MotoGP 2020 – Start im Juli, Rossi am Ende?

Start in Jerez mit 2 Rennen, Rossi überlegt - wie geht´s weiter?

Was für eine verrückte MotoGP-Saison 2020 – oder besser: Was für keine verrückte MotoGP-Saison 2020! Nun gibt es erstmals einen Lichtblick am Horizont, Jerez hat für Mitte und Ende Juli zwei Rennwochenenden beantragt, die Chancen stehen nicht schlecht. Weiters überlegt Valentino Rossi einen Wechsel zu Petronas-Yamaha und das technische Reglement wird, um Kosten für die gebeutelten Teams zu sparen, bis 2021 eingefroren.

So viel Theorie und so wenig Praxis gab es wohl noch nie in der MotoGP seit dem Saisonauftakt in Qatar, bei dem wenigstens die ersten Rennen von Moto2 und Moto3 über die Bühne gingen, stehen alle Räder der MotoGP still. Ein Rennen um das andere fällt dem Corona-Virus zum Opfer, der Saisonauftakt rückt immer mehr in weite Ferne. Spanien, Frankreich, Italien, Finnland und nochmals Spanien alles verschoben oder gar abgesagt. Der Assen-GP, der Ende Juni laut Plan stattfinden hätte sollen, schloss bereits im Vorfeld aus, ein sogenanntes Geisterrennen ohne Publikum durchzuführen und auch der, für 21. Juni geplante Deutschland-GP am Sachsenring wird nach langem hin- und herüberlegen definitiv nicht ausgetragen. Denn auch hier sieht man aufgrund der Reisebeschränkungen aus anderen Ländern und dem Verbot von Großveranstaltungen zu hohe Kosten und daher wenig Sinn für die Veranstaltung.

MotoGP Start in Jerez – zum Glück gibt es die motorradverrückten Spanier!

Theoretisch würde also wenn es denn nach Plan liefe die MotoGP ihr erstes Rennen 2020 Anfang August in Brünn austragen. Wäre da nicht die motorradverrückteste aller motorradverrückten Nationen - nun soll bereits Mitte Juli die Saison starten und wo sonst könnte der Drang, endlich wieder Rennen zu fahren und zu sehen, höher sein als in Spanien! Jerez hat also einen ernsthaften Plan vorgelegt, das Wochenende von 17. bis 19. Juli ein MotoGP-Rennen auszutragen und gleich das darauffolgende Wochenende ein weiteres Rennen. Damit würden die Teams gleich vor Ort bleiben und man spare sich die umständlichen Gesundheitskontrollen, die auch so auf die Mitglieder der Teams warten. Corona-Checks vor der Abreise, bei der Ankunft und erneut bei der Abreise erfordern eine gut funktionierende Logistik.

Die Sicherheitskontrollen für die Teams werden die größte Herausforderung

Denn selbst ein ordentlich abgespecktes Paddock besteht immer noch aus rund 1500 bis 2000 Leuten, die durch alle Sicherheitskontrollen durchgeschleust werden müssen. Von Publikum oder Journalisten ist da ohnehin keine Rede, es geht primär um eine gute Show vor den Fernsehbildschirmen und dabei natürlich auch darum, die Sponsoren soweit es geht, ins rechte Licht zu rücken. Immerhin wagt nun ein Land den ersten Schritt mit einem gut durchdachten Konzept, das nun noch die Hürde der spanischen Regierung schaffen muss mal sehen, ob die Politiker in Spanien auch so motorradnarrisch sind. Im Übrigen soll auch die Superbike-WM an dem Wochenende nach dem zweiten MotoGP-Rennen in Jerez wieder Fahrt aufnehmen, da wurden ja auch nur die allerersten beiden Rennen (plus Superpole mit halben Punkten) in Australien ausgetragen. Zwei Rennen an einem Wochenende, so wie bei der Superbike-WM üblich, schließen die MotoGP-Verantwortlichen kategorisch aus. Das wäre für die Teams, die Fahrer und nicht zuletzt für das Material, das auf ein Rennen ausgelegt ist, zu anspruchsvoll.

Valentino Rossi steht vor seiner schwer(st)en Entscheidung!

Einen baldigen Saisonstart wünscht sich auch der, mit Abstand älteste Fahrer im MotoGP-Feld der 41-jährige Valentino Rossi ist nun bereits seit einem Viertel Jahrhundert ganz oben dabei und möchte seine Karriere bestimmt nicht mit einer Saison beenden, die wegen eines Virus ausgefallen ist! Die Option, im Yamaha-Werksteam weiterzufahren, hat sich allerdings erledigt, Yamaha setzt im nächsten Jahr auf Maverick Vinales und hat sich aus dem Petronas-Team den talentierten Youngster Fabio Quartararo hinauf gefischt. Rossi zeigt sich zumindest in der Öffentlichkeit angetan von der Idee, dass nun er in das Satelliten-Team abwandern soll - würde er dort doch ebenfalls volles Werksmaterial erhalten. Der Plan, sich im Yamaha-Werksteam bis zur Mitte der Saison aufgrund der guten oder schlechten Leistungen für einen Verbleib in der MotoGP oder das Ende der Karriere zu entscheiden, fällt nun klarerweise flach aber wer Rossi kennt, kennt einen Kämpfer, der nur bei völliger Aussichtslosigkeit aufgibt!

Nimmt Petronas den wichtigsten Fahrer der MotoGP um jeden Preis?

Die Frage ist nur, ob sich ein neunfacher Weltmeister tatsächlich einfach so in ein Kundenteam abschieben lassen möchte und ob es Petronas überhaupt recht ist, den Doktor zu bekommen. Denn Rossi will bestimmt wieder seine komplette Crew in das neue Team mitnehmen, wie er es schon bei Ducati und zurück zu Yamaha gemacht hat. Da er aber mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nur noch ein Jahr, maximal zwei Jahre fahren wird, wäre das eine kostspielige Sackgasse für Petronas. Für Rossi spräche wiederum, dass Yamaha die Gage für den Altmeister übernähme und dass man den immer noch wichtigsten Publikums-Magneten auf der silber-türkisen Yamaha sitzen hätte alleine das sollte ein durchaus schwer wiegendes Argument für Rossi-zu-Petronas sein.

Die Teams kämpfen ums Überleben – Kostenfalle MotoGP?

Kosten sind natürlich nicht nur für die großen Teams oder die Kundenteams mit reichlich Liquidität im Hintergrund ein Thema, sondern vor allem für die kleineren Teams, die im wahrsten Sinne des Wortes ums Überleben kämpfen. Deshalb haben sich die Veranstalter der MotoGP darauf geeinigt, das technische Reglement weitestgehend bis 2021 einzufrieren. Dabei geht es vor allem um die Aerodynamik und den Motor, die dann auch für 2021 nicht mehr geändert werden dürften. Zumindest nicht von Honda, Ducati, Yamaha und Suzuki die Teams, die in der abgelaufenen WM so viele Punkte einheimsten, dass sie eben diese strengen Auflagen bekamen. KTM und Aprilia hätten theoretisch die Option, ihre Maschinen in einem gewissen Rahmen weiterzuentwickeln, allerdings wurde auch den beiden Teams per Reglement diese Möglichkeit genommen - wobei auch diese Hersteller gerade jetzt andere Sorgen haben, als fette Kohle in ihre MotoGP-Projekte zu buttern.

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Bericht vom 08.05.2020 | 24.766 Aufrufe

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