Honda VFR800F VTEC RC46 (2002-2013): Test & Gebrauchtberatung

Der VTEC-Tourer im Test

Die VFR-Baureihe bringt dank ihres VTEC-Systems viel Charakter mit sich, den man mögen muss. Doch worauf muss man beim Gebrauchtkauf achten? Hier die Antwort.

Ok, bevor die Hysterie einsetzt, können wir auch den Elefanten im Raum ansprechen. Ja, diese Generation der VFR800 war die erste, die das Hondas VTEC-System in die Modellreihe einführte. Und ja, es war zu Beginn nicht besonders gut. Aber können wir das jetzt einfach vergessen und die VFR800 VTEC als das betrachten, was sie ist - eine brillante Allround-Maschine mit unglaublicher Zuverlässigkeit, solider Verarbeitungsqualität und einem ordentlichen Maß an Praktikabilität. Und ein leicht nerviges variables Ventilsystem...

Das VTEC-System als anfängliche Herausforderung

Im Jahr 2002 hoffte Honda, dass das VTEC-System die Art und Weise, wie wir über Motorradmotoren denken, verändern würde. Es war eine nette und ziemlich grundlegende Idee, die es der VFR ermöglichte, bei niedrigen Drehzahlen mit zwei Ventilen pro Zylinder zu arbeiten, was dem Motor mehr Drehmoment verlieh, bevor er im höheren Drehzahlbereich auf einen konventionellen Vierventilkopf umschaltete, wenn ein ölbetriebener Aktuator ins Spiel kam und die beiden nicht beweglichen Ventile wieder in Bewegung setzte. In der Theorie eine großartige Idee (und es ist erwähnenswert, wie viele Motorräder heutzutage über eine Art variables Ventilsystem verfügen), war das VTEC-System in seiner Anfangszeit etwas ruckelig und wechselte bei Autobahngeschwindigkeiten zwischen ein- und ausgeschaltetem Zustand hin und her. Einige Besitzer bezeichnen dies als charakteristisch, andere als lästig und halten das Vorgängermodell Fi mit seinem konventionellen V4 für das bessere Motorrad, aber das ist Geschmackssache. Unbestreitbar ist, wie effektiv die VFR800 VTEC die Aufgabe erfüllt, für die sie entwickelt wurde.

Im Alltag und auf Reisen punktet die VFR800F

Die VFR, die eine gute Balance zwischen Sport und Touring findet, kann man am besten als entspanntes Sportmotorrad bezeichnen, da ihr Windschild etwas zu niedrig ist, um sie als Tourer zu klassifizieren. Mit ihrem relativ hohen Lenker, der eine halbwegs sportliche, aber dennoch bequeme Sitzposition ermöglicht, ist die VFR ein großartiges Pendlerfahrzeug, da sie schmal genug ist, um durch den Verkehr zu flitzen und gleichzeitig sicherstellt, dass die Handgelenke nicht zu sehr belastet werden. Die Sitzbank ist gut gepolstert, die Rasten sind schön niedrig, und mit den Heizgriffen lässt sich auch der Winter gut überstehen. Aber in den Sommermonaten gibt es mit diesem Motorrad noch so viel mehr zu entdecken.

Mit vollen Gepäcktaschen kann man mit der VFR eine Woche lang verreisen und dank des guten Fahrwerks die Kurven am Zielort genießen. Sie ist nicht das sportlichste Motorrad, aber sie liegt sicher und ausgewogen in den Kurven, was ein sehr sicheres Gefühl vermittelt. Wenn man dann noch die Reichweite des Tanks von circa 280 Kilometern und die unbestreitbare Zuverlässigkeit hinzunimmt, ergibt das alles eine anständige Maschine. Und das, bevor man den V4-Motor in Betracht zieht.

Der VTEC Motor spaltet die Geister

Ja, der VTEC-Motor ist nicht jedermanns Sache, aber es ist unbestreitbar, dass der V4-Motor eine wunderbare Leistungsentfaltung und einen herrlichen Auspuffklang mit sich bringt. In der Tat ist es erwähnenswert, dass Honda den VTEC-Motor seit seiner Einführung im Jahr 2002 nicht wirklich verändert hat, abgesehen von der Glättung einiger seiner rauen Kanten. Es ist ein toller Motor, der genug leistet, um die VFR von anderen Mittelklasse-Sporttourern der damaligen Zeit abzuheben.

Wenn man auf der Suche nach einem Allrounder ist, der sowohl eine 120-Kilometer-Pendlerstrecke als auch ein Wochenende auf den schönsten Kurven mühelos bewältigt, dann ist die VFR800 VTEC genau das Richtige.

Wartung ist für den aufwändigen Honda VRF800F Motor wichtig!

Auch wenn Besitzer über das VTEC-System meckern mögen, sind größere Fehler beim V4-Motor überraschend selten. Die größte Sorge scheint die Wartungshistorie zu sein, denn der Motor erfordert alle 24.000 Kilometer eine Überprüfung des Ventilspiels, was ziemlich zeitaufwändig und daher kostspielig ist. Gelegentlich müssen die Steuerkettenspanner gewechselt werden, Regler und Lichtmaschine sind nicht gerade die stärksten Einheiten (was nicht gerade hilfreich ist, wenn das Motorrad mit einer Menge elektrischem Zubehör wie Heizgriffen, 12-V-Steckdosen, usw. ausgestattet ist), aber im Allgemeinen läuft und läuft eine regelmäßig gewartete VFR. Vorausgesetzt, der Besitzer hat nicht die "Ratschläge" aus dem Internet befolgt und die Drähte der Lambdasonde vertauscht, um das Ruckeln des VTEC zu "heilen" - das funktioniert nicht!!! Um ehrlich zu sein, ist bei einer VFR das Fahrwerk das Hauptproblem, nicht der Motor.

Worauf muss man bei einer Gebrauchten achten? Probleme VFR800F VTEC

Bei jeder Maschine mit hoher Laufleistung muss man nach verschlissenen Lenkkopflagern, Radlagern und festgefressenen Fahrwerks-Umlenkungen suchen. Das ist normal, aber bei der VFR sollte man den Exzenter-Einsteller der Schwinge immer sehr, sehr sorgfältig überprüfen. Es gibt einen gerillten Ring, in den der C-Schlüssel zum Einstellen der Kette eingreift. Seht nach, ob dieser Ring angefressen aussieht, und wenn ja, geht davon aus, dass die Nabe festgefressen ist. An diesem Punkt sollte man entweder weggehen oder den Besitzer bitten, zu demonstrieren, dass sich die Nabe frei bewegen lässt (zum Glück hat die VFR einen Mittelständer). Denn die Reparatur ist ein Albtraum. Wenn alles in Ordnung ist, kann man aufatmen und, während das Motorrad auf dem Mittelständer steht, die Front inspizieren.

Die VFR verfügt über schwimmende Dreikolben-Bremssättel, die vorne und hinten miteinander verbunden sind (ABS ist seit 2006 serienmäßig, vorher war es optional), und diese sitzen gerne an ihren Führungsbolzen fest. Dreht das Vorderrad und achtet auf schleifende Geräusche, die auf ein Problem hindeuten. Die Erneuerung des Bremssattels ist weder besonders schwierig noch besonders teuer, aber es ist ein gutes Argument für die Preisverhandlung. Seltsamerweise können sich die Schrauben am Seitenständer lösen, also überprüfet dies und auch eventuelle Schäden durch einen Sturz auf dieser Seite. Schaut Euch zuletzt den Zustand der Gabelunterteile an, da sie anfällig für Korrosion sind.

Gab es Modellpflege an der VFR?

Die VFR800 VTEC ersetzte 2022 das äußerst beliebte Modell VFR800Fi und brachte das umstrittene VTEC-System, sowie einen Underseat-Auspuff mit sich. Sie wurde 2006 durch ein verbessertes VTEC-Mapping, klare Blinkergläser und die serienmäßige Ausstattung mit ABS verfeinert. Diese VFR-Generation wurde 2014 von der neuen VFR800F abgelöst, die neben zahlreichen anderen Verbesserungen auch eine Traktionskontrolle, Radialbremsen und einen von der VFR800Fi von 1998 inspirierten Look mit einem seitlich montierten Auspuff aufwies. Gegen Ende ihres Lebens fügte Honda der VFR Seitentaschen und ein Topcase hinzu, um Käufer zu locken. Das war nie ein eigenes Modell, sondern nur Zusatzausstattungen aus dem Zubehör.

Hier geht's zum Test des 2014er Modells: Honda VFR800F 2014 Test.

Honda VFR800F VTEC 2014
Die 2014er Honda VFR800F.

Honda VFR800F VTEC kaufen

Die VFR Modelle sind beliebte Reisemotorräder und gute Allrounder für den Alltag. Gebrauchte Exemplare haben also meist einen Kilometerstand von 30.000 Kilometer. Je nach Zustand und Ausstattung steigt der Preis, günstige VFRs bekommt man schon um circa 3.000 Euro: Gebrauchte Honda VFR800F VTEC kaufen.

Über Jon Urry

Als begeisterter Motorradfahrer und Weltenbummler, der seit 2001 schon für Motorradmagazine in acht Ländern gearbeitet hat und jährlich über 30.000 Kilometer im Sattel verbringt, behauptet Jon von sich selbst zumindest seit 2003 jedes Modell von jedem (namhaften) Hersteller gefahren zu sein, das er kennt. 1000PS ist es gelungen ihm eine Reihe an Gebraucht-Berichten abzuluchsen, sodass ihr, von unserer Crew auf Deutsch übersetzt und da oder dort erweitert, in den Genuss seiner einzigartigen Erfahrungen kommt.

Autor

Bericht vom 24.10.2021 | 10.491 Aufrufe

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