KTM: “Auch in Zukunft KEINE E-Antriebe für große Motorräder”

Sensationelle News bei der Eröffnung der E-Mobility Ausstellung

Dieser Titel ist nicht Clickbait! Im Zuge einer Pressekonferenz zur neuen Sonderausstellung der Motohall hat KTM über Pläne und Visionen für die Zukunft der Motorrad-Industrie und des E-Antriebs auf zwei Rädern gesprochen.

In der KTM Motohall, dem großen Motorrad-Museum im orangenen Geburtsort Mattighofen in Oberösterreich, wurde kürzlich die Sonderausstellung The future of electric mobility feierlich eröffnet. Dazu wurden große österreichische Medien, alles was Rang und Namen hat und eben auch 1000PS zu einer Pressekonferenz geladen, wo die obersten Chefs des Konzerns über ihre Vision der E-Mobilität sprachen. Neben der Sensationsnachricht wurden aber auch schon neue Prototypen und Produkte der eigenen Marken vorgestellt und weitere interessante Informationen zu zukünftigen Entwicklungen preisgegeben.

Das Herantasten an den richtigen E-Antrieb – KTMs Werdegang im Segment E-Mobility

Die letzten Jahre waren sehr erfolgreich für die Pierer Mobility AG, den Mutterkonzern der Marken KTM, Husqvarna & GasGas. 2020 markierte das 10. Rekordjahr in Folge. Der Umsatz liegt inzwischen bei über 1,5 Milliarden Euro jährlich, 270.407 Motorräder wurden verkauft und auch die Märkte weltweit wachsen beständig. Doch die Entscheidungsträger der Pierer Mobility AG wissen auch, dass sie rechtzeitig investieren müssen, um in Zukunft an der Spitze dranzubleiben.

Schon 2010 begann man bei KTM daher damit, an E-Antrieben herumzuexperimentieren. 2014 kam das erste E-Motorrad der Marke: Die KTM Freeride. Diese Elektro-Enduro war mäßig erfolgreich, vor allem wirtschaftlich. KTM verbaute nämlich einen Hoch-Volt-Motor, welcher dank seiner hohen Spannung besonders strengen Vorschriften unterlag. Das bedeutete einen riesigen Aufwand in der Produktion, für die Händler und die Kunden. Mit jeder verkauften Freeride machte KTM Verlust. Aber man sammelte auch wertvolle Erfahrungen. Kontinuierlich wurde weiterentwickelt. 2018 kam mit der E-mini Range eine E-Enduro für Kinder, zwei Jahre später mit dem Stacyc eDrive ein E-Laufrad für Kleinkinder. Zusätzlich wurde auch noch in den E-Fahrrad-Markt investiert, wo sich die Pierer Mobility AG vor allem mit GasGas als Big Player im High-End-E-Bike-Sektor etablieren möchte. Für das E-Zweirad-Segment des Konzerns folgen heuer und 2022 die nächsten großen Schritte.

3 neue Elektro-Husqvarnas sind im Anmarsch

Großen Fokus legt die Pierer Mobility AG auf die Motorrad und Roller Segmente bis 15 PS, also die derzeitige AM- und A1-Klasse. Im Bereich der urbanen Fortbewegung halten E-Roller jetzt schon Einzug, der Anteil an E-Fahrzeugen beträgt hier ca. 15 %. Bei den Motorrädern bis 15 PS sind es ca. 5 %. Doch bei KTM geht man davon aus, dass dieser Anteil in den nächsten 10 Jahren auf 50 % ansteigen wird. Dementsprechend bringt auch der Pierer-Konzern nun die ersten E-Straßenfahrzeuge auf den Markt.

Obwohl alle Konzernmarken zukünftig in irgendeiner Form E-Fahrzeuge im Portfolio haben sollen, macht nun Husqvarna den ersten Schritt. Neben der bereits zuvor angekündigten E-Pilen, wurde nun auch der E-Kickscooter BLTZ und der E-Stadtroller Vektorr vorgestellt.

Husqvarna BLTZ E-Tretroller
Der Husqvarna BLTZ bildet den Einstieg in das E-Segment Husqvarnas

Der BLTZ soll sich von den in Städten allseits präsenten Tretrollern durch deutlich bessere Qualität, Fahrdynamik und Sicherheit abgrenzen. Ausgestattet mit einer Reichweite von 40 km ist er der Einstieg in die E-Flotte von Husky und soll 2022 in die Läden kommen. Zu der Zeit soll auch der Vektorr erscheinen. Der E-Roller soll einem 50 Kubik 2-Takt-Roller gleichen, hat einen 4 kW-Motor verbaut und schafft 60-65 km. Bei der Technik hat man aus den Fehlern der Freeride gelernt und nutzt nun bei allen neuen Modellen Nieder-Volt-Motoren (48V). Neben weniger strengen Reglementierungen haben diese auch den Vorteil, dass Ladungen einfach und schnell über die üblichen Haushaltssteckdosen möglich sind. So soll der Vektorr den üblichsten Ladevorgang von 40 auf 80 % in nur 35 Minuten schaffen.

Die Husqvarna E-Pilen kommt auch 2022 mit einem 10 kW Motor und soll, das wurde ausdrücklich betont, in ihrer Fahrdynamik Verbrenner-125ern in nichts nachstehen. Das heißt, dass vor allem das Gewicht im typischen Bereich bleiben soll. Gleichzeitig drückt der E-Motor mit 42 Nm Drehmoment viermal so stark an, wie ein vergleichbarer Verbrenner. Das bedeutet eine deutlich schnellere Beschleunigung. Als Reichweite werden 65-100 km angegeben, was für 95 % der Fahrten ausreichen soll.

Husqvarna E-Pilen
Mit vierfach so viel Drehmoment bei ähnlichem Gewicht soll die E-Pilen 125er Verbrenner zukünftig im Rückspiegel lassen.

Die großen Motorrad-Hersteller sind sich einig: Keine großen Motorräder mit E-Antrieb

Im E-Motorrad-Marktbereich von 4 bis 11 kW wird also groß investiert und entwickelt. Aber was kommt für die großen Leistungsklassen im E-Bereich? Hier die Sensation: Nichts! Der E-Antrieb ist für stärkere Motorräder einfach nicht wirtschaftlich und praktikabel umsetzbar, also wird man sich in diesem Bereich in andere Richtungen orientieren. Das sagt nicht nur KTM, sondern auch die anderen großen Motorrad-Hersteller aus Japan und Europa sollen dieser Meinung sein. Stefan Pierer, CEO der Pierer Mobility AG, erklärt ganz bodenständig, dass man bei solchen Entwicklungen nicht einfach die Naturwissenschaft und den Realismus aus dem Fenster werfen könne. Starke E-Motorräder wären durch die notwendigen Akkus ungemein schwere Schiffe, welche schlecht fahren und dadurch kaum Käufer finden würden. Also werden hier die E-Antriebe links liegen gelassen und stattdessen sollen E-Fuels die Zukunft der starken Bikes werden.

E-Fuels sind sythetische Kraftstoffe, welche mittels Strom aus Wasser und CO2 gewonnen werden und Verbrenner emissionslos antreiben können. Somit wäre das ein Weg, weiter unsere leiwanden Verbrenner zu fahren und gleichzeitig unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Natürlich ist bei so Zukunftsprognosen nichts fix, doch zumindest vorsichtige Hoffnung kann man schöpfen.

Fragen bringen noch mehr Einblick in die mögliche Zukunft der Motorräder

Schließlich sind die Journalisten mit ihren Fragen dran und auch hier lassen die KTM-Bosse noch so einige interessante Informationsbrocken fallen. So meint Stefan Pierer zum Beispiel auf die Frage, ob synthetische Kraftstoffe durch die aufwendige Herstellung nicht sehr teuer werden würden, dass es durchaus möglich ist, dass dann der Liter Sprudel 2 oder 2,50 € kostet. Im Vergleich zu den absehbaren Alternativen ist das aber noch die akzeptabelste Variante.

Ich selbst frage nach der Herkunft der Ressourcen für die E-Antriebe und Akkus. Zur Herstellung sind unter anderem auch seltene Erden, Kobalt und Nickel notwendig, die teils unter katastrophalen Umständen in Entwicklungsländern gewonnen werden. Hier stimmt Pierer zu und meint, dass auch deswegen KTM nicht vorhat in den großen Segmenten E-Antriebe einzusetzen. Als Beispiel nennt er, dass ein E-Auto bis zu seiner Fertigstellung einen ökologischen Fußabdruck hat, wie ein Verbrenner-Auto mit 60.000-70.000 km auf der Uhr. Bei den genutzten E-Antrieben in den kleinen Klassen sind deutlich geringere Mengen an Ressourcen notwendig und hier bemüht man sich um Recycling und fairen Abbau.

Die letzte interessante Frage drehte sich um austauschbare Akkus. Einige Hersteller von E-Rollern und -Motorrädern versuchen damit mangelnde Reichweiten oder lange Ladezeiten zu umgehen und ermöglichen einen schnellen Tausch der Akkupakete per Hand. KTM hat hierzu Besitzer von E-Zweirädern untersucht und ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen. Vor dem Kauf des E-Fahrzeugs war der Großteil der Kunden überzeugt, dass sie so ein System bräuchten. Im Alltag nutzte dann jedoch kaum jemand die Tauschfunktion. Außerdem sind solche Systeme aufgrund des Gewichts und der Handlichkeit in der Form und der Größe ihrer Akkus beschränkt. Deswegen konzentrieren sich die Entwickler der Pierer Mobility AG lieber auf die Optimierung von Ladezeiten und Reichweiten.

Im Angesicht mit der Zukunft der E-Bikes

Wer an E-Mobility interessiert ist und die in diesem Bericht besprochenen Themen und auch E-Modelle selbst und in Natura bestaunen möchte, der sollte unbedingt die KTM Motohall in Mattighofen besuchen. Ab 7. Mai 2021 ist die Sonderaustellung The future of electric mobility von Mittwoch bis Sonntag zwischen 9-18 Uhr geöffnet.

KTM Motohall Sonderausstellung THE FUTURE OF ELECTRIC MOBILITY
Alles zur E-Strategie der Pierer Mobility AG gibt es in Natura zum Anschauen in der KTM Motohall
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Bericht vom 07.05.2021 | 17.955 Aufrufe

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