(Offroad-) Test der neuen BMW R 1250 GS Adventure 2019 in Spanien

(Offroad-) Test der neuen BMW R 1250 GS Adventure 2019 in Spanien

Das Schweizer Taschenmesser unter den Motorrädern?

Wie auch der Rest der großen wassergekühlten Boxer-Palette bekommt die GS Adventure für 2019 den neuen 1250er Motor mit der variablen Ventilsteuerung alias "Shiftcam" verpasst. Redakteur MEX testete für Euch den bayrischen Reisedampfer im harten On- und Offroadeinsatz an der Südküste Spaniens. Ist sie mit 268 Kilo zu schwer? Sind 143 Nm im Gelände zu viel? Braucht man Shiftcam? Wir klären auf!

Der Weg zur neuen BMW R 1250 GS Adventure

Im Jahr 2014 brachte BMW für das offroadbegeistere und abenteuerlustige Klientel, ergänzend zur normalen R 1200 GS (welche schon 2013 erschien), das letzte große Update der Adventure-Variante auf den Markt. Damals war an den Stammtischen dank Torsionsdämpfer im Antriebsstrang, welcher den unrunden Lauf der Kardanwelle effektiv glättete und auch der größeren Schwungmasse, die zu einem gleichmäßigeren Ansprechen im Drehzahlkeller verhalf, gar von der besseren GS die Rede.

Doch über den Lauf der Jahre betrieben die Ingenieure aus Bayern effiziente Modellpflege, nach und nach nahm man sich den kleinen Problemen der GS Boxer Palette an. Speziell mit dem letzten größeren Update für das Modelljahr 2017 hatte man nahezu alle bekannten Mängel in den Griff bekommen. Der Torsionsdämpfer wird modellübergreifend verbaut, das harte Schaltverhalten mit teils lautstarker Klanguntermalung aus den Untiefen der Getriebeeinheit wurde verbessert und auch das immer wieder bemängelte Konstantfahrruckeln war Geschichte.

Also eigentlich alles optimal? Nun ja - zur Perfektion ist es bekanntlich ein langer Weg. Etwas Potential findet sich immer und auch die neuen Abgasvorschriften machen den Entwicklern das Leben schwer. Darum entschied man sich bei BMW für zwei essenzielle Schritte in Sachen Motorperformance: Mehr Hubraum - 84 ccm um genau zu sein - und ein variabler Ventiltrieb. Die neue BMW R 1250 GS Adventure schickt man für die Saison 2019 nun mit 136 PS Spitzenleistung und mächtigen 143 Nm Drehmoment ins Rennen. Mit dem voluminösen Tank und den längeren Federwegen bringt die große Adventure-GS fahrfertig 268 Kilo auf die Waage, damit etwa 8 Kilo mehr als ihre Vorgängerin und um 19 Kilo mehr als die Standard-GS.

BMW R 1250 GS Adventure - das Design ändert sich nur minimal

Die auffälligsten Änderungen an der Adventure sind, neben den obligatorischen neuen Farbvarianten, sicherlich die überarbeiteten Kühlerblenden sowie auch der neu gestalteten Tank- und Motorschutzbügel. Der 1250er Motor ist gut an den Zylinderkopfdeckeln mit eingeprägten Shiftcam-Schriftzügen und auch den geänderten Krümmer-Rohren zu erkennen, welche nicht mehr so weit nach vorne gezogen wurde als noch beim 1200er Aggregat.

Mit 30 Liter Tank schafft die BMW R 1250 GS Adventure über 600 Kilometer

Bei unserer traumhaft gewählten Route von Málaga nach Granada, auf welcher der Offroad-Anteil übrigens bei rund 60% lag, haben wir die 30 Liter Sprit lange nicht aufgebraucht, dennoch ist es erstaunlich, wie weit man damit im Fall der Fälle kommen würde. BMW gibt bei einem Durchschnittsverbrauch von 4,75 Litern eine Reichweite von deutlich über 600 Kilometern an. Das entspricht etwa der Strecke von Wien an die obere Adria, beispielsweise Venedig - ohne einmal zu tanken.

BMW R-1250 GS Adventure - Fahrleistungen und Handling

GS-Neulinge sollten sich beim ersten Anblick der mächtigen Adventure nicht verunsichern lassen, im Fahrbetrieb ist es für mich immer wieder überraschend, wie gut die Boxer-Palette von BMW ihre Pfunde kaschiert. Der niedrige Schwerpunkt lässt die Maschine zu jeder Zeit enorm handlich wirken. Selbst beim feinfühligen Manövrieren auf losem Untergrund oder auf engen Trails hat man alles perfekt im Griff. Das stattliche Gewicht sorgt zudem auch für jede Menge Traktion, solange der Boden nicht zu weich wird. Wo sich die bewegte Messe dann doch negativ bemerkbar macht, spürt man beim ambitionierten Zug am Bremshebel. Allzu sportlich will und muss sich die R 1250 GS Adventure aber gar nicht geben. Diese Bühne lässt man gerne den großen Multistradas und Super Adventures dieser Welt. Ihre Stärke liegt ganz klar im universellen Talent, welche Sie zweifelsohne mit sich bringt.

Untermotorisiert fühlt man sich mit dem neuen 1250er Motor ohnehin nie. Auch die Fahrbarkeit aus tiefsten Drehzahlen ist für einen Zweizylinder wahrlich ein Traum. Im praxisrelevanten Drehzahlbereich stehen immer über 120Nm parat - auf dieser Drehmomentwelle surft man gerne bis hinauf zu etwa 7.000 Touren, dann wird intuitiv der nächste Gang eingelegt. Die volle Leistung von 136PS liefert der neue 1250er Boxer mit Shiftcam Technologie übrigens erst bei 7750 Umdrehungen, doch selten bleibt man im realen Fahrfluss so lange am Gas.

Shiftcam Umschaltvorgang nicht wahrnehmbar

Die elektromechanisch gesteuerte Umschaltung der Einlassnocken ist dabei tatsächlich in keinem Moment spürbar. Selbst wenn bewusst im Bereich um die 5.000 Touren mit dem Gashahn gespielt wird - wo laut Auskunft von BMW der Zauber passiert - lässt sich nichts ausmachen. Nur etwa 5 Tausendstel benötigt der Vorgang im Zylinderkopf. Im allgemeinen sehe ich aber am neuen Motor die weiter verbesserte Laufkultur und das perfekte Ansprechverhalten als größten Fortschritt. Die Manieren, welche man diesem Zweizylinder-Aggregat anerzogen hat, suchen ihresgleichen, herrlich!

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Die neue BMW R 1250 GS Adventure leiser als die alte?

Etwas überraschend war im Fahrbetrieb die reduzierte Geräuschkulisse. Der Motor läuft gefühlsmäßig nicht nur mechanisch sauberer, offensichtlich sind die Ingenieure auch beim Soundenginiering etwas in die Defensive gegangen. Das bekannte Boxer-Bollern ist natürlich immer noch da, wurde aber etwas weicher und basslastiger. Für meinen Geschmack eine begrüßenswerte Entwicklung, da auf großer Tour die reduzierte Lautstärke sicherlich gut tut.

Ergonomie und Komfort im Fahrbetrieb an der BMW R 1250 GS Adventure

Hat man die luftige Sitzhöhe von wahlweise 890 oder 910 Millimetern (justierbar) erklommen, fühlt man sich gleich von Beginn weg extrem gut in das Motorrad integriert. Mit dem extra breiten Lenker lässt sich die Reiseenduro auch jederzeit wunderbar dirigieren. Der mächtige Tank, welcher sich vor einem auftut, verlangt allerdings einen spürbar weiteren Beinwinkel als bei der normalen GS. Ein positiver Nebeneffekt ist subjektiv empfunden die Sicherheit, welche die breite und wuchtige Front der Adventure vermittelt. Im Sattel platziert, fühlt man sich sofort als unerschütterlicher Abenteurer.

Apropos - die zweiteilige Sitzbank bietet in der Standard-Variante der R 1250 GS Adventure Komfort wie ein Wohnzimmer-Sofa. Auf den von uns gefahrenen HP-Versionen war der etwas straffere Rally-Sitz montiert. Dieser spendet mehr Feedback und schafft auch Platz für bessere Bewegungsfreiheit im Sattel. Dank ganzen 211 Kg Zulademöglichkeit stehen auch komfortablen Fahrten mit Sozia und ordentlich Gepäck nicht´s im Wege.

Die BMW R 1250 GS Adventure überzeugt mit grandiosem Fahrwerk

Absolut erwähnenswert ist an dieser Stelle ebenfalls der allgemeine Fahrkomfort, welcher an der Adventure ohne Zweifel als Erstklassig bezeichnet werden kann. Die große Frontscheibe mitsamt den ausgeklügelten Luftabweisern bietet richtig guten Schutz vor Wind und Wetter. Selbst mit 1,90 m Körpergröße kann man sich noch ausgezeichnet aus dem Fahrtwind nehmen. Unverständlich ist nur nach wie vor, warum die Höhenverstellung des Windschilds an der rechten Seite angebracht wurde. Eine Adjustierung während der Fahrt ist zwar zu bewerkstelligen, verlangt aber ein übergreifen des Cockpits mit der linken Hand.

Mit zwei Zentimeter mehr Federweg als an der Standard-GS ist man auch für ruppigstes Gelände bestens gerüstet. Im Enduro-Pro-Modus trägt die Adventure ihren Reiter sänftenartig über Stock und Stein hinweg. Bei sportlichen Straßenmotorrädern bin ich offen gesagt kein besonderer Freund von elektronischen Fahrwerken, doch da die Adventure so vielseitig eingesetzt werden kann, ist in diesem Fall das optionale Dynamic-ESA Dämpfungssystem mit den "Fahrmodi Pro" (unsere Testbikes waren damit ausgestattet), ein echter Segen. Per Knopfdruck stellt man von Straße auf Gelände und auch umgekehrt. Das System reguliert im Anschluss selbstständig im Millisekunden-Bereich ein optimales Dämpfungsverhalten ein.

BMW R 1250 GS Adventure Preis und Ausstattungsoptionen

Eine tolle - wenngleich auch nicht immer günstige - Angelegenheit ist die umfangreiche Sonderausstattung, die BMW zu jedem seiner Fahrzeuge anbietet. Gerade an der Adventure sind nach oben hin kaum Grenzen gesetzt. Auf den Basispreis von 17.700 Euro in Deutschland (Österreich: € 21.450; Schweiz: CHF 17.950) lassen sich im Konfiguration ganz schnell mal weitere 5.000 Euro an optionaler Ausstattung und Zubehör oben drauf packen.

Fazit: BMW R 1250 GS Adventure

Die Allzweckwaffe aus Bayern, welche auch ambitionierte Gelände-Ausritte problemlos wegsteckt. Dank einem Plus von 2 Zentimetern Federweg und 10 Liter mehr Sprit im Tank ist für sie keine Tour zu weit und keine Herausforderung zu groß. Der tiefe Schwerpunkt des Boxer-Motors lässt sie dabei ungeahnt handlich erscheinen. In der neuen 1250er Modellgeneration bietet sie neben dem überarbeiteten Motor, welcher eine noch bessere Fahrbarkeit mit sich bringt, auch ein Plus an Serienausstattung und Sicherheit. Der schärfste Konkurrent für die Adventure lauert aber vielleicht im eigenen Haus, denn auch die "normale" GS ist schon ein feines Universaltalent.

1
Vorteile
  • grandioser Fahrkomfort
  • extreme Reichweite
  • tolle Ergonomie
  • guter Witterungsschutz
  • mächtiges Drehmoment
  • sauberes Ansprechverhalten
  • allgemein gute Fahrbarkeit durch tiefen Schwerpunkt
  • Individualisierungsmöglichkeiten
1
Nachteile
  • hohes Gewicht in der Bremszone spürbar
  • Getriebe immer noch nicht perfekt
  • hoher Preis

Bericht vom 12.12.2018 | 7.418 Aufrufe

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