Harley-Davidson XR1200 (2008-2013): Test & Kaufberatung

Lohnt sich der Griff zum HD-Flattracker?

Die XR1200 war ein unerwartetes Modell, als es Harley-Davidson 2008 präsentierte. Die Anzahl an Gebrauchten ist gering, doch wer am nächsten Treff herausstechen möchte, könnte zu diesem Ami Naked Bike greifen. Welche Probleme gibt es und worauf sollte man beim Gebrauchtkauf achten?

Harley-Davidson ist ein Hersteller, dessen Geschichte von sportlichen Erfolgen durchdrungen ist - nein, wirklich, das ist sie. Wir reden hier nicht von Asphalt, sondern von Dirt Tracks und wenn es darum geht, schnell zu fahren und links abzubiegen, sind Harley-Davidson die Könige des Ovals. Das waren sie auch bis vor kurzem, als Indian ihnen in die Parade gefahren ist, aber das lassen wir jetzt mal beiseite...

Die XR1200 - inspiriert vom Rennsport

Mitte der 2000er Jahre erkannte Harley Europe, dass Flat Track immer beliebter wurde, und forderte ein europäisches Modell von Harley anstelle der auf die USA ausgerichteten Modelle. Sie wünschten sich ein luftgekühltes V-Twin Modell, das kein Tourer war, sondern echte sportliche Fähigkeiten besaß. Man hoffte, dass sie den europäischen Käufer ansprechen und jüngere Fahrer für die Marke begeistern würden. Harley ließ sich von seinen Rennmaschinen inspirieren (zumindest optisch) und schuf mit der XR1200 das bis dahin sportlichste Straßenmotorrad in Serienproduktion.

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Das unglückliche Schicksal der sportlichen Harley-Davidson

Als die XR im Jahr 2008 auf den Markt kam, versprach sie viel. Mit einer Rennserie, die zeigte, dass es sich nicht um ein Show-Bike handelte, sondern dass man mit ihr tatsächlich auf der Rennstrecke fahren konnte (wenn man mutig war), schien die XR die Erwartungen zu erfüllen. Aber - und das war das Problem - in den Ausstellungsräumen blieb sie stehen. Sportliche Fahrer ließen sich nicht mit einer Harley locken, während Harley-Besitzer nichts so Sportliches wollten. Die XR fiel in Ungnade, die Verkaufszahlen sanken und sie wurde nach nur fünf Jahren aus der Modellpalette gestrichen. Und genau dann wurde sie plötzlich wieder populär...

Als die "Hipster"-Kultur wuchs und auch Customizing und Flat Track immer beliebter wurden, lag die XR1200 plötzlich voll im Trend. Sie war ein cool aussehendes Motorrad von Harley, das einen luftgekühlten Motor, flache Lenker und viel Potenzial zur Tuning hatte. Von einem Tiefpunkt aus stiegen die Preise für die XR stetig an und heute wechseln sie für nur einen Hauch weniger Geld den Besitzer, als sie vor zwölf Jahren brandneu waren! Aber warum ist das so?

Harley-Davidson XR1200 Preis

Wenn du eine XR1200 fährst, ist es unmöglich, nicht zu lächeln. Der große V2 rumpelt mit tollem Sound in typischer Harley-Davidson-Manier und produziert dabei jede Menge Temperament und Vibrationen. In Kurven ist das Chassis sportlich und nicht instabil und sie fühlt sich nie unausgewogen an. Zusätzlich sieht die XR1200 umwerfend aus, besonders in Harley-Racing-Orange. Ist sie rund 10.000 Euro wert? Ehrlich gesagt wahrscheinlich nicht, aber wenn du ein Schnäppchen für rund 8.000 € findest, wirst nicht enttäuscht sein.

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Welche Probleme macht die XR1200?

Das größte Problem, das die XR seit ihrer Markteinführung plagt, ist die Verarbeitung, die nach Angaben der Besitzer weit unter dem liegt, was sie zu Recht von einem Harley-Davidson Produkt erwarten würden. Das Hauptproblem scheinen die Befestigungen und die freiliegenden Metallteile zu sein, die schon beim geringsten Anblick von Wintersalz eine hässliche Korrosionsschicht bilden. Wenn die Korrosion erst einmal eingesetzt hat, scheint das darunter liegende Metall von ziemlich schlechter Qualität zu sein, was zu gerissenen Verschlüssen und vielen verärgerten Besitzern führt, die zum harten Werkzeug greifen! Wenn du einen XR kaufst, solltest du in ein hochwertiges Korrosionsschutzspray investieren.

Der luftgekühlte Motor der XR ist ein Sportster-Aggregat und ist daher erprobt. Wenn er richtig behandelt wird, sollten nur wenige mechanische Probleme auftreten. Ein guter Service wird empfohlen, da er alle 10000 Kilometer überprüft werden muss, aber da er hydraulische Stößel haben, ist das Ventilspiel kein Problem. Der Harley-Motor braucht ein dickeres Öl als ein durchschnittliches Sportmotorrad, da er mit größeren Temperaturschwankungen zu kämpfen hat, weil er keinen Wassermantel hat, der die Temperatur gleichmäßig hält. Viele Besitzer erhöhen den Geräuschpegel und die Leistung ihrer XR mit einem Nachrüstauspuff und einem Luftfilter, was eine tolle Sache ist.

Wenn es um den Antriebssatz geht, solltest du immer den Zustand des Riemens überprüfen. Zwar muss bei der XR nicht wie bei anderen Harleys die Schwinge ausgebaut werden (nur eines der Federbeine muss abgenommen werden), aber der Austausch des Riemens ist nicht günstig - und das, bevor du die Riemenscheiben einrechnest. In der Regel sollte ein Riemen weit über 100.000 Kilometer halten, sodass du eher nach Steinschäden als nach physischem Verschleiß suchst.

Obwohl die XR mehrere Jahre lang in einer Marken-Rennserie eingesetzt wurde, sind die Chancen, ein zum Straßenmotorrad umgebautes Ex-Rennrad zu kaufen, ziemlich gering. Viele der Rennmaschinen waren am Ende etwas abgenutzt und als Rennbike sind sie eigentlich wertvoller als ein Straßenmotorrad! Harris Performance, die die XR1200-Rennmotorräder entwickelt haben, verkaufen immer noch Teile der Rennmotorrad-Kits (zu einem gewissen Preis!), wenn du das Fahrverhalten deiner XR verbessern möchtest...

Gab es eine Modellpflege?

Die XR1200 war nur wenige Jahre auf dem Markt und wurde nicht geupdated, aber Harley brachte gegen Ende ihrer Lebensdauer ein Modell mit besserer Ausstattung heraus. Die XR1200X kam 2010 auf den Markt und war nur in Schwarz erhältlich. Sie verfügte über eine verbesserte Showa BPF-Gabel, Piggyback-Stoßdämpfer und einen schwarzen Auspuff, aber keine zusätzliche Motorleistung.

Es wird nicht leicht, eine XR1200 zu finden!

Als sie noch ein offizielles Modell im Harley-Programm war, hatten Händler große Mühe, die XR zu verkaufen, denn sie war einfach nicht das, was der normale Harley-Käufer suchte. Doch seit die Flat-Track-Kultur in Schwung gekommen ist, wird die XR in einem ganz anderen Licht gesehen und die Preise sind in die Höhe geschossen. Wenn du eine findest - und sie sind überraschend selten und werden nicht so oft verkauft - musst du zwischen 8.000 und 12.000 Euro für eine gute Maschine ausgeben, wobei das X-Modell am oberen Ende der Preisskala liegt. Allerdings bevorzugen viele Besitzer das knalligere Harley-Racing-Orange des Basismodells. Du solltest dich also nicht scheuen, ein bisschen zu feilschen, wenn du eine komplett schwarze X haben möchtest.

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Über Jon Urry

Als begeisterter Motorradfahrer und Weltenbummler, der seit 2001 schon für Motorradmagazine in acht Ländern gearbeitet hat und jährlich über 30.000 Kilometer im Sattel verbringt, behauptet Jon von sich selbst zumindest seit 2003 jedes Modell von jedem (namhaften) Hersteller gefahren zu sein, das er kennt. 1000PS ist es gelungen ihm eine Reihe an Gebraucht-Berichten abzuluchsen, sodass ihr, von unserer Crew auf Deutsch übersetzt und da oder dort erweitert, in den Genuss seiner einzigartigen Erfahrungen kommt.

Autor

Bericht vom 24.09.2022 | 8.974 Aufrufe

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