Erster Test der "überarbeiteten" Pan America 1250 Special 2022

Harley-Davidson reagierte auf Kundenwünsche

Der Einstieg Harley-Davidsons in die Welt der Reiseenduros war speziell für ein Erstlingswerk ein gelungener, da sind sich so ziemlich alle Tester und auch Kunden einig gewesen. Trotzdem hatte die Pan America 1250 naturgemäß auch Schwächen bzw. wurde das ein oder andere Feature vermisst, weshalb man im zweiten Modelljahr eine "überarbeitete" Version ins Rennen schickt. Wolf ist sie in Spanien schon gefahren.

Drei Veränderungen gegenüber dem Vorjahres-Modell

Die Neuerungen gegenüber dem Vorjahres-Modell sind rasch aufgezählt: Erstmals überhaupt ist bei einem Modell von Harley-Davidson jetzt ein Quickshifter zur Verfügung, das zum Teil nur schwer ablesbare TFT-Farbdisplay wurde mit größeren Schriften versehen und die Berganfahrhilfe funktioniert nun bis zu fünf Minuten lang. Die beiden letzten Punkte sind rasch abgecheckt: Auf den ersten Blick bzw. in der Standard-Ansicht blieb die Display-Anzeige unverändert, klickt man sich aber durchs Menü, um Einstellungen zu verändern, wurden Schrift und Zeichen doch deutlich vergrößert, was die Bedienung erleichtert. Und die Hill-Hold-Control erlaubt es jetzt, bis zu fünf (!) Minuten "gesichert" am Hang zu stehen - das sollte nun wirklich für jeden reichen, um sich die Frisur unterm Helm zu richten oder sich den Angstschweiß von der Stirn zu wischen…

…bzw. ganz ohne Ironie auch für den Fotostopp bei laufendem Motor am Motorrad sitzend. Bislang hielt die Berganfahrhilfe nur 10 Sekunden lang, was womöglich den einen oder anderen Kunden doch überraschte, als sich die automatische Bremse wieder von selbst löste.

Der Quickshifter kann runter harmonischer als rauf

Bleibt also der Quickshifter. Ein Feature, auf das man in den USA wenig Wert legt, das in Europa aber mittlerweile zur Reiseenduro-Oberklasse ebenso dazu gehört, wie bequeme Sitzposition oder guter Wind- und Wetterschutz. Komfort war ja auf Anhieb eine der Stärken der Pan America, Schaltautomat gab es aber auch gegen Aufpreis keinen. Weshalb man in Milwaukee nachgerüstet hat, und das 2022er-Modell nun auch optional mit Quickshifter samt Blipper-Funktion, also auch zum Runterschalten, anbietet.

Womit wir schon beim Thema sind. Gerade das bei manchen Anbietern oft hakelige Runterschalten funktioniert mit dem "Screamin Eagle Quickshifter" von H-D sehr harmonisch, schaltet man die Gänge hoch, ist das nicht immer so, am sanftesten funktioniert der Schaltautomat da im mittleren Drehzahlbereich, mitunter benötigt man aber etwas mehr Druck am Pedal bzw. wird der Schaltvorgang von einem Ruckeln begleitet - das können andere besser, wenn man etwa an Triumph, KTM oder Ducati denkt. Dennoch funktioniert der Quickshifter unterm Strich ordentlich, macht das, was er soll und ist ein zusätzliches Komfort-Feature. Nicht nur auf kurvenreichen Straßen, sondern speziell auch Offroad, wo sich der Fahrer nicht aufs Kuppeln konzentrieren muss, sondern sich ganz den Anforderungen des Geländes widmen kann.

Das 2022er-Modelljahr bekam auch eine neue Farbvariante spendiert

Die Ausfahrt im kurvigen Hinterland von Girona bzw. auf den Ausläufern der Pyrenäen machte jedenfalls großen Spaß und rief in Erinnerung, wie gut Harley-Davidson diese Pan America gemacht hat, die es 2022 auch in der neuen Farbvariante "Fastback Blue/White Sand" gibt. Der Clew des sich im Stillstand absenkenden semiaktiven Fahrwerks ist nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal dieses Adventurebikes mit dem eigenständigen Design. Das auch das Enduro im Wort Reiseenduro durchaus ernst nimmt, soweit man das mit diesen schweren Dingern eben tun kann. Deshalb war die feine, etwa 15 Kilometer lange Schotter-Runde, die es zum Abschluss gab, der absolute Höhepunkt der Ausfahrt. Auch wenn die Kennzeichen-Halterung eine vom Wolf etwas zu sportlich genommene Kuppe nicht ganz überlebte, sondern beim Einfedern des Hinterrades brach, zum Glück aber von der an dieser Stelle anwesenden Fotografin gefunden wurde. Vielleicht ja ein Verbesserungsdetail fürs Modelljahr 2023?

Harley-Davidson Pan Am Kennzeichenhalter
Ein etwas anderes Andenken...

Bericht vom 18.04.2022 | 23.311 Aufrufe

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