Triumph Street Triple R vs. BMW F 900 R - Rennstreckenduell

Englands Drilling gegen das Deutsche Duo

Deutschland gegen England - dieses Duell war immer schon emotionsgeladen. So ist es immer etwas besonderes Motorräder aus diesen beiden Ländern gegeneinander antreten zu lassen. Auf der Rennstrecke dürfen die beiden Naked Bikes zeigen was sie können.

BMW F 900 R - Triumph Street Triple R: Showdown am Pannoniaring

Gegen Saisonende fanden sich viele bekannte Gesichter aus dem 1000PS-Zirkus am Pannoniaring ein. Warum auch nicht, die Temperaturen waren perfekt und die Strecke präsentierte sich in einem traumhaften Zustand. Wir hatten die Triumph Street Triple R im Gepäck und BMW war mit der gesamten Street-Palette vor Ort. Ein Vergleichstest der beiden Mittelklasse-Nakeds war also aufgelegt. Kurzerhand erklärte sich Juliane bereit ein paar flotte Turns mit mir zu absolvieren und das Prestige-Duell BMW gegen Triumph auf der Strecke auszutragen.

BMW F 900 R in Vollausstattung

Ja, die BMW ist in Deutschland für unter 9.000 Euro und in Österreich für unter 10.000 Euro zu haben - soweit die Theorie. Wer die seitenlange Liste mit Extras an seinen Augen vorübergehen lassen kann ohne da oder dort ein Kreuz zu machen, wird vermutlich auch in der Champagnerbar ein Soda-Zitron bestellen. Folgerichtig waren in unserem Testbike angefangen beim elektronisch verstellbaren Fahrwerk ESA bis hin zu Schaltautomat und Fahrmodi Pro inkl. Kurven-ABS beinahe alle im Angebot befindlichen Pakete verbaut. Das treibt den Preis den man für die F 900 R hinlegen muss gut 2.500 Euro über den Listenpreis. Damit ist die BMW rund 1.000 Euro teurer als ihre Kontrahentin in diesem Vergleich.

BMW Stärken aus dem Konzern

Nimmt man im Sattel der BMW Platz und blickt in das farbenfrohe und perfekt ablesbare 6,5 Zoll TFT Display, erahnt man die Konzerngröße der BMW Group mit ihren über 125.000 Mitarbeitern (3.500 davon sind im Segment Motorrad tätig). Die Ausstattung, die hier serienmäßig(!) in einem Mittelklasse-Motorrad steckt, kann sich sehen lassen, mit der kostenfreien BMW Connected App ist es neben vielen Informationen zum Fahrzeug, sogar möglich Navigationsanweisungen in den Bildschirm zu bekommen! Beim Thema Konnektivität hat BMW die Nase derzeit einfach vorn.

Triumph punktet mit klassischen Tugenden

Ganz anders die Street Triple R, hier präsentiert sich ein kleines LC Display neben einem analogen Drehzahlmesser. In Summe wirkt das Cockpit aufgeräumt aber auch etwas angegraut. Ein nettes Feature, das vor allem auf der Rennstrecke sinnvoll ist, sind die kleinen LED Dioden, die zum Schaltvorgang mahnen, wenn man die Streety so richtig auswindet. Und das macht man gerne, denn dann entfacht der Dreizylinder-Motor ein Inferno, das es dem Piloten auf der bayrischen Konkurrenz schwer macht an der schlanken Britin dranzubleiben. Die 13 Pferdestärken mehr und rund 25 Kilogramm weniger spürt man auf der Rennstrecke deutlich. Im Alltag kann die BMW durch ihr 15 Nm höheres Drehmoment (92 Nm vs 77 Nm bei der Triumph) etwas an Boden gutmachen.

Als besonders gelungen kann man das Fahrwerk der Triumph Street Triple R bezeichnen. Auch wenn sie nicht die ganz feine Ware, die ihr Schwestermodell RS verbaut hat bietet, ist die Performance auf der Rennstrecke die Benchmark der Klasse. Die voll-einstellbaren Federelemente von Showa - Big-Piston-Gabel vorn und Monoshock-Federbein hinten - machen ihren Job vorzüglich und bieten souveräne Stabilität - das Öhlins-Federbein aus der RS vermisst man hier nicht. Auch Elektronik-seitig muss sich die Street Triple R nicht verstecken, neben vier Fahrmodi und dem obligatorischen ABS bietet sie einen herrlich abgestimmten Quickshifter, der einem das Leben deutlich erleichtert.

Fahreindrücke vom Track - am Ende eine deutliche Angelegenheit

Die Triumph legt die Latte verdammt hoch: Der Motor drehfreudig, das Fahrwerk top, der Quickshifter perfekt, die Bremsen genau richtig dimensioniert. Die Agilität und Sitzposition sind wie geschaffen für den engen Kurs des Pannoniarings, einzig die doch sehr rutschige Sitzbank ist gewöhnungsbedürftig. Die BMW F 900 R kann am Papier in fast allen Kategorien mit der Street Triple R mithalten. Am Track wird allerdings offenbar, dass wenn man alle Puzzleteile zusammensetzt, in Summe ein doch deutlich ungeeigneteres Motorrad für die Jagd nach schnellen Rundenzeiten vor einem steht. Die folgende Beschreibung ist somit immer im direkten Vergleich zur Street Triple R auf der Rennstrecke zu sehen, für sich genommen funktioniert die BMW insbesondere auf der Landstraße wirklich zufriedenstellend.

Der Zweizylinder-Motor der Bayerin fühlt sich etwas lustlos an, das ESA-Fahrwerk, das auf der Landstraße mit der schnellen und komfortablen Einstellbarkeit punktet, lässt in der Transparenz und im Ansprechverhalten zu wünschen übrig, der Quickshifter agiert teilweise unsauber und die Schaltung ist leicht hakelig. Dazu ist die Sitzposition ist zu aufrecht, der Lenker ist etwas zu hoch und breit und erschwert die Oberkörperbewegung. Auch die Bremse präsentiert sich im direkten Vergleich lasch, wenngleich das verbaute Kurven-ABS natürlich grundsätzlich ein herrliches Feature ist. Einzig die Traktionskontrolle regelt feiner als die der Street Triple R und das auch noch schräglagenabhängig. Wenn man mit Straßenpneus im Sommer auf die Rennstrecke fährt, ergibt sich daraus ein echtes Sicherheitsplus.

Nichtsdestotrotz geht der Sieg im Trackduell dieses Mal eindeutig nach Großbritannien. Die Street Triple R ist ein echter Geheimtipp in der Naked Bike Mittelklasse und ein toller Beweis dafür, dass es nicht immer das Topmodell der Palette sein muss.

Julianes Senf zur BMW F 900 R - ein touristisches Landstraßenbike

Für mich war schnell klar welches Bike auf der Rennstrecke die Nase vorn hat: Die BMW F 900 R kann der Triumph Street Triple R in diesem Terrain nicht das Wasser reichen. Auf der BMW sitzt es sich insgesamt deutlich aufrechter, weniger vorderradorientiert und dadurch inaktiver. Dazu kommt das Gefühl, eher im als auf dem Bike positioniert zu sein. Komfortabel, aber auf der Rennstrecke eher kontraproduktiv. Ihrem Reihentwin geht konzeptbedingt früher die Puste aus und der Drehzahlbegrenzer setzt dem Vortrieb ein jähes Ende. So linear die Leistungsentfaltung auch sein mag, im Vergleich zur Streety wirkt die F 900 R etwas müde und hat keine Chance, mitzuhalten.

Und das obwohl Fahrwerk wie auch Assistenzsysteme mustergültig funktionieren. Die BMW lässt sich neutral durch alle Radien lenken und das umfangreiche Elektronik-Paket samt frei konfigurierbarem Dynamic-Pro Modus bietet eigentlich beste Voraussetzungen für schnelle Runden. Die grundsätzliche Auslegung auf den touristischen Landstraßenbetrieb können diese Features letztlich aber nicht kaschieren, dafür treiben sie den Preis eklatant in die Höhe.

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Julianes Senf zur Triumph Street Triple R - ausgewogenes Konzept auf der Rennstrecke

Ganz anders die Streety: Sie macht sportliches Angasen leicht, der tiefere Lenker hat daran ebenso seinen Anteil wie der angenehm geformte Tank, an dem die Knie einen guten Halt finden. Einziges Manko: Die rutschige Sitzbank, sie ändert aber am grandiosen Grundkonzept nichts. Auch die Motorleistung reicht mir am Pannoniaring völlig aus. Das breite nutzbare Drehzahlband sorgt dafür, dass man sich nicht zu sehr mit der Wahl des richtigen Ganges beschäftigen muss. Bei der Street Triple R ist die Aufpreisliste im Gegensatz zur BMW überschaubar. Serienmäßig sind ein Quickshifter mit Blipper und vier Fahrmodi an Bord. Auch das Fahrwerk ist insgesamt einfacher aber durchaus rennstreckentauglich abgestimmt und das macht das Bike für den gelegentlichen Trackday richtig interessant. Um es auf den Punkt zu bringen: klarer Sieger für mich ist die Street Triple R. Sie besticht mit einem ausgewogenen Grundkonzept, das für viel Spaß keine funkelnde und teure Hochglanz-Hardware braucht. Bodenständig, erschwinglich und richtig schnell genau so wie ich mir mein Bike wünsche!

Fazit: Triumph Street Triple R

Für den gelegentlichen Trackday ist die Street Triple R bestens gerüstet und liefert eine gute Performance. Dort kann der quirlige Dreizylinder seine Stärken voll ausspielen. Die agile Triumph macht aber auch auf der Landstraße mächtig Spaß, solange man sie schön auf Drehzahl hält. In Summe der eindeutige Preis-Leistungssieger der Street Triple Palette.


  • Breites nutzbares Drehzahlband
  • aktive Sitzposition
  • hohe Stabilität
  • Tolles Getriebe samt Schaltassistent
  • Fahrwerk erste Güte
  • Früh regelnde Traktionskontrolle
  • Sitzbank mit wenig Grip
  • Display veraltet

Fazit: BMW F 900 R

Die BMW F 900 R bietet einfach zu bedienenden Kurvenspaß, enorm hohe Stabilität, eine aktive aber dennoch komfortable Sitzposition und einen reibungslosen aber auch unemotionalen Motor. Wer es gerne schnell und kurvig hat, der wird mit ihr glücklich. Die Möglichkeiten der Konfigurierung sind schier endlos aber natürlich auch nicht kostenfrei.


  • einfaches Handling, hohe Stabilität
  • Fahrwerk mit feinem Ansprechverhalten
  • braver Motor
  • Bremsen ohne Tadel
  • Aktive und trotzdem ertragbare Sitzposition
  • Unendlich lange Zubehörliste
  • kleiner Tank (13l)
  • Braver Motor

Bericht vom 01.10.2020 | 13.084 Aufrufe

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