Der Wheelie-King - Kevin Schwantz in Macau 1988

Der Wheelie-King - Kevin Schwantz in Macau 1988

Mit minimalem Reifenverbrauch zum Sieg

Bei der Massenkarambolage beim Motorrad-Grand-Prix vergangenes Wochenende zeigt Macau wieder seine Zähne. Die engen Gassen und schmalen Kehren fordern Fahrer schon seit Jahrzehnten heraus. Umso außergewöhnlicher scheint da die Performance von Kevin Schwantz aus dem Jahr 1988. Er fährt da den Sieg ganz locker ein. Und das auch noch mit Dauer-Wheelie!

Die Ära der Unrideables

1988: Die Ära der "Unrideables" (=Unfahrbaren) ist in vollem Gange. Die 500cc 2-Takt-Maschinen der GP-Königsklasse stellen mit ihrer brutalen Leistungsentfaltung eine echte Herausforderung an alle Fahrer. Stürze sind keine Seltenheit. Nur mit absoluter Fahrzeugbeherrschung gibt es Chancen zum Sieg. Gerade aufgrund dieser anspruchsvollen Maschinen ist es verwunderlich, dass das Können und der Mut der GP-Fahrer damals angezweifelt wurde. Generell gab es einen schwelenden Konflikt zwischen Straßen- und Rennstrecken-Rennfahrern. In den Augen der Pro-Road-Anhängerschaft waren die GP-Rennen weniger anspruchsvoll, da sie auf extra erbauten Strecken verliefen und nicht die Unebenheiten und Beengtheit von Straßenrennen aufwiesen. "Echte Männer" fahren auf Straßen, zumindest laut den Straßenrenn-Fans.

Rennstrecken-Fahrer vs. Straßen-Fahrer

Die Rennstrecke in Macau war und bleibt bis heute eines der Straßenrennen schlechthin. Eine enge Fahrbahn, schmale Kurven, hohe Geschwindigkeiten und harte Steinwände in unmittelbarer Nähe machen es zu einem spektakulären, doch auch sehr gefährlichen Rennen. Erst letztes Wochenende wurde der Motorrad-GP nach einer Massenkarambolage abgebrochen. Es ist also wenig verwunderlich, dass die Königsklasse der MotoGP nie in Macau halt gemacht hat. Sowohl für Fahrer, als auch für die Hersteller ist das Risiko einfach zu groß. Doch 1988 entschließt sich der amerikanische Suzuki-Pilot Kevin Schwantz dazu am Rennen von Macau teilzunehmen. Er will endgültig die Pro-Road-Fraktion zum Schweigen bringen und beweisen, dass auch GP-Fahrer auf der Straße brillieren können. Kevin Schwantz war 1988 ein aufsteigender Stern am GP-Himmel, der vor allem durch seinen aggressiven, spektakulären Fahrstil auffiel. Seine Risikobereitschaft, gekoppelt mit den gnadenlosen Straßen von Macau, sorgte für reichlich Interesse an seiner Performance.

Kevin Schwantz 1988 - der Wheelie-King von Macau

Zwei Trainingsläufe geben schon einen Vorgeschmack auf das Spektakel was folgen sollte. Nach seiner zweiten Trainingsrunde mit fliegendem Start fährt Schwantz in die Box um kleinere Anpassungen vorzunehmen. Was er nicht weiß: er hat da schon die stehende Runden-Rekordzeit um ganze 7 Sekunden unterboten. Dermaßen in Form zerlegt Schwantz auch die Konkurrenz im Rennen von Macau. Er sit derart überlegen, dass er aus Jux und Tollerei noch auf beinahe jeder Geraden Strecke Wheelies zum besten gibt. Schwantz zeigt mit diesem Spektakel nicht nur sein extremes Talent auf den unfassbar schwer kontrollierbaren 2-Takt Maschinen, sondern verweist auch alle Kritiker und Zweifler an ihre Plätze. Die Aufnahmen von damals sind auch heute noch unfassbar anzusehen. 2006 sagt Schwantz rückblickend: "Ich schaue zurück und wundere mich, wie Suzuki das überhaupt zulassen konnte. So ein Kindskopf wie ich war, da hätte bei den ganzen Wänden richtig viel schief gehen können. Nach dem Rennen wurde ich sogar gefragt, ob mir das Reifen-Budget gekürzt wurde. Der Vorderreifen war ja ständig in der Luft."

Die wilde Fahrt von Macau ist nicht die letzte spektakuläre Fahrt von Schwantz, aber mit Sicherheit eine der außergewöhnlichsten. In den folgenden Jahren fährt er mit Suzuki zu mehreren Siegen in der Königsklasse und wird 1993 sogar Weltmeister. Aufgrund seiner coolen Art und aggressiven Fahrweise wird er schnell zum Publikumsliebling. 1995 beendet Kevin Schwantz seine Karriere in der 500cc-Meisterschaft.

Kevin Schwantz Macau Grand Prix 1988 Video

In diesem kurzen Zusammenschnitt könnt ihr selbst die Wahnsinnsfahrt vom Wheelie-King Schwantz in Macau genießen.

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Bericht vom 23.11.2019 | 18.477 Aufrufe

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