Motorradfahren lernen - die richtige Nutzung der Bremsen

Wie bremse ich optimal? Wie wird mein Bremsweg kürzer?

Wie dosierst du die Bremse des Vorderrads und wie des Hinterrads? Was sind die Vor- und Nachteile der Vorderradbremse und der Hinterradbremse? Bei welcher Gelegenheit ist die Vorderradbremse besser, bei welcher die Hinterradbremse? Hier bekommst du die Antworten!

Der größte Vorteil der Vorderradbremse

Du kannst damit mehr und besser bremsen. Warum? Weil die Bremsanlage für höhere Bremsleistungen dimensioniert und ausgelegt wurde. Du kannst deshalb also in der Regel vorne mehr bremsen und besser dosieren. Das ergibt auch Sinn, denn weil das Vorderrad beim Bremsen mehr auf den Boden gedrückt wird und deshalb auch mehr Haftung übertragen kann, kann es mehr gebremst werden als das Hinterrad.

Die Nachteile der Vorderradbremse

Die Folgen eines überbremsten Vorderrads sind schwieriger zu bewältigen, sprich die Sturzquote dabei ist höher, besonders bei Motorrädern ohne ABS und in der Kurve/Schräglage. Außerdem haben die meisten Fahrwerksgeometrien beim Bremsen mit dem Vorderrad ein sogenanntes Aufstellmoment. Das heißt: Beim Bremsen verringert sich deine Schräglage und deine Kurvenlinie wird weiter, das willst du speziell, wenn du langsamer werden möchtest, um in der Kurve mehr nach innen zu kommen, auf gar keinen Fall.

Die Vorteile der Hinterradbremse

Wenn du hinten überbremst, sind die Folgen speziell auf der Geraden nicht so dramatisch. Der größte Vorteil der Hinterradbremse ist aber, dass du kein Aufstellmoment in der Kurve hast. Du kommst also wirklich weiter nach innen, wenn du hinten bremst. Speziell bei Notbremsungen und in der Kurve musst du allerdings trotzdem darauf achten, nicht zu viel zu bremsen, denn ein ausbrechendes Hinterrad bedeutet ebenfalls große Probleme. Es gibt noch einen Vorteil. Bremst du das Hinterrad, stabilisierst du deine Fahrt, weil das Motorrad förmlich gestreckt wird. Du kannst diesen Effekt nutzen. Außerdem: Bei den meisten aktuellen Motorrädern kannst du das Vorderrad-ABS gar nicht deaktivieren. Hinten bei manchen aber schon. Das ist speziell im Gelände bei Bergabfahrten auf losem Untergrund, etwa Schotter oder Sand, aber notwendig, weil andernfalls das ABS bei jeder rutschigen Stelle die Bremse lösen würde und du immer schneller werden würdest. Mit einem blockierenden Hinterrad hast du aber die Chance, dass es einen Schotter- oder Sandhaufen "aufschaufelt und du diesen zum Langsamerwerden nutzen kannst.

Motorradfahren lernen - die Hinterradbremse
Die Hinterradbremse hat zwar nicht so viel Wirkung wie die Vorderradbremse, dafür sind die Folgen speziell auf der Geraden nicht so dramatisch, wenn du hinten überbremst. Der größte Vorteil der Hinterradbremse ist aber, dass du kein Aufstellmoment in der Kurve hast.

Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech als 1000PS-Partner!

Ein großes Projekt verlangt nach großen Partnern - weshalb wir uns entschieden, für unsere Berichteserie Motorradfahren lernen mit hochwertigen Herstellern wie Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech zusammen zu arbeiten. Für einen feinen Querschnitt durch die aktuellen Motorradkategorien haben wir von Honda eine einsteigerfreundliche CB500 Hornet, eine sportliche CBR650R sogar mit E-Clutch (muss man mal probiert haben!) und als Referenz für das Adventure-Segment eine CRF1100L Africa Twin Adventure Sports mit elektronisch verstellbarem Fahrwerk gewählt. Bestückt wurden alle Bikes mit Taschen oder Tankrucksäcken von SW-Motech, damit wir diverse Utensilien, die wir bei unseren Fotofahrten brauchten, gut verstauen konnten. Da wir natürlich nicht wussten, wie das Wetter wird, vertrauten wir bei der Kleidung auf Highend-Ware von Stadler Bekleidung, die dank GoreTex-Material und innovativen SASS-Belüftungsöffnungen sowohl bei nasskaltem als auch bei heißem Wetter ausgezeichnet funktionieren. Schließlich wollten wir auch bei den Reifen nichts dem Zufall überlassen, für unsere Vorführ-Fahrten wurden auf allen drei Maschinen Qualitäts-Pneus von Metzeler aufgezogen. Und ja, richtig vermutet, natürlich hat mit allen vier Herstellern alles problemlos funktioniert!

Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech
Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech als 1000PS-Partner

Die Nachteile der Hinterradbremse

Du kannst in der Regel hinten weniger bremsen, vor allem wegen der dynamischen Achslastverteilung beim Verzögern. Außerdem ist die Hinterradbremse schwerer zu dosieren, weil du einfach im Fuß, vor allem, wenn du schwere Stiefel anhast, weniger spürst. Du kannst schon dosieren, musst das aber intensiver üben, das spielt vor allem im Gelände eine Rolle, wo andere fahrdynamische Herausforderungen die Stellung des Fußes mitbestimmen. Ein kleiner Nachteil ist auch, dass du beim Stehenbleiben mit einem fußgebremsten Gerät nicht nach rechts kippen darfst, weil du kannst nicht die Hinterradbremse bedienen und dich gleichzeitig gegen das Kippen mit dem rechten Fuß abstützen.

Es gibt noch einen Vorteil der Hinterradbremse

Das Prüfen der Griffigkeit der Straße ist mit der Hinterradbremse ungefährlicher. Bei manchen Motorrädern ist das (Mit-)Bremsen hinten unbedingt notwendig, weil sonst die Gefahr eines Überschlags droht. Das klingt immer noch kompliziert, was heißt das jetzt für dich? Wann verwendest du welche Bremse wie?

Die Vorderradbremse ist grundsätzlich die bessere Bremse

Wenn es darum geht, möglichst effektiv langsamer zu werden, ist die Vorderradbremse grundsätzlich die bessere Bremse. Also, auf griffigem Asphalt und bei Notsituationen. Je nach aktiven elektronischen Helferlein muss dir aber bewusst sein, wie gefährlich ein Überbremsen des Vorderrads ist. In der Kurve muss dir der Effekt des Aufstellmoments ebenfalls bewusst sein. Bei festen, steilen Bergab-Passagen (im Enduro- oder Trialgelände) spielt sie ebenfalls eine wichtigere Rolle und es ist dementsprechend notwendig, sie richtig dosiert dort effektiv einzusetzen. Insgesamt ist das kontrollierte Dosieren der Vorderradbremse unbedingt zu beherrschen. Bremst du zu wenig, hast du einen vielleicht erheblich zu langen Bremsweg. Bremst du zu viel, kann es zum Wegrutschen des Vorderrads oder zum Überschlag kommen. Die Bedienung der Vorderradbremse musst du deswegen auch im Stress möglichst präzise beherrschen. Die klassische Anwendung der Vorderradbremse zusammengefasst: je griffiger, desto effektiver. Also eigentlich fast immer, aber kontrolliert!

Motorradfahren lernen - die Vorderradbremse
Auf griffigem Asphalt und bei Notsituationen, wenn es also darum geht, möglichst effektiv langsamer zu werden, ist die Vorderradbremse grundsätzlich die bessere Bremse.

Die Hinterradbremse stabilisiert

Die Hinterradbremse eignet sich in vielen Situationen zum Prüfen des Rutschbereichs. Außerdem hat die Hinterradbremse bei schweren, langen Motorrädern eine ebenfalls nicht zu vernachlässigende Wirkung, auf die du bei einer Notbremsung nicht verzichten willst. Die klassischen Anwendungen für die Hinterradbremse zusammengefasst: Wenn du in Schräglage deine Geschwindigkeit weich, ohne Aufstellmoment, reduzieren möchtest und wenn du dich von der Charakteristik deines Motors unabhängig machen möchtest und etwa in Situationen mit wenig Platz in geringer Geschwindigkeit (am Parkplatz, beim Umdrehen auf der Straße oder bei engen, vielleicht auch noch steilen Kehren) dein Tempo reduzieren musst oder willst, ohne dabei die Gasgriffstellung zu verändern, beziehungsweise um unabhängig von der schwer zu kontrollierenden Charakteristik deines Motors die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Und wenn du (sehr selten) ins Pendeln gerätst.

Nachschlagewerk: So geht das! Wie man was findet

Auch wenn das 1000PS Nachschlagewerk nicht auf einmal sondern bis Ende des Jahres immer weiter ergänzend erscheint, ist es am Ende eine große, einem Lexikon ähnliche, Database, in der man nach Kapiteln und Absätzen geordnet auf die häufigsten Fragen, die in den 1000PS-Foren in den letzten Jahren gestellt wurden, eine Antwort findet.

Die umfassende Serie "Motorradfahren lernen" auf 1000PS im Überblick:

Entdecke unsere umfassende Serie "Motorradfahren lernen" auf 1000PS, in der wir alle Aspekte des Motorradfahrens behandeln. Von der Wahl des richtigen Motorrads, über die korrekte Bedienung von Kupplung und Bremsen, bis hin zur optimalen Körperposition und Kurventechnik. Wir zeigen dir, wie du moderne Fahrassistenzsysteme nutzt, bei Nacht oder auf nasser Fahrbahn sicher fährst und sogar wie du Notmanöver meisterst. Egal ob du Anfänger bist oder deine Fähigkeiten verbessern möchtest, unsere Serie bietet wertvolle Tipps und Ratschläge für jeden Fahrer. Tauche ein in die Welt des Motorradfahrens mit 1000PS!

Bericht vom 06.07.2024 | 8.130 Aufrufe

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