Frühlingspflichten für Biker

Anlasser!

Wenn es endlich heißt „Frühling will nun einmarschier’n“, sind viele Biker zwar heiß, aber nicht richtig vorbereitet. Zeit, das zu ändern.

Wir wissen, was Du letztes Wochenende getan hast! Warum? Weil auch bei uns in der Redaktion nicht gerade wenige die ersten Sonnenstrahlen nutzten, um (endlich!) das Bike wieder aus der Garage zu holen. Aber wo wir gerade so ehrlich sind, bleiben wir doch auch dabei: Bereiten wir uns, unser Equipment und das Bike wirklich so vor, wie es im Buch steht? Oft nicht, da ist die Lust aufs käfiglose Fahren einfach viel größer. Ist aber weder optimal für euch noch euren Untersatz. Für den folgenden Artikel haben wir deshalb versucht, echte Frühlingspflichten aufzulisten, ohne dass dazu Touren ausfallen müssen.

Pflicht 1: Ölwechsel – jetzt!

Zweitaktfahrer dürfen diesen Punkt überspringen und zum nächsten übergehen. Alle anderen hingegen erinnern sich bitte kurz daran, wie ein Viertaktmotor aufgebaut ist und da vor allem der Ölkreislauf. Denn ganz gleich ob euer Bock mit Ölwanne oder Trockensumpfschmierung ausgestattet ist, gänzlich hermetisch abgeschlossen ist da nichts.

  • Zum einen, weil die Kolbenringe bei jedem Kaltstart etwas Kraftstoff nach unten durchlassen, bis sich durch die Wärme alles auf Betriebsmaße ausgedehnt hat.
  • Zum anderen, weil sich im System Luft befindet. Und was enthält Luft auch? Luftfeuchtigkeit.

Nun wissen wir, dass es in der Szene lange Diskussionen darüber gibt, ob man den Ölwechsel vor oder nach dem Winter machen sollten. Wir wagen uns mal vor und sagen: danach. Warum? Vor allem, wenn ihr noch bei kühleren Temperaturen die Saison etwas ausgedehnt habt, dürft ihr davon ausgehen, dass sich im Motor jetzt einiges an Kondenswasser niedergeschlagen hat. Die Brühe lief während der Winterpause schwerkraftbedingt ins Öl. Und auch wenn sie sich nicht damit vermischt, so rotieren doch bei jedem weiteren Laufenlassen Wassermoleküle im Ölkreislauf.

Gut für die Schmierwirkung ist das nicht, auch nicht für die Ölqualität. Wir raten deshalb: Macht jetzt den Ölwechsel – samt Filter.

Pflicht 2: Überdenkt euren Schutzstatus

Böse Zungen würden behaupten, dass bei manchem Biker die Jacke zu Saisonbeginn etwas am Bauch spannt, weil winterliche Genüsse auf akuten Bewegungsmangel trafen. Doch selbst wenn das bei euch nicht der Fall ist, solltet ihr bitte vor Saisonbeginn euren Schutzstatus checken. Im Einzelnen:

  • Checkt euren Helm. Irgendwo innen, wahrscheinlich unter dem Futter, werdet ihr ein Label finden, auf dem steht, wie alt er ist. Und selbst wenn er noch bestens aussieht, solltet ihr, wenn er mindestens fünf Jahre alt ist, einen Austausch anpeilen – Materialalterung ist das Stichwort!

  • Checkt eure Schutzbekleidung, fragt im Zweifelsfall beim Hersteller nach: Auch die Protektoren haben ein Ablaufdatum. Und wenn die Sachen aus Kunstfasern bestehen, pflegt sie mit einem Spray, das auch UV-Schutz enthält. Habt ihr das seit Jahren versäumt, ist es ebenfalls Zeit, neu zu kaufen – und von Anfang an UV-Schutz zu betreiben. Ledersachen freuen sich ebenfalls über eine Kur mit Spezialfett.

  • Checkt eure weitere Technik und glaubt nie, dass das, was ihr habt, ausreichend wäre. Die Entwicklungen bleiben nicht stehen. Vielleicht ist der diesjährige Saisonbeginn genau die Gelegenheit, auch mal euren Ohren Gutes zu tun – denn selbst moderne, also halbwegs flüsterleiste Bikes, sind immer noch ziemlich laut, wenn ihr mal bedenkt, wie dicht ihr beim Motor und vor allem der Abgasanlage sitzt. Bei älteren Bikes und sowieso (Zweitakt-)Enduros und natürlich allen Mitgliedern der Tuning-Fraktion kommt, selbst wenn der TÜV sein OK gegeben hat, sogar wirklich arg viel Lärm hintenraus, mal völlig abgesehen davon, ob es geil klingt. Der Sound durchdringt nicht nur den Helm, der ist auch absolut dazu in der Lage, nach nur wenigen Stunden eure Ohren zu demolieren, langfristig sowieso. Aber: Auch bei Stöpseln bleiben die Entwicklungen nicht stehen.

Und bitte: Euer persönlicher Schutz ist die falscheste Stelle, an der ihr Sparsamkeit an den Tag legen solltet. Schaut also nicht aufs Portemonnaie, es geht um eure heile Haut!

Pflicht 3: Checkt die Reifen

Garagentor auf, mit den letzten Elektronen in der Batterie den Motor angeworfen und auf geht’s. Leider wissen wir, dass gerade verfrühte Frühlingstemperaturen viele zu derartigen Hauruck-Aktionen verleiten und ihnen damit zumindest ein gewisses Risiko aufbürden.

Denn: Selbst wenn ihr vor dem Einwintern des Bikes den Reifendruck ordnungsgemäß um ein bis anderthalb Bar erhöht habt, könnt ihr davon ausgehen, dass jetzt immer noch etwas mehr drinsteckt als das, was angesichts eures Bike- und Körpergewichts optimal ist.

Und wenn ihr es nicht getan habt, müsst ihr annehmen, dass es da höchstwahrscheinlich einen – moderaten – Standplatten gibt; da haben über hundert Kilo monatelang auf die gleichen paar Quadratzentimeter Gummi gedrückt; außerdem hat sich die Luft in den Reifen durch die Winterkälte zusammengezogen.

Bedeutet:

  1. Bringt den Reifendruck auf die richtigen Werte.
  2. Messt die Profiltiefe. 1,6 Millimeter sollten es mindestens sein – und schon die sind grenzwertig.
  3. Nehmt eine Taschenlampe und prüft die Reifenoberfläche auf Risse.
  4. Entziffert die DOT-Nummer auf der Reifenflanke und wenn die Pneus älter als acht Jahre sind – weg damit. Je sportlicher euer Fahrstil und je leistungsfähiger eure Maschine sind, desto früher solltet ihr tauschen.
  5. Fahrt auf den ersten Kilometern besonders vorsichtig, achtet auf ungewöhnliche Vibrationen und denkt nie „ach, das fährt sich weg“.

Zu den Reifen zählt auch noch folgendes:

Pflicht 4: Macht sauber

Staub ist überall. Auch wenn ihr euer Bike nicht nur in der verschlossenen Garage überwintert, sondern sogar eine Abdeckung darüber gezogen habt. Mindestens auf euren Reifen wird er vorhanden sein – dadurch, dass sie beim Reinrollen den Schmutz vom Garagenboden mitgenommen haben.

So oder so erwächst mit dem Frühlingserwachen die Pflicht, euren Bock gründlich zu reinigen. Wenn ihr das in der SB-Waschanlage tun wollt, völlig okay. Nur bürstet dann zumindest vorher die Reifen ab und macht auf Hin- und Rückweg besonders vorsichtig. Und plant für hinterher etwas Pflegezeit ein. Denn:

Pflicht 5: Schmiert, was zu schmieren ist

Fakt 1: Während des Winters hat sich wahrscheinlich zumindest auf der Kette Staub abgelagert. Jede Bewegung knetet den ins Kettenfett ein, sodass die schmierende Masse zur Schmirgelpaste wird. Fakt 2: Eine gründliche Reinigung wird natürlich nicht nur Dreck, sondern auch den Schmierfilm in den Ölabscheider des Waschplatzes spülen. Heißt, wenn ihr vom Putzen zurückkommt, ist es Zeit, die Schmier-Keule auszupacken. Geht folgendermaßen vor:

  1. Sprüht auf alles, das geschmiert werden soll, WD-40. Nein, nicht zum Schmieren, sondern weil es die ureigenste Aufgabe dieses Mittels ist, Wasser zu verdrängen. Lasst es eine Zigarettenlänge einwirken, bevor ihr alles sorgsam trockenwischt.
  2. Zünd- und andere Schlösser bekommen einen Schuss Graphitspray. Bitte kein normales Öl oder gar Fett.
  3. Alle Scharniere und sonstigen beweglichen Teile werden mit Universal-Ölspray behandelt.
  4. Falls die Bowdenzüge innen teflonbeschichtet sind (erkennbar am weißen Innenleben) bitte mit Spezial-Pflegemittel arbeiten. Ansonsten geht auch hier Universalöl.
  5. Für die Kette haben wir mal ein spezielles Tool vorgestellt. Ansonsten müsst ihr es auf die alte Art machen: Bike auf den Hauptständer stellen, Gang raus, Bremsscheibe mit Pappe abdecken und dann das Rad mit einer Hand drehen, während die andere Kettenfett appliziert.

Wichtig: Bei diesem Schritt solltet ihr a) auch die Bremsbeläge auf Verschleiß prüfen und b) die Kettenspannung kontrollieren und gegebenenfalls nachstellen.

Abschließend empfehlen wir, kurz die wichtigsten Schrauben und Muttern auf festen Sitz zu überprüfen. Dann ist es aber soweit: Auf in die neue Saison. Viel Spaß und bleibt sicher!

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Bericht vom 08.01.2020 | 238 Aufrufe

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