Ein Extrem nach dem anderen - geführte Motorradtouren

Der Vorteil von geführten Motorratouren

Edelweiß-Reisen bietet eine Vielzahl von geführten Motorradtouren an. Von China, über Spanien bis zur Adria - was an den geführten Edelweiß-Touren so toll ist, erzählt Alfred Schmitt aus dem Ruhrpott.

Eines darf ich gleich mal vorausschicken: nein, ich kann mich nicht mehr erinnern, wo genau wir unterwegs waren, welche Straßen wir unter die Räder genommen und wie viele Kurven wir gekratzt haben. Es waren einfach zu viele, sie waren zu versteckt und ich hatte nicht ständig Zeit, auf die Karte zu schauen. Solche Strecken erlauben es ja auch nicht, sich anderweitig zu konzentrieren.

Aber von Anfang an. Mit geführten Touren hatte ich nie viel am Hut, eigentlich gar nichts, aber in China kann man sich halt nicht einfach mal schnell ein Motorrad leihen und auf Entdeckungsreise gehen, und ich wollte unbedingt nach China. Kurz vor der großen Finanzkrise packte ich die Gelegenheit am Schopf, buchte eine Edelweiss-Tour durchs Reich der Mitte und bereute es nie. Mehr noch, ich kam auf den Geschmack! Irgendwann werde ich die Erlebnisse dieser China-Tour auch mal aufschreiben.

Geführte Motorradtour
Auch auf geführten Motorradtouren kann man Motorradfahren pur erleben

Ein paar Jahre nach meiner China-Erfahrung fiel mir im Edelweiss-Katalog eine Tour auf, die sich auf das (für mich) Wesentliche zu beschränken schien. Ein schönes Leihmotorrad mit unbegrenzten Kilometern, ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen fertig. Die Tour hatte ihren Preis, doch was ist schon umsonst? Immerhin war auch ein Tourguide mit eingeschlossen, und so ein Tourguide kann durchaus sein Geld wert sein, das habe ich in China gelernt. Gepäcktransport und sonstiger Luxus war mir dagegen nicht so wichtig.

Motorradreise an die Adria

Die Tour hieß Adriatic Rollercoaster und führte von Klagenfurt in Kärnten nach Slowenien und Kroatien, eine Woche Küsten- und Bergstraßen vom Feinsten. Ich reiste also nach Klagenfurt und traf dort sowohl die beiden Tourguides als auch den Rest der Gruppe. Wir verstanden uns auf Anhieb super, wie das halt so ist, wenn mehrere das Gleiche wollen, nämlich Motorrad fahren von früh bis spät. Meine neuen Freunde kamen aus aller Herren Länder, viele aus Nordamerika, sogar ein Australier war extra für diese Tour um die halbe Welt gereist. Die Tourguides waren zwar Österreicher, schienen es aber nicht krumm zu nehmen, wenn sie von den Amis mit Steve und Chris angesprochen wurden. Steve händigte mir mein Motorrad aus, eine BMW R1200GS, die wie sich bald herausstellen sollte meiner alten 1150er haushoch überlegen war.

Dann gings los und schon kurz hinter Klagenfurt wartete der erste Pass. Er führte uns nach Slowenien, ein tolles Land voll mit genialen Straßen, die herrliche Landschaften erschließen. Vor allem bergige, in Slowenien scheint es keine Ebenen zu geben. Dafür gibt es Höhlen! Die in Postojna sollte man wirklich gesehen haben, denn sie gehören zu den größten, schönsten und am besten erschlossenen Tropfsteinhöhlen der Welt. Sie ist so groß, dass eigens eine Bahn hindurch gebaut wurde!

Die Tour hielt noch weitere Höhepunkte für uns bereit, darunter die weltberühmten Plitvicer Seen (Winnetou!), viele hübsch renovierte, alte Dörfer und Städte und natürlich zahlreiche Motorrad-Traumstraßen wie die Jadranska Magistrala, bei der die fantastischen Kurven mit der herrlichen Landschaft hart um deine Aufmerksamkeit kämpfen. Diese Straße würde ich jederzeit auf der Karte wiederfinden, doch wie wir an den letzten beiden Tagen zurück nach Klagenfurt gefahren sind, bleibt das Geheimnis von Steve und Chris.

Blut geleckt in Spanien - geführte Motorrad Reise

Zwei Jahre später war ich bereits stolzer Eigentümer einer 12er GS, die dank Wasserkühlung sogar noch besser ging als das in Kroatien getestete Mietmotorrad. Für den Urlaub ließ ich sie jedoch zu Hause, flog nach Barcelona (für 99,- Euro!), und schloss mich dort einer weiteren Edelweiss-Extrem-Tour an, diesmal durch die Pyrenäen. Hier stand der Motorradspaß noch mehr im Vordergrund als damals an der Adria, wir fuhren unfassbar kurvige und unglaublich einsame Strecken und stoppten nur für Fotos, Kaffee oder zum Essen. Tourguide Michael beeindruckte die eher kleine Gruppe sowohl mit seinem Fahrkönnen, als auch mit seiner geradezu unheimlichen Ortskenntnis. Wäre sein Spanisch so flüssig gewesen wie sein Fahrstil, hätte ich ihn sofort für einen Einheimischen gehalten. Wir fuhren auf der spanischen Seite der Pyrenäen bis hinüber an den Atlantik, verbrachten einen Rasttag in Pamplona und dann ging es auf der französischen Seite wieder zurück zum Mittelmeer. In Frankreich sind die Straßen nicht so gut in Schuss wie in Spanien, dafür enger, ursprünglicher irgendwie. Keine Schlucht ist zu eng, keine Felswand zu steil, als dass die Franzosen nicht eine Straße hineinschnitzen könnten. Faszinierend!

Motorrad-Tour in den Pyrenäen
Ein Guide mit Ortskenntnis ist in den Pyrenäen ein Riesenvorteil

Nach der Tour ist vor der Tour, soviel war klar, doch ich stand vor einem Dilemma: zu viele Destinationen im Edelweiss-Katalog. Südspanien, Süditalien oder lieber Südfrankreich? Eigentlich egal, grenzenloser Motorradspaß ist sowohl hier als auch dort garantiert. Ich entschied mich für Andalusien, denn spanische Straßen sind schön gepflegt und sehr griffig und weil ich ein deutlich stärkeres Fahrzeug ausprobieren wollte (S1000XR), schien mir Grip durchaus wichtig zu sein.

Ich wurde nicht enttäuscht. Weder von den Strecken (unfassbar kurvig und griffig!), noch vom Motorrad (unfassbar stark!), noch vom Wetter (unfassbar schön!), noch vom Essen, der Gruppe, dem Tourguide, den Hotels, sogar die Anreise nach Málaga per Billig-Airline war durchaus angenehm. Konsequent verzichteten wir auf alle berühmten Sehenswürdigkeiten, hielten uns von großen Straßen fern und auch von allen größeren Städten. Der Lohn waren leere Straßen und das Gefühl, ungefiltert im echten Spanien unterwegs zu sein. Sieben Tage fuhren wir uns die Reifen wund, vernichteten Angststreifen und -nippel und schlugen dem grauen Wetter des Nordens ein Schnippchen. Es war ein Rausch, ein Traum und ich wollte mehr.

Traumtouren mit dem Motorrad auf den kanarischen Inseln

Und ich bekam mehr, schon im Folgejahr ging es auf die Kanaren, wo uns Tourguide Peter so zielsicher durch das Gewirr aus kleinsten Bergstraßen lotste, dass ich schwören könnte, er wäre dort aufgewachsen. Auch sein Wissen schien grenzenlos, keine Frage blieb unbeantwortet, auch wenn ich dem Schlitzohr durchaus zutrauen würde, hin und wieder mal etwas zu erfinden. Ha! Aber ich nehms dir nicht übel, Peter! Unter strahlend blauem Himmel bewunderten wir den gewaltigen Vulkan Teide auf Teneriffa, die üppige Vegetation auf La Gomera und die zerklüftete Bergwelt Gran Canarias. Viele der Straßen dort sind nur einspurig und die Kurven oft so eng, dass man den Lenker bis zum Anschlag drehen muss. Für diese Tour hatte ich mir eine Ducati Multistrada gegönnt, ein faszinierendes Motorrad mit unglaublichen Leistungsreserven, die man auf den meisten Strecken der Kanaren nicht ansatzweise ausreizen kann. Ein Mit-Teilnehmer aus den USA tauschte für einen Tag mit mir und ich bekam die neue R1250GS zu fahren, was zur Folge hatte, dass ich für den Rest der Tour kaum noch schlafen konnte und mir schon wenige Wochen später eine neue BMW bestellen musste. Ich hatte keine Wahl, Widerstand war zwecklos.

Durchkreuzte Pläne

2020 wollte ich dann nach Italien, nach Sardinien, um genau zu sein. Nicht nur Peter hatte mir diese Insel empfohlen, auch im Internet wurde heftig geschwärmt von den genialen Straßen, die sich weder bei der Kurvigkeit noch beim Grip hinter den spanischen verstecken müssen. Die Sardegna Extreme ist etwas kürzer als die anderen, deshalb wollte ich noch eine Woche dranhängen und in der Toskana eine der neuen Unpaved-Touren ausprobieren, aber wie wir alle wissen, hatte Corona andere Pläne und sorgte für geschlossene Grenzen.

Deshalb träume ich jetzt von 2021 und überlege, gleich noch eine weitere Tour zu buchen. In Griechenland war ich noch nie, die Extrem-Tour auf Kreta reizt mich sehr. Eine geräumige, abwechslungsreiche Insel mit Bergen und Buchten, mit fast garantiert schönem Wetter und mit definitiv garantiert tollem Essen, ja, das wärs. Ein Blick auf die Landkarte, die ich mir vorsichtshalber schon mal besorgt habe, verspricht endloses Kurvenvergnügen. Gerne würde ich wieder mal ein neues Motorrad austesten, vielleicht die BMW F900XR oder die Yamaha T7 Ténéré, etwas Wendiges jedenfalls, denn überbordende Power ist auf Kreta wahrscheinlich eher unnötig. Ich freue mich auf sechs Tage Motorradfahren, auf nette Leute und gutes Essen, einfach auf eine problemlose Tour, die genauso unvergesslich sein wird wie ihre Vorgänger. Und nein, ich werde mir nicht merken, wo wir genau gefahren sind. Mir genügt es, wenn einer in der Gruppe weiß, wos langgeht…

Bericht vom 22.12.2020 | 3.414 Aufrufe

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