Joan Mir ist MotoGP-Weltmeister 2020!

Suzuki krallt sich nach 20 Jahren wieder den WM-Titel

Was für eine verrückte MotoGP-Saison 2020! Erst startet das Spektakel dank Corona um Monate verspätet, dann wird nur in Europa gefahren und am Ende krönt sich Joan Mir zum neuen Weltmeister auf Suzuki! Hat sich der junge Spanier überhaupt diesen Titel verdient?

Natürlich hat er ihn verdient! Es werden nämlich nicht immer haushoch überlegene Dominatoren Weltmeister, manchmal ist es die unerschütterliche Konstanz, die einen Fahrer an die Spitze führt und am Ende sogar ein Rennen vor Saisonschluss zum Weltmeister macht. Man wird die Unkenrufe nicht abstellen können, die behaupten, es wäre alles anders gekommen, wenn Marc Marquez mit dabei gewesen wäre. Und wenn Corona nicht gewesen wäre. Tja, wenn der wenn nicht wäre, wären wir vermutlich alle Weltmeister.

Wurde Joan Mir nur Weltmeister, weil Marc Marquez fehlt?

Es ist nun aber der 23-jährige Spanier Joan Mir und er hat es sich absolut verdient, wie ich Euch gleich aufschlüsseln werde. Marc Marquez hat im letzten Jahr noch dominiert wie kein anderer, schaffte alle drei WM-Titel (Fahrer, Team und Hersteller) fast im Alleingang und holte im Durchschnitt in jedem Rennen mehr als 20 Punkte! Davon kann Mir zwar nur träumen, allerdings ist die viel geringere Ausbeute auch der Tatsache geschuldet, dass heuer viel mehr Fahrer vorne mitmischen konnten. Also gut möglich, dass Marquez auch 2020 wieder dominiert hätte, es hat sich aber auch gezeigt, wie schnell ein Oberarmbruch dafür sorgen kann, dass man die gesamte Saison ausfällt. Da fehlte es Marquez klarerweise an Konstanz, die Mir umso beeindruckender an den Tag legte.

Joan Mirs schneller Aufstieg dank großem Potential

Allerdings wäre es auch falsch, zu behaupten, Mir wäre nur Weltmeister, weil die anderen Fahrer nicht so konstant waren, sondern eigentlich viel stärker gewesen wären. Mir kommt aus dem Red Bull Rookies Cup - die Rennserie, wo sehr viele und richtig gute Talente aufgebaut werden. Mir machte auch nur sehr kurze Stationen in den kleineren Klassen, bevor er vor zwei Jahren das Angebot bei Suzuki annahm. Viel früher also als einige Fahrer, die erst jetzt in die MotoGP aufsteigen. Es war also sehr vielen klugen Köpfen schon früher klar, dass Joan Mir großes Potential hat, um in der MotoGP erfolgreich zu sein.

Die Suzuki GSX-RR ist das beste Package in der MotoGP

Und jetzt hat er es bewiesen - und als Draufgabe auch noch auf einem vermeintlich unterlegenen Motorrad! Allerdings ist auch das nur ein cooles Märchen, die aktuelle Suzuki GSX-RR ist eine der ausgewogensten Maschinen, die auf nahezu allen Rennstrecken gut funktioniert. Natürlich ist es ein herrlicher Schlag ins Gesicht der anderen Teams, die viel mehr Geld aufwenden, um ihr MotoGP-Bike besser zu machen, allerdings macht sich für Suzuki bezahlt, ein gutes Konzept übernommen und eben noch mehr daraus gemacht zu haben. Denn als Vorbild für die GSX-RR gilt Yamahas M1 mit dem Reihen-Vierzylinder und dem agilen Handling, an das Honda und Ducati mit den V-Motoren nicht heran kommen. Allerdings schaffte es Suzuki ausreichend Leistung aus dem 1000er-Triebwerk heraus zu kitzeln und die Fahrbarkeit trotzdem auf sehr hohem Niveau zu halten. Das zeigt auch der Umstand, dass Mirs Markenkollege Alex Rins drauf und dran ist, sich im letzten Rennen den zweiten Gesamtrang zu sichern. Unbezahlbar ist dieser Weltmeistertitel auch, weil Suzuki gerade heuer sein 100-jähriges Bestehen feiert und es schon 20(!) Jahre her ist, dass Kenny Roberts Jr. auf Suzuki Weltmeister wurde. Gänsehaut-Feeling pur!

Mir schaffte den WM-Titel aus eigener Kraft!

Natürlich spielten Suzuki auch die Motorenprobleme bei Yamaha in die Karten, allerdings scheinen diese hausgemacht zu sein - wegen zu wenig Leistung brachten die Techniker die Motoren in den heiklen Bereich und sorgten vermutlich erst dadurch für reihenweise Ausfälle. Allerdings können sich Joan Mir und Suzuki auch rühmen, die beiden Weltmeistertitel (Fahrer- und Teamwertung, Hersteller entscheidet sich erst im letzten Rennen im portugiesischen Portimao) aus eigener Kraft geschafft zu haben. Denn alle anderen Hersteller stimmten zu, Yamaha wegen illegaler Ventile, die im ersten Rennen der Saison verwendet wurden, nur in der Herstellerwertung Punkte wegzunehmen, während alle Yamaha-Fahrer ihre Punkte behalten durften.

Und wie verlief das Rennen in Valencia?

Ach ja, da wäre ja noch das Rennen in Valencia, bei dem sich Mir seinen WM-Titel bereits ein Rennen vor Schluss sicherte. Es war natürlich wie immer viel los, selbst das langweiligste MotoGP-Rennen ist weitaus spannender als das aufregenste Formlos1-Rennen, allerdings hatte Mir recht schnell seine Position im vorderen Mittelfeld bezogen und zeigte keine (unnötige) Ambition, an die Spitze vorzupreschen. Stattdessen wurde er durch einige Stürze vor ihm auf den siebenten Platz vorgespült, ohne eben selbst einen Sturz und somit eine Nullnummer zu riskieren. Damit holte er schließlich auch genügend Punkte gegenüber Franco Morbidelli auf seiner Yamaha, der zwar siegte, aber insgesamt ist nun kein anderer Fahrer mehr in der Lage, Mir abzufangen. Highlight des Rennens war der Fight um Platz 1 zwischen Morbidelli und Jack Miller auf Ducati, beide hochmotiviert, den Sieg zu holen.

Joan Mir wäre fast MotoGP-Weltmeister ohne einen einzigen Sieg

Den Sieg hat Joan Mir immerhin bereits im ersten Valencia-Rennen letzte Woche geholt, sonst wäre er vielleicht sogar Weltmeister ohne einen einzigen Sieg geworden. Denn so cool wie der junge Spanier ist, hätte er wohl auch diese "Schmach" akzeptiert. Wir werden nämlich bestimmt noch einige konstante Höchstleistungen des jungen Spaniers sehen. Vorerst gratulieren wir ihm und Suzuki aber mal zum wohlverdienten MotoGP-Weltmeistertitel 2020!

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Der frisch gebackene MotoGP-Weltmeister Joan Mir:

Weltmeister? Das klingt unglaublich! Es ist wirklich nicht einfach im Moment Worte zu finden, ich möchte mich bei so vielen Leuten bedanken. Mein Dank geht an Suzuki, die mir diese Möglichkeit gegeben haben. Ich bin so glücklich, dass ich mich bei ihnen mit dem Titel bedanken kann! Die Person zu sein, die ihnen nach 20 Jahren wieder einen Titel beschert, ist einfach ein unglaubliches Gefühl und eine wahre Ehre. Das gesamte Team hat einen fantastischen Job abgeliefert. Ich bin einfach überglücklich über diesen Meisterschaftssieg. Ich bin einen langen Weg gegangen seit ich ein Kind war, das kaum Geld hatte, Rennsport zu betreiben. Für die Möglichkeit, es doch zu tun, möchte ich meiner Familie danken. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet an die Spitze zu gelangen und der Preis dafür ist einfach fantastisch. Das heutige Rennen war nicht gerade einfach, aber ich habe das Ergebnis erzielt, das ich gebraucht habe und ich hoffe nun einfach auf ein tolles Ende der WM in Portimao. Es ist nun Zeit zu feiern, natürlich in einem verantwortungsbewussten Rahmen.

Mirs Suzuki-Teamkollege Alex Rins:

Am Ende habe ich den Titel nicht erreicht, aber ich freue mich so sehr für Joan und das gesamte Suzuki Team! Es ist unfassbar, dass er in seinem erst zweiten Jahr die Krone gewonnen hat und das gesamte Team hat so hart gearbeitet, das zu erreichen. Daher ist das Gefühl auch für mich unglaublich. Franco hatte heute ein wirklich starkes Tempo und alles, was ich erreichen konnte, war der vierte Platz. Aber ich kämpfe noch immer um den zweiten Platz in der Meisterschaft, daher bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Ich hoffe, dass ich die Saison bestmöglich beenden kann, wenn wir nach Portimao reisen!

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Bericht vom 16.11.2020 | 1.970 Aufrufe

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