MotoGP Qatar 2024 - Ducati wieder weltmeisterlich

Pecco Bagnaia holt sich den ersten Sieg der Saison!

Das ersten Rennen der MotoGP-Saison 2024 in Qatar zeigt deutlich, dass die Kräfte ganz ähnlich verteilt sind, wie am Ende der letztjährigen Saison. Ist die MotoGP also plötzlich langweilig geworden? Keineswegs, denn sowohl die altbekannten Stars, als auch einige Neubesetzungen und ein ganz besonderer Rookie sorgten für ein überaus spannendes Rennen!

Ich habe das Drehbuch des ersten MotoGP-Rennens der Saison natürlich nicht gekannt, habe aber im Vorfeld schon erwartet, dass es bestimmt nicht langweilig wird - und wurde erneut vom Spannungsbogen nicht enttäuscht! Seit Jahren schafft es die Königsklasse des Motorrad-Rennsports nun bereits, das Publikum stets aufs Neue zu begeistern und genau so beginnt es auch beim Saisonauftakt 2024 in Qatar am Lossail International Circuit.

Die MotoGP2024 bot schon vor dem ersten Rennen enorm viel Action!

Bereits die vielen unerwarteten Rochaden vor der eigentlichen Rennsaison, wie eben, dass Marc Marquez nach 12 Jahren bei Honda zum Ducati Kundenteam Gresini Racing wechselte, dass Valentino Rossis Halbbruder Luca Marini wiederum dessen Platz bei Honda übernahm, dass es Franco Morbidelli zu Prima Pramac Ducati zog, Alex Rins dafür zu Yamaha und Johann Zarco zu Honda sind nur einige Highlights, die man bereits vor der eigentlichen Action genießen konnte. Und dann waren da ja noch die Testfahrten, die so manche Schwäche oder Stärke der Fahrer und der Maschinen ans Licht brachten - Marquez kam mit der, für ihn bisher unbekannten Ducati schon mal einigermaßen gut klar. Mit Ducatis neuem Renneisen, der DesmoGP 24 kamen nahezu alle Fahrer sehr gut zurecht, die japanischen Hersteller Honda und Yamaha haben zwar Fortschritte gemacht, waren aber dennoch nicht konkurrenzfähig und Franco Morbidelli durfte wegen eines harten Aufpralls bei einer Trainingsfahrt erst bei den Rennen in Qatar sein neues Arbeitsgerät besser kennenlernen.

Bagnaia siegt souverän. Warum ist die MotoGP trotzdem so spannend?

Das Ergebnis des ersten Rennens der MotoGP-Saison 2024 in Qatar ließe eigentlich erwarten, dass es kein sonderlich spannender Lauf gewesen sein könnte: Der zweifache Weltmeister Francesco Bagnaia sicherte sich vom fünften Startplatz aus bereits nach wenigen Kurven in der ersten Runde die Führung und gab diese bis ins Ziel mit einem deutlich sichtbaren Vorsprung auch nicht mehr aus der Hand. Klingt langweilig, ist es aber keineswegs! Denn abgesehen davon, dass es immer wieder eine Freude ist, die souveräne Fahrweise des talentierten Italieners zu bewundern, spielte sich hinter der roten Ducati dermaßen viel ab, dass es nur so eine Freude war!

Der Rookie Pedro Acosta zeigt auf seiner Gasgas RC16 sein Potential

Trotz der umstrittenen Aerodynamik der Maschinen, die Überholmanöver massiv erschwert, war das erste Rennen dennoch gespickt mit spannenden Duellen. Maßgeblich daran beteiligt war der einzige Rookie der Saison 2024, Pedro Acosta auf seiner Gasgas, die eigentlich nichts anderes als eine KTM RC16 ist. Der junge Spanier wollte offensichtlich gleich beim ersten Rennen sein Potential unter Beweis stellen und fuhr vom achten Startplatz während des Rennens bis auf den vierten Platz nach vorne! Zwar wurde im letzten Drittel des Rennens klar, dass Acosta zuvor seine Reifen etwas zu sehr verheizt hatte und dadurch wieder auf den neunten Rang zurückgereicht wurde, allerdings bereut er seine Taktik keineswegs, denn so konnte er sich enorm viel von den vorderen Fahrern abschauen und für die Zukunft lernen.

Marc Marquez liefert auf der Gresini Ducati von 2023 eine gute Show ab

Unter anderem konnte er dabei sogar den mittlerweile als Altmeister bezeichneten Marc Marquez, erstmals auf Ducati bewundern und sogar überholen, der seinerseits ebenfalls sehr zufrieden mit seiner Performance sein kann. Von Platz sechs gestartet, fuhr Marquez ein gutes, vor allem sicheres Rennen auf Platz vier nach Hause. Es ging ihm eindeutig um Konstanz - da es aber das erste Rennen auf dem neuen Fabrikat war, verzeihen wir ihm gerne, dass er nicht so angriffslustig war, wie wir es üblicherweise von ihm kennen - da kommt im Laufe der Saison sicher noch mehr!

Jorge Martin macht auf seiner Pramac Ducati da weiter, wo er 2023 aufgehört hat!

Auch der, im Vorjahr schärfste Herausforderer von Pecco Bagnaia, Jorge Martin brillierte wieder mit seinem spektakulär schrägen und richtig schnellen Fahrstil. Im Hauptrennen am Sonntag fährt er seine Pramac Ducati DesmoGP24 zwar nur auf Platz drei, im Samstags-Sprint (seit letztem Jahr werden einen Tag vor dem Hauptrennen kürzere Läufe mit halber Distanz und dafür auch halben Punkten ausgetragen) holte er dafür den Sieg und manifestierte wie bereits im Vorjahr, dass er auf die halbe Distanz nur ganz schwer zu schlagen ist.

Brad Binder erntet mit Platz 2 auf der KTM RC16 viel Lob und Respekt

Dass sich dazwischen, bei beiden Rennen auf Platz zwei Brad Binder schob, darf natürlich aus österreichischer Sicht besonders gefeiert werden - immerhin startet der Südafrikaner auf einer KTM und beweist eindrucksvoll, dass die RC16 fast auf Augenhöhe mit den übermächtigen Ducatis rangieren kann. Falls jemand an der Stärke Ducatis zweifelt, muss nur auf die restlichen Platzierungen der Top 10 blicken: Auf den Rängen fünf bis acht sind mit Enea Bastianini (Ducati-Werksteam), Alex Marquez (Gresini Ducati) und Fabio di Giannantonio (VR46 Ducati) drei weitere Exemplare der Roten zu finden. Erst auf Platz acht unter der Regie von Aleix Espargaro die erste Aprilia, gefolgt vom bereits hochgelobten Pedro Acosta auf seiner Gasgas, die ja nichts anderes ist, als eine KTM RC16 und schließlich Maverick Vinales auf der zweiten Werks-Aprilia RS GP.

Was ist los mit den japanischen Herstellern Honda und Yamaha?

Deutlich abgeschlagen sind leider erneut die japanischen Hersteller Honda und Yamaha. Zwar lobten die beiden Yamaha-Piloten Fabio Quartararo und Alex Rins die Fortschritte beim Speed ihrer M1 und die Honda-Fahrer durch die Bank die bessere Fahrbarkeit ihrer Arbeitsgeräte RC213V, allerdings hätten sie nicht erwartet, dass auch die europäischen Hersteller erneut große Fortschritte machten und der Rückstand daher nach wie vor eklatant ausfällt. Ich hoffe daher umso stärker, dass die Zugeständnisse an die japanischen Hersteller in Bezug auf mehr Testmöglichkeiten, Weiterentwicklung der Motoren und ein größeres Reifenkontingent bald Früchte trägt und auch Honda sowie Yamaha wieder ganz vorne mitmischen.

Tendenzen sind sichtbar, aber jeder kann siegen!

Nach den ersten beiden Rennen (wenn man den Sprint als Rennen wertet) sind zwar bereits Tendenzen ersichtlich, entschieden ist aber noch lange nichts. Man wird erst beim nächsten Lauf in Portimao (Portugal) erkennen, welcher Fahrer und welches Fabrikat sich am schnellsten an die Begebenheiten anpassen kann, denn in Qatar war durch den zweitägigen Test im Vorfeld des Grand Prix schon viel geklärt. Die ersten drei Fahrer liegen nach dem ersten Rennwochenende jedenfalls auch denkbar knapp beisammen. Pecco Bagnaia führt auf seiner Ducati mit 31 Punkten, gefolgt vom KTM-Aushängeschild Brad Binder mit 29 Punkten und dem erneut hochmotovierten und pfeilschnellen Jorge Martin auf der Kunden-Ducati mit 28 Punkten.

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Bericht vom 11.03.2024 | 4.987 Aufrufe

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