Kawasaki Z300 Test 2015

Wie sich das fesche Naked Bike auf der Rennstrecke anstellt

Natürlich hätte ich die neue Kawasaki Z300 ganz artgerecht in der Stadt und auf der Landstraße testen können - da verrichtet die fesche Grüne ihren Dienst erwartungsgemäß gut und nach Vorschrift. Allerdings wollte ich auch herausfinden, wie sich solch ein 300 Kubik-Einsteiger auf einer schnellen Rennstrecke anstellt.

Im direkten Vergleich hat die Z300 mit ihren lediglich 39 PS bei 11.000 Umdrehungen natürlich keine Chance gegen die "eingeborenen" Superbikes mit 200 PS und sogar mehr. Allerdings lag genau da der Reiz für mich - ist man mit einem kleinen Parallel-Zweizylinder und lediglich 296 Kubik Hubraum wirklich völlig unterlegen? Sind die Moto3-"Spuckerln" mit knapp 50 PS nicht auch nur geringfügig langsamer als die MotoGP-Boliden? Vier Gründe, warum die Z300 auch auf der Rennstrecke absolute Berrechtigung hat.

Grund 1: Der Motor.

Wie schon erwähnt, sind 39 PS und 27 Newtonmeter Drehmoment weit entfernt von den Daten, die man überlicherweise von einem Motorrad kennt, das auf der Rennstrecke Spaß macht. Spaß ist aber relativ - und glücklicherweise in vielerlei Formen anzutreffen. Die Z300 macht jedenfalls anders Spaß - vor allem für mich war es eine interessante Herausforderung möglichst wenig zu bremsen, um möglichst viel Speed durch die Kurve mitzunehmen. Man hat durch die insgesamt niedrigere Geschwindigkeit mehr Zeit, die Drehzahlnadel zu beobachten, diese im optimalen Bereich zu halten und damit die gar nicht so schlechte Beschleunigung auszunützen. Vor allem bereitet es eine enorme Freude, den Gasgriff ständig zu melken, ohne Angst haben zu müssen, das Hinterrad würde den Grip verlieren. Mein Vollgasanteil auf der Rennstrecke war wohl mit keinem anderen Motorrad jemals höher!

Grund 2: Die Bremsen

Wer den Red Bull Ring kennt, weiß, dass er vergleichsweise wenig Kurven hat und kann sich gut vorstellen, dass man mit der Z300 selten die Bremse nutzen muss. Oder besser gesagt: nutzen müsste. Wer so wie ich nämlich das Vergnügen hat, oft mit leistungsstarken Motorrädern zu fahren, kennt eher diese Vorgangsweise: In die Kurve hineinstechen, eng umlegen und mit Vollgas herausfeuern - die Traktionskontrolle regelt ohnehin zuverlässig. Und auch wenn ich wußte, dass es besser gewesen wäre, mit möglichst viel Schwung durch die Kurven zu fahren, konnte ich mien Verhaltensschema zumindest im ersten Turn nicht völlig ablegen - und bremste ziemlich hart in jede Kurve hinein. Und siehe da, die Einzelscheibe an der Front mit 290 Millimeter Durchmesser und Doppelkolbenzange zeigte sich nicht nur standfest sondern auch gut dosierbar und ansatzweise sogar rennstreckentauglich.

Grund 3: Die Z300 ist ein Naked Bike

Natürlich ist auch mir klar, dass gerade auf einer Rennstrecke eine Verkleidung Vorteile hat und Naked Bikes eigentlich nichts verloren haben. Allerdings erspart mir die Z300 im Gegensatz zu ihrer vollverkleideten Schwester Ninja 300 stets in gebückter und möglichst aerodynamischer Haltung fahren zu müssen. Stattdessen kann man auch noch bei rund 150 km/h vergleichsweise bequem auf der Z300 sitzen und trotzdem versuchen, schnell zu sein.

Grund 4: Fahrtechnik-Training

Es hat schon einen Grund, warum die meisten guten Rennfahrer in den kleinsten Klassen angefangen haben - man muss mit wenig Leistung möglicht viel Schwung mitnehmen und lernt dadurch, mit gewaltigen Schräglagen durch Kurven zu fetzen. Vorausgesetzt, die Reifen halten und auch da war ich von der Z300 positiv überrascht. Bereits nach kurzer Aufwärmphase waren die IRC Roadwinner warm und boten genügend, jedenfalls der Leistung entsprechenden Grip. Ganz anders als üblicherweise auf der Rennstrecke, waren die Pneus nach einem Tag Beanspruchung nicht am Ende sondern sahen aus, als wären sie nie auf der Rennstrecke gefahren.

Doch nicht alles perfekt

Dass die kleine Z300 dennoch nicht das optimale Rennstreckengerät ist, merkt man am Fahrwerk. Für den Alltag und die Landstraße geht die 37 mm-Telegabel sowie das fünffach in der Federvorspannung einstellbare Mono-Federbein einen Kompromiss ein, der den nötigen Komfort für Einsteiger, Pendler und sonstige Genießer bietet. Da kommt die, für eine Rennstrecke notwendige Härte klarer- und verständlicherweise zu kurz. Es wäre allerdings auch ziemlich beschämend für die Superbike-Riege, wenn ein 300 Kubik-Naked Bike das optimale Rennstreckengerät wäre...

Fazit: Kawasaki Z 300

Die Kawasaki Z300 ist schon alleine durch ihr cooles, der großen Schwester Z800 extrem ähnliches Design ein sehr erwachsen wirkendes Motorrad. In dieses Bild passt sehr gut die standfeste Bremsanlage und das gut ablesbare Cockpit mit einem analogen Drehzahlmesser und allen nötigen Features. Beim Handling wirkt sie dank der fahrfertig nur 170 Kilo extrem handlich und spielerisch. Der Motor offenbart sein Potential erst im oberen Drehzahlbereich, dreht aber willig hoch und macht Laune auf sportliche Fahrweise. Einzig das komfortorientierte Fahrwerk kommt mit radikal sportlichen Ansprüchen nicht ganz zurecht - bei einem Einsteiger-Motorrad aber durchaus legitim und verständlich.


  • erwachsene Optik
  • hochwertiges Finish
  • drehfreudiger Motor
  • bequeme Sitzposition
  • standfeste Bremse
  • gut ablesbares, komplettes Cockpit
  • geringer Verbrauch
  • sehr unauffälliger Klang
  • günstige Fahrwerkskomponenten
  • Motor startet nur im Leerlauf

Bericht vom 06.05.2015 | 51.659 Aufrufe

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