Vorbereitung auf Touren mit Regenrisiko

Wet Wet Wet

Selbst in Southern California regnet es, entgegen der Aussage des Classic-Oldies, ab und zu mal. Erst recht in Deutschland. Darauf sollte man sich und das Bike vor längeren Touren vorbereiten und unterdessen vorsichtig sein.

Nur die Harten kommen in den Garten. Die meisten von euch dürften den Spruch zumindest schon mal als Patch gesehen haben. Aber machen wir uns nichts vor, falschverstandene Härte kann auf einem Bike schlicht lebensgefährlich sein. Konkret (aber nicht ausschließlich) bei Regen.

Vor allem die beiden vergangenen Sommer 2018 und 2019 haben uns mit schier endlosen Sonnenwochen verwöhnt. Aber: Das waren trotz Klimawandel Ausnahmen! Vor jeder längeren Tour, bei der nicht hundertzwanzigprozentig klar ist, dass es keinen Regen geben wird, solltet ihr das Nass von oben sowie andere Unannehmlichkeiten während der Reise vorab einplanen. So geht das:

1. Regenbekleidung

Mancher Naked- oder Superbike-Pilot mag zwar bei dem Gedanken knirschen, weil sein Bock sowieso kaum Stauraum hat. Aber es ist einfach so: Falls die normale Bekleidung nicht hundertprozentig regensicher ist, führt einfach kein Weg an einem Zusatzschutz vorbei.

Es gibt genügend hauchdünne Regenkombis, die ihr einfach über alles andere ziehen könnt. Die passen notfalls in gefaltetem Zustand in jedes Bauch- oder Sozius-Täschchen. Klar, sieht nicht stylisch aus, flattert vielleicht auch, aber es hält euch trocken. Denn nichts fühlt sich ekliger an, als eiskalter Regen, der langsam über den Rücken rinnt, weil die Kombi nicht regendicht ist.

Tipp: Gerade die ganz günstigen Kombis sind oft ab Werk nicht sonderlich regendicht. Kauft Imprägnierspray dazu. Doppelt gemoppelt hält bekanntlich besser. Und Finger weg von Einwegware. Die reißt oft schon bei moderatem Tempo.

2. Abbruch-Planung

Mit etwas Glück ist der schlimmste Teil eines Regenschauers nach zehn Minuten abgehakt und man kann sich wieder aufs Bike setzen. Aber was, wenn es sich richtig „einregnet“? Was, wenn der Schauer ein paar Kilometer weiter eine Sturzflut wird, wie vor einigen Jahren im südöstlichen Bayern?

In dem Fall ist, so hart es klingt, die Tour-Etappe des Tages einfach zu Ende. Bloß ist klar, dass ihr jetzt nicht unter der Landstraßenbrücke stehenbleiben könnt. Deshalb:

  • Markiert euch auf der Route jedes Hotel, jedes Privathaus mit Fremdenzimmern, jede Jugendherberge, kurz: jede einzelne Übernachtungsmöglichkeit. Fokussiert euch dabei nicht nur direkt auf die Strecke, sondern sucht auch ein bisschen abseits davon – bei besonders bikerfreundlichen Routen ist mit etwas Pech bei „Schietwetter“ rasch alles ausgebucht.

  • Habt auf jeden Fall genügend Bargeldreserven oder eine Kreditkarte dabei, damit ihr den Aufenthalt bezahlen könnt – und vielleicht ein leckeres Mahl samt Hopfenkaltschale, damit der Tag noch wenigstens halbwegs versöhnlich endet.

  • Rüstet euer Handy mit Spaßmachern aus. Egal ob Rätsel-App, Netflix, Wett- oder Casino Programm. Macht euch bei letzterem aber vor der Tour die Mühe, Sportwetten- und Online-Casino-Bewertungen zu recherchieren. Soll heißen, ladet nicht irgendeine App herunter, nur weil die weit oben im Store erscheint. Und: habt wenigstens ein USB-Kabel dabei. Einstecken könnt ihr das oft im Hotelfernseher oder -receiver.

Und falls ihr zu den echten Tourenbikern gehört, also ein Motorrad fahrt, das mit Stauraum versehen ist, der diesen Namen auch verdient, solltet ihr noch weiterdenken. Vielleicht räumt ihr da vor Tour-Beginn ein Paar Wechselsocken rein, frische Unterwäsche, eine dünne Trainingshose, Badelatschen. So habt ihr im Hotel wenigstens nicht nur die Wahl zwischen Motorradklamotten und Unterhosen-Style und müsst nach dem Duschen nicht in schmutzigen Sachen nächtigen.

Übrigens: Der schlaue Biker nutzt eine solche Zwangspause, um seine durchgeschwitzten Sachen im Hotel-Waschbecken zu waschen. Das geht ziemlich fix und einfach.

3. Brückenplanung

Regen lauert manchmal hinter der nächsten Kurve, kündigt sich also nicht lange vorher durch dunkle Wolken an. Dann wollt ihr zumindest die übelste Phase im Trockenen abwarten. Verlasst euch deshalb nicht nur aufs Navi. Habt einen ausgedruckten Routenplan, auf dem ihr sämtliche Überbrückungen, Tunnels, Tankstellen, Bushäuschen und dergleichen markiert. Ist zwar kein großer Spaß, da gelangweilt zu stehen, aber besser (und sicherer) als im Platzregen zu fahren, ist es allemal.

Übrigens: Clevere schreiben sich auch ein paar Sehenswürdigkeiten am Wegesrand heraus. Besonders solche, die überdacht sind. Auch dort kann man den einen oder anderen Schauer abwarten.

4. Finger vom Gas

Ihr fahrt. Plötzlich landen die ersten Tropfen auf dem Helmvisier. Kurzer Blick auf die Brückenliste, noch drei Kilometer. In einer solchen Situation würde es nichts bringen, einfach an den Straßenrand zu fahren und anzuhalten. Da wären nachfolgende Fahrzeuge ein großes Risiko. Aber: Bei Regen gilt die Zweidrittel-Regel. Euer Tempo sollte höchstens zwei Drittel dessen betragen, was ihr bei trockener Strecke fahren würdet.

Das gilt ganz deutlich für gesetzestreue Tempi, also das, was auf den Straßenschildern steht – nicht das, was ihr durch Routine und Gas-Lust vielleicht als „Passt schon“ definiert.

Zudem: * Falls euer Helm kein Pinlock-Visier hat, macht die Lüftungen auf und schiebt das Visier, wenn nötig, ein paar Millimeter auf. Etwas Regen im Mundbereich ist immer noch besser als ein total beschlagenes Visier, weil der Regen dessen Außenseite schlagartig runterkühlt und deshalb euer Atem kondensiert.

  • Fahrt in der Mitte der Spur. Autos und vor allem Laster haben oft links und rechts eine regelrechte Rinne reingedrückt, in der sich Wasser als erstes sammelt.

  • Nehmt einen „runden“ Fahrstil ein. Vermeidet also alles, was irgendwie ruckartig ist. Das gilt nicht nur fürs Bremsen.

  • Besondere Vorsicht vor Senken – und auch wenn ihr in eure Halte-Unterführung reinrollt. Auch da sammelt sich Regenwasser als erstes.

Wenn ihr bei Nässe bremsen müsst, dann zum Großteil mit der Vorderradbremse. Greift fest zu, zieht aber mit Gefühl. Nicht aus falscher Sorge nur hinten bremsen. Denn die Hinterradbremse blockiert durch die Gewichtsverteilung bei Regen viel schneller. Und ganz wichtig: Fahrt so vorausschauend wie es nur geht. Keiner wird zum Helden, wenn er bei Regen stur weiterfährt.

5. Nach dem Regen – supervorsichtig

Der Regen ist vorbei. Ganz gleich ob es jetzt ein kurzer Schauer war oder ihr gestern deswegen abbrechen musstet. Jetzt aufs Bike und weiter wie gehabt? Klares nein. Denn selbst wenn die Sonne wieder scheint, kann und wird sich auf der Straße noch reichlich Feuchtigkeit befinden – nicht bloß in Schlaglöchern.

Insbesondere Schauer sind enorm tückisch. Denn wenn der Regen den Asphalt nur geküsst hat, sorgt das oft dafür, dass Straßenstaub, Reifenabrieb usw. zu einer schmierigen Schicht werden – brandgefährlich, weil von normaler Feuchtigkeit optisch kaum zu unterscheiden.

Richtige Regengüsse sind in der Hinsicht etwas besser, weil sie den Dreck wegwaschen. Fahrt trotzdem so lange vorsichtig, bis die Sonne es wieder geschafft hat und den Asphalt flirren lässt.

Bildquelle: Artur Tumasjan

Autor

Bericht vom 16.03.2020 | 295 Aufrufe

Du hast eine Neue?

Verkaufe dein Gebrauchtmotorrad im 1000PS Marktplatz.

Inserat erstellen

Gebrauchte und neue Motorräder

Empfohlene Berichte

Pfeil links Pfeil rechts