Triumph Tiger 800 XRx vs. Yamaha MT-09 Tracer 2015

Triumph Tiger 800 XRx vs. Yamaha MT-09 Tracer 2015

Zwei Dreiender unter sich

Obwohl Yamaha erst seit kurzem in der Liga der Mittelklasse-Dreizylinder mitmischt, haben die Japaner auf Anhieb ein herrliches Triebwerk auf die Räder gestellt, das nun auch in der Reiseenduro MT-09 Tracer seinen Dienst verrichtet. Triumph sammelt hingegen schon seit Jahrzehnten Erfahrung mit "drei Töpfen".Kann das alleine ausreichen um die japanische Newcomerin in die Schranken zu weisen?

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Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Die Gemeinsamkeiten wie Dreizylindermotor, Mittelklasse-Hubraum und Reiseenduro-Charakter lassen viele Gemeinsamkeiten vermuten - und doch sind Triumph Tiger 800 XRx und Yamaha MT-09 Tracer grundverschieden. Sowohl beim Hubraum als dann auch bei der Leistung holt Yamaha um einiges mehr aus den drei Töpfen heraus als Triumph. 115 PS bei 10.000 Touren und ein Drehmoment von 87,5 Newtonmeter bei 8500 Umdrehungen stechen die 95 PS bei 9300 Touren und das höchste Drehmoment von 79 Newtonmeter bei 7850 Umdrehungen der Triumph klar aus.

Geht es aber um Kapitel wie Komfort und Reisetauglichkeit, bei denen die schiere Leistung eher Nebensache sind, kann die Tiger 800 XRx wieder heftig kontern: Ihre Sitzposition entspricht mehr einer Reiseenduro, die Tracer muss sich in diesen Kategorien eindeutig hinten anstellen. K.OT und Vauli nahmen die beiden Reiseenduros genau unter die Lupe.

K.OTs Meinung zu Triumph Tiger 800 XRx und Yamaha MT-09 Tracer:

Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass Yamaha einen derart räudigen Dreizylinder baut und in ein so radikales Naked Bike steckt. Dabei leistet das Trio in der MT-09 gerademal 115 PS. Aber auch wieder keine Überraschung, wer Britannien angreifen will, der sollte gerüstet sein und die direkte Attacke wählen, denn bei Triumph sind sogar manche Cruiser ultrabrutal ausgebaut. Nun entwickelt und baut man einen neuen Motor nicht für ein einziges Modell, sondern versucht, möglichst viele Derivate daraus zu züchten, wie es Yamaha auf Basis der MT-09 bereits fleißig getan hat.

Da waren zunächst einmal die fast ausschließlich optisch angepaßten Modellvarianten wie Street Rally und Sport Tracker und nun schließlich die Tracer, ein moderner Sporttourer mit mehr Federweg, entspannterer Sitzposition und optimierten Mappings. Die Tracer läuft geschmeidiger und harmonischer als das Naked Bike, aber nicht minder aggressiv. Ich lege bei solchen Motorräder nicht soviel Wert auf Fahrassistenzsysteme und Fahrmodi, aber man merkt bei der Yamaha deutlich, wenn man das Ride-by-Wire verändert. Auch die Tiger 800 bietet ein umfangreiches Elektronikpaket, doch bei der überschaubaren, präzise kontrollierbaren Leistung ohne Überraschungsmomente oder harten Einsatz, traue ich mir durchaus zu, auch im Regen oder auf Schotter ohne Justierungen an ABS, Ansprechverhalten und Traktionskontrolle sturzfrei zu steuern. Obwohl ich zugeben muß, daß die Elektronik im Offroad schon einiges zu leisten im Stande ist.

Die Tiger hat mir nur zu wenig Schräglagenfreiheit, denn sie ist nun mal ein Straßenmotorrad. Mit der Yamaha geht mehr, sie schiebt auch druckvoller nach vorn und ist insgesamt das sportlichere Motorrad. Dafür kann man auf der Tiger bei Bedarf besser entspannen, sitzt tiefer und mehr ins Motorrad integriert, während man auf der Tracer (Sitzhöhe zwischen 845 und 860 mm) eher thront. Beide haben ihre Vorteile, wenngleich sie unterschiedlicher sind, als man aufgrund der Verwandtschaft der Motoren vermuten würde. Wer es sportlicher mag, der greift zur Tracer, wer mehr aus der Enduro- und Touring-Ecke kommt, wird die Tiger bevorzugen.

Vaulis Meinung zu Triumph Tiger 800 XRx und Yamaha MT-09 Tracer:

Der Vergleich der beiden Kontrahentinnen ist völlig legitim, niemand wird uns fragen, ob wir schon völlig meschugge sind, weil wir die Yamaha MT-09 Tracer gegen die Triumph Tiger 800 XRx antreten lassen. Schon alleine die Einordnung in die Kategorie der Mittelklasse-Reiseenduros lässt keinen Zweifel an der Berechtigung dieses Tests aufkommen. Allerdings zeigt sich an diesen beiden Maschinen besonders stark, wie sehr die Modelle in diesem Segment mittlerweile auseinanderklaffen und wie weit man den Begriff Reiseenduro dehnen kann.

Schon alleine die Motoren unterscheiden sich stark voneinander, obwohl beide drei Zylinder verwenden und die Hubräume lediglich ein Moped auseinander liegen (Tiger 800 XRx 799 Kubik, MT-09 Tracer 847 Kubik). Während Triumph die Vorzüge des Dreienders als guten Kompromiss zwischen Zwei- und Vierzylinder herausstreicht, hat Yamaha sogleich einen sportlichen Meilenstein hingepfeffert. Einfach ein Wahnsinn, wie dieses Triebwerk antritt, wie sich die Kraft explosionsartig verdichtet und wie sich jedes Mitglied der MT-09-Familie ausdrehen lässt. Dabei ist es dem Motor egal, ob er in einem sportlichen Naked Bike steckt, oder eben in einer Tourenmaschine. Und das ist auch schon das einzige Problem der Tracer: Sie könnte einigen zu sportlich sein.

Es ist nämlich nicht nur der Motor, der den Sportsgeist versprüht, auch die Sitzposition ist zwar im Vergleich zu ihren Schwestern viel entspannter, im Vergleich zur Triumph Tiger 800 XRx aber bei weitem nicht so reisetauglich. Die Tiger setzt hingegen auf ihre Endurogene, ist sie doch mit der geländegängigeren Tiger 800 XCx fast baugleich. Mit einer XRx würde ich mich daher ebenfalls ins Gelände wagen - mit einer MT-09 Tracer eher nicht.

Dafür muss man beiden Maschinen zugute halten, dass sie ihren jeweiligen Standpunkt ernsthaft und glaubwürdig vertreten. Die Yamaha setzt nämlich auch bei der Bremse auf eine sportlichere Auslegung, da packen die Kolben schon bei geringer Handkraft ordentlich zu. Die Bremsanlage der Tiger braucht im direkten Vergleich zwar etwas mehr Kraft, die Dosierbarkeit geht aber auch bei ihr voll in Ordnung und man erzielt ebenfalls eine sehr gute Bremsleistung.

In Sachen Handling verwundert ein wenig, dass gerade die Yamaha mit ihrem breiteren 180er-Hinterreifen den etwas agileren Eindruck macht. Das aber nur, solange man sich noch nicht daran gewöhnt hat, die Triumph etwas in die Kurve kippen zu lassen - dann macht sich ihr schmälerer 150er-Pneu positiv bemerkbar und auch die Tiger 800 XRx macht im engen Winkelwerk enorm viel Spaß. Die Frage, welche der beiden sich nun für welche Käufergruppe anbietet, war bei kaum einem anderen Test bisher so einfach zu beantworten: Die Tiger fürs Reisen, die Tracer fürs Rasen.

Fazit: Triumph Tiger 800 XRx

Diese Reiseenduro macht ihrem Namen alle Ehre - Reisen sind dank der bequemen Sitzposition kein Problem und durch die enge Verwandtschaft zur Tiger 800 XCx ist auch die Bezeichnung als Enduro durchaus legitim. Mit der Neuauflage hat sich vor allem im Inneren der neuen Tiger 800 XRx eine Menge getan, dank Ride-by-Wire-System stehen nun unzählige Möglichkeiten zur Verfügung, ABS, Traktionskontrolle und Motorcharakteristik auf den gewünschten Stil anzupassen. Der Motor bleibt mit seinen 95 PS ein munterer und agiler Geselle, das Fahrwerk geht einen guten Kompromiss zwischen Sport und Touring ein. Die XRx verwöhnt außerdem mit einer kompletten Ausstattung, die auch auf weiten Reisen kaum Wünsche offen läßt. Damit dringt sie ungeniert in das Segment der großen, voll ausgestatteten Reise-Enduros ein, liegt preislich aber weit unter ihnen.

1
Vorteile
  • komplette Ausstattung
  • agiles Dreizylinder-Triebwerk
  • bequeme Komfort-Sitzbank
  • verstellbares Windschild
  • straffes Fahrwerk
  • gute Bremsen
  • leichtes Handling
  • Fahrmodi, ABS und Traktionskontrolle verstellbar
1
Nachteile
  • optisch kaum von der Vorgängerin unterscheidbar
  • Fahrwerk nicht einstellbar
  • Fußrasten schleifen früh bei sehr sporlticher Fahrweise

Fazit: Yamaha Tracer 900

Nimm zwei, zahl eins. Mit der MT-09 Tracer bekommt man fast eine ganze MT-09 mit all ihrer Sportlichkeit plus ein alltagstaugliches und ansatzweise reisefähiges Touringbike mit anständigem Komfort für alle Lebenslagen. Man darf nur nicht vergessen, dass es viele bequemere Motorräder in dieser Kategorie gibt - aber kaum sportlichere. Leichter zu fahren, einfacher zu kontrollieren mit 3 Fahrmodi, ABS und Traktionskontrolle serienmäßig. Nur der Windschutz könnte besser sein und die Sitzbank für lange Strecken findet man nur im Zubehör.

1
Vorteile
  • sportliche Performance wie alle MT-09
  • 3 Fahrmodi
  • ABS und Traktionskontrolle serienmäßig
  • straffes Fahrwerk, viel Schräglagenfreiheit
1
Nachteile
  • Windschutz nicht optimal
  • Sitz könnte bequemer sein
  • Lenker für die Stadt zu breit

Bericht vom 17.06.2015 | 30.619 Aufrufe

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