Wissenswertes: Wer hat eigentlich die Vespa erfunden?

Wissenswertes: Wer hat eigentlich die Vespa erfunden?

Corradino D’Ascanio – vom Hubschrauber zum Roller!

Schnell kann´s gehen, und bevor man sich versieht, wird man plötzlich nicht mehr als genialer Hubschrauber-Ingenieur gewürdigt, sondern als der Erfinder der legendären Vespa gefeiert! Wie es dazu kam, dass Corradino D’Ascanio den weltweit bekannten Roller entwickelte.

Eigentlich wollte Corradino D’Ascanio nichts weiter, als ein angesehener Hubschrauber-Ingenieur sein und war auch, aus heutiger Sicht natürlich völlig unverständlich, gar nicht so glücklich darüber, dass er stets und ständig als der große Erfinder der Vespa gefeiert wurde. Begonnen hat alles damit, dass sich D’Ascanio, 1891 in Italien geboren, bereits in jüngsten Jahren für die, damals noch in den Kinderschuhen steckende, Luftfahrt brennend interessierte. Daher war es auch nicht weiter verwunderlich, dass er nach dem Abschluss seines Ingenieurstudiums ab 1914 in die Fliegertruppe des italienischen Heeres eintrat, wo er vorrangig als Ingenieur für die Entwicklung und Erprobung von Flugzeugmotoren verantwortlich war.

Corradino D’Ascanio gelangen einige fliegerische Rekorde mit Hubschraubern

Nach dem ersten Weltkrieg, als die Nachfrage nach Militärflugzeugen klarerweise wegbrach, sammelte D’Ascanio in der Zivilluftfahrt weiter Erfahrungen im Flugwesen und gründete 1920 ein eigenes Ingenieurbüro, das in den 1920er-Jahren viele Aufträge von privaten Unternehmen und öffentlichen Stellen erhielt. In diesen finanziell erfolgreichen Jahren meldete er etliche Patente für unterschiedlichste Erfindungen an und investierte ordentliche Summen für die Entwicklung und den Bau von Hubschraubern. Das sollte nicht unbelohnt bleiben, er konnte mit seinen Konstruktionen sogar einige fliegerische Rekorde aufstellen, die einige Jahre ungebrochen blieben.

Es half alles nichts – Piaggio konzentrierte sich auf den Roller

Die Verbindung zum Piaggio-Konzern startete dann in den 1930er-Jahren, als das italienische Unternehmen, damals noch ein Flugzeugbauunternehmen, sich stark für Corradino D’Ascanios Verstellpropeller interessierte und ihn deshalb auch engagierte. Auch hier durfte er wieder sein Können in Bezug auf Flugzeuge unter Beweis stellen, seine wahre Liebe zu Hubschraubern wollte niemand so recht würdigen. Zwar durfte er noch einige Prototypen konstruieren, aber es half alles nichts, nach dem zweiten Weltkrieg war auch der Firmeneigner Enrico Piaggio nicht mehr bereit, in D’Ascanios Hubschrauber-Projekte zu investieren. Stattdessen konzentrierte sich das Unternehmen voll und ganz darauf, ein simples und billiges Kleinkraftrad für die breite Masse zu konstruieren.

Die Vespa entstand, weil Corradino D’Ascanio sich nicht für Motorräder interessierte

So entstand die, in Eigenregie von Piaggio-Technikern entworfene MP5, auch Paperino genannt, die aus Metallresten, Schubkarren-Rädern und einem kleinen Zweitaktmotor, der zuvor Flugzeugen als Anlasseraggregat diente, zusammengebaut wurde. Einige Stilelemente der Vespa nimmt dieser Entwurf zwar bereits vorweg, allerdings gefiel er Enrico Piaggio nicht wirklich und er beauftragte noch 1945 D’Ascanio mit der Entwicklung eines neuen Modells. D’Ascanio, der sich weder privat, noch beruflich jemals für Motorräder interessiert hatte, dachte daher mit einem völlig anderen Ansatz an eine Konstruktion, die Menschen entgegenkommen sollte, die noch nie Motorrad gefahren waren und die das eigentlich auch nie wollten. Unter dieser Voraussetzung entstand schließlich die allseits bekannte Vespa, die 1946 erstmals auf dem Motorradsalon in Mailand der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und – wie wir alle ohnehin wissen - sofort zum, bis heute ungebrochenen Verkaufsschlager avancierte.

Die seltene Vorderradaufhängung ist ein Zugeständnis an einen unkomplizierten Radwechsel

Auch die eigenwillige Konstruktion der vorderen Schwinge hat einen ebenso simplen wie schlauen Hintergedanken: D'Ascanio beobachtete bei Autofahrten oftmals Motorradfahrer, die bei einer Reifenpanne mühsam das Rad ausbauen mussten. Es war ihm daher ein Anliegen, dass Rollerfahrern bei einem Reifenwechsel keine größeren Umstände entstehen sollten als Autofahrern. Das setzte er mit seiner flugzeugtechnischen Erfahrung konstruktiv durch eine einseitige Radaufhängung um, wie sie bereits im Flugzeugbau verwendet wurde. Auch die Tatsache der untereinander austauschbaren Vorder- und Hinterräder war neu, herkömmliche Motorräder hatten (und haben immer noch) in der Regel unterschiedliche Dimensionen für Vorder- und Hinterräder.

Der geniale Durchstieg ist das Markenzeichen der Vespa

Weiters ging das Chassis eigene Wege, anders als die, bei sonstigen Zweirädern üblichen Rohrrahmen, vertraute Corradino D’Ascanios Konstruktion wie beim Automobilbau auf eine selbsttragende Stahlblechkarosserie, die auch noch widerstandsfähiger als ein Rohrrahmen war. Besonders markant ist, ermöglicht durch die neuartige Anordnung des Motors direkt am Hinterrad ohne Sekundärantrieb, der freie Durchstieg, der heute ganz selbstverständlich für alle Vespamodelle und viele andere Kopien dieser Legende ist. Das erleichtert nach wie vor den Aufstieg gegenüber einem Motorrad ungemein, vor allem auch für die weibliche Zielgruppe, die immer noch einen beträchtlichen Anteil an der Käuferschaft ausmacht.

Corradino D’Ascanios Vespa ist ein ewiger Klassiker!

D’Ascanio ging zwar 1961 in Ruhestand, blieb Piaggio aber noch viele Jahre als Berater für die Vespa-Produktion erhalten. Eine Ehre für den genialen Erfinder der Vespa ist, dass all diese schlauen konstruktiven Eigenheiten immer noch an allen Vespas zu finden sind und mittlerweile zu wichtigen Stilelementen wurden. Ihre schmale Taille und das, an den Hinterleib einer Wespe erinnernde Hinterteil mit den ausladenden Seitenbacken brachte den „Vespas“ ihren typischen, sogar zum Firmennamen gewordenen Spitznamen ein.

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Bericht vom 31.12.2019 | 10.831 Aufrufe

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