Vergleich: Honda CBR500R vs. KTM RC 390 2022

A2 Supersportler, die unterschiedlicher nicht sein können

Wie auch in anderen Leistungsstufen lebt die A2-Supersportlerklasse ein Leben im Schatten der beliebten Naked Bike Äquivalente. Doch 48 PS Sportler dürfen nicht unterschätzt werden. Bikes wie die Honda CBR500R und KTM RC 390 sind feine Eisen. Wie stehen sie im Vergleich da?

Kurzer Hinweis am Rande: Dies ist kein Vergleich im klassischen Sinne, bei dem wir die Bikes direkt gegeneinander antreten lassen. Stattdessen bin ich beide Bikes bei ihren jeweiligen Präsentationen gefahren und werde somit meine Eindrücke aus der Wärme des 1000PS Büros sammeln und vergleichen. Wer die jeweiligen Testberichte, inkl. Video, davor lesen und sehen möchte, findet sie hier:

Ist die Honda mit 48 PS tatsächlich überlegen?

Als neuer Pilot und Einsteiger der A2-Klasse will man alles, was möglich ist. Denn wenn man schon auf "nur" 48 PS beschränkt ist, will man diese ja auch vollständig ausnutzen, oder? Nicht unbedingt... aber lasst mich erklären. Das Stichwort ist hier das Leistungsgewicht. Zwar verfügt der Einzylinder der RC 390 nur über 44 PS, dafür muss er auch nur ein von KTM angegebenes und fahrbereites Gewicht von 164 Kilogramm bewegen. Die 48 PS der CBR500R müssen hingegen 192 fahrbereite Kilogramm bewegen. Im Leistungsgewicht bedeutet das folgendes:

  • Honda: 0,25 PS / Kilogramm
  • KTM: 0,27 PS / Kilogramm

Theoretisch liegt die KTM also vorne. Doch Zahlen sind nicht alles, denn Hubraum, Zylinderanzahl, sowie die Charakteristik sind ebenfalls entscheidend. Der 373 Kubik große KTM Einzylinder will gedreht werden und zeigt seine wahre Leistung erst im oberen Drehzahlband. Die Mattighofner konnten den ehemalig rauen Kollegen jedoch zähmen, weshalb er sich auch in der Stadt sehr geschmeidig fahren lässt, sobald der Motor über 3.000 Touren dreht. Nochmal smoother ist jedoch der Honda Zweizylinder. Mit seinen 471 Kubik präsentiert er sich deutlich laufruhiger und dank der angepassten Einspritzung lässt er sich entspannt bei 2.000 Umdrehungen im 6. Gang durch die Stadt bewegen. Auch wenn dieser Motor ebenfalls Drehzahl verlangt.

Fazit Motor: Souverän und gediegen. Dank seinen zwei Zylindern präsentiert sich der Honda CBR500R Motor deutlich geschmeidiger und fühlt sich somit spürbar erwachsener an. Mit mehr Hubraum und Drehmoment bietet er auch eine Spur mehr Schmalz aus niedrigen Drehzahlen. Dafür wirkt er nicht ganz so quirlig und charaktervoll wie der KTM Einzylinder. Dieser will gedreht und geschalten werden, was man mithilfe des optionalen Quickshifter + gerne macht. Die sportliche Note kommt hier stärker hervor.

Sitzposition und Ergonomie - KTM gegen Honda

Vollverkleidung und Lenkerstummel - sowohl RC 390 als auch CBR500R sprechen klar die Sprache der Supersportler. Doch es braucht nicht lange, bis die Unterschiede herausgearbeitet sind. KTM geht ganz nach dem Motto 'Ready to Race' und positioniert die RC 390 äußerst sportlich. Der Kniewinkel ist spitz und der Lenker niedrig. Auf dem dünnen, aber dennoch komfortablen, Sitzpolster nimmt man mit 824 mm eine deutlich höhere Position als auf der Honda ein und der scharf geformte Tank gibt viel Halt für den Hangoff. Tatsächlich lässt sich die KTM schnell und leicht zum Trackday-Bike umfunktionieren.

Auf der CBR500R distanziert man sich ergonomisch hingegen von der Rennstrecke. Denn mit erhöhten Lenkerstummeln, einer niedrigen 785 mm Sitzbank und einem entschärften Kniewinkel lassen sich Tagentouren deutlich entspannter absolvieren. Auch große Piloten werden aufgrund des längeren Radstands auf der Honda besser Platz finden. Die Straße ist ihr Freund - für einen wettbewerbsfähigen Trackday-Umbau müsste hier deutlich mehr Geld und Arbeit in die Hand genommen werden.

Fazit Ergonomie: In diesem Thema trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer es gerne sehr sportlich hat und auch Rennstrecken-Ambitionen hat, sollte zur KTM RC 390 greifen. Der Ready to Race Ansatz wird ernstgenommen! Wer jedoch einen Supersportler für den Alltag und vielleicht sogar Wochenendtouren sucht, ist mit der Honda CBR500R besser beraten. Ihre Auslegung erlaubt Komfort, das Honda-Zubehörprogramm kann mit Heizgriffen, uvm. weiter nachhelfen.

Ergonomie im Vergleich: KTM RC 390 gegen Honda CBR500R
Ergonomie im Vergleich: KTM RC 390 gegen Honda CBR500R.

Fahrwerk und Bremsen zeigen klar ihren Einsatzbereich

Ein ähnliches Bild zeichnet sich im Thema Fahrwerk und Bremsen ab. Während die KTM auf einstellbare Komponenten setzt, entscheidet man sich bei Honda für ein Allround-Setup, mit dem man viele Fahrer glücklich stellen möchte. So bietet die WP APEX Upside-Down-Gabel der KTM Einstellmöglichkeiten in Zug- und Druckstufe, während Hondas Showa 41 Upside-Down-Gabel in keinster Weise einstellbar ist. Dafür wurde die CBR500R für 2022 in Sachen Bremsen deutlich aufgewertet und mit 296 mm Doppelscheiben und radial verschraubten Nissin 4-Kolben Bremszangen ausgestattet - doch schließlich muss man hier auch mehr Gewicht abbremsen. Die Unterschiede findet ihr hier im Detail:

KTM RC 390Honda CBR500R
Fahrwerk vorneWP APEX 43 mm Open Cartridge USD-GabelShowa 41 mm SFF-BP USD
EinstellmöglichkeitenZug- und Druckstufe/
Fahrwerk hintenWP APEX FederbeinShowa Federbein
EinstellmöglichkeitenZug- und DruckstufeFedervorspannung
Bremse vorne320 mm Einzelscheibe, 4-Kolben-Radialfestsattel296 mm Doppelscheibe, radial Nissin 4-Kolben Bremszangen
Bremse hinten230 mm Einzelscheibe,1-Kolben-Schwimmsattel240 mm Einzelscheibe mit Einkolbenbremszange

Fazit Fahrwerk und Bremsen: Dieses Kapitel spiegelt sich klar in der soeben angesprochenen Ergonomie wider. Bei Honda setzt man auf ein transparentes und sicheres Fahrgefühl, das dem Fahrer bereits ab Werk geliefert wird. Tatsächlich hat sich bei unserem Test gezeigt, dass Fahrwerk und Bremsen selbst auf ständig wechselndem Untergrund überzeugen können. KTM hat erneut den Trackday-Fahrer im Sinne, denn mit dem einstellbaren Fahrwerk lässt sich das Setup spürbar anpassen - je nach Fahrweise und Rennstrecke. Doch selbst das Serien-Setting fühlt sich sehr erwachsen an und bietet viel Gefühl für das Vorderrad.

Wie schlagen sich die A2-Supersportler auf der Landstraße?

Unsere Testgebiete hätten kaum unterschiedlicher sein können. Die Honda CBR500R fuhren wir im kühlen und nassen Schottland, während wir die KTM RC 390 bei 25 Grad Außentemperatur über italienischen Asphalt in der Nähe von Modena bewegten. Doch überraschenderweise gab es eine Gemeinsamkeit: Schlechter und welliger Asphalt. Die Bikes wurden also genauestens auf Stabilität, Vertrauen und Grip getestet. Die Überraschung vorweg: Beide Bikes schlugen sich trotz eines Preisschilds von unter 8.000 Euro überraschend gut! Doch nun zu den Einzelheiten.

Die KTM fällt durch ihre Quirligkeit auf. Dank des niedrigen Lenkers und der gebeugten Sitzposition lässt sich die RC 390 wahnsinnig präzise durch den Radius dirigieren. Es landet viel Druck auf dem Vorderrad, das mit seiner Dimension von 110-70/17 ohne großem Aufwand und mit direktem Gefühl in den Radius gedrückt werden kann. Der ContiRoad leistet als Serienbereifung natürlich seinen Anteil. Trotz ihrer kompakten Ausmaße kann die RC 390 mit ihrem stabilen Fahrverhalten überzeugen, das dank des gut abgestimmten Fahrwerks sogar Motorräder größerer Klasse in den Schatten stellt.

Heck-Vergleich: KTM RC 390 vs Honda CBR500R
Auf der KTM kommt der ContiRoad zum Einsatz, auf der Honda der Michelin Road 5.

Hondas Ingenieure haben die CBR500R mit dem 2022er deutlich nach vorne gebracht. Die neue Gabel und der Michelin Road 5 als Serienbereifungen geben klares Feedback für das Vorderrad und ihr vergleichsweise hohe Gewicht fällt kaum negativ auf. Doch aufgrund des längeren Radstands und des gemütlicheren Fahrwerks kann sie mit der Wendigkeit der KTM mithalten. Die Honda fährt ihren klaren Strich durch die Kurve und sprüht dabei Stabilität, Sicherheit und Big Bike Feeling aus. Das ist im Vergleich zur KTM auf keinen Fall schlechter - nur eben deutlich anders.

Ausstattung auf zwei unterschiedlichen Niveaus

In puncto Ausstattung ist schnell ein Sieger gefunden: KTM RC 390. Schräglagenabhängige Traktionskontrolle und ABS, TFT-Display mit Connectivity, Anti-Hopping-Kupplung und optionaler Quickshifter mit Blipper. KTM füllt das volle Elektronikpaket in den kompakten Supersportler und sticht damit nicht nur in diesem Duell, sondern auch in der gesamten Klasse hervor. Natürlich kommt hier oft die Frage auf, ob es bei 44 PS so viel Elektronik benötigt - doch es schadet nicht, wenn es an Bord ist. Bei Honda will man mit der CBR500R eher ein puristisches Fahrerlebnis schaffen, wie uns bei der Präsentation in Schottland gesagt wurde. Denn als einzige Fahrhilfen steht hier ABS und eine Anti-Hopping-Kupplung zur Verfügung. Das LC-Display (das ohne Zweifel gut ablesbar ist) stammt aus der großen Schwester CB650R.

Honda CBR500R Display gegen KTM RC 390 Display
Im Vergleich: links Honda, rechts KTM

Honda CBR500R und KTM RC 390 im Preisvergleich

Die Frage wer das Preisduell gewinnt, kann noch nicht beantwortet werden. Denn mit Marktstart im März 2022 wurde von Seiten KTMs noch kein Preis für die neue RC 390 definiert. Die Vorgängerin lag in ihrem letzten Modelljahr 2020 in Deutschland bei 5.955 Euro, in Österreich bei 6.199 Euro - doch mit den verbesserten Komponenten, sowie der hochwertigeren Ausstattung könnte diese Zahl in die Höhe steigen. Honda hat hingegen schon eine klare Vorstellung, wie viel beim Händler verlangt wird: 7.290,- Euro in Österreich, 7.120,- Euro in Deutschland und CHF 8'290,- in der Schweiz. Aktuelle Angebote findet ihr hier:

Fazit: Vergleich Honda CBR500R gegen KTM RC 390

Es fällt schwer, einen klaren Sieger in diesem Duell zu finden. KTM bietet zwar mit der RC 390 einen rennbereiten Supersportler mit hochwertiger Ausstattung, doch mit ihrem Big-Bike-Feeling punktet die Honda in Sachen Komfort und Alltagstauglichkeit. Letztendlich muss man sich die Frage des Einsatzbereiches stellen: Will man gelegentlich auf Trackdays, oder auf kompakten Supermotostrecken unterwegs sein? Und will man ein echtes Supersport-Gefühl in der A2-Klasse? Dann sollte die Entscheidung auf die KTM RC 390 fallen.

Doch will man eher ein komfortables Motorrad, mit dem sich auch lange Wochenendtouren schmerzfrei bewältigen lassen? Dann empfiehlt sich die Honda CBR500R, denn mithilfe des Honda Zubehörprogramms und Additionen der Heizgriffe, sowie dem erhöhten Windschild, erhält man einen kompakten Sportler, der auf großer Reise, aber auch auf der Hausstrecke viel Freude bereitet.

Fazit: Honda CBR500R

Echte Supersportoptik für den Alltag. Trotz ihres aggressiven und glaubwürdigen Stylings erfreut das alltagstaugliche Paket der CBR500R. Niedriger Verbrauch, sowie eine komfortable Sitzposition machen sie zum Wohlfühl-Begleiter, der für 2022 deutlich aufgewertet wurde. Fahrwerk und Bremsen passen nun zum CBR-Anspruch, mit dem passenden Zubehör zeigt sie ihrer Allround-Qualitäten. Einzig das Federbein lässt Luft nach oben, wenn es einmal sportlich zur Sache geht.


  • volle 48 PS in der A2-Klasse
  • bequeme Sitzposition
  • transparentes Gefühl für das Vorderrad
  • hochwertige Serienbereifung
  • niedrige Sitzhöhe
  • gute Bremsen
  • Federbein schaukelt sich auf welligen Straßen auf

Fazit: KTM RC 390

Eine klare Aussage lässt sich zur neuen RC 390 treffen: Sie ist keine 390 Duke mit Verkleidung. Dank zahlreicher Anpassungen an Chassis, Ergonomie und Optik kommt sie als eigenständiger Supersportler daher, der nicht nur Leuten mit A2-Führerschein Freude bereiten wird. Dank hochwertiger Fahrwerkskomponenten zeigt sie sich als sehr alltagstauglich und wer ein Trainingsbike für kompakte Rennstrecken sucht, findet hier ein Bike, das bereits ab Werk viel Potential mitbringt.


  • viel Fahrspaß
  • geringes Gewicht und schmale Silhouette
  • laufruhiger, zugänglicher Motor
  • gute Ergonomie
  • umfangreiches Elektronikpaket
  • ContiRoad als Serienbereifung
  • Out-of-the-box Rennbike
  • Quickshifter könnte sanfter schalten

Bericht vom 19.10.2021 | 7.350 Aufrufe

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