KTM EXC 200

Der Dauertest ist zu Ende, die EXC 200 muss zurück in die Heimat. 1000PS zieht einen Schlussstrich.
2 Stunden Regengemetzel in Lunz. Das Motorrad hält, die Frisur nicht.
 

Dauertest Ende KTM EXC 200

Zu Beginn hielt sich die Freude über den Dauertester in Grenzen, doch zum Schluss wollten wir ihn nicht wieder rausrücken.

   
O.K., ich geb's ja zu, mit meinen gut 90 Kg hat es mir nicht unbedingt die Hände in die Höhe gerissen, als die KTM EXC 200 als 1000PS Offroad Dauertester fixiert wurde. Zu schwach und zu fragil waren meine ersten Vorurteile gegen das in einen 125er Rahmen verbaute Fünftelliter-Aggregat. Doch schon während der ersten Fahrt überraschte die KTM und stellte sofort klar, dass sie nicht einfach nur ein kleines Anfängerbike ist.

Die 200er ist so wie ihre Schwestern aus der EXC Linie dafür gebaut, den Fahrer unter den extremsten Bedingungen ans Ziel zu bringen. Kein Komfort auf der Sitzbank, keine verschnörkelten Armaturen - verbaut wird an diesen Motorrädern nur das Allernotwendigste. Die EXC 200 ist dann aber noch einen Tick minimalistischer. Während sich mittlerweile fast die gesamte EXC Palette mittels E-Starter zum Leben erwecken lässt, spart sich die 200er das Gewicht von Starter und Batterie. Außerdem ist rund um das 200 ccm Aggregat der etwas leichtere Rahmen der EXC 125 verbaut. Das spart zusätzlich noch ein paar hundert Gramm und senkt das Gesamtgewicht auf knappe 106 Kg vollgetankt. Ein immenser Vorteil in selektivem Gelände, in dem jedes Gramm mit Schweiß aufgewogen werden muss.

 
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Ebenso leicht wie das Gewicht der EXC ist auch das Handling. Ganz easy, fast schon wie ein Fahrrad huscht die 200er durch die Wälder und erspart dem Fahrer so Kräfte raubende Handlingmanöver. Dieses einfache Handling resultiert aus den geringen rotierenden Massen der 200er. Das macht sie neben den 125ern zu einer der handlichsten Enduros am Markt. Was sie allerdings von ihrer kleinen Schwester unterscheidet, ist das irre Drehmoment im unteren Drehzahlbereich. Fast wie ein Traktor tuckert die 200er jeden noch so steilen Hügel rauf.

Der 2-Takter ist in der Praxis fast nicht abzuwürgen und rettet trotz dem kleinen Hubraum auch im niedrigen Drehzahlbereich den Piloten auf jeden Hügel. Der tuckernde 2-Takter hört sich in solchen Situationen zwar immer so an, als würde er gerade seine letzten Takte aus dem Auspuff spucken, doch irgendwie geht es dann immer weiter. Im oberen Drehzahlbereich ist die KTM agil und äußerst kraftvoll, wirkt aber weder giftig noch in irgendeiner Situation überfordernd. Klar hat der 200 ccm große Motor nicht nur Vorteile. Um meinen vollschlanken Körper auf jeden Berg zu bringen, musste der Antrieb etwas kürzer übersetzt werden.

Beim Schwammerlsuchen.
Top Speed Passagen waren somit eindeutig nicht das Ressort der 200er. Außerdem sollte die Gangwahl stets gut bedacht sein, denn die EXC verzeiht nur in den seltensten Fällen falsch eingelegte Gänge. Hat sich aber wirklich mal ein falscher Gang eingeschlichen, so kontert die 200er sogleich mit Mitleid erregendem Gegurgel.

Der Dauertester begleitete uns insgesamt sechs Monate, in diesem halben Jahr wurde die EXC nur wenig geschont. Neben zahlreichen Enduro Rennen wurde sie von der 1000 PS Redaktion (Anm. kot: Ich habe die EXC nie aus der Nähe gesehen.) auf Endurotouren der MX Strecke oder beim Schwammerlsuchen im Wald gemartert. Insgesamt spulten wir über 50 Betriebsstunden auf die KTM, bis auf abgerissene Kupplungshebel und einen Satz Bremsbeläge hatten wir aber keine außertürlichen Ausgaben zu beklagen.

Auch die Servicekosten halten sich bei der EXC 200 stark in Grenzen. Da im Zweitakter keine Ölfilter verbaut sind, ist auch der Materialaufwand dementsprechend gering. Knapp 30 € sind für einen Dreiviertel Liter Öl und die Dichtungsringe und einem neuen Luftfilter zu berappen. Weiters wurde bei rund 40 Betriebsstunden der Kolben auf eventuelle Beschädigungen oder Kratzer kontrolliert, das war's dann aber auch schon wieder mit den Schrauberein an der KTM. Zieht man noch den relativ günstigen Anschaffungspreis von 7.198 € hinzu ist die EXC 200 auch für Negeranten wie mich eine gute Möglichkeit den Endurosport Kostenextensiv auszuüben.


 
 
Interessante Links:

Text: arlo
Fotos: wabe, arlo

Fazit: KTM 200 EXC

Die 200er ist so wie ihre Schwestern aus der EXC Linie dafür gebaut, den Fahrer unter den extremsten Bedingungen ans Ziel zu bringen - verbaut wird an derartigen Motorrädern nur das Allernotwendigste.


  • Extrem niedriges Gesamtgewicht
  • sehr effizient im Gelände
  • agil
  • kraftvoll, günstig im Unterhalt
  • Kein Komfort
  • keine verschnörkelten Armaturen
  • anspruchsvolle Schaltung

Bericht vom 11.10.2010 | 67.296 Aufrufe

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