KTM 890 Duke GP 2023 - fünf Mittelklasse Naked Bikes im Vergleich

Kann die Orangene abräumen?

Fünf Mittelklasse Naked Bikes des Jahrgangs 2023 im Test. Wir haben die neue KTM 890 Duke GP mit der Ducati Monster, Kawasaki Z900, Triumph Street Triple R und Yamaha MT-09 verglichen. Wie schlägt sich die Österreicherin in diesem Quintett?

Die KTM Duke Baureihe auf Basis des LC8c Motors ist inzwischen nichts mehr neues. Begonnen mit der 790 Duke bildet die 890 Duke GP das Mittel, bevor man zur supersportlichen 890 Duke R greifen kann. Über einen verlängerten Zeitraum konnten wir sie bereits alleine testen und viele Eindrücke sammeln. Diese findet ihr hier: KTM 890 Duke GP Test.

Die KTM 890 Duke GP im Vergleich

Blickt man auf die wichtigsten Eckdaten unserer fünf Kandidaten, fällt die KTM beinahe bei allen Punkten in den Durchschnitt. Wo sie hingegen hervorsticht, ist bei ihrem niedrigen Gewicht von 188 Kilogramm vollgetankt, das sie sich mit der Ducati Monster teilt und dem Preis. Die 890 Duke GP ist das zweitteuerste Motorrad in dem Vergleich und das noch ohne jeglichem Zubehör wie dem göttlichen Quickshifter. Mit gebrauchten Exemplaren, beziehungsweise Vorführern, kann man jedoch Geld sparen. Aktuelle Angebote findet ihr hier: Die Naked Bikes aus dem Vergleich kaufen.

Yamaha MT-09Kawasaki Z900Triumph Street Triple RKTM 890 Duke GPDucati Monster
Motor890 ccm 3-Zylinder948 ccm 4-Zylinder765 ccm 3-Zylinder889 ccm 2-Zylinder Reihe937 ccm V2
Leistung (PS)119 PS bei 10.000 U/min125 PS bei 9.500 U/min120 PS bei 11.500 U/min115 PS bei 9.000 U/min111 PS bei 9.250 U/min
Drehmoment (kW)93 Nm98,6 Nm80 Nm92 Nm93 Nm
Gewicht vollgetankt191,5 kg211,5 kg190,5 kg188 kg188 kg
Preis Deutschland10.899 €10.795 €10.195 €11.999 €12.390 €
Preis Österreich11.899 €11.299 €11.695 €13.299 €14.895 €
Preis Schweiz11.190 CHF11.190 CHF11.295 CHF12.290 CHF13.190 CHF

Motor und Quickshifter sind ein Gedicht

Auch wenn das Kürzel "GP" nach Rennsport klingt, stellt die neue 890 Duke GP das Standardmodell dar. Das bremst jedoch nicht den Fahrspaß, denn der altbekannte Reihenzweizylinder drückt kräftige 115 PS in den Asphalt und bietet schon ab niedriger Drehzahl mächtig Schub. Selbst mit serienmäßigem Auspuff überzeugt die Duke mit einem satten Klang und gelegentlichem Sprotzeln im Schubbetrieb. Leider muss man für den herrlichen Quickshifter Aufpreis zahlen, denn so präzise wie er die Gänge durchknallt, gehört er eigentlich zur Pflichtausstattung. Dasselbe gilt für den Track Modus, doch wenn man gleich das allumfassende und knapp 800 Euro teure Tech-Pack aus dem PowerParts Katalog bestellt, bekommt man alle Erweiterungen, die dieses Naked Bike zweifelsohne verdient.

KTM 890 Duke GP Elektronikpaket

Wie (fast alle) Naked Bikes dieser Klasse, verfügt auch die 890 Duke GP über ein umfangreiches Elektronikpaket. Wir sprechen von 6-Achsen-IMU, Ride-by-Wire, schräglagenabhängigen Fahrhilfen, Supermoto-ABS und den Fahrmodi Sport, Street und Rain. All die Ausstattung bringt nicht nur ein entsprechendes Sicherheitsnetz mit, es bietet dem Fahrer auch die Möglichkeit, sich an die aktuelle Situation schnell anzupassen. Denn die Bedienbarkeit über das TFT-Display funktioniert KTM-typisch äußerst intuitiv.

15 Punkte für die KTM = Platz 3 in der Wertung

Fünf Naked Bike bedeuten fünf Fahrer. Für unsere Wertung konnte jeder Pilot vier Punkte abgeben, was eine Maximalanzahl von 20 Punkten ermöglicht. Mit insgesamt 15 Zählern platziert sich die KTM 890 Duke GP in der goldenen Mitte des Testfelds. Vor allem der kernige Motor und das quirlige Fahrverhalten haben uns gefallen, Punkteabzüge gab es beim Thema Optik & Verarbeitung und Aufpreispolitik. Alle Eindrücke unserer Testcrew lest ihr im Anschluss.

1000PS Empfehlung: MoHo Braugasthof Schmidt

Als unsere Basis und Ausgangspunkt der Tour diente der das neue MoHo Braugasthof Schmidts Rabenbräu in Neustift an der Lafnitz. Die Region rund um Neustift an der Lafnitz bietet zahlreiche kurvenreiche Straßen und schöne Landschaften, die sich perfekt für eine Motorradtour eignen. Nach der Ausfahrt können Biker hier eine Pause einlegen und sich bei einem kühlen und selbstgebrauten Bier und köstlichen Speisen stärken. Liebhaber von Whiskey und Gin kommen auch auf ihre Kosten - auch diese Getränke werden hier selbst hergestellt.

Rabenbräu Braugasthof Schmidt
Chef Andi Schmidt ist selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer und betreibt das Rabenbräu mit großer Gastfreundschaft. (Foto: MoHo)

Vaulis Meinung zur 890 Duke GP

Auf den ersten Blick wirkte die 890er-Duke in der GP-Ausführung etwas kindisch auf mich, mit den vielen Stickern an der Seite. Sobald ich aber damit fahre, ist alles stimmig und logisch - die KTM will alles und noch mehr, gemütliches Bummeln geht zwar dank dem gut abgestimmten Euro5-Motor auch, richtig Spaß hat man aber erst, wenn man ihr die Sporen gibt. Dann funktioniert alles hervorragend, der Reihen-Zweier dreht herrlich und sogar ziemlich laut hoch, der Quickshifter knallt die Gänge durch und mit der aktiven Sitzposition glaubt man fast, über dem Vorderrad zu sitzen. Beim Gaszudrehen blubbert und sprotzelt der Auspuff, die Bremsen packen ordentlich zu und die harte, aber herzliche Sitzbank erlaubt viel Feedback vom WP-Fahrwerk - das GP im Namen ist also gar nicht so kindisch, wie ich anfänglich glaubte. Und dann passt auch plötzlich das viele Orange auf der 890 Duke GP zum Gesamtauftritt sehr gut!

MEX' Meinung zur 890 Duke GP

Die 890 Duke (GP) weiß nun schon seit einigen Jahren mit ihrem verspielten und super agilen Fahrverhalten zu überzeugen. Das Fahrwerk ist zwar nicht einstellbar, findet aber einen guten Kompromiss und bietet sogar bei sehr sportlicher Fahrt genügend Reserven. Der Reihenzweizylinder liefert für das verspielte Treiben in jeder Lebenslage genügend Leistung ans Hinterrad. Die Laufkultur geht dabei in Ordnung und auch mit der sehr kompletten Elektronik Ausstattung bleiben wenig Wünsche offen. Quirlig feuert sie aus den Radien und ab und an könnte man ihr dabei eine gewisse gewisse Nervosität attestieren - doch irgendwie macht genau das den Reiz aus. Empfehlenswert ist in jedem Fall der optionale Quicksifter und das Track-Pack um die Fahrspaß-Qualitäten der Duke voll auskosten zu können. Die KTM bot für großgewachsene den entspanntesten Kniewinkel im Test. Ihre schlanke Taille, welche eine vergleichsweise tiefe Anbringung der Fußrasten, nahe der Fahrzeugmitte ermöglicht, sorgt dafür, dass dennoch eine hohe Schräglagenfreiheit erhalten bleibt. Also keine Kritik? Nun ja, an der radikalen Optik hat man sich 2023 gefühlt schon ein ein wenig satt gesehen und auch technisch hat die Konkurrenz mittlerweile stark aufgeholt.

KTM 890 Duke GP 2023
Bekannte Optik, aber farblich immer noch am auffälligsten.

NoPains Meinung zur Duke 890 GP

"Unfassbar gut zu fahren, aber auch unfassbar schiach." Das waren meine ersten Gedanken, als ich nach dem Absteigen den flotten Ride über den Geschriebenstein Revue passieren ließ. Dabei bot der Motor des günstigen Skalpells mit seinen 115 PS bei 9.000 U/min und 92 Nm bei 8.000 U/min mehr als genügend Power, um mit den gewogenen 188,5 Kilogramm fertig zu werden, der Quickshifter funktionierte sensationell, die Elektronik arbeitete unauffällig und das Fahrwerk war ab Werk ideal für den sportlichen Straßenbetrieb sowie meine Gewichtsklasse eingestellt. Generell gefiel mir die Duke auch mit ihrem agilen Handling und dem komfortablen Lenkeinschlag, wodurch sie sich trotz des langen Radstands auch auf engstem Raum souverän wenden ließ. Die vielen knarzenden Plastikverkleidungen, die grellen Sticker und der Form-Follows-Function-verbeulte Auspuff taten mir allerdings in den Augen weh. Irreführend fand ich außerdem das neu hinzugekommene Kürzel "GP" (Grand Prix), das offensichtlich nur für "Geile Pickale" und Soziusabdeckung steht. Nicht einmal der Quickshifter war serienmäßig und auch für den Track-Modus mussten weitere Euros eingeworfen werden.

Zonkos Meinung zur 890 Duke GP

Leider ist die Duke optisch gar nicht mein Fall und auch die hohe Sitzposition aufgrund der langen Federwege ist für mich gewöhnungsbedürftig. Die Kampfstärke von Motor und Fahrwerk hat mich aber schwer beeindruckt und überzeugt.

Fazit: KTM 890 Duke GP 2023

Hinter dem GP-Kürzel könnte man sehr viel erwarten. Ist die 890 Duke GP deshalb eine Mogelpackung? Nicht unbedingt, denn mit der unglaublich spaßigen 890 Duke als Basis, die nochmals veredelt wurde, kauft man mit diesem Naked Bike einen wahren Freudenspender, der einem den Alltag und die Wochenendausfahrt versüßen wird. Wäre nur der Quickshifter serienmäßig verbaut...


  • druckvoller Motor
  • bequeme Ergonomie
  • umfangreiches Elektronikpaket
  • quirliges Handling
  • Kombination aus Fahrspaß und Alltagstauglichkeit
  • sehr straffer Sitz
  • Quickshifter aufpreispflichtig

Bericht vom 28.04.2023 | 23.308 Aufrufe

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