Unglaublich! So hat der Airbag Alex Marquez Knochen gerettet

G-Kräfte 5 Mal so hoch wie bei einem Raketenstart

Álex Márquez hat am vergangenen Samstag im Q1 des vorletzten MotoGPs einen spektakulären Highsider hingelegt und stand nachher auf als wäre nichts gewesen. Wir blicken hinter die Daten seiner Airbag-Kombi und wie sie ihn rettete.

Ein Highsider ist vielleicht eine der schlimmsten Arten, wie man mit vom Motorrad absteigen kann. Der Hinterreifen, von den brachialen Beschleunigungskräften der HRC-Honda überfordert, driftet seitlich weg, dann kehrt die Traktion schlagartig zurück und katapultiert den Fahrer in die Luft. All das geschieht so schnell, dass der Fahrer sich unmöglich auf den Aufprall vorbereiten kann.

Aber Highsider gehören nun einmal zum Rennsport dazu. In der Vergangenheit, insbesondere bei brutalen 500ccm Zweitaktmaschinen, war diese Art von Unfällen noch häufiger und führte so gut wie immer zu massiven Verletzungen und Knochenbrüchen. Heute hilft die Elektronik dabei, die mehr als 240 Pferdestärken im Zaum zu halten, die jede aktuelle MotoGP-Maschine locker an den Start schiebt. Doch selbst die fortschrittlichste Elektronik hat irgendwo ihre Grenzen.

Das musste Álex Márquez letztes Wochenende am eigenen Leib erfahren. Er klebte während des ersten Qualifyings am Heck der Ducati GP20 von Andrea Dovizioso, als er die Kurve 11 erreicht. Im Moment, als er das Gas öffnet, wird Márquez in die Luft geschleudert und landet nach einer spektakulären Flugeinlage unsanft am Steißbein. Dennoch erlitt er keine ernsthaften Verletzungen, was zum großen Teil den Sensoren an seiner Alpinestar-Airbagkombi zu verdanken ist. Heute hat die italienische Marke die während des Unfalls gesammelten Daten, die in der folgenden Grafik dargestellt sind, veröffentlicht:

Alpinestars Airbag Daten enthüllt
Die Daten zu Alex Marquez's Abflug während des ersten Qualifyings.

Was genau ist hier zu sehen ? In der vertikalen Achse die (Schwer-/)G-Kraft. Auf der horizontalen Achse die Zeitlinie des Crashs in Sekungen. In Violett, Blau und Grün haben wir die drei Bewegungs-Achsen (links, rechts und in der Mitte). In gelb den Moment, in dem der Airbag auslöst.

Wir sehen zum Beispiel, dass sie im Moment in dem Marquez nach oben geschleudert wird etwa 18 g auf der Mittelachse (nach oben) erreicht. Zum Vergleich, Astronauten erfahren beim Start einer Rakete Beschleunigungen von 3-4 g. Der Airbag wird in etwa 300 Millisekunden aktiviert, d.h. 721 ms vor dem ersten Aufprall. Bei diesem melden die drei Sensoren Spitzen der G-Kraft von bis zu 23,6 g. Wie man weiß, beträgt die Schwerkraft im Normalzustand 1 g, bei einem angenommenen Gewicht von 70 kg für Marquez muss er im Moment des Aufpralls mehr als 1.650 kg an Last und somit das 23,6 fache seines eigenen Gewichts abfangen.

Eigens dafür trainierte Kampfpiloten halten im Einsatz ständig zwischen 4 und 6 g aus, etwas, das ein unvorbereiteter Mensch kaum aushalten könnte. Auf einer Achterbahn erlebt man sowohl positive als auch negative G-Kräfte, die von -1g bis 4g reichen. Den Rekordwert für G-Belastungen hält übrigens ebenfalls ein Motorsportler: Formel 1 Pilot Robert Kubica musste bei seinem Unfall im Jahr 2007 den unerreichten 75 g für eine Millisekunde aushalten.

Nach dem ersten Aufschlag wird Marquez Körper abermals durch die Luft befördert, zuerst nach rechts, dann nach links, wie wir sowohl im Video als auch in der Grafik von Alpinestars sehen können. Unglaublich: Am Sonntag konnte Alex sein Wochenende fortsetzen und beim Rennen teilnehmen, wobei er sogar in die Punktzone fuhr. Dabei ist er bereits der zweite Marquez innerhalb von zwei Saisonen der einen spektakulären Highsider hinlegt. Letztes Jahr erlitt sein Bruder Marc während des Großen Preises von Thailand einen ähnlichen Unfall, wobei sogar ein Spitzenwert von 26g erreicht wurde.

Bericht vom 16.11.2020 | 26.715 Aufrufe

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