4 Amerikaner ganz allein auf Alpentour - Edelweiss Bike Travel

Guide-lose Motorradtour von Edelweiss Bike Travel

Vier Amerikaner möchten die Highlights der Alpen erfahren und befahren. Doch am liebsten sind sie ohne Guide unterwegs. Mit der Unterstützung von Edelweiss Bike Travel geht es führerlos in die Alpen.

Erzählt von Paul Clarke, aufgeschrieben von Tom Ritt. Fotos © Edelweiss Bike Travel

In meinem Motorradfahrerleben habe ich schon so einige Touren gemacht, vor allem in Nordamerika, aber auch in mehreren Ländern Europas, in Asien und sogar in Down Under. Vom Rundum-Sorglos-Paket bis hin zur völlig ungeplanten Stegreif-Tour, bei der ich mich an jeder Straßenkreuzung aufs Neue für eine Richtung entscheiden musste (konnte? durfte?) ich nenne solche Touren Blowing-in-the-wind-Touren es war alles dabei. Nur eine selbstgeführte Tour hatte ich noch nie gemacht. Das galt es nachzuholen!

Selbstgeführte Motorradtour durch die Alpen

Wie der Name schon sagt führt man sich bei so einer Tour selbst, was dank Satellitennavigation nicht sehr schwierig ist. Die Hotels entlang der Route sind allerdings vorgebucht, das ist sehr angenehm, vor allem wenn man in der Hochsaison unterwegs ist und nicht nur ein, sondern vier Zimmer braucht. Meine Motorradkumpels schnarchen nämlich allesamt, da möchte man sich kein Zimmer teilen. Trotz unserer relativ kurzfristigen Buchung konnte Edelweiss Bike Travel diese vier Zimmer besorgen, in sehr schönen Hotels entlang der Route. Auf besonderen Wunsch und gegen Aufpreis natürlich brachten sie uns sogar in Fünf-Sterne-Hotels unter, schließlich sind wir nicht mehr die Jüngsten und brauchen Komfort. Zimmerservice rund um die Uhr ist nicht zu verachten!

Edelweiss Bike Travel Tour durch die Alpen Route & Streckenführung
Die Route führt durch 5 Länder und an den Highlights der Westalpen vorbei.

Wir reisten also nach Mieming in Tirol und nahmen unsere Motorräder in Empfang. Vier große, schwere BMWs mit viel Leistung, genau das, was man braucht, wenn man in den Alpen unterwegs ist. Zumindest schien das die allgemein vorherrschende Meinung zu sein. Wie auch immer, wir waren zufrieden, schließlich sind wir alle vier keine Leichtgewichte und ordentlich Gepäck hatten wir auch dabei.

Panorama, Kehren & Wurst - Ab aufs Stilfserjoch

Bei der vorgegebenen Route (der man folgen kann, aber natürlich nicht muss) redete Edelweiss nicht lange um den heißen Brei herum. Gleich am ersten Tag ging es die 48 engen Kehren des Stilfserjochs hinauf, hier wird die Spreu vom Weizen getrennt! Wir gehörten offensichtlich eher zum Weizen, denn wir schafften es ohne Zwischenfall bis hinauf und hatten sogar Spaß dabei. Die Fahrt ist einfach spektakulär und es macht süchtig, diese Kehren zu umrunden und danach den Gasgriff bis zum Anschlag aufzuziehen. Yeeeeehaw!!!!

Oben auf dem Pass wartete dann eine Überraschung, denn als wir wie empfohlen gleich beim ersten Würstelstand rechts anhielten, um uns mit ein paar Vinschgauer Sandwiches zu versorgen, schallte es uns schon entgegen: Hey Paul, you want a sausage? Würstelstand-Betreiber Bruno war offensichtlich von Edelweiss vorgewarnt worden, dass sich heute ein paar hungrige Amerikaner bei ihm einfinden würden. Vorsichtshalber hatte er ein paar Würste extra auf seinen Grill gelegt. Sehr vernünftig!

Wir fotografierten ausgiebig, kauften uns T-Shirts zum Andenken (Achtung: XL in Italien entspricht ungefähr der amerikanischen Größe M!) und fuhren dann auf der Südseite des Passes hinunter. Hier gibt es enge, einspurige Felstunnels mit Ampelregelung, es ist unglaublich! Die Landschaft ist atemberaubend bis hinüber ins Livigno, wo unser Nachtlager auf uns wartete. Dieser Ort hat uns ganz besonders gut gefallen, und das nicht nur weil man dort zollfrei Alkohol einkaufen kann. Die Empfehlung fürs Abendessen, das Restaurant La Piöda, traf genau ins Schwarze, auch wenn wir den Namen nicht aussprechen konnten.

Unterwegs im Süden der Schweiz

Am zweiten Tag kamen wir nicht recht aus den Federn und entschlossen uns daher, der etwas kürzeren Alternativroute, die in unserem Tourbuch stand, zu folgen. Sie führte uns an St. Moritz vorbei hinunter zum Comer See. Hier wurde es ziemlich warm, die Eiscafés waren brechend voll und überall roch es nach Dolce Vita. Wir mischten uns unter die Einheimischen, orderten vier Espressi und warteten auf George Clooney, der sicher gleich irgendwo um die Ecke kommen würde. Er kam nicht, dafür lernten wir ein paar italienische Biker kennen. Ducatisti natürlich, man konnte es an ihren Shirts, ihren Helmen und auch an ihren Augen ablesen. Als sie ihre fünf schalldämpferlosen Desmos anwarfen, bebte die Erde, doch aus den Gesichtern der Umstehenden sprach kein Ärger, kein Unverständnis, sondern Bewunderung und Freude. Italien halt.

In Lugano bezogen wir in einem sehr schönen Hotel unsere Zimmer mit Seeblick und machten uns dann auf, das Tessiner Nachtleben zu erkunden. Kein Wunder, dass es auch am nächsten Morgen wieder etwas später wurde… Trotzdem nahmen wir die winzige Straße am Passo SantAntonio mit und ließen den ganzen Tag keine einzige Kurve aus, und die Kurven waren absolut unzählbar! Das wunderschöne Aostatal, tief eingeschnitten zwischen himmelhohen Bergen, empfing uns mit herrlichem Sonnenschein und wir schafften es an diesem Abend sogar, mal etwas eher ins Bett zu gehen. Schließlich wartete am nächsten Tag nicht weniger als der höchste Alpenpass überhaupt auf uns, und dafür sollte man schon fit sein.

Biker- und Fahrradfahrer-Mekka - Der Col de l'Iseran

Dieser Pass nennt sich Col de lIseran und ist nochmal zwölf Meter höher als das Stilfserjoch. Endlos zieht sich die Passstraße hinauf, bis weit über die Baumgrenze. Auf der Passhöhe standen ein paar Dutzend Motorräder mit Kennzeichen aus ganz Europa, es ist ein Eldorado für Biker. Und erstaunlicherweise auch für Fahrradfahrer, die sich in großer Zahl hier hoch gequält hatten. Sehr beeindruckend, ich würde bereits vor der ersten Kurve tot vom Rad fallen. Bei der Abfahrt vom Pass muss man höllisch aufpassen, nicht von einem dieser wilden Radler überholt zu werden, manche fahren 70 oder 80 km/h schnell und schießen um die Kurven als gäbe es kein Morgen. Und keinen Gegenverkehr!

Pass folgt Pass in den französischen Alpen

Nach einer erfrischen kühlen Nacht in der hochgelegenen Stadt Briançon folgte der Tag der sieben Pässe. Ich weiß nicht mehr, wie diese Cols alle hießen, schließlich befanden wir uns in einem Fahr- und Kurvenrausch. Ein Pass allerdings, der Col de Galibier, blieb mir in Erinnerung, nicht nur weil er der höchste Pass des Tages war, sondern auch der schönste. Vielleicht sogar der schönste Pass der gesamten Tour, einfach einmalig und unbeschreiblich! Wir fuhren noch einmal hin und her, um diesen Pass gebührend zu feiern, und unterschätzten dabei die Strecke, die noch vor uns lag. Nach Châmonix war es noch ein Stück und wir gaben Gas, denn schließlich hatten wir eine Verabredung. Oder besser gesagt eine Reservierung, immerhin gibt es in Châmonix ein Michelin-geadeltes Restaurant, in dem uns Edelweiss eingebucht hatte. Auf eigene Rechnung natürlich und ich werde jetzt hier nicht verraten, was das Dîner gekostet hat. What happens in Châmonix stays in Châmonix!

Berge & Käsefondue - Die Schweizer Traumpässe

Am nächsten Morgen warfen wir noch einen Blick auf den Montblanc, mit 4808 Metern immerhin der höchste Gipfel der Alpen, und machten uns dann auf den Weg. Auf den Rückweg, so fühlte es sich an, auch wenn noch drei volle, ereignisreiche Tage vor uns lagen. An der jungen Rhône entlang fuhren wir Richtung Zentralschweiz, wo drei große, großartige Pässe auf uns warteten. Am Furkapass beeindruckte mich vor allem der Rhônegletscher, den man von einer Serpentine aus sehen kann. Beziehungsweise konnte, denn er ist fast verschwunden, weggeschmolzen. Alte Postkarten im Souvenirladen zeigen, wie er einst aussah. Tragisch.

Grimsel- und Sustenpass sind mindestens so spektakulär wie der Furka, die Bergwelt ist absolut atemberaubend. Wir fuhren auf und ab, kehrten ein, genossen die warmen Strahlen der Abendsonne und fühlten uns wie im Himmel. Erst spät erreichten wir Andermatt, bezogen unsere Zimmer und machten uns dann auf die Suche nach einem typisch schweizerischen Abendessen. Nach Käsefondue stand uns der Sinn und wieder wurden wir nicht enttäuscht von der Empfehlung in unserem Tourbüchlein, das wir von Edelweiss bekommen hatten. Im Ochsen war es warm, gemütlich und lustig, denn der Wirt ist ein echtes Original. Und das Käsefondue war hervorragend!

Gebrauchte und neue Motorräder

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Unerwartetes Wiedersehen - Edelweiss Bike Travel

Am nächsten Tag hingen die Wolken tief, zum ersten Mal auf unserer Tour lachte die Sonne nicht. Wir fuhren das Rheintal hinunter Richtung Chur, über den Oberalppass und dann auf diversen Nebenstraßen über die Dörfer, wie man so sagt. Und diese Dörfer sind fast kitschig, so schön sind sie. Wir kamen uns vor wie in einer Modelleisenbahn oder einem Heimatfilm, vor unserem geistigen Ohr hörten wir die Trapp-Familie ihren berühmten Song Edelweiss trällern. Den Abstecher zur Viamala-Schlucht nahmen wir mit, obwohl es inzwischen angefangen hatte zu regnen. Das Wetter verstärkte den Eindruck noch, den diese enge, tiefe Schlucht vermittelte, und wir verstanden, warum die Menschen ihr den Namen schlechter Weg gegeben hatten. Sie war früher äußerst schwierig zu passieren.

Über den Lenzerheide-Pass und die Stadt Chur erreichten wir schließlich das winzige Land Liechtenstein, gönnten uns einen Kaffee in Vaduz und waren dann auch schon wieder draußen. Das Land ist kleiner als eine durchschnittliche Ranch in Texas! Anschließend kämpften wir uns im strömenden Regen Richtung Montafon und dann die Silvrettastraße hinauf. Ganz oben, am Stausee, legten wir noch eine Pause ein und wärmten uns etwas auf, obwohl wir die Sauna- und Wellnesslandschaft unseres Zielhotels bereits vor Augen hatten. Von der Bar ganz zu schweigen! Doch der kurze Stopp sollte sich lohnen, denn die Wolken rissen auf und die Sonnenstrahlen tauchten den See und die schroffen Berge dahinter in ein unwirkliches Licht. Doch damit nicht genug, wir trafen auch auf eine andere Tourgruppe von Edelweiss, hauptsächlich Amerikaner, und ich konnte es kaum glauben, als sich herausstellte, dass eines der US-Pärchen aus demselben Ort kommt wie ich!

Motorradtour durch die Alpen - Wiederholung notwendig!

Und dann brach auch schon unser letzter Tag an, von Galtür zurück nach Mieming. Was nicht sehr weit ist, weshalb wir dem Tourbuch folgten und eine große Schleife fuhren. Das Wetter war wieder trocken und wir wollten natürlich noch so viele Kurven wie möglich unter die Reifen nehmen. Mehrere kleine Pässe und viele enge Kurven versüßten uns den Tag, nach all dem Training der vergangenen Tage waren wir inzwischen zu richtigen Bergstraßen-Profis geworden. Der letzte Pass, das Hahntennjoch, war nochmal ein richtiger Höhepunkt, auch landschaftlich, vor allem die Abfahrt auf der Ostseite brachte uns zum Staunen und Schwärmen.

Kurz vor Mieming gönnten wir uns noch einen letzten Kaffee und noch ein großes Stück Apfelstrudel und blinzelten in die Sonne, die sich zum Abschied noch einmal hervorgetraut hatte. Was hatten wir in den acht Tagen nicht alles gesehen und erlebt. Die einzigartige Bergwelt der Alpen vom Motorradsattel aus zu erleben ist einfach unbeschreiblich, das sollte man nicht verpassen. Und so oft wie möglich wiederholen wir kommen sicher bald wieder!

Bericht vom 07.02.2021 | 15.192 Aufrufe

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