Vergleich Yamaha MT-10 vs. Aprilia Tuono

Vergleich Yamaha MT-10 vs. Aprilia Tuono

Das beste Nakedbike für die Rennstrecke

Showdown am Pannoniaring. Kann die Yamaha MT-10 die Aprilia Tuono fordern? ZONKO und NastyNils prüfen hart.

Bis jetzt waren die Karten klar verteilt. Die Auswahl an grossartigen Nakedbikes ist gross. In der obersten Liga verteidigten die Aprilia Tuono, die BMW S 1000 R und die KTM Super Duke ihre Vormachtstellung. Wobei bei der Rennstrecken-Performance die Tuono die Nase vorne hatte. Wir freuten uns daher sehr, dass endlich auch die Japaner in die oberste Liga der radikalen Nakedbikes einsteigen. Yamaha schickt im Sommer 2016 die MT-10 ins Rennen und dieses Motorrad lässt niemanden kalt.

Nakedbike mit R1 Motor - Ein Traum wird wahr

Optisch radikal und mit dem herrlichen CP4 Motor aus der R1 gesegnet, bereichert sie das Angebot enorm. Nach der ersten Ausfahrt stellten wir uns die Frage ob sie der Aprilia auf der Rennstrecke gefährlich werden kann. Gemeinsam mit Zonko machte ich mich auf den Weg zur 1000PS Bridgestone Gripparty am Pannoniaring um der Sache auf den Grund zu gehen.

Zonko liebt die Tuono, NastyNils steht auf Yamaha

Klar waren wir etwas voreingenommen. Zonko liebte die Tuono. Niemand sonst hat die Tuono in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum so geprägt und verehrt wie er. Sogar einen eigenen Namen hat er dem Motorrad verpasst: Thunfisch! https://www.youtube.com/watch?v=od4VhPfP7qs => (Erklärung hier).

Ich selbst fahre privat eine Yamaha R1M und verehre diese Hightech Rakete mit MotoGP Wurzeln. Die extrovertierte MT-10 trifft dann auch noch genau meinen optischen Geschmack. Neongelbe Akzente, radikaler Auftritt und ein kraftstrotzendes Aggregat: So muss es sein!

MT-10: Komfortable Sitzposition gepaart mit Speedinferno

Beim Test am Pannoniaring wechselte ich zwischen den Bikes und kam den Unterschieden sehr schnell auf die Spur. Steigt man zuerst in den Sattel der MT-10, erfreut man sich an der komfortableren Sitzposition. Das hier fühlt sich wie ein ganz normales Nakedbike an - und nicht wie ein verkappter Supersportler. Mir persönlich kommt das total entgegen. Diesen radikalen Hang-Off Fahrstil hab ich bis heute nicht inhaliert und der klassisch dezente Hang-Off macht mich mehr an. Auf der Strecke ist die MT-10 immer noch komfortabel, fühlt sich aber keinesfalls an wie ein gemütliches Nakedbike.

Sie lenkt agil ein, hält präzise die Spur und ist auf der Rennstrecke auch überraschend einfach zu fahren. Beim Wechsel auf die Tuono wird der Unterschied aber sofort klar. Auf der Tuono sitzt man sportlicher und hat im Sattel mehr Optionen um den Kurvenspeed weiter steigern zu können. In Sachen Sitzposition ist die Tuono also sportlicher und punktet hiermit auf der Rennstrecke schonmal deutlich.

Aprilia Tuono vs. Yamaha MT-10: Aprilia punktet nicht nur am Papier.

Wir waren uns sicher, dass die Tuono dann auf der Zielgeraden die MT-10 ganz normal einstampfen wird, denn die MT-10 hat 15 PS weniger. Doch beim Motor punktete die Tuono dann genau dort wo früher die Japaner überlegen waren. Das Ansprechverhalten war bei der Tuono einfach besser. Vom ersten Millimeter an, war das brachiale Aggregat sagenhaft sauber mit der rechten Hand zu dosieren. Die MT-10 hatte beim Wechsel vom Schiebe- in den Schubbetrieb immer einen Hauch von Unruhe drinnen. Im milderen “Standard” Setting wurde es zwar besser aber nicht makellos.

Yamaha MT-10: Schwächen im Drehmomentverlauf? Nur am Papier!

War der MT-10 Motor aber erstmal in Fahrt, dann stand er dem geilen V4 der Aprilia um nix nach. Auf den Prüfstandsdiagrammen gibt es bei der MT-10 ja angeblich eine “Delle” im mittleren Bereich. Auf der Strecke ist es so, dass die MT-10 Dir aus den Kurven einfach immer und überall die Arme langzieht. Das herrlich kreischende Crossplane Aggregat gibt Dir auch eine ungeschlagen direkte Verbindung mit dem Hinterrad. Man kann sie förmlich spüren - die Traktion. Grosses Kino. Die fehlenden PS waren kein Thema und machten dann auch keinen Unterschied aus.

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Yamaha und Aprilia: Vergleich der Elektronikpakete

Zusätzlich zur Sitzposition hat Aprilia auch noch bei einem anderen Thema mehr “Sport” inhaliert. Das komplette Elektronikpaket wurde mehr oder weniger 1:1 aus dem RSV4 Superbike übernommen. Die Traktionskontrolle regelt fein und hilft Dir richtig schnell zu fahren. Yamaha kann das bei der R1 mindestens genauso gut, installiert bei der MT-10 aber nicht die letzte Ausbaustufe sondern eine abgespeckte Version der Elektronik. Die Traktionskontrolle hilft Dir zwar die Fahrt zu überleben macht Dich beim Speed aber nicht überlegen. Sie ist mehr Sicherheits- als Speedfeature. Positiv: In der Stufe “1” lässt sie super zu dosierende Wheelys zu.

Den letzten Punkt sammelt die Aprilia dann beim Schaltassistent, welcher bei der MT-10 nicht vorhanden ist. So kommt am Ende ein Testurteil zu Stande, welches sowohl Aprilia als auch Yamaha Fans zufrieden stimmen wird. Aprilia Fans können beruhigt sein: Die Tuono ist immer noch das schnellste Nakedbike für die Rennstrecke. Doch die Fans von japanischen Motorrädern können aufatmen. Die Yamaha MT-10 ist würdig und vehement in ein bisher von Europäern dominiertes Segment eingetreten. Sie vertritt Nippon mit stolzer Brust und fettem Auftritt in der Riege der Power-Nakedbikes. Ihre Stärke: Eine grossartige Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit. On Top dann noch das für viele immer noch unschlagbare Qualitätssiegel: “Made in Japan!”

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Fazit: Aprilia Tuono V4 1100 RR

Sport, sportlicher, Tuono! So macht man Motorräder. Die Tuono ist glasklar positioniert und macht einfach keine halben Sachen. Sie ist das sportlichste Nakedbike am Markt und steht dazu. Aprilia hat alle Hightech Features aus dem Superbike übernommen und damit die Tuono zu einem unschlagbaren Gener gemacht.

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Vorteile
  • Überlegenes Elektronikpaket - Ansprechverhalten, Traktionskontrolle, Wheelykontrolle, Motorbremssteuerung - hier passt alles
  • Tolles sportliches Chassis mit sportlicher Sitzposition
  • Keine halben Sachen - Volle Rennstreckenperformance
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Nachteile
  • Auf der Rennstrecke keine echten Schwächen. Für Piloten mit langen Beinen könnte der Kniewinkel jedoch unangenehm werden.

Fazit: Yamaha MT-10

Ein großartiger Auftritt der Yamaha auch auf der Rennstrecke. Sie vertritt die Japaner nun ausgesprochen würdig in der obersten Liga der Power-Nakedbikes. Ganz ausgenutzt hat Yamaha die Möglichkeiten jedoch nicht. Einige Features wurden aus der teureren R1 nicht mit übernommen. Das ist auf der Landstraße nicht so schlimm, verhindert auf der Rennstrecke jedoch einen Sieg über die Aprilia.

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Vorteile
  • charakterstarker Auftritt
  • made in Japan, zuverlässige Traktionskontrolle mit unkomplizierter Wheelymöglichkeit in Stufe 1
  • Tolle Sitzposition: sportlich und komfortabel
  • tolles Gefühl für Traktion
1
Nachteile
  • kein Schaltassistent
  • Ansprechverhalten vom Motor nicht makellos

Bericht vom 03.08.2016 | 31.787 Aufrufe

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