMX1100T. Um zu beweisen, was sie kann, cruise-tourt sie mit mir, Juliane, durch Portugal.

Neben beeindruckender Landschaft und allerhand Kulinarik hält das Land auch unzählige geschlängelten Straßen bereit, die unter die Räder genommen werden wollen. Eine zweitägige Reise führt mich von Porto vorbei am höchsten Punkt und am geografischen Zentrum des portugiesischen Festlandes über rund 600 Kilometer nach Lissabon. Wie schlägt sich die neue Rebel T auf längerer Fahrt unter unterschiedlichen Bedingungen?

Merkmale der neuen CMX1100T

Kameraequipment und warme Unterjacke verstaue ich noch schnell in den großen Hartschalenkoffern (links 19 Liter, rechts 16 Liter) und los geht's. Der Unterschied der neuen CMX1100T im Vergleich zur Standard CMX1100 Rebel ist die zusätzliche Ausstattung. Die neue, mitlenkende Halbverkleidung im Batwing Style versprüht amerikanischen West-Coast-Flair und dient zumindest bis zur Brust als Windschild. Auf Reisegeschwindigkeit angekommen ist der Helm dem Fahrtwind schutzlos ausgeliefert, was bei entspannter Gangart aber nicht stört. Und wenn doch, gibt's im Zubehör ein höheres Windschild, wie übrigens auch eine Gepäckbrücke, falls man mit 35 Litern Stauraum nicht auskommen sollte.

Gewicht und Handling des Touring-Cruisers

Halbschalenverkleidung, Koffer und Halterungen wiegen zusammen 15 Kilogramm und erhöhen das Gewicht des Bikes im Vergleich zur Standard CMX1100 um diesen Wert. Dennoch ist die "T" mit 238 Kilogramm vollgetankt weiterhin eines der leichteren Cruiser-Modelle auf dem Markt (mit dem optionalen DCT-Getriebe steigt das Gewicht um weitere 15 auf 248 Kilogramm). Sie lässt sich also im Vergleich nicht nur easy auf dem Parkplatz manövrieren, sondern biegt auch agil in Kurven ein und gibt ein erfrischend leichtes Fahrgefühl.

Allgemein fühlt sich die Rebel T trotzdem sehr stabil an, was unter anderem am Radstand von 1520 Millimetern, dem tiefen Schwerpunkt und dem 18-Zoll-Vorderrad liegt. Ein radial montierter Nissin Monoblock-Vierkolben-Festsattel mit großer 330-Millimeter-Einzelscheibe und ein Einkolben-Sattel mit 256-Millimeter-Einzelscheibe hinten verzögern auch bei längerer Bergabfahrt zuverlässig. Auch hier ist das niedrigere Gewicht im Vergleich zum Wettbewerb von Vorteil.

Sitzposition der CMX1100T und Soziuskomfort

Zur erwähnt guten Rangierbarkeit trägt der sehr niedrige Sattel bei. Bei einer Sitzhöhe von nur 700 Millimetern haben auch Fahrer mit kurzen Beinen einen sicheren Stand. Die Arme sind Cruiser-typisch hoch und nach vorne gestreckt, die Füße stehen auf seitlich neben dem Motor platzierten (und nicht sehr griffigen) Fußrasten. Besonders langbeinige Fahrer wünschen sich hier vorverlegte Rasten. Diese sind jedoch nicht an Board und auch nicht als Zubehör erhältlich. Dafür ermöglicht die Position eine große Schräglagenfreiheit. Bei den ersten Kehren angekommen freut man sich über 35 Grad Schräglagenwinkel, die es ermöglichen auch enge Kurven ohne Kratzgeräusche zügig zu durchfahren. Ab und an hört man jene Geräusche dann doch, bei einem Cruiser gehört das aber eben dazu.

Honda CMX1100T Rebel Schräglagenfreiheit
Für einen Cruiser geht die Schräglagenfreiheit in Ordnung.

Motor & Leistung

Das Herzstück der CMX1100Tist bekannt: ein 1084-Kubik-Reihenzweier, der von der Africa Twin abstammt. Für die 1100er Rebel wurde er angepasst, die Schwungmasse um 32 Prozent erhöht und das Auspuffsystem und die Ventilsteuerung verändert. Die Spitzenleistung von 87 PS liegt bei 7.000 und das Drehmoment von 98 Nm bei 4.750 Umdrehungen an - etwas niedriger also als bei der Africa Twin mit 102 PS und 105 Nm.

Und diese Änderungen zahlen sich aus. Besonders der Druck im unteren und mittleren Drehzahlbereich fühlt sich fantastisch an und jeder Meter macht Spaß, egal ob durch die kleinen portugiesischen Städtchen oder auf den Land- und Bergstraßen. Das Ansprechverhalten des Twins ist allerdings unabhängig vom gewählten Mapping etwas hart, dafür gibt's keinerlei störende Vibrationen. Dank 270-Grad-Hubzapfenversatz massiert aber ein V2-artiger Bass die Trommelfelle. Bassig bollernd, aber nicht ganz so voluminös wie ein "echter" amerikanischer V-Twin. Standgeräusch: 93 dB.

Elektronik und Assistenzsysteme

Das von der Africa Twin abgeleitete Elektronikpaket beinhaltet verschiedene Fahrmodi, die Ansprechverhalten und Leistungsentfaltung, Traktions- und Wheelie-Kontrolle sowie das Motorbremsmoment unterschiedlich regulieren. Im Sport-Modus ist die Leistungsentfaltung eher aggressiv, die Traktions- und Wheeliekontrolle auf niedriger und die Motorbremse auf hoher Stufe eingestellt. "Standard" und vor allem "Rain" regeln sanfter und die Sicherheitssysteme greifen früher ein. Die unterschiedlichen Charaktere der Mappings sind deutlich spürbar. Der User-Modus kann selbst konfiguriert und die Traktionskontrolle auch deaktiviert werden. Achja: Für den Komfort, besonders auf längeren Etappen, ist serienmäßig auch ein Tempomat mit an Bord, der gut funktioniert.

Honda CMX1100T Rebel Display
Das Display und die Bedienelemente der neuen Rebel 1100T.

Bei der DCT-Version ist zusätzlich das Schaltverhalten des Doppelkupplungsgetriebes an die Modi gekoppelt. Tipp von mir: Da mir der Standard-Modus fürs Touring am besten gefällt, mir das DCT dort aber immer einen Tick zu früh hochschaltet, stelle ich mir den Usermodus so ein, dass ich Gasannahme, Traktionskontrolle und Motorbremse des Standard-Modus mit dem Schaltverhalten des Sportmodus kombiniere.

Fahrwerks- und Soziuskomfort

Das Fahrwerk von Showa mit einer 43-mm-Cartridge-Gabel und zwei Stoßdämpfern ist hinten wie vorne in der Federvorspannung einstellbar. Die Federwege sind mit 122 und 94 Millimetern Cruiser-typisch kurz. Leichte Unebenheiten der Fahrbahn werden gut absorbiert, stärkere Risse und Löcher aber direkt an den Fahrer weitergegeben. Wieder kann man sagen: in dieser Motorradkategorie normal. Trotzdem steigt man nach vielen Kilometern am Abend entspannt ab. Wenn man nicht in zweiter Reihe saß. Der Soziussitz fällt nämlich sehr spärlich aus und ist nur mäßig gepolstert. Touring-Cruisen oder Cruise-Touren genießt man auf Dauer dann doch lieber alleine im Sattel der CMX1100T.

Honda CMX1100T Rebel: Preise, Farben und Zubehör

Honda bietet die neue CMX1100T 2023 einzig in Gunmetal Black Metallic an. In Deutschland kostet der Touring-Cruiser 11.960 Euro und mit DCT 12.960 Euro. In Österreich sind es 13.290 Euro, bzw. 14.590 Euro mit Doppelkupplungsgetriebe.

Mit vielen Zubehörteilen ab Werk lässt sich die Rebel T individuell gestalten oder komfortabler machen. Für mehr Komfort auf langer Reise empfehle ich das höhere Windschild, die Gepäckbrücke und Heizgriffe.

Fazit: Honda CMX1100T Rebel 2023

Die CMX1100T ist ein dynamischer Touring-Cruiser mit genialem Motor, üppiger elektronischer Ausstattung und niedrigem Gewicht – einfach zu fahren, agil und druckvoll. Mit Batwing-Halbschalenverkleidung und 35-Liter-Koffern lädt sie zu längeren Trips ein, wird aber durch die niedrige Sitzhöhe und das spielerische Handling auch viele Käufer im Alltag beglücken.


  • Druckvoller Motor
  • agiles Handling
  • Umfangreiche Fahrassistenten
  • Ansprechverhalten könnte sanfter sein
  • Geringer Soziuskomfort
  • Vergleichsweise spitzer Kniewinkel

Bericht vom 25.04.2023 | 33.181 Aufrufe

Empfohlene Berichte

Pfeil links Pfeil rechts