Mittelklasse Naked Bike Vergleich 2021 – Triumph Street Triple R

Die Mittelklasse-Streety macht auch 2021 eine gute Figur!

Nach der größeren Überarbeitung der Street Triple 2020 bleibt sie heuer unverändert. Kann sich die Britin in unserem knallharten Naked-Bike-Vergleich gegen Gegner wie die KTM 890 Duke, Aprilia Tuono 660 und Yamaha MT-09 behaupten?

Die Street Triple R ist die goldene Mitte der Streeties. Während sich die Street Triple S eher einsteigerfreundlich gibt und die Street Triple RS das Maximum an Performance aus dem 765cm³ Reihen-Dreizylinder holt, versucht die Street Triple R den Spagat zwischen Sportlichkeit und Zugänglichkeit zu schaffen. Ob und wie gut ihr das gelingt, haben wir bei unserem Vergleichstest überprüft.

Updates der Street Triple R

Zur Auffrischung fassen wir noch kurz die 2020 erfolgten Neuerungen an der Streety zusammen. Vor allem die optischen Veränderungen stechen sofort ins Auge und die LED-Scheinwerfer mit neuer Form und aggressiverem Look machen Eindruck. Auch das Bodywork inklusive neuer Seitenverkleidungen, Grafiken und Lufteinlässe wurde überarbeitet. In weiser Voraussicht wurde schon letztes Jahr das Euro-5-Update durchgeführt und gleichzeitig noch das Massenträgheitsmoment um 7 % verringert, was sich positiv auf das Ansprechverhalten auswirkt. Außerdem wurde das Drehmoment über das gesamte Drehzahlband angehoben. Das, in Kombination mit der kürzeren Übersetzung des ersten und zweiten Ganges, hat der Street Triple R mehr Spritzigkeit verliehen. Das größte Plus für sportliche Fahrten ist aber der seit letztem Jahr serienmäßige Quickshifter.

Der große Naked-Bike-Vergleich 2021 – Das Starterfeld

Kommen wir aber nun endlich zur Gegenwart und damit zu unserem großen Naked-Bike-Vergleich 2021. Drei Tage lang haben wir sechs Naked-Bikes der Mittelklasse, also mit ca. 100 PS Leistung, auf den kurvigen Straßen und Sätteln rund um Rohr im Gebirge in Niederösterreich auf Herz und Nieren getestet. Das Starterfeld: KTM 890 Duke, Yamaha MT-09, Aprilia Tuono 660, Triumph Street Triple R, Kawasaki Z900 & Honda CB650R. Im Clash dieser scharfen Eisen geht es heiß her und auch die Streety muss sich von ihrer besten Seite zeigen, wenn sie an die Spitze will.

Um eine Siegerin am Ende krönen zu können, haben wir uns ein eigenes Bewertungssystem einfallen lassen. Jeder Redakteur, auch Sechs an der Zahl, kann seinen Helm und beide Handschuhe vergeben. Pro Handschuh gibt es einen Punkt und pro Helm zwei Punkte. Jeder Redakteur kann so maximal 4 Punkte verleihen. Bei sechs Redakteuren macht das 24 erreichbare Punkte. Wie hat also die Triumph abgeschnitten?

Leichtgängiges Handling und ein Motor, der nach Drehzahl verlangt

Man würde meinen, dass sich die Bikes dieses Vergleichs alle ziemlich ähnlich sein müssten. Sie sind schließlich alles Naked-Bikes mit ca. gleicher Leistung. Doch gerade im direkten Vergleich, wenn man von einer Maschine sofort auf die nächste steigt, entdeckt man große Unterschiede. Die Street Triple R hat zum Beispiel die gestreckteste Sitzposition. Während man auf der KTM und Yamaha eher Supermoto-ähnlich oben thront, reckt man sich auf der Streety dem Lenker und dem Vorderrad entgegen. Das gibt sehr gutes Gespür für die Front und ist die passende Position für echte Anraucher und Hobbyracer.

Auch die Motorcharakteristik geht klar in die sportliche Richtung. Die 118 PS liegen erst bei 12.000 U/min an, das Drehmoment von 77 Nm bei 9.400 U/min. Zusammen mit den noch immer recht lang übersetzten Gängen hat das zur Folge, dass die Street Triple R bei sportlicher Gangart ordentlich ausgewunden werden möchte. Seidig geht sie ans Gas, herrlich dröhnt der Dreizylinder, die 191 kg (randvoll getankt) fallen leicht in die Schräglage und ziehen dort dank des passend dimensionierten, straffen Fahrwerks stabil durch die Kurve. Große Freude bereitet im engen Winkelwerk auch der Quickshifter, der smooth und schnell durch die Gänge peitscht.

Doch gleichzeitig ist die Street Triple R kein radikales Gerät. Die Gänge sind Dreizylinder-typisch sehr elastisch und lassen sich auch niedertourig souverän bewegen, nur Power steht untenrum nicht im Überfluss zur Verfügung. Aber für entspanntes Cruisen absolut ausreichend. Diese vielseitige Motorcharakteristik begeistert auch Zonko und Poky:

Bild von Zonko
Zonko

"Die Street Triple R ist eine sportlich ausgerichtete Fahrmaschine, die nicht nur auf der Landstraße top funktioniert, sondern auch am Race-Track sehr viel Spaß macht. Besonders gut finde ich das logische Einlenkverhalten und das gute Gefühl fürs Vorderrad. Hat mir voll getaugt. Dass der Motor in der Mitte nicht das mörder Schmalz hat, ist in meinen Augen nicht dramatisch, weil ja oben eh ein wirklich beeindruckender Orkan weht. "

Bild von Poky
Poky

"Die Triumph Street Triple R ist ein Geheimtipp in der Mittelklasse, nicht ganz so radikal wie ihre RS-Schwester, bietet sie dennoch alle britischen Tugenden. Allen voran ist hier das super-stabile und voll einstellbare Fahrwerk zu nennen, aber auch der Quickshifter mit Blipper funktioniert top. Stoisch bewegt man die Streety durch enge und weite Radien, man ist unauffällig schnell. Wer mit der langen Übersetzung und dem drehzahlhungrigen Triple auf der Landstraße leben kann, sollte hier zugreifen. Außerdem bietet die Street Triple R den letzten analogen Drehzahlmesser der Klasse!"

Downgrade beim Display – Veraltet oder Stilmittel?

Ach ja, der Drehzahlmesser war ja auch noch ein eigenes Thema. Obwohl die Street Triple R mit vier Fahrmodi, Traktionskontrolle und elektronischer Drosselklappensteuerung auf einem aktuellen Stand der Technik ist, wurde wenig später ihr Display wieder herabgestuft. Sie hatte schon einmal ein TFT-Display, bekam 2020 aber wieder das alte LCD mit analoger Drehzahlanzeige wieder. Das muss nicht jedem gefallen, kann heutzutage aber auch als Stilmittel gesehen werden. So sieht es zumindest der Horvath:

Bild von Der Horvath
Der Horvath

"Die Street Triple R ist ein Beweis dafür, dass man mit Klassikern nichts falsch machen kann. Kaum ein anderes Bike steht mit seinem Namen so sehr für die Naked Bike Klasse wie die Street Triple R! Auf der Straße beweist sie doch auch, dass ihr Ruf vollkommen gerechtfertigt ist. Der Dreizylinder mit dem herrlich funktionierenden Quickshifter bringt pure Freude und passt perfekt zum quirligen Fahrverhalten der Streety. Man könnte argumentieren, dass der analoge Drehzahlmesser und das angestaubte LC-Display veraltet wirken, doch blickt man in die Runde sieht man schnell, dass die Triumph als einziges Bike in unserem Vergleich noch über einen analogen Drehzahlmesser verfügt! Ein Alleinstellungsmerkmal, das auf solch einem sportlichen Bike sehr willkommen ist."

Verbrauch der Triumph Street Triple R

In puncto Verbrauch und Sparsamkeit liegt die Streety auch im Mittelfeld. Bei unserem Vergleichstest sind wir mit jedem Bike eine ca. 200 km lange Rundfahrt mit realistischer Aufteilung zwischen Autobahn, Ortsgebieten und Landstraße gefahren. Die Triumph kommt hierbei auf 5,9 Liter auf 100 km und reiht sich damit schön in die Mitte ein. Am sparsamsten war die 890 Duke (5,5 l/100km) und am durstigsten die Z900 (6,6 l/100km).

Die Verbrauchsrunde wurde natürlich immer von den gleichen Personen gefahren, um Schwankungen durch verschiedene Körpermaße zu vermeiden. Poky und Vauli haben mit allen Bikes die Runde gemacht und vor allem Vauli hat einiges zur Street Triple R zu sagen:

Bild von Vauli
Vauli

"Die Street Triple R hat mich zusammen mit der Aprilia Tuono 660 in diesem Vergleich am meisten überrascht. Mir war ab den ersten Metern auf KTM und Yamaha klar, dass gegen diese beiden Spaßraketen kein Kraut gewachsen ist, ebenso war mir sofort klar, dass die (fast schon zu) souveräne Kawasaki und die (anstrengend) drehzahlgierige Honda mein Herz nicht vollends erwärmen werden können. Während mir die Aprilia aber am Ende dann doch etwas zu schwach war, überraschte mich die Triumph mit unerwarteter Agilität und bestätigte meine Erwartungen bezüglich Stabilität und Drehfreude. Es mag nämlich stimmen, dass der Reihen-Dreiender Drehzahl braucht, allerdings weitaus nicht so dringend wie die Honda, denn die Streety kann auch schon aus der Mitte zwar nicht brachial, aber doch bestimmt vorpreschen. Ebenso konnte ich mich schnell mit der Sitzposition der Street Triple R anfreunden, die weit weniger agil als auf KTM und Yamaha ist, aber gerade dadurch schenkt sie in schnellen Passagen enorm viel Vertrauen. Der Schaltassi rauf/runter tut sein Übriges dazu, dass die Triumph als jenes Mittelklasse-Naked Bike gilt, das sich auch äußerst gut auf der Rennstrecke benimmt. Dabei ist die R noch nicht einmal das Topmodell der Streetys - es gibt auch eine noch ärgere Street Triple RS! Aber pscht, nicht weitersagen, die kann man sich bei so einer R-Version eigentlich sparen…"

Bronze für die Triumph Street Triple R

Wie anfangs erklärt, haben wir uns heuer ein eigenes Punktesystem zur Bewertung der Naked-Bikes einfallen lassen. Die Triumph Street Triple R kommt hier auf stolze 17 Punkte, was ihr den dritten Platz einbringt. Vor allem das stabile Fahrverhalten und das kristallklare Gespür für das Vorderrad begeistern alle Redakteure. Punkteabzug gibt es hauptsächlich wegen ihrer Gier nach Drehzahlen. Falls ihr wissen wollt, welche Plätze von den anderen Naked-Bikes erobert wurden, habt ihr anschließend alle Berichte unseres großen Mittelklasse-Naked-Bike-Vergleichs 2021 verlinkt.

Fazit: Triumph Street Triple R

Für den gelegentlichen Trackday ist die Street Triple R bestens gerüstet und liefert eine gute Performance. Dort kann der quirlige Dreizylinder seine Stärken voll ausspielen. Die agile Triumph macht aber auch auf der Landstraße mächtig Spaß, solange man sie schön auf Drehzahl hält. In Summe der eindeutige Preis-Leistungssieger der Street Triple Palette.


  • Breites nutzbares Drehzahlband
  • aktive Sitzposition
  • hohe Stabilität
  • Tolles Getriebe samt Schaltassistent
  • Fahrwerk erste Güte
  • Früh regelnde Traktionskontrolle
  • Sitzbank mit wenig Grip
  • Display veraltet

Bericht vom 06.05.2021 | 8.388 Aufrufe

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