Das Handy mit dem Bike verbinden - Connectivity am Motorrad

Connectivity - Wie funktioniert es und braucht man das überhaupt?

Connectivity am Motorrad ist immer mehr am Kommen. Apple CarPlay gibt es zum Beispiel bei Honda schon seit einiger Zeit. Jetzt bringt mit Harley-Davidson der erste Hersteller Android Auto aufs Motorrad. BMW und Triumph pfeifen derweil auf bekannte Systeme und haben gleich ihre eigene Software entwickelt. Was die Unterschiede und Funktionen der verschiedenen Systeme sind, darüber klären wir auf.

Im Auto ist die Möglichkeit das Handy mit dem Wagen zu verbinden, um Music zu hören, Telefonate zu führen oder Apps wie Google Maps zu nutzen, schon längst etabliert und bei modernen PKW üblich. Seit Ende 2017 fangen auch Motorrad-Hersteller an, Connectivity am Motorrad vermehrt für ihre Bikes anzubieten. Zur Klarstellung: Damit sind nicht einfache Bluetooth-Verbindungen zwischen Handy und Motorrad gemeint. Die Möglichkeit zur Bluetooth-Verbindung gibt es bei sehr vielen Modellen von unterschiedlichen Herstellern, wie z.B. KTM, Aprilia und Kawasaki, und wird auch immer mehr zum Standard für Serienmotorräder ab einer gewissen Preisklasse. Solche Bluetooth-Verbindungen bieten aber nur einen Bruchteil der Funktionen der hier behandelten, "echten" Connectivity-Systeme am Motorrad. Einfache Bluetooth Verbindungen zeigen zum Beispiel die Richtungsanweiseungen der Navigation nur an, doch mit Programmen wie AppleCarplay oder Android Auto lässt sich die Navigation auch über das Bike steuern. Bei solchen komplexen Connectivity-Programmen handelt sich um Schnittstellen zwischen Bordcomputer und Mobiltelefon, welche die Auswahl an übers Fahrzeug nutzbaren Apps um ein Vielfaches erhöht. Viele der Connectivity-Systeme am Motorrad haben ihren Ursprung im Autosektor und genau wie dort, gibt es auch bei den Bikes unterschiedliche Produkte.

Apple CarPlay am Motorrad

Honda macht 2018 mit der Honda Goldwing und integriertem Apple CarPlay den Anfang. Inzwischen kann man auch auf anderen Modellen, wie zum Beispiel der Honda CRF1100L Africa Twin, sein Mobilgerät "connecten". Wie der Name vermuten lässt, ist Apple CarPlay nur mit den Modellen der Apple iPhone-Modellreihe kompatibel. Mittels USB-Kabel wird das Handy am Multi-Informationsdisplay angeschlossen. Dadurch können dann Navigationsapps über den Touchscreen des Displays genutzt, der Kalender bedient, Nachrichten gelesen, Musik gehört und viele Apps mehr genutzt werden. Auch die Steuerung per Siri-Sprachbefehle ist eine Option. Da Apple auf die dauerhafte Erreichbarkeit von Siri besteht, hat das zur Folge dass zur Verwendung des CarPlay nicht nur das Handy angesteckt, sondern auch ein Bluetooth-Headset verbunden sein muss.

Android Auto - Harley-Davidson bringt das System aufs Motorrad

Jetzt zieht auch der Konkurrent von Apple's iOS, das Android-Betriebssystem, nach und steigt mit Harley-Davidson in den Motorrad-Markt ein. Harley bringt Android Auto ab Sommer 2020 in seinen neuen Modellen serienmäßig als Bestandteil der Infotainmentsysteme. Sogar alten Modellen ab dem Baujahr 2014 soll die Möglichkeit geboten werden, die neue Software auf ihr Bike zu spielen. Denn das von Google entwickelte Android Auto ist kompatibel mit Harley's Boom-Box-GTS-Betriebssystem. Auch bei Google's Connectivity-Programm wird das Mobiltelefon per USB-Kabel verbunden. Die Funktionen sind dem Apple CarPlay grundsätzlich sehr ähnlich. Nur wird hier logischerweise der Fokus auf Google-Apps, wie z.B. Google Maps, gelegt. Neben üblichen Features, wie Musik hören, Nachrichten lesen (SMS, Whatsapp, Facebook Messenger, Threema und Skype), etc., bietet auch Android Auto Sprachsteuerung an. Ob auch hier eine dauerhafte Verbindung zu einem Headset notwendig ist, konnten wir bei der Recherche noch nicht herausfinden. Die Tests der neuen Harleys später im Jahr werden Gewissheit bringen.

MyTriumph Konnektivitätssystem

Triumph hält sich aus dem ewigen Krieg zwischen Android und Apple raus und hat einfach ein eigenes System auf den Markt gebracht. Zwar wurde das My Triumph Connectivity Module in Zusammenarbeit mit Google entwickelt, es kann sich aber auch mit iPhones verbinden. Im Vergleich zu den vorigen beiden Systemen gibt es einige Unterschiede: Das My Triumph Modul verbindet sich mit allen Geräten per Bluetooth. Am Handy muss die My Triumph-App installiert werden. Diese App ermöglicht die Bedienung der Apps per Pfeiltasten am Lenker. Damit, oder per Sprachsteuerung bei verbundenem Headset, lassen sich ähnliche Funktionen wie auch bei den anderen Systemen, also Musik, Nachrichten, Navigation, Anrufe, etc., bedienen. Eine Funktion ist aber bei Triumph einzigartig: Es hat das erste integrierte GoPro-Steuerungssystem für Motorräder verbaut. GoPros ab Hero 5 aufwärts können so mit dem Bike verbunden werden. Man sieht so nicht nur den Status der GoPro im Triumph-Display, sondern kann die Action-Cam auch über den Lenker steuern. Ein ziemlich nützliches und vor allem Sicherheit-erhöhendes Feature für Hobby-Filmer auf zwei Rädern. Das My Triumph Modul ist z.B. mit der neuen Tiger 900 und der Rocket 3, aber nicht mit allen Triumph Modellen kompatibel.

Verfügbare Motorräder für My Triumph Connectivity System

MODEL MODEL YEAR AVAILABILITY
Scrambler 1200 XC and XE MY19 onwards Available now: contact your dealer
Rocket 3 R and GT MY19 onwards Available now: contact your dealer
Street Triple RS MY20 onwards Available now: contact your dealer
Tiger 900 GT and Rally MY20 onwards Available now: contact your dealer
Street Triple R & RS MY17- MY19 Coming soon
Speed Triple S & RS MY18 onwards Coming soon
Tiger 800 XCX, XCA, XRX, XRX LRH, XRT MY18 - MY19 Coming soon
Tiger 1200 XRX, XRX LRH, XRT, XCX, XCA MY18 onwards Coming soon

BMW Connected-Drive am Motorrad

BMW nutzt die Erfahrungen aus dem Autosektor und bietet auch am Motorrad BMW Connected Drive an. Auch hier verbindet man sich per Bluetooth und installierter App mit dem Kommunikationssystem am Bike. Die dafür erforderliche "6AB Connectivity" ist Sonderausstattung. Auch BMW Connected Drive funktioniert sowohl mit Apple, als auch mit Android Geräten. Über den Lenker können Navigation, Musik, Kontakte und Nachrichten gesteuert werden. Googles Sprachsteuerung steht BMW noch skeptisch gegenüber, vermutlich aus Datenschutz-Gründen. Das Mobiltelefon kann über die Verbindung mit der BMW außerdem noch die Tourdaten aufzeichnen. Dabei wird nicht nur die GPX-Datei der Route, sondern auch Drehzahl, Schräglage oder Beschleunigung aufgezeichnet. Diese Daten kann man dann auch über soziale Netzwerke teilen. Verfügbar ist BMW Connected Drive für insgesamt 15 BMW-Modelle, von der BMW C 400 GT bis zur BMW R 1250 GS.

BMW-Modelle mit BMW Connected Drive

Modell Type Code
C 400 GT 0C06
C 400 X 0C09
R 1200 GS 0A15
R 1250 GS 0J91
R 1200 GS Adventure 0A02
R 1250 GS Adventure 0J51
R 1250 R 0J71
R 1250 RS 0J81
S 1000 RR 0E21
S 1000 XR 0E41
F 750 GS 0B08
F 850 GS 0B09
F 850 GS Adventure 0K01
F 900 R 0K11
F 900 XR 0K21

Autor

Bericht vom 07.04.2020 | 5.543 Aufrufe

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