Dakar 2023: Tagessieg für Barreda Bort, Walkner denkt an Aufhören

Für das Hero-Team wurde die vierte Etappe zum Desaster

Auf der vierten Etappe der Rallye Dakar 2023 behauptete der Australier Dan Sanders (GasGas) seine Gesamtführung, den Tagessieg über die 573 Kilometer (davon 425 gewertet) mit Start und Ziel in Ha’il sicherte sich Joan Barreda Bort (Honda). Für das deutsch-indische Hero-Team spielte sich unterdessen ein wahres Drama ab: Erst stürzte der Portugiese Joaquim Rodrigues, dann musste Geheimtipp Ross Branch wegen technischer Probleme aufgeben, Sebastian Bühler rollte mit leerem Tank aus. Der Österreicher Matthias Walkner (KTM) verlor mit Tages-Rang elf weiter an Boden, liegt als Gesamt-Zehnter nun schon 28:25 Minuten zurück. Und denkt wegen der immensen Schmerzen ans Aufhören!

Am zweiten Tag böse gestürzt, am vierten schon wieder der Schnellste im ganzen Feld

Auf der zweiten Etappe war Honda-Pilot Joan Barreda Bort im steinigen Terrain böse zu Sturz gekommen und hatte sich dabei unter anderem einen Bruch der großen Zehe zugezogen, auf der vierten war er bereits der Schnellste im ganzen Feld. Der 39-jährige Spanier war im Ziel 16 Sekunden schneller als sein chilenischer Honda-Kollege Pablo Quintanilla. Der Amerikaner Skyler Howes (Husqvarna) wurde mit 1:05 Minuten Rückstand Dritter. Dabei sah es auch diesmal lange Zeit danach aus, als würde Privatfahrer Mason Klein vom BAS World KTM Racing Team allen anderen die Show stehlen. Bis zum Kontrollpunkt nach 282 Kilometern hatte er stets die Führung inne, nach 380 Kilometern kam er dann aber wegen technischer Probleme zum Stehen und verlor zehn Minuten, ehe er sein Rallye-Bike wieder startklar gemacht hatte. Aussie Daniel Sanders (GasGas) reichte ein achter Etappen-Rang, um seine Gesamtführung vor Skyler Howes (Husqvarna) und Kevin Benavides (KTM) zu behaupten.

Hero-Drama: Erst erwischte es Rodriques, dann auch noch Branch und Bühler

Ein rabenschwarzer Tag war es dagegen für das Speedbrain Hero Team: Zunächst war das Rennen für Joaquim Rodrigues zu Ende. Der Portugiese, der im vergangenen Jahr dem indischen Hersteller Hero den ersten Etappensieg bei der Dakar bescherte, ist nach 90 Kilometer der Wertungsprüfung gestürzt und wurde mit einer Verletzung am linken Bein vom medizinischen Team der Dakar in ein Krankenhaus in Ha'il geflogen. Und dann mussten zu allem Überdruss auch noch Ross Branch (USA) wegen technischer Probleme und der Deutsche Sebastian Bühler stehen bleiben - Letzterem ging der Sprit aus und er musste auf den Service-Track warten. Zum Zeitpunkt des Erstellen dieses Berichts schienen beide noch in keiner Wertung auf - wenn sie überhaupt noch weiter fahren können, dann nur chancenlos mit einigen Stunden Rückstand. Bleibt einzig der Argentinier Franco Caimi (derzeit 13. der Gesamtwertung) als letzte Hero-Hoffnung auf einen Spitzenplatz.

Matthias Walkner kämpfte weiter mit starken Schmerzen und denkt laut ans Aufhören

Für Matthias Walkner waren die insgesamt 573 Kilometer wieder eine einzige Tortur. Mit Schmerzmittel und Verbänden, die das Handgelenk möglichst gut stützen, kämpfte sich der 36-jährige Kuchler als Elfter ins Ziel, behauptete mit 28:25 Minuten Rückstand auf Sanders aber zumindest den Top-Ten-Platz im Gesamtklassement. Trotzdem ist es für den KTM-Piloten ein ernüchternder Tag und er denkt ernsthaft an ein Aufhören. "Es war ein sehr langer und intensiver Tag. Die Hand ist gestern Abend wieder mehr angeschwollen und hat heute früh sehr stark geschmerzt. Ich bin davon ausgegangen, dass die Dünen meiner verletzten Hand entgegenkommen werden, habe aber nach den ersten fünf Kilometern schon gemerkt, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Durch diese tausenden Kompressionen, die bei einer Etappe auf meine Hand kommen, war es sogar noch viel schlimmer, als bei dem steinigen Gelände der gestrigen Etappe", erzählte der KTM-Pilot sichtlich mitgenommen im Ziel. "Es hat keinen Spaß gemacht heute. Ich bin mir nicht sicher, ob das Ganze noch Sinn macht. Ich kämpfe mit stumpfen Waffen und rede kein Wort um den Sieg mit, aktuell ist es nur ein Durchkämpfen und ein Versuch gut ins Ziel zu kommen. Die Hand schmerzt extrem und wird auch nicht besser, ich werde heute noch gut überlegen wie ich weiter mache. Es sind doch noch zehn lange Tage und ich bin mir nicht sicher, ob ich mich und meine Hand dabei einfach nur ruiniere. Um annähernd eine Chance auf den Sieg zu haben, bei dem starken Starterfeld, muss ich hundertprozentig fit sein und das bin ich definitiv nicht. Es ist zum Teil schon sehr grenzwertig und gefährlich, was ich hier mache. Ich werde jetzt die nächsten Stunden gut überlegen wie und ob ich weitermache, allzu euphorisch bin ich aber nicht."

Dakar 2023 - Zwischenstand nach 4 Etappen

RangFahrerTeamZeitRückstandPenalty
1(AUS) DANIEL SANDERSRED BULL GASGAS FACTORY RACING18H 40' 03''00H 04' 00''
2(USA) SKYLER HOWESHUSQVARNA FACTORY RACING18H 43' 36''+ 00H 03' 33''
3(ARG) KEVIN BENAVIDESRED BULL KTM FACTORY RACING18H 44' 08''+ 00H 04' 05''00H 03' 00''
4(ESP) JOAN BARREDA BORTMONSTER ENERGY JB TEAM18H 44' 33''+ 00H 04' 30''00H 01' 00''
5(AUS) TOBY PRICERED BULL KTM FACTORY RACING18H 47' 20''+ 00H 07' 17''
6(USA) MASON KLEINBAS WORLD KTM RACING TEAM18H 50' 08''+ 00H 10' 05''00H 02' 00''
7(CHL) PABLO QUINTANILLAMONSTER ENERGY HONDA TEAM18H 51' 08''+ 00H 11' 05''00H 02' 00''
8(FRA) ADRIEN VAN BEVERENMONSTER ENERGY HONDA TEAM18H 58' 03''+ 00H 18' 00''
9(ARG) LUCIANO BENAVIDESHUSQVARNA FACTORY RACING19H 01' 19''+ 00H 21' 16''
10(AUT) MATTHIAS WALKNERRED BULL KTM FACTORY RACING19H 08' 28''+ 00H 28' 25''

Bericht vom 04.01.2023 | 9.557 Aufrufe

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