Laster fürs Laster

Autokauf für Biker

Ganz ohne Auto geht es im Bike-Alltag oft nicht. Dann aber sollte der Wagen mit Bedacht ausgewählt werden.

Im Team von 1000PS befinden sich einige, die nicht nur sprichwörtlich 365 Tage im Jahr auf dem Bock sitzen – und natürlich auch bei der Leserschaft. Wir wissen aber auch, dass das Bike für viele von euch nicht das primäre motorisierte Vehikel ist, sondern eher Spaßfahrzeug. Fakt ist also, dass für „die anderen Tage“ ein vierrädriges Gefährt mit Dach und Stauraum hermuss. Doch wer sich sowas neu kauft, sollte auch einige Rules bedenken – nicht nur fürs eigene Portemonnaie, sondern auch im Zusammenspiel mit dem Bike.

Rule 1: Kaufe nie eine brandneue Serie

Mal angenommen, Automarke X stellt im Juli einen brandneuen Wagen vor. Was würde passieren, wenn ihr euch den sofort bestellt und damit im September in die Garage rollt? Sicher, Bonuspunkte bei autoaffinen Nachbarn wegen der Seltenheit des Neuerwerbs wären euch gewiss. Aber mit Pech auch noch was anderes – Kinderkrankheiten.

So sorgfältig die Hersteller eigentlich ein Modell auch testen (sollten), bevor es zu den Kunden kommt, so lang ist auch die Liste derjenigen Wagen, bei denen im ersten Jahr nach der Modelleinführung lauter kleine oder auch große Mängel auffielen. Oft hat das nicht mal was mit dem Fahrzeug per se zu tun, sondern weil die Produktionsprozesse noch nicht eingespielt sind – für euch als Besitzer kommt es aufs Gleiche raus. Daher gilt:

Egal was für ein Neuwagen, seine Baureihe sollte in der Form seit mindestens einem Jahr gebaut werden.

Genialer Nebeneffekt, wenn man gleich so weit geht, ein Modell einer auslaufenden Serie zu kaufen: Da gibt’s oft fette Rabatte, weil die Händler den Showroom freimachen wollen.

Rule 2: Raum lässt sich durch nichts ersetzen

Nein, bei dieser Zwischenüberschrift haben wir nicht das „Hub“ vor dem Raum vergessen, der Satz ist absichtlich abgewandelt: Raum lässt sich durch nichts ersetzen außer noch mehr Raum. Das gilt umso mehr, wenn man Biker ist.

Egal ob ihr vorhabt, sämtliche Anbauteile euroes Geräts zum Lackierer zu fahren, vielleicht auf ein Biketreffen zu rollen und, und, und… ihr werdet als Motorradfahrer immer dankbar sein, wenn das vierrädrige Gefährt eine große Klappe mit viel dahinter vorweisen kann – nicht wenige Biker machen den Fehler und holen sich nur einen Zweisitzer aus der Smart-Klasse als bloße Verlegenheitslösung für Schlechtwettertage.

Dabei sollte man eher folgendermaßen denken:

Das Auto ist für den leidenschaftlichen Biker reiner Lastentransporter. Und nur mit hinreichend Platz kann er diese Aufgabe vollumfänglich erfüllen

Im Endeffekt läuft es damit auf einige wenige Bauweisen raus: Kombi, Van (allerdings bitte kein Minivan) oder Pickup-Truck – wobei letzterer den immensen Vorteil hat, dass ihr auf seiner Pritsche ohne großartige Umbauten (und Schmutzprobleme) das Bike transportieren könnt. Nicht bloß sinnvoll für die Racer- und Motocross-Fraktion, sondern auch, wenn der Bock mal nicht auf eigenen Pneus in die Werkstatt fahren kann.

Rule 3: Clever kaufen, statt verlegen leasen

Es mag keine allgemeingültige Regel sein, aber bei den meisten Lesern dieser Zeilen dürfte die alleinige motorisierte Liebe auf zwei Rädern stehen. Alles andere, was rollt, eben auch das Auto, um das es hier geht, ist da schiere Notwendigkeit – der gleiche Unterschied zwischen einer netten Kollegin, die ihr für euren Job zwingend braucht und der gutaussehenden Frau, mit der ihr Bett und Tisch teilt.

Allerdings sollte diese Diskrepanz nicht dazu führen, dass ihr beim Wagen nur eine „Ehe auf Zeit“ eingeht, also least. Das ist nur dann die günstigere Option, wenn man sich an die einschränkenden Vorgaben halten kann – in der Realität zwängen einen Kilometerbegrenzung und die erzwungenermaßen sehr pflegliche Zwangsbehandlung mächtig ein.

Ungleich besser ist der (finanzierte) Kauf. Doch auch dabei könnt ihr noch Fehler machen – indem ihr blind auf das Angebot des Händlers setzt. Saubere Finanzierung des Neuwagens sollte auch den Blick über den Gartenzaun zu anderen Anbietern inkludieren; damit fährt man meistens günstiger.

Nur mit einem Auto, das einem selbst gehört, kann man wirklich die härteren Anforderungen des Alltags bewältigen.

Rule 4: Nie ohne Anhängerkupplung – und Mathe

Je nachdem, wo ihr wohnt, ist der Pickup vielleicht keine tragfähige Alternative. Kein Problem. Dann aber sollte der Neue wirklich zwingend eine andere Möglichkeit besitzen, im Zweifelsfall ohne viel Federlesen das Motorrad und alles andere in dieser Größenklasse transportieren zu können.

Klar, dafür braucht es als Mindestmaß eine Anhängerkupplung. Die allein ist jedoch nur die Basis. Ferner müsst ihr euch in die technischen Daten einlesen, um sicherzustellen, dass die Auto-Haken-Kombi nicht nur das Gewicht des Hängers ziehen darf.

Bei leichteren Bikes ist das kein Ding. Bei ausgesprochenen Schwergewichten wird es allerdings sehr wohl relevant. Bei Hängern geht es um die zulässige Gesamtmasse, die am Haken hängen darf – also Hänger- plus Ladungsgewicht. Und wenn auf dem 750-Kilo-Hänger eine vollgetankte Gold Wing mit ihren gut 420 Kilo steht, zuzüglich Auffahrrampen, Zurrgurten usw. kann dieses Maß durchaus erreicht werden, wenn man nur eine unterdimensionierte Klapp-Kupplung wählt statt eines stabilen Fixhakens.

Als nächstes steht das Fahrzeug selbst im Fokus, abermals ein Argument gegen Kleinwagen und Minivans aller Art. Denn obschon die heutzutage oft ungebremste Lasten um die 1000 Kilo ziehen dürfen, heißt das nicht, dass eine Fahrt damit sonderlich spaßig wäre – nicht nur wegen dem in diesem Segment oft herb niedrigen Drehmoment, sondern weil die Hängerfahrt umso unruhiger wird, je näher das Gesamtgewicht des Hängers an das des Zugfahrzeugs kommt.

Je schwerer das Bike samt Hänger, desto schwerer sollte das Zugfahrzeug sein. Je dichter das Verhältnis an 1:1 heranreicht, desto kniffliger wird das Fahren.

Übrigens solltet ihr deshalb in den Motordaten beim Autohändler auch vor allem aufs Drehmoment gucken, nicht die kW- bzw. PS-Zahl.

Rule 5: Keinen Cent für Plunder

Jeder Neuwagen lockt, wenn man nur in den Katalog blickt, mit unzähligen Extras. Und der gute Verkäufer wird alles daransetzen, dafür zu sorgen, dass ihr so viele wie möglich ankreuzt – seine Provision hängt ja schließlich von der Höhe des Kaufpreises ab.

Und weil die Extras so sinnig erscheinen und der Verkäufer so nett ist, wird es euch auch schwerfallen, Nein zu sagen. Hier der Trick:

Autokatalog mit heimnehmen und dort in Ruhe und ohne Verkäufer eruieren, was man wirklich braucht.

Braucht man, wenn man im Hochsommer eh immer mit dem Bike zur Arbeit rollt, eine zwölf-Zonen-Vollautomatik-Klimaanlage für 1800 Euro Aufpreis? Brauchen die Sitze Lederbezug, weil auch eure Motorrad-Kombi daraus besteht? Und ist der Metallic-Lack zu 699 Euro nicht reichlich überflüssig, wenn der Wagen im Endeffekt doch nur Lastentier sein wird?

Klar, all das ist nice to have. Aber für Motorradfahrer sollte das Auto eher Bare Bones sein, wie es die Amerikaner sagen. Wichtiger sind da sinnvolle Details wie eine Steckdose im Kofferraum, eine umfangreiche Ladekanten-Beleuchtung oder Stauraum für Zurrgurte und verdreckte Bike-Bekleidung.

Bildquelle: Pixabay.com © Pexels

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Bericht vom 05.12.2019 | 420 Aufrufe

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