KTM züchtet MotoGP-Champion 2030 - Austrian Junior Cup 2021

Österreichs Nachwuchstalent-Rennserie ist gestartet!

Am Red Bull Ring in Spielberg wurden am 31.03. erstmals die Motoren des Austrian Junior Cup gestartet. Motorsportlegenden, Veranstalter und KTM erklären, wie sie in wenigen Jahren Österreicher in die MotoGP bringen wollen.

Die Präsentation des AJC beginnt schon mit epischen MotoGP-Aufnahmen. Mächtige Maschinen in voller Schräglage, dröhnende Motorengeräusche und schließlich ein Clip vom Finale des großen Preis von Österreich 2020, als Miguel Oliveira in einem sensationellen Finale auf der Zielgeraden noch zwei Gegner überholt und schlussendlich den ersten MotoGP-Sieg für KTM einfährt. Dieser Erfolg war nicht nur ein Moment des Triumphs für KTM, sondern setzte auch einen Traum in die Köpfe der Österreicher: Irgendwann soll ein heimischer Pilot auf einer österreichischen Maschine vor Rot-Weiß-Rot-Fans ganz oben am MotoGP-Stockerl stehen. Dass so eine Vision aber nicht von selbst Realität werden kann, war auch jedem klar. Was es braucht, ist eine Rennserie für Nachwuchstalente. Der Austrian Junior Cup (AJC) war geboren.

Der Weg ganz nach oben ist steinig – Das Ziel des Austrian Junior Cup

Blickt man in die zweirädrigen Motorsport-Serien fällt auf, dass Italien und Spanien sehr stark vertreten sind. Grund dafür sind zahlreiche Cups und Meisterschaften für sehr junge Rennfahrer, welche junge Talente schon von Kindheitsbeinen an in den Rennsport einführen und die besten zu Racing-Champions heranzüchten. In Österreich hingegen war der Einstieg bisher nur sehr schwer möglich. Maximilian Kofler, der letztes Wochenende seinen ersten WM-Punkt in der Moto3 holen konnte, musste sich seinen Weg alleine und ohne große Förderprogramme erkämpfen und auch ins Ausland fahren, um dort an Meisterschaften für junge Racer teilzunehmen. So ein Werdegang kostet sehr viel Zeit, Energie und Geld.

Genau hier setzen die Veranstalter des Austrian Junior Cup an. Der Einstieg in den zweirädrigen Rennsport soll einfacher und günstiger werden, um mehr Talenten die Chance geben zu können und diesen den Weg nach oben leichter zu machen. Dazu haben sich namhafte Organisationen wie KTM, Projekt Spielberg (Red Bull Ring), BG-Sportspromotion, Dunlop, der Red Bull Ring, das ÖAMTC und viele weitere Partner zusammengetan. Mit den Ressourcen von KTM, der Infrastruktur des Red Bull Rings, der Organisation von BG-Sportspromotion und den vielen Beiträgen der weiteren Partner wurde in nur wenigen Monaten eine professionelle Rennmeisterschaft in Österreich aus dem Boden gestapft. Alles was dann noch fehlte, waren die Teilnehmer.

Die Champions von Morgen – Die Teilnehmer des Austrian Junior Cups 2021

Der Aufruf zur Teilnahme am AJC tönte schon Ende 2020 aus allen Sprachrohren, KTM-Händlerwebsites und Medienkanälen. Auch wir trugen unseren Teil zum Austrian Talent Cup, wie die Meisterschaft damals noch hieß, bei. Junge Mädchen und Burschen mit Motorsportbegeisterung zwischen 13 und 20 Jahren konnten sich bewerben. Schlussendlich gab es einen breiten Pool an Bewerbern. Manche hatten Motocross-Wurzeln, andere hatten schon ein vollwertiges Racing-Team und Sponsoren im Rücken und manche waren einfach schnell und motiviert. Wie soll man da die richtigen Talente heraussieben?

Die Antwort: Flattrack. Im Jänner herrscht in Österreich der Winter und bei Temperaturen um die 0 Grad sind Tests auf der Rennstrecke nur schwer möglich. Stattdessen zeigen die jungen Bewerber auf der harten Erdoberfläche des Flattracks was sie können. Nur 18 fixe Startplätze plus ein paar vom Red Bull Ring vergebene Wildcards gibt es. Beurteilt werden die Bewerber von zahlreichen Instruktoren und vor allem von AJC-Riding Coach und österreichischer Motorsportlegende Andy Meklau. Seine Aufgabe ist es die Spreu vom Weizen zu trennen und die Auserwählten dann in den professionellen Rennsport einzuführen. Mit 35 Jahren Racing-Erfahrung, davon 10 in der Superbike-Weltmeisterschaft, hat er den Jungspunden viel zu erzählen.

Austrian Junior Cup Training unter der Aufsicht von Andy Meklau
Austrian Junior Cup Training unter der Aufsicht von Andy Meklau

Die Trainingsmöglichkeiten stehen den AJC-Teilnehmer fast jederzeit zur Verfügung. Der Fuhrpark des Driving Centers in Spielberg bietet selbst die originalen AJC-Bikes, KTMs RC4R, und vom Training am Flattrack bis zur Rennstrecke ist alles möglich. Die Instruktoren und Andy Meklau sind dabei fast immer verfügbar und stehen den Trainees zur Seite. Dass man aber zum Trainieren kommt, das liege in der Eigenverantwortung, so Meklau. Ob es denn eine gewisse Champions-Eigenschaft gebe, frage ich ihn. Der Wille, das Feuer! Man muss den Motorsport leben., meint er. Wenn ich nicht am Motorrad hab sitzen können, war die Welt nicht in Ordnung, erinnert er sich. Zusätzlich zur Leidenschaft brauche es aber natürlich noch Talent, Fleiß und Disziplin. Das Feuer hat er bei einigen der jungen Racern schon in den Augen brennen gesehen.

Das Renngerät des Austrian Junior Cup – Die KTM RC4R

KTM hat sich des hauseigenen Baukastens bedient und auch Erfahrungen der eigenen Moto3-Teams genutzt, um die KTM RC4R für den AJC vorzubereiten. Wichtig war KTM dabei, dass es sich einerseits um ein professionelles Renngerät auf hohem Niveau handelt, andererseits aber auch die Kosten akzeptabel bleiben. Die Teilnahme am AJC sollte schließlich nicht nur den gut betuchten möglich sein. Das Ergebnis: Ein Moto3-ähnliches Gerät mit einem 250cm³-Einzylinder, 46 PS Höchstleistung, ca. 95 kg Gewicht und ein Topspeed von bis zu 200 km/h. Die Komponenten sind Racing-tauglich, aber nicht ganz so edel wie in der Moto3. Dafür kommen die Kosten für Motorrad und Teile auf nur ca. 8.000 € - damit ist AJC die günstigste Nachwuchs-Rennserie.

Das Rennmotorrad des Austrian Junior Cup: Die KTM RC4R
Das Rennmotorrad des Austrian Junior Cup: Die KTM RC4R

Neben niedrigen Kosten war ein zweiter Punkt für die Organisatoren wichtig: Chancengleichheit. Um zu verhindern, dass sich Teilnehmer mit genügend Kleingeld ihre Motorräder hochzüchten, wird auf verplombten und willkürlich verlosten Bikes mit Einheitsausstattung gefahren. Lediglich das Fahrwerk und der reifendruck dürfen von den Teams angepasst werden. Dunlop liefert sogar eigene Einheitsreifen. So entscheidet nur Talent und Fleiß über Sieg oder Niederlage.

Die KTM RC4R wird aber auch stetig weiterentwickelt. Die Erfahrungen vom verwandten Moto3-Bike kommen hier KTM zugute. Die Updates für die Motorräder der Saison 2022 stehen schon fest: So soll die Sitzverkleidung, die Ergonomie und das Heck angepasst werden.

Keine Sonntagsliga auf zwei Rädern – Die professionelle Struktur des Austrian Junior Cup

Der AJC soll von vorne bis hinten und von Minute Eins an eine professionelle Meisterschaft nach dem Vorbild der größten Rennserien sein. So erhalten die Teilnehmer nicht nur Fahrtraining, sondern werden auch im Umgang mit den Medien, im Öffentlichkeitsauftritt, im Sportrecht und über relevante Medizin und Anatomie unterrichtet. Auch der Medienauftritt und die Organisation des AJC wollen den großen Ligen in nichts nachstehen. So macht der AJC auch auf großen Strecken wie dem Salzburgring halt und das große Finale der Meisterschaft findet sogar gemeinsam mit der IDM am Red Bull Ring statt. Alle Renntermine findet ihr am Ende des Berichts.

Ist ein österreichischer MotoGP-Fahrer realistisch? - Die Zukunft des AJC

Trotz aller Euphorie und Begeisterung für das Projekt, wissen auch die Verantwortlichen des AJC, dass man mit den Erwartungen realistisch bleiben muss. Die MotoGP ist heiß umkämpft, Racer aus aller Welt wollen daran teilnehmen. Immerhin handelt es sich um die Königsklasse des zweirädrigen Rennsports und da ist es höchst unwahrscheinlich, dass gleich im ersten Jahr das Supertalent gefunden und bis an die Spitze gebracht wird. Vielmehr ist der AJC ein langfristiges Projekt. In den nächsten 5-10 Jahren soll der AJC kontinuierlich junge Talente fördern. Dabei wird das Trainingsprogramm ständig evaluiert und verbessert. Konkretes Ziel ist es auch, nach jeder Saison möglichst viele Teilnehmer in den Red Bull Rookies Cup und den Northern Talent Cup zu bringen. Diese zwei internationalen Nachwuchs-Serien waren schon das Trittbrett für viele Champions.

Die Austrian Junior Cup Teilnehmer am Red Bull Ring
Die Austrian Junior Cup Teilnehmer am Red Bull Ring

Doch der Weg nach oben ist hart und steinig. So werden nicht nur die Teilnehmer, sondern auch der AJC noch hart an sich arbeiten und sich weiterentwickeln müssen, um in Zukunft den großen Triumph einzufahren. Doch mit der allseitigen Leidenschaft, der professionellen Infrastruktur und den motivierten Jung-Racern scheinen die Grundvoraussetzungen sehr gut zu sein. Oder wie es Andy Meklau treffend auf den Punkt bringt: Österreich ist bereit!

Mögliche Auswirkungen des AJC auf die Serienmotorräder von KTM

Noch ein kleiner Exkurs zum Schluss: Da das AJC-Projekt auch für KTM höchste Priorität hat, waren beim ersten Roll-out auch einige hohe Tiere der Orangenen vor Ort. Bei der Gelegenheit stellte ich Christoph Schipper, Geschäftsführer von KTM Österreich, ein paar Fragen. Ob wir denn bei dem großen Engagement im Racing-Sektor auch mehr sportliche oder sogar supersportliche Serien-KTMs erwarten könnten, wollte ich wissen. Im Bezug auf die kleineren Hubraumklassen meinte er, dass KTM mit der Duke-Modellreihe und der RC390 schon sehr gut aufgestellt sind, aber es immer die Möglichkeit gibt, dass Erfahrungen und Wissen aus dem Motorsport in Serienmotorräder einfließen. Bei meiner Nachfrage, wie es denn dann am anderen Ende der Hubraum-Fahnenstange aussehe, stahl sich plötzlich ein verschmitztes Grinsen in sein Gesicht. Man könne auf August gespannt sein, meinte er mit einem Augenzwinkern. Könnte das heißen, dass im August eine große KTM Supersportlerin kommt? Womöglich endlich eine RC8 Nachfolgerin? Wenn dem so ist, dann sind wir nicht nur gespannt, sondern jetzt schon komplett aus dem Häuschen!

Gebrauchte und neue KTM Motorräder

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Events & Renn-Termine des Austrian Junior Cup 2021

  • 30./31.03. Official Roll Out Red Bull Ring
  • 25.04. Official Test Speedarena Rechnitz
  • 29./30.05. Round 1 Speedarena Rechnitz
  • 11.13.06. Round 2 Salzburgring
  • 17./18.07. Round 3 Wachauring Melk
  • 06./07.08. Round 4 Red Bull Ring
  • 27.29.08. Round 5 Red Bull Ring mit der IDM

Teilnehmer des Austrian Junior Cup 2021

  • Benjamin Baumgartner (NÖ), Schruf Motorrad
  • Manuel Blaßnig (T), KTM Walzer
  • Kilian Christ (NÖ), KTM Braumandl
  • Luca Göttlicher (DEU), Schruf Motorrad
  • Felix Heißenberger (NÖ), Schruf Motorrad
  • Kilian Holzer (T), Zweirad Zauner
  • Jonathan Jöchl (T), KINI Bike World
  • Lena Kemmer (St), KTM Knopper
  • Niklas Kitzbichler (T), KTM Braumandl mit Red Bull Erzbergrodeo
  • Daniel Krabacher (T), KINI Bike World
  • Michelle Kroneisl (NÖ), Schruf Motorrad
  • Xaver Moser (NÖ), KTM St. Pölten
  • Patrick Pürstinger (T), KINI Bike World
  • Leo Rammerstorfer (OÖ), KTM Braumandl
  • Sebastian Schmiderer (S), Zweirad Unterberger
  • Phillip Tonn (DEU), Zweirad Wimmer
  • Phil Urlaß (DEU), Zweirad Wimmer
  • Tristan Walch (T), KINI Bike World
  • Niklas Wannenmacher (NÖ), KTM Braumandl
  • + 2 fixe Wildcards von Projekt Spielberg

Alle weiteren Informationen zum AJC findet ihr unter https://www.austrianjuniorcup.at

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Bericht vom 03.04.2021 | 3.386 Aufrufe

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