Honda CBX1000 Umbau aus dem Weltall

Zwischen Raumschiff und Tesla SUV - die kontroverseste CBX1000

Bis heute kontrovers diskutiert - ein futuristisches Präzisions-Werk aus holländischer Hand, das bei seinem Erscheinen vor über einem Jahrzehnt für Furore sorgte.

Unkonventionelle Denk-Methoden erfordern unkonventionelles Handeln. Otto Nijs aus Nijmegen in Holland hätte das (Rüst-)Zeug zum Designer einer Zeitmaschine. Oft zitiert und viel zu platt? Soll der erst mal beweisen? Hat er schon, augenfällig und rein praktisch mit dieser stählernen Skulptur, quasi einem Terminator auf zwei Rädern. Mein Gott, an dem Aggregat gibt es so Vieles zu sehen oder besser: eben nicht - dass einem als Berichterstatter glatt die Worte wegbleiben. Aber so ergeht es allen! Allein wilde Gebärden und dumpfe Lautmalereien wiesen allen den Weg: Gleich beim ersten Anblick dieser schieren Unfassbarkeit, im Frühjahr 2002 an der Rennstrecke von Zolder in Belgien, gab es eine Menge Körperverrenkungen und Turnübungen um diesen mächtigen Korpus ganz aus Edelstahl. Otto führte dort innerhalb des Biker-Festivals MotoAcXtion, dass das Magazin KicXstart ausrichtete, vor über 40.000 begeisterten Fans des Motorradsports seine CBX-Inox vor, heimste dafür den zweiten Platz im Contest modifizierter Maschinen ein.

Eine ganze Serie von Show-Siegen folgte, wobei Otto immer auf diesen beiden Achsen anreiste...: Die Maschine ist zum Fahren da, nicht nur für den Devotionalien- Schrein! Egal, welches Wetter herrscht. Und die Preise auf den Shows sind mir auch nicht so wichtig. Hauptsache, ich lerne viele nette Leute kennen, bringe sie zum Staunen - und hab ein schönes Wochenende, schmunzelt der hoch gewachsene Holländer. Sogleich ist er abermals von einer Menschentraube umringt. Gelingt es uns noch, die paar raren Sonnenstrahlen in diesem trüben Monat zu den stählernen Flächen und harten Kanten umzuleiten, so müssen wir uns rigoros und fast gewaltsam mit dem Kamera-Objektiv eine Schneise durch die Massen hin zum Epizentrum bahnen.

Von Virtualität zur Realität

Am Anfang, fünf Jahre zuvor, stand da erst die Zeichnung. Nur eine einzige Skizze per Hand. Aber dann weiter per 3D-Programm Format. Nix mit Claim, Lehm, Balsa-Holz oder anderen Modellbauformereien, wie es die Altvorderen immer noch gerne praktizieren. Kommt vielleicht daher, dass der Otto erst gar nicht der Branche der Motorradbauer entstammt. Er arbeitet als Lehrer, bringt seinen Schülern an der University of Professional Education den Umgang mit Computern und im Speziellen von Anwendungprogrammen wie diesem bei.

Quasi als Projekt-Bike begann der fleißige Holländer, den CBX-Motor zu vermaßen und entwickelte damit eine Methode, seinen Schülern die Nutzung solcher Darstellungsweisen im 3D-Verfahren nahe zu bringen. Die Verführung lag nah, nun ein Design adäquat zu diesem martialischen Triebwerk zu entwickeln. Denn nur der imposante Sechs-Zylinder hat für mich Bestand, das Herz, ein pulsierender Muskel aus Stahl. Und über allem steht für ihn der Gedanke der heldisch-makellosen Kubatur: ES sollte schmal und EINFACH sein, um den Motor umso gewaltiger in Erscheinung treten zu lassen. Und winkelig, kantig muss ES sein! Und gänzlich ohne Farbe. Und mit einer ununterbrochenen, glatten Oberfläche, ohne störende, herausragend schnörkelige Elemente! Einen Zwischenschritt in der Evolutionsgeschichte umschreibt der wackere Holländer mit: Check the Mickey Mouse-mirrors... ganz banal Spiegel, die passen da gar nicht! Außerdem hatte der Apparat natürlich unter Ausnutzung sämtlicher technischer Möglichkeiten die Maßhaltigkeit auf seine hoch gebaute Statur einzuhalten.

Raum und Wirklichkeit

Erst zweieinhalb Jahre nach dem ersten Pinselstrich erlaubte der Inox-Erfinder bei einer feierlichen Enthüllung den ersten Blick seiner Familie und dem engsten Freundeskreis. The terror was washed away with champagne. Aber nur ein halbes Jahr weiter war schon nichts mehr gut genug. Bei einem CBX-Meeting in den Niederlanden stellte jemand die Frage: Und nun? In der darauf folgenden Nacht blitzten die neuen Ideen durch das Gehirn... Um die Oberfläche noch mehr smooth zu gestalten, mussten eben die Mickey-Mouse-Spiegel den fast investigativ arbeitenden beiden Kamera-Augen unterm Sitzmetall weichen (mit Monitor in der Tankattrappe, klar), eine auf den Typus bezogene Sechs-in- Sechs-Auspuffanlage und - als coole Clouness - im Inneren des Lenk-Kantstahls verborgene Magnetschalter anstelle von grobmotorigen Außeninstallationen. Alles steht im Dienste von EINFACHheit: eckig, keine Lenkerkabel, kein sichtbarer Benzindeckel, keine Spiegel, keine Schalter. Für Außenstehende passiert daher der Start der Maschine und die Betätigung sämtlicher Kontrollfunktionen damit nahezu von Geisterhand. Tatsächlich absolviert der Präzisionsfanatiker alle elektrischen Impulse mit seinem speziellen Magnet-Handschuh. Eine fast unsichtbare Berührung an irgendeinem scheinbar imaginären Punkt auf der Tankattrappe oder am Lenkerstahl löst den gewünschten Vorgang aus.

Mit welch einer Präzision sämtliche Details zur Ausführung von ihm und seinen Freunden Willy und Jan aus der Metallbearbeitungs- und Design-Szene kamen, lässt sich anhand der Bilder eher erahnen als mit schnöden Buchstaben jemals ausdrücken. Aber eins wird auf jeden Fall klar: Die Assoziation zu dem, was ES darstellen soll, liegt zum Greifen nah. Wer bis jetzt noch nicht drauf kam, der sehe sich Ottos klar gegliederte und detaillierte Website an unter www.cbx-inox.com. Der berühmt-berüchtigte Stealth Bomber Lockheed F-117A war ursprünglich in seinem Aussehen konstruiert um Radarkontakt zu entgehen. Das New-Edge-Design vermittelte den futuristischen Look, mit dem auch die Fahrmaschine ihres genialen Erfinders aus Nijmegen seinen deep impact zu erzeugen weiß.

Absolute Härte ist befohlen!

Mittlerweile mussten auch die letzten weichen Stellen am Kraftrad weichen. In der Version Stage III bereitete Otto den schwarzen Gummigriffen den Garaus. In präziser Konsequenz fasst die magnetisierte Lederhand nun auch hier nach Edelstahl. Das Blinkerglas fabrizierte der Pedant aus dem Spritzguss-Griffmaterial von Schraubendrehern. Aber nicht irgendein Kunststoff sollte es sein. Nur genau dieser kam wegen seiner Klarheit durch meine Endkontrolle, scherzt der Dozent. Und endlich fielen auch die schnieken Karbon-Fender. Stahlharte VA-Schutzbleche werden final ihrem Namen gerecht. Solch einem Stahl-Monolithen gebührt nur die Eine ausgewählte Kulisse zur bildhaften Darstellung: Der silbernen Eminenz geziemt eine Flut aus Silber- bis Schwarz-Tönen, als Herr zwischen Licht und Schatten von kühler Eleganz…

Das metallische Paralleluniversum ward endlich gefunden in einem schmalen Tal, durch das sich von jeher ein Fluss schlängelt, an dem sich die Metall-Industrie lange vor 150 Jahren ansiedelte. Dort existiert auch heute noch eine Reihe von Drahtziehereien. Die Herren der Firma Brüninghaus Draht gewähren uns interessierten Einlass zu ihrem Betriebsgelände, auf denen etliche Rollen in riesigem Umfang lagern. Selber motorsportbegeistert bis in die Gashand finden sie Gefallen an der wuchtigen Fahrmaschine des Holländers und lassen sich, ebenso wie ihre Mitarbeiter, ausgiebig über diese Erfindung informieren. Klar: Ein maximal starker Körperbau um ein machtvolles Triebwerk, an dem mystische Linien voll Kraft und Kreativität sich vereinen - Die neue Schärfe, schierer Schub als Sinnbild, eine Strategie, mit der alle uniformierten Gleichteile universal planiert werden oder anders ausgedrückt, dass der Otto mit den Gravitationswellen aus seiner CBX-Inox Raum und Zeit des ganzen Universums lässig durchschüttelt.

Honda CBX 1000 Custom Umbau technische Daten

Besitzer Otto Nijs, Nijmegen, Niederlande
Modell CBX Inox, Baujahr 2000, Fertigungszeit: 5 Jahre
Motor Honda CBX 1000, 1047 cc, Dynojet Stage 3, K&N Filter
Rahmen Komplett Eigenbau aus Edelstahl-Rechteckrohren, geschweißt von Willy Naves.
Auspuffanlage Komplett Edelstahl vom Besitzer entwickelt, geschweißt von Willy Naves, Sechs-In-Sechs-Anlage
Gabel Suzuki GSX-R 1100 USD (Original-Teil)
Räder Front 17 Zoll Suzuki GSX-R 1100, Pirelli Diablo 120/70-17, Heck 17 Zoll Suzuki GSX-R 1100, Pirelli Diablo 190/55-17
Bremsen Front Nissin-6-Kolben, Heck Nissin-4-Kolben
Lenker Komplett Eigenbau aus Edelstahl aus mehrteiliger Eigenkonstruktion mit integrierten Handpumpen und innenliegendem Gaszug. Alle technischen Funktionen innen liegend mit nach außen nicht sichtbaren Magnetschalter zu betätigen. Mit LED-Anzeige für Leerlauf, Drehzahlmesser, und Öldruck (siehe auch Elektrik). Geänderte Tachometer Sigma Digital Speedo im Display zuständig für Geschwindigkeit und Maximum Speed, Zeit, Reichweite und zurückgelegte Entfernung
Lampen Front: Star-Twin Headlights,
Heck Eigenbau
Schwinge Eigenkonstruktion aus Edelstahl (geschweißt von Willy) mit GSX-R 1100 Rad, Showa-Federbein, modifiziert
Schutzbleche 2 mm Edelstahl, Eigenbau, geschweißt von Willy.
Tank Aluminium-Tank, Eigenkonstruktion, geschweißt von Willy Naves, verborgen unter Tank-Attrappe klappbar, mit LCD-Monitor-Bildschirm für die Heck-Kameras anstelle von Spiegel, aus Edelstahl, integriert mit Batterie-Box 55 und Elektronik
Sitz Stahlplatte, 15 mm stark
Elektrik Kabelbaum Eigenbau ohne sichtbare Kabel, sämtliche Schalter als Reed-Kontakte mit Relais ausgeführt, zwei stickstoff-gefüllte und beheizte Videokameras (Spezial-Konstruktion) unter dem Sitz anstelle von Spiegeln, LCD-Display im Tank, LED-Kette als Drehzahlmesser, LCD-Tacho, Eigenbau Blinkergläser und VA Griffe. Magnetschalter zuständig für Start, Beleuchtung, Tachobedienung, Hupe ect. Betätigung per Berührung mit Magneten in speziellem Leder-Handschuh
Lackierung Oh nein! Alles VA, 3mm stark, Anstrich nicht nötig!
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sabinewelte

SABINEWELTE

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Bericht vom 05.01.2021 | 11.720 Aufrufe

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