In den Alpen mit der Yamaha Niken GT - Schweiz Motorrad-Tour Pt.3

Auf drei Rädern durch die Schweiz

Auch am letzten Tag der 1000PS Kurzreise durch die Schweiz werden noch einmal Pässe genossen und Kurven gefressen. Die Yamaha Niken GT zeigt noch einmal, was in ihr steckt. Stärken werden unterstrichen und Mängel aufgedeckt!

Glockengeläut weckt mich in der Früh. In der Altstadt von Chur beginnt sich schon langsam das Leben zu regen, während die aufgehende Sonne leicht durch die Wolkendecke schimmert. Es ist der dritte und letzte Tag meiner Schweiz-Reise. Am ersten tag war ich noch auf der Yamaha Tracer 700 (Link zum Bericht hier) und am zweiten schon mit der Yamaha Niken GT unterwegs (Link zum Bericht hier). Heute erwarten mich noch einmal knapp 300 km Fahrt von Graubündens Hauptstadt Chur im Osten bis nach Sursee in der Nähe von Luzern. Die gesamte Tagestour könnt ihr euch in unserem 1000PS Tourenplaner anschauen und herunterladen. Meine Reisegefährtin ist auch an diesem letzten Tag die Yamaha Niken GT. Noch ein letztes Mal möchte ich den dreirädrigen Grip in der Schweizer Traumlandschaft auskosten. Ein schneller Kaffee in Churs bezaubernder Altstadt und schon geht es los.

Yamaha Niken GT vs Tracer 700 - Der direkte Vergleich am Furkapass

Die Anzahl an Möglichkeiten, um von Chur aus westwärts zu fahren, halten sich in Grenzen. Da die Route entlang der 13er Autobahn in Richtung Zürich recht schnell das Hochgebirge verlässt, entscheide ich mich für die andere Option über die Bundesstraße 19. Entlang des Vorderrhein geht es gute 80 km in sanften Kurven, durch zahlreiche hübsche Ortschaften bis nach Andermatt. Ein paar wenige Kehren hinunter nach Andermatt und schon befindet man sich wieder im All-Star-Achter, direkt am Furkapass und Gotthardpass. Da ich westwärts muss, geht es noch einmal über den Furkapass. Beim ersten Mal überquerte ich ihn noch mit der Yamaha Tracer 700, also kann ich hier einen direkten Vergleich ziehen.

Die Bedingungen sind ähnlich wie beim ersten Mal. Die Wolken hängen zwar tief, doch die Fahrbahn ist trocken und es herrschen Temperaturen um die 15 Grad. Ausreichend gut, um es ein bisschen krachen zu lassen. Im direkten Vergleich ist die Tracer natürlich handlicher als die Niken. Das liegt aber weniger am unterschiedlichen Vorderrad-Konzept, als einfach am großen Gewichtsunterschied. 196 kg lassen sich einfach leichter von einem Radius in den nächsten werfen als 267 kg. Die Niken lässt sich sehr gut umlegen und fährt in Schräglage so stabil wie eh und je, aber im trockenen bei top Straßen-Bedingungen haben normale, leichtere Motorräder die Nase vorne. Ihre größten Stärken zeigt die Niken erst bei suboptimalen Bedingungen, wie ich später noch lernen sollte.

Grimselpass - Landschaftlicher Traumpass in der Schweiz

Vom tollen Furkapass geht es wieder vorbei am Hotel Belvedere und ins verlassene Gletsch. Doch diesmal gebe ich den Rufen der gleich über dem Dorf beginnenden Serpentinen des Grimselpasses nach und biege rechts ab. In den gleichmäßigen Serpentinen, welche auf einer Strecke von 6 km über 400 Höhenmeter erklimmen, kann man viel Spaß haben. Wobei hier auf den etwas längeren Geraden die Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h doch dezent einschränkend ist. Aber vor allem außerhalb der Hochsaison, wenn der Pass nicht voller Touristen ist, bleibt der Grimselpass ein Traum. Nach dem fahrerischen Hochgenuss in Form der Südrampe folgt das landschaftliche Schmankerl. Die Passhöhe auf 2164 m.ü.M. bietet eines der schönsten Panoramen dieser Reise (siehe Titelbild). Breit steigen die Bergflanken der umliegenden 3000er hinauf. Gewaltige Gipfel, scharfes Geröll, urgewaltige Gletscher bis in die Ferne und direkt um die Passhöhe drei helltürkise Stauseen. Mehr hochalpiner Flair ist schwer möglich.

Die Nordrampe ist landschaftlich auch interessant. Ein paar wenige Kehren führen noch am Räterichbodensee vorbei, dann geht es teilweise durch Tunnel und in langgezogenen Kurven an mächtigen Geröllfeldern vorbei. Früher war der Grimselpass sogar berüchtigt für seine gefährlichen Felsstürze, doch das wurde 2001 mit einer Sprengung von 150.000 m³ Gestein, der größten Sprengung der Schweiz, gelöst. Ich lasse mir bei der Abfahrt Zeit, nehme die urgewaltige Landschaft in mich auf und stelle mir vor, wie es wohl aussah, als hier ganze Bergflanken abbrachen und ins Tal stürzten. Der Grimselpass ist ein würdiger Abschluss meines Trips durch das Schweizer Hochgebirge.

Mit dem Motorrad über das Entlebuch - Die Niken offenbart einen dreckigen Nachteil

Nun steht die letzte Etappe an. Doch davor muss ich sowohl mich selbst, als auch die Niken mit frischem Kraftstoff versorgen. Mit ihrem 18-Liter-Tank komme ich, bei einem durchschnittlichen Verbrauch von knapp über 5 l/100km, gute 300 Kilometer weit. Nach der Stärkung geht es weiter in das letzte Highlight der Reise: Das Entlebuch.

Das Entlebuch ist eines von zwei von der UNESCO geschützten Gebieten in der Schweiz. Auszeichnen tut sich das Gebiet durch einen extrem ruralen Charakter und eine vielseitige Landschaft mit Hochmooren und Karstgebieten. Die südöstliche Auffahrt ins höher gelegene Entlebuch liegt nicht unweit der Nordrampe des Furkapasses und biegt von der Bundesstraße 4 in Giswil ab. Die sehr enge, hauptsächlich einspurige Straße führt in einer nicht enden wollenden Kette von engen Kurven hinauf auf über 1000 m.ü.M. Durch die zahlreichen uneinsichtigen und schmalen Kurven muss man zwar auf eventuellen Gegenverkehr Acht geben, aber trotzdem ist die Strecke ein fahrerischer Hochgenuss. Üblicherweise! Bei mir sieht es etwas anders aus. Einmal im Jahr werden die Kühe im alljährlichen Abtrieb im Herbst von den höher gelegenen Almen hinunter ins Tal getrieben. Natürlich war es genau dieser Tag, als ich über das Entlebuch fahren wollte. Dreimal muss ich insgesamt stehen bleiben und gigantische Züge von Kühen passieren lassen. Hunderte Rinder mit geschmückten Halsbändern und riesigen Glocken veranstalten einen Höllenlärm, der von vielen Schaulustigen am Wegesrand freudig begrüßt wird. Der Almabtrieb ist auch ein Volksfest und traditionell von anderen Veranstaltungen und Festlichkeiten begleitet. Selbst in Zeiten von Corona lassen sich die Schweizer das nicht nehmen.

Geduldig warte ich das Spektakel ab und setze nach der durchgezogenen Herde meinen Weg fort. Doch wo viele Kühe verkehr'n, sind die Kuhfladen nicht fern! Die Straße ist komplett verdreckt. Kuhfladen sind durch die nachstapfenden Kühe zu meterlangen Scheisse-Streifen verschleppt worden. Bei der Niken ist die mögliche Rutschgefahr durch die Bremsspuren der Kühe zwar zu vernachlässigen, aber die abenteuerlich Fahrt offenbart mir einen Nachteil des neuartigen Vorderrad-Konzepts. Bei herkömmlichen Bikes werden vorne aufgewirbelte Verunreinigungen, Nässe oder Schlamm vom Spritzschutz, oder vom Motorrad selbst, aufgefangen. Doch bei der Niken sind die Vorderräder mit ihrer Spurbreite von 410 mm nur knapp schmaler, als die Niken selbst und damit auch die Beine des Fahrers. Das Ergebnis ist, dass mir die Scheisse buchstäblich um die Ohren fliegt. Links und rechts spritzt es vorbei und verpasst den Seiten der Niken, und auch meinen Stiefeln und meiner Hose, eine nettes Camouflage-Muster aus halbverdauten Grasresten. Alpen pur!

Doppelt leiwand - Fazit zur Schweiz Reise und zur Yamaha Niken GT

Aber auch trotz der fliegenden Kacke genieße ich die letzten Meter im bezaubernden Entlebuch und denke schon wehmütig daran, wie ich in Kürze die Niken zurückgeben und die Schweiz wieder verlassen muss. Diese Reise hat mir nicht nur die Alpen von der schönsten Seite gezeigt, sondern mich auch mit zwei super Motorrädern überrascht. Hier war vor allem die Niken GT DIE Sensation für mich. Nie im Leben hätte ich gedacht, das ein über 260 kg schweres Eisen mit drei Rädern so unfassbar leiwand zu fahren sein kann. Egal ob beim Cruisen, oder sportlichen Hinaufnageln am Pass - die Niken überzeugt. Vor allem dann, wenn die Bedingungen nicht perfekt sind. Es fällt mir schwer nicht Lobhudelei zu betreiben, aber mir fallen ehrlicherweise keine wirklich negativen Punkte ein. Beim Yamaha-Händler in Sursee gebe ich sie nur widerwillig ab. Selbst so verdreckt wie sie ist, gefällt sie mir noch immer und die Fahrerei auf ihr wird mir abgehen. Ein letzter Blick zurück auf die Niken und auf die in der Ferne schimmernden Berge, und ich steige in den Zug in Richtung Zürich. Noch während sich die Türen schließen, hoffe ich auf ein baldiges Wiedersehen mit beidem. Sowohl die Niken GT, als auch die Schweiz - Beide waren einfach leiwand!

Mein Equipment

Auf dieser Tour habe ich mich in meine 1er-Tourenpanier geworfen, um gegen alle Überraschungen und Wetterkapriolen der Schweizer Alpen gewappnet zu sein. Als Helm trage ich den HJC i90 Hollen in der MC21 Variante. Dieser komfortable Klapphelm bietet alles, was man auf einer Tour braucht und ist auch schon vorbereitet für ein Bluetooth-System. Meine Textilkombi von Held liegt im mittelwarmen Bereich und ist wasserresistent genug, dass man selbst bei stärkeren Regenschauern nicht sofort die Regenponchos herausholen muss. An den Füßen trage ich Gear Hipora Tourenstiefel von Held. Als Ergänzung der Seitenkoffer der Niken und Tracer habe ich das super vielseitige SW-Motech Drybag 350 hinten draufgeschnallt. Dieses hat mich bereits auf in Norwegen und auch Slowenien begleitet und zeichnet sich durch hohe Widerstandsfähigkeit und eine einfache Montage auf jedem Motorrad aus.

Den HJC Helm sowie weiteres Motorrad Zubehör und Gewand findest du im Auner Online Shop.

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Bericht vom 06.10.2020 | 3.499 Aufrufe

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