BMW Krauser R1000RC

Unpackbar. Der Erbauer dieses Cafe Racers heißt tatsächlich Willi Ficken.
 

BMW-Krauser R 1000 RC von Wilfried Ficken, Rasteder

Erdnahes Luftschloss

Was der Maschinenbauer aus dem Bereich der Luftfahrt-Industrie da an seiner gestandenen BMW R 1000 CR fabriziert hat, ist bereits auf dem ersten Blick in seiner Gesamtheit voll überzeugend. Erst recht gehen einem die Augen über bei tieferen Einblicken aufs Kraftrad. So geschehen beim legendären Biketoberfest 2010 in Oschersleben, wenn die Autorin eigenmächtig die Überreichung des Pokals für die beste zeitgemäße Interpretation eines Cafe-Racers an sich reißt. Der Willi gehört schließlich persönlich für sein Gesamtkunstwerk geehrt. Schließlich ist seine Maschine auf Anhieb der Favorit aller Beteiligten, wenn es zur Jury-mäßigen Auslotung der Vergabe von Pokalen in insgesamt drei verschiedenen Kategorien bei der Prämierung im LSL-Clubman-Contest geht. Da nimmt sich sogar Erik Buell himself nicht aus, grinst gut gelaunt und voll Anerkennung an der BMW von Willi aufgestellt in die Kamera.
 
Als erstes fällt in der Phalanx der sorgfältig aufgereihten Cafe-Racer das ausnehmend schlanke Heck der im normalen Leben gutbürgerlich aufgestellten BMW auf. Denn das gibt sich mit seinen geradlinig wie schlanken Brüllrohren betont racy und lässig, zieht das Augenmerk der sachlich gehaltenen Under-Seat-Anlage unterm Racing-Höcker direkt auf sich. Sehr knapp in der Formgebung gestaltet, weicht die Heckeinheit weit ab vom damals auch gern genommenen Brotkasten-Design.Selbst ein EGLI-Höcker würde gegen dieses Geschmeide noch wie der „Big Bottom“ von J. Lo (Red.: Jennifer Lopez' Popo) wirken. Willi griff tief in die Klamotten-Kiste seiner ewigen Werkstatt im Ostfriesischen. Da hortet der bei einem Zubehörlieferanten für Luft- und Raumfahrtechnik werkende Maschinenbauer seine wahren, die ganz leicht gewichtigen Glanzstücke aus Aluminium und Titan, vor allem alles in Sachen „hochwertiges Leichtmetall aus der Luftfahrt“. Denn als wahrer Maschinenbaukünstler weiß man, was der Fundus und das Waffen-Arsenal des ehemaligen Eurofighter-Kampfjets so hergibt und was man also schon mal gar nicht der Schrottpresse überlassen kann. Einige dieser hoch vergüteten Leichtmetallstreifen zieren in stilvoll gelochter Manier dieses gleich ins Auge fallende Heck, das in seiner leicht gearteten Bauweise den Blick ungehindert runter auf das nahezu frei schwebende Hinterrad gleiten lässt.

 Dort offenbart sich ein weiteres bemerkenswertes Kleinod, das sich grazil von diesem mächtigen Triebwerk in Form des legendären R 100-Boxer-Motors absetzt … aber noch bevor wir uns jetzt gänzlich in Schwärmerei zu diesem existentiell wichtigen Bauteil dieses einzigartigen Kraftrades verlieren, feiern wir erst das filigrane Kunstwerk „Schwinge“ ab. Die Basis: ein /5-Modell. Die Variante: eine anspruchsvoll konstruierte Cantilever-Hinterrad-Schwinge. Dieses Bauteil verdankt seine Existenz der genialen Schaffenskraft eines Schweißers aus der Luftfahrt-Branche. Eine Reihe von Willis gefrästen Bauteilen aus der Leichtmetallbranche ergänzen die Verbindung von Hinterrad, der auf Hochglanz polierten, aufwändig vernickelten Stahlrohr-Schwinge und einer von Wilbers eigens angefertigten Feder-/Dämpfungs-Einheit.

Diese neu gefertigte Hinterradaufhängung ermöglicht die Führung eines für diese eher grazil gebaute Schwinge recht breit bauenden 140er Hinterrades.Am Motor kommt keiner vorbei, ragen die mit Krauser-Zylinderköpfen edelst bestückten Boxer-Feinrippen wuchtig ins Land. Nahezu Flügel verleihen sollte diese Tuningeinheit der Altvorderen, die sich damit dereinst in den sagenumwobenen Battle of Twins der wilden achtziger Jahre um die Ohren – oder hier besser: Tutteln flogen. Schatzmeister Willi hatte sich bereits in grauerer Vorzeit dieser heutzutage heiß umkämpften Vier-Ventil-Köpfe bemächtigt, die er innerhalb der 2-jährigen Gesamtbauzeit dem Basismotor einer R-100 anflanschte. Dem Ostfriesen kommt es aber nicht auf ein gesteigertes Racing-Vergnügen mit mehr Pferdestärken sondern auf die goldene Mitte im Drehmomentbereich an. Nicht Spitzengeschwindigkeit zählt für Rasteder, viel mehr das eher als „schaltfaul“ bezeichnete Cruisen und Röhren über Land. Mit nunmehr Drehzahl-fest agierendem Motor, dem er dazu eine speziell neu aufgelegte Nockenwelle gönnte, in Abstimmung mit einer Viergang- und End-Getriebe-Einheit aus einer R 75/5. Auffällig ins Auge schiebt sich zudem die Dell' Orto-Rundschieber-Vergaserfabrik: fast frivol wirken die formvollendet, aus dem Vollen und von Hand gedengelten, unglaublich in die Länge gezogenen Ansaugtrichter. In liebevoller bis nahezu pedantischer Kleinarbeit entwickelte der in Sachen BMW-Motorräder eher Spätberufene die fein ziselierte Befestigungstechnik der wagemutigen Anbauteile.
 
Dem ehemalig und bis 1990 bekennenden Yamaha SR-500 Treiber kommt außer dem fraglos handwerklich einwandfreien Geschick sein über die Jahre hinweg gesammelter Maschinenpark in Form von Dreh- und Fräsmaschinen, fein säuberlich aufgebaut im Keller seines schmucken Einfamilienhauses, zugute. Damit ist es ihm möglich, bis in den Bereich des Feinmechanikers hinein Hand an seine Pretiose zu legen. In derselben Art von Feinmotorik angerichtet wird die Zündung per Material aus dem Hause Silent Hektik. Dessen Label prangt neben dem charakteristischen BMW-Propeller auf der Gabelbrücke aus einer Bimota Mantra über deren Paioli-Gabel, in harmonischer Eintracht zusammen mit dem stilvoll eckigen Drehzahlmesser von Kröber. Rund dagegen muss der Scheinwerfer eines Cafe-Racers sein. Ebenso rund und harmonisch gestaltete sich dann auch der Jungfern-Flug dieser einzigartigen BMW-Maschine, die der jetzt 51-Jährige in 2008 stilsicher zum Ace Cafe nach London führte. Die Kult-Stätte aller Cafe-Racer steht für das ultimative Ziel all ihrer Anhänger. Dort holte sich diese BMW mit all seiner Authentizität den Segen aller klassischen Cafe-Racer. Den Segen des TÜV hatte dieses einzigartige Kraftrad da schon längst erhalten.
 

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Technische Details: BMW Krauser R 1000 RC

Erbauer/Besitzer Wilfried Ficken, Rastede, Ostfriesland
Modell BMW R 1000 CR, Basis R 100, 4-Takt-2-Zylinder-Boxer-Motor, luftgekühlt, Krauser-Zylinderköpfe, 4-Ventiler, Leistungssteigerung auf 71 PS bei 7.300 U/min, obenliegende Nockenwelle, Bohrung x Hub 94 x 70,6 mm, Hubraum 980 ccm, 2 Dell'Orto Rundschieber-Vergaser mit 38 mm Durchmesser, 2-in-2 Auspuffanlage, Silent Hektik elektronische Zündanlage, Elektrostarter, 4-Gang-Getriebe, Kardan, Typ BMW 75/5
Front Gabelbrücke von Bimota Mantra, Paioli-Gabel von Bimota Mantra, MR-Lenker, Ducati 998 Doppelscheibenbremse, BMW R 90 S Tank, 24 l
Rahmen Stahlrohr-Doppelschleifenrahmen BMW R 60/6
Heck Cantilever-Schwinge, Basis Typ /5, teilbar für Radausbau, Wilbers Monofederbein, Seilzug-betätigte Trommelbremse
Räder/Reifen Leichtmetall-Drahtspeichenräder
  Vorn: 3,50x17 Zoll – 120/70H17 – Bridgestone BT 45
  Hinten: 3,50x18 Zoll – 140/70V18 – Bridgestone BT 45
Gewicht: 162 Kilogramm


 
Interessante Links:

Text: Sabine Welte
Fotos:
Sabine Welte
www.sabine-welte.de

Bericht vom 06.05.2011 | 34.545 Aufrufe

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