Yamaha Ténéré 700 Rally Test

Im Dakar-Look unterwegs auf Gran Canaria

On- und offroad durch beeindruckende Landschaften auf Gran Canaria. Die Insel steht ebenso für Vielseitigkeit wie die Reisegefährtin, die sich Juliane für ihre Erkundungstour ausgesucht hat: die Yamaha Ténéré 700 Rally. Hier sind Fahreindrücke, die Unterschiede zur Basis Ténéré 700 und Inspirationen für Motorradbegeisterte, die dem kalten Winter entfliehen möchten.

Der Asphalt endet und ich blicke auf den steilen Schotterhang. Vor mir zeigt das Schild 4x4 Only, dass es nun ernst wird. Mit kräftigem Druck auf die Taste am Display deaktiviere ich noch schnell das ABS und folge der Staubwolke von Tourguide Ondrej von Canary Ride. Wahnsinn wie schnell sich die Landschaft hier verändert. Kurvige Straßen entlang des in der Sonne glitzernden Meeres, Wege zwischen Kakteen und Palmen hindurch und Serpentinen-Pässe flankiert von mehrfarbigen Felswänden. So viel Vielfalt innerhalb von nur zwei Stunden. Jetzt geht´s offroad weiter. Ob mir die Ténéré Rally da wohl genau so viel Freude bereitet wie auf Asphalt?

Auf den befestigten Straßen hat sich die Ténéré mit ihrer Leichtigkeit und Unkompliziertheit schnell in mein Herz gefahren. Spielerisch leicht lässt sie sich durch die Kehren schwingen. Die vollgetankt 204-Kilogramm-Maschine fühlt sich für mich sogar noch deutlich leichter an. Impulse auf den breiten Lenker setzt sie zielgenau um - handlich, nicht nervös, stabil, nicht störrisch. Enge Kehren reihen sich hier oft aneinander - nicht anstrengend. Das touristisch komfortable Fahrwerk wird nur vom harten Sitzpolster etwas untergraben, taugt selbst aber wunderbar. Keine Sekunde habe ich gezweifelt, unter den ca. 20 verschiedenen Bikes des Motorradverleihs und Tourenanbieters Canary Ride das richtige gewählt zu haben. Die Antwort auf die Frage, ob das auch auf Schotterpisten so bleibt, liegt auf der anderen Seite von Ondrejs Staubwolke.

Unterschiede der Ténéré 700 Rally zum Basismodell

Eigentlich müsste sich eine Rally hier ja besonders wohlfühlen. Die Ténéré mit diesem Zusatz lässt das auch optisch vermuten, obwohl sie sich nur durch eine höhere Standardausstattung vom Basismodell, die Schaaf und Wolf bereits für 1000PS unter die Lupe genommen haben, unterscheidet. Die Optik, eine Hommage an Rally-Dakar-Bikes von Yamaha aus den 1980ern, kommt ihren Vorbildern mit der hellblauen Lackierung und dem charakteristischen Tankdekor tatsächlich sehr nah. Verglichen mit der Standardversion schmücken die Rally außerdem goldene Felgen, LED-Blinker, ein Motorschutz aus 4 Millimeter dickem Aluminium, Griffflächen aus Gummi für zusätzlichen Halt an den Knien und Oberschenkeln, Offroad-Griffe, Akrapovic-Slip On Auspuff und die Rally-Sitzbank. Alu-Kühler- und Kettenschutz sind ebenfalls der Rally-Edition vorbehalten. Zusatzkosten für das Sondermodell: ca. 1600 Euro. Aktuelle Preise findest Du hier.

Technisch finden sich keine Unterschiede zur Basis-Ténéré. Der Crossplane Zweizylinder (CP2), der für seine Verlässlichkeit und Drehmomentstärke bekannt ist, bietet 74 PS bei 9.000 und stattliche 68 Nm bei 6.500 Umdrehungen. Klar, bei der Fahrt auf der Schnellstraße, geht dem Motor oben bald die Puste aus. Aber unten raus zaubern dir Druck und direkte Gasannahme ein breites Grinsen ins Gesicht.  

Elektronik und Ausstattung der Ténéré 700 Rally

Puristisch und simpel: das ist das Konzept Yamahas bei der Ténéré. ABS ist an Bord aber das wars dann auch schon. Keine Traktionskontrolle, keine Fahrmodi, keine Bluetooth-Konnektivität. Kein elektronischer Schnickschnack also, außer vielleicht die USB-Ladebuchse und das digitale (nicht farbige) Display, das an ein Road Book erinnert. Hier werden neben selbstverständlichen Dingen wie Geschwindigkeit und Drehzahl auch Gang und Tankinhalt angezeigt. Die Ablesbarkeit ist nicht überragend, aber in Ordnung.

Enduristen und Reiseabenteurer werden sich über das abgespeckte Konzept freuen. Was nicht da ist, kann nämlich auch nicht kaputt gehen. Auf der Weltreise einer Werkstatt irgendwo im nirgendwo erklären, dass ohne Diagnosesoftware gar nichts geht? Schwierig. Und zum Glück eben auch nicht nötig. Geht´s mal vor dem Absteigen zu Boden, freut man sich auch über jedes gesparte Gramm, das Zusatzausstattung mit sich bringen würde. Sollte natürlich nicht passieren, aber man weiß ja nie.

Die Sitzhöhe von 875mm ist für mich als 1,69 große Fahrerin ziemlich hoch aber bereitet mir keine Probleme. Die Sitzbank ist schmal, es reicht aber trotzdem nicht, dass ich mit beiden Füßen auf den Boden komme. Lediglich mit den Zehenspitzen. Mit etwas Übung und Strategie klappt auch das Rangieren problemlos. Eine niedrigere Sitzbank kann allerdings Abhilfe schaffen, eine Tieferlegung auch. Letztere ist für Hardcore-Enduristen wohl keine Option, kostet schließlich wertvolle Bodenfreiheit. Die braucht es den Hang hinauf vielleicht nicht unbedingt, trotzdem beruhigt es sie reichlich zu haben.

Fahrwerk der Ténéré 700 Rally

Wie auch die langen Federwege, die grobe Verwerfungen locker schlucken. Und die Pirelli Scorpion STR, die dem Schotter wie der Straße gut gewachsen sind. Die anfängliche Offroad-Nervosität verfliegt schnell, der Aufstieg zum Gipfel wird zur puren Freude. Geschafft. Oben werden wir mit atemberaubendem Ausblick (siehe Bildergalerie) belohnt. Kurze Pause, dann der nicht minder steile Abstieg. Auch kein Problem für mich. Der tschechische Kollege Jindrich (1,93 Meter groß, ca. 110 Kilogramm schwer), berichtet nach der Offroad-Passage, er hätte ein härteres Federbein bevorzugt. Aber kein Drama, dieses gäbe es als Zubehör verschiedener Hersteller.

Wir sind zurück auf Meereshöhe. Entlang der Steilküste touren wir auf bestens ausgebauten Straßen zurück zur Canary Ride-Basis in der Hauptstadt Las Palmas. Ich stelle die Yamaha Ténéré 700 Rally in die Garage und betrachte sie zwischen all den anderen Bikes. Ob ich sie wieder auswählen würde? Aber hallo!

Fazit: Yamaha Tenere 700 Rally Edition

Dass die Ténéré 700 mit ihrer einfachen, soliden Machart überzeugt, ist kein Geheimnis. Mit dem Sondermodell „Rally” werten die Japaner die besonders bei Offroad-Fans beliebte Reiseenduro in genau diese Richtung auf. Dakar-Styling, robuste Schutzelemente und Akrapovic-Endtopf machen richtig was her. Dazu die bekannten Ténéré-Tugenden. Macht Lust auf eine Weltreise.


  • Drehmomentstarker, zuverlässiger Motor
  • Robustheit und Simplizität
  • Scharfe Dakar-Optik
  • Spielerisch leichtes Handling
  • Harte Sitzbank
  • Sitzhöhe für kleine Fahrer herausfordernd

Bericht vom 11.11.2020 | 14.952 Aufrufe

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