Bike und Wellness

Der Genuß beim Tourenfahren muss sich nicht nur auf die Zeit im Sattel beschränken.

Bike, Wellness & Genuss

Von Massage-Salons, Sauna-Landschaften und Gourmet-Tempeln

Schlosshotel Seewirt: das älteste Haus auf der Turrach. Hinterm Haus ist’s grün & ruhig,
die (Pass-)Straße ist weit weg.

 
Es muss nicht Zelt und Matratzenlager sein, wo man sich als Motorradfahrer nach einer ausgiebigen Tour nächtens hin(ein)bettet. Es geht auch auf die komfortable und edle Art. Und das ist weder eine Frage des Alters, wie man glauben könnte, noch eine Frage des dicken Geldbörsels. Ausprobiert auf einer Runde zwischen Turrach, Nauders und Heiligenblut.
Auf 1700 Meter Seehöhe kann’s im Hochsommer ganz schön kalt werden. Nicht erst dann, wenn die Sonne sich in Richtung Horizont begibt. Da genügt schon ein bisschen Regen, dass es einen gehörig herschauert. So wie auf der Anreise zur Turracher Höhe.

Da kam es, wie es kommen musste: In Wien noch sonnig und heiß, auf dem Semmering schon reichlich trüb, aber noch trocken, in Bruck an der Mur bereits feucht und in Scheifling dann leichter Regen. Aber nicht kalt. Noch nicht.

Auf halber Auffahrt zum Zielort, eben der Turrach, hörte der leichte Regen auf, das Wetter änderte sich nachhaltig: Es begann wie aus Kübeln zu schütten. Und die Temperatur stürzte - gefühlsmäßig - um zwanzig Grad in den Keller. Dreckig war’s auf der Straße dank der vielen Baustellen auch. Bei der Ankunft im Schlosshotel Seewirt bot ich ein Bild des Jammers: Nass bis auf die Haut, schlammig und blau gefroren.

 

Gut ist’s, wenn ein Wirt sowas kennt. Aus eigener Erfahrung. So wie Richard, „Seewirt“-Chef. „Das Motorradl stellst da eine. Bevorst ins Zimmer gehst, trink amal was.“ „Aber ich bin durch und durch nass!“ „Na und?“ sagt der Richard: „Meine Sachen sind mindestens so nass und dreckig wie deine.“ Er ist auch grad von einer Runde zurückgekommen. Durch den Gatsch. Mit der Husky. „Na gut!“ sage ich. Überredet. „Aber das Gepäck nehm ich zuerst noch runter. „„Prosecco?“ Das lass’ ich mich von Richards Elke nicht zweimal fragen. Nach dem zweiten Glas bin ich beschwingt genug, um keinen Gedanken mehr an Nass und Kalt zu verschwenden. In der Stube ist es warm.

„Die Sauna ist angeheizt.“ Was für ein Stichwort! Rauf aufs Zimmer – Gepäckrolle und Rucksack liegen schon drin – raus aus den nassen Sachen, rein in den Bademantel und los! Heiße Dusche, heißer Tee, heiße Sauna, kühle Dusche, mollig warmes Schwimmbecken. Entspannung ist angesagt. Ich ruhe im schummrigen Dämmer und döse ein. Eine sanfte Stimme säuselt mir nach einer für mich unbestimmbaren Zeitspanne ins Ohr: „Können wir jetzt mit der Massage beginnen?“ Ja, wir können!

Spät kann’s noch nicht sein. Es ist draußen noch hell. Heller als bei meiner Ankunft. Die Wolkendecke ist aufgerissen, ein Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch spielt sich draußen ab, während drinnen die Masseuse auf meinen Nacken- und Rückenmuskeln entspannend Klavier spielt. Derweilen trocknen meine Sachen im Heizungskeller. Die Chancen für einen nicht feuchten Abgang am nächsten Tag stehen ausgezeichnet. Vor dem Abendessen – der Magen meldet Nachfüllbedarf an – mache ich noch ein kurzes Nickerchen. Das braucht’s. Und außerdem ist heute Abend Zeltfest angesagt. Auch wenn’s herbstlich kalt ist. Es gibt ja Fleece-Jacken und Heiz-Pilze.

 
Dass Essen im Zelt nicht essen von Papiertellern und trinken aus Plastikbechern heißen muss, beweisen die Seewirts-Leute. Das Menü ist vom Feinsten, der Service auch. Der Vorspeisen-Buffet-Tisch biegt sich, es gibt handverlesen Heimisches genauso wie Köstliches vom südlichen Nachbarn. „Heute gibt’s als Hauptgang nichts Besonderes“ lautet die Ankündigung: „Cordon bleu.“

Ist mir ganz und gar nicht unrecht. Nach Nass und Kalt kommt etwas Deftiges gerade richtig. Muss ja meine Batterien auffüllen. Das Bier dazu passt perfekt. Der feine Weiße zum Nachspülen überhaupt. Und die Destillate der Gegend standen immer schon in gutem Ruf.

So abgefüllt und eingelullt entere ich nicht zu spät mein Zimmer. Morgen ist ein anderer Tag. Das Wetter verspricht, besser zu werden. Ich habe einen nicht wenig weiten Weiter-Weg vor mir. Wie zum Hohn weckt mich spätnachtens ein heftiges Wasserrauschen. Was ich im Halbschlaf für die Dusche des Nachbarn gehalten habe – was gar nicht gegangen wäre, weil die Seewirt-Zimmer ziemlich schalldicht sind – entpuppt sich als Dauer-Wolkenbruch. Na super! Schöne Aussichten!  

Gut behütet und bedacht ruhen die Motorräder in der Garage. Wenn mehr davon kommen, gibt’s auch ein Zelt. Wenn man nicht zu lang an der Hotelbar bleibt, kann man die heimelige Zimmer-Atmosphäre länger genießen.
 
Die beginnen sich am Morgen zu klären. Zwar ist die Landschaft rundum pitschnass, doch der Himmel ist stellenweise blau und ein Lüftchen regt sich. Zuerst einmal Frühstück. Das auszulassen wäre eine Sünde. Genauso, alles aufzuessen. Denn dann müsste ich gleich wieder schlafen gehen. Theoretisch und praktisch käme ich den ganzen Tag mit dem aus, was hier geboten wird an Wurst-, Käse- und Schinkenvariationen plus Beiwerk à la Semmel und Brot. Auch der Kaffee ist top, das ist ganz wichtig.
 

Auf dem Weg von Meran über den Reschen nach Nauders ist der Reschensee inklusive ertrunkenem Kirchturm ein Pflicht-Fotostopp.


Mehr als gestärkt lege ich meine – staubtrockenen – Sachen an
, packe auf und rolle mit allen guten Reisewünschen talwärts, in Richtung Ebene Reichenau und Radenthein. Kärnten hält, was es verspricht. Die Sonne setzt sich durch, am Millstätter See treffen die ersten Badegäste ein. Nach Lienz geht’s die Direttissima über Spittal, weiter nach Sillian und dann ins italienische Pustertal. In Brixen wollte ich Münze werfen: Entweder fad und direkt via Bozen nach Meran oder lustig und über viele Kurven – siehe Jaufenpass – auch nach Meran.
 

Burg Naudersberg: Hüterin von Nauders.


Die Münze bleibt im Börsel.
Im Norden zucken die ersten Blitze. Zum Gück in Meran nicht. Und schon gar nicht am Reschenpass, wo ich – endlich – ein paar geile Kurven resch angehen kann. Mit obligatem Fotostopp beim aus dem Reschensee ragenden Kirchturm. Jedenfalls ist hier von Gewitter oder Ähnlichem weit und breit keine Spur. Es ist heiß hier oben. Es ist auch heiß in Neuders, nur unwesentlich kühler als zuvor in Meran.
 

Vor dem Abendessen ein kleiner Rundgang – das lockert die Gesäßmuskeln und schafft Platz im Magen.


Und was lernen wir daraus?
Es braucht keine kalte Regenfahrt, um sich auf Schwimmbecken und Sauna zu freuen. So sehr, dass die Begrüßungszeremonie im Naudererhof kürzest ausfiel. „Grüß Gott.“ Motorrad in den Stall, Gepäck abladen, rauf ins Zimmer, runter mit dem Lederzeug und rein in den Bademantel. Der Rest lief ab wie am Tag zuvor, mit allem Drum und Dran: Saunieren, Dampfbaden, Schwimmen, Massage, Entspannen etc. in der eindrucksvoll weitläufigen Wellness-Landschaft. Als Draufgabe gab’s spätnachmittägliches Im-Garten-Liegen. Bis zum letzten Abendsonnenstrahl. Einen Unterschied zu gestern gab’s auch noch: Abend- oder vielmehr Vorverdauungsspaziergang statt eines Nickerchens.
 

Kurt, der Chef vom Nauderer Hof, ist ein passionierter und versierter Gasgeber.


Der war auch notwendig!
Das Fünf-Gänge-Menü spielte alle Stückeln, von der Suppe über den (Fisch-)Hauptgang bis zum Dessert. Inklusive Service. Und Wein. Gediegen. Und dezent. Fast weihevoll, mit Kerzen und Kronleuchtern. Wer sagt denn auch, dass „Biker“ nur mit den Fingern essen und sich ins Tischtuch schneuzen (müssen)? Dergestalt gesättigt wurde die kurz ausgefallene Begrüßungszeremonie mit dem Chef des Hauses, Kurt, lang nachgeholt. Mit einem ausführlichen Benzingespräch samt einem appetitlichen Ausblick aufs örtliche Kurvenmenü. Vom Engadin über den Ofenpass bis zum Stilfser Joch liegt alles mehr oder weniger unmittelbar vor der Haustüre. Wenn gewünscht, unter kundiger und engagierter Anführung des Haus-Chefs.
 

Wenn das Wetter passt, sind die ersten schon früh auf den Beinen – und den Rädern.

Diese lasse ich mir tags darauf auch ein Stück des Weges angedeihen. Auch wenn ich die Strecke von Nauders bis Landeck einigermaßen gut kenne. Dachte ich. Kurt zeigte mir einen „Umweg“ (der wegen einer Baustelle der einzig mögliche Weg war), den ich noch nicht so gut kannte. Über Spiss.

Nachdem ich aber leider weitermusste, konnte ich mir keine weiteren Variationen servieren lassen. Wenigstens das Kühtai habe ich auf dem nicht unweiten Weg nach Fusch an der Glocknerstraße mitgenommen.


Das alles spielte sich bei strahlendem Wetter ab.
Bis so gegen drei Uhr nachmittags, als ich in Zell am See zum Tanken (und Kaffee trinken) stoppte. Da begann das übliche Lied, wohl ein Kennzeichen des Sommers 2008: Hitze, Schwüle, schwarze Wolken. Vom Großglockner herunter eine endlose Kolonne. Eine flüchtende. Es zuckten die ersten Blitze. Aber es gab kein Entrinnen. Ich musste nach Heiligenblut. Ausweichmöglichkeit gibt’s keine wirkliche, außer langweiligen und langzeitigen Umwegen über Felber Tauern oder Tauernschleuse. Wo’s schließlich genauso gewittern und regnen kann.
 
Also könnte man sagen: Augen zu und durch. Durch schon, Augen zu aber nicht. Die blieben weit offen. Der Gashahn auch. Denn das Blitzezucken kam bedrohlich und schnell näher. Der erste Regenguss folgte gleich darauf. Deshalb ließ ich Edelweißspitze und Franz Josefs-Höhe links und rechts liegen, passierte das Hochtor und versprach, bald, sehr bald wiederzukommen. Auf mobiles Duschen hatte ich so oder so keine Lust und schon gar nicht in der lichten Höhe der Großglockner Hochalpenstraße.

 

Ob Ofenpass- oder Stilfserjoch-Runde oder beides, die feinsten Strecken liegen vor der Haustüre.

Essen mit Aussicht: Der Fenster-Blick aus dem Restaurant des Glocknerhofs.


In Heiligenblut war der Zauber vorbei.
Alles trocken, alles abendsonnig. Was soll’s? Alleine schon die Aussicht auf die nächste Runde Schwimmen und Saunieren belohnte fürs Schwitzen – zuerst wegen der Affenhitze, dann wegen der Angst, vom Glockner-Blitz getroffen zu werden.

„Ist es ihnen recht, dass wir für 18 Uhr einen Massage-Termin für sie reserviert haben?“ lautete heute die Begrüßungsformel im Glocknerhof. Da kann man ja nicht nein sagen! Also gleich Gepäck abschnallen und den Bock in den Hinterhof verfügen. Der Ablauf des Rests ist bereits bekannt. Schwimmen, Sauna, Dampfbad. Und ein Weilchen auf der aussichtsreichsten Liegewiese der ganzen Rundfahrt verbringen. Mit Blick aufs Glocknermassiv. Sehr meditativ und kontemplativ. Noch dazu mit der Aussicht auf eine sogenannte Kräuterstempel-Massage. Die im Verein mit den zuletzt doch recht hastig zurückgelegten Kilometern für genügend Platzreserven im Magen sorgte.

Kurzum: Das Abendessen war ebenso variationsreich wie köstlich. Mit toller Aussicht ins Tal übrigens. Und erst der Ausklang an der Bar! Der offene Kamin war zwar nicht angefeuert – kalt war’s keineswegs – aber es war trotzdem urgemütlich.
 

Das Motorrad schläft im Hinterhof. Zum Aufpacken darf es aber vor der Tür stehen.


Aber leider schon vorbei. Nach dem opulenten Frühstück geht’s wieder retour, in Richtung Arbeits-Bergwerk. Noch ein paar Tage Motorrad fahren, Wellnessen und fein speisen wären schon schön gewesen. Der Glockner hätte auch noch einmal gerufen. Eine Nacht pro Station ist einfach zu wenig. Mindestens zwei müssten es sein. Doch der Terminkalender ist voll. Und: Nächstes Jahr ist ein anderes Jahr. Dann aber bestimmt zu zweit.
 
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Text: Trixi Keckeis
Fotos: Trixi Keckeis, Naudererhof

Bericht vom 30.09.2008 | 10.446 Aufrufe

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