Suzuki GSX-R 1000 – Motorrad-Legenden im Fokus

Wie die „Kilo-Gixxer“ das Segment der Superbikes prägte

Ob und wie ein Motorrad die Kategorie, in der es eingeordnet wird, prägt, lässt sich klarerweise erst nach einigen Jahren belegen – heute kann felsenfest behauptet werden, dass die Suzuki GSX-R 1000 der Kategorie der Superbikes für mindestens ein Jahrzehnt den Stempel aufdrückte. Wären wir heute überhaupt bei über 200 PS starken Superbikes, hätte Suzuki nicht 2001 die liebevoll „Kilo-Gixxer“ genannte Rakete in die Schauräume geschoben? Wir lassen die Modellhistorie der Suzuki GSX-R 1000 Revue passieren.

Heutzutage wird das Leistungsgewicht von Herstellern kaum noch breitgetreten, weil mittlerweile alle Superbikes mehr PS als Kilos auf den Rippen haben. Anfang der 2000er-Jahre war das Verhältnis von Leistung zu Gewicht aber durchaus ein Thema, es wurde bereits darüber gemunkelt, welcher Hersteller wohl als erster die Schallmauer von 1:1 durchbrechen würde. Nun, die Suzuki GSX-R 1000 war es in ihrer ersten Generation nicht, allerdings war sie mit 160 PS bei 170 Kilo schon ziemlich knapp dran. Zwar sprechen wir hier vom Trockengewicht und wissen natürlich, wie sehr die Hersteller ihre Geräte für die Waage abspecken – da befindet sich wirklich kein Tropfen Flüssigkeit mehr im Inneren. Aber die erste Kilo-Gixxer war mit ihren 160 PS bei 11.000 Umdrehungen aus 988 Kubik Hubraum damals 2001 das Maß aller Dinge.

Die Yamaha YZF-R1 war zuerst da, mit der Suzuki GSX-R 1000 begann das Wettrüsten

Natürlich werden nun einige meinen, dass doch eigentlich schon die Yamaha YZF-R1 ab dem Jahr 1998 das Segment der Superbikes aufmischte, das gewaltige Wettrüsten mit immer mehr PS wurde aber vorerst nur durch die Suzuki GSX-R 1000 vorangetrieben, die in ihrer zweiten Generation als K3 (das ist der interne Code bei Suzuki und steht schlicht und einfach für 2003) technisch behutsam aufgefrischt wurde und lediglich 4 PS mehr bekam sowie 2 Kilo weniger wog.

Das Triebwerk der Suzuki GSX-R 1000 K5 ist heute noch im Einsatz!

Das war eher Evolution statt Revolution, ihre insgesamt außerordentlich gute Performance der Suzuki GSX-R 1000 reichte aber immer noch, um die beiden anderen, für den Markt wichtigen Superbike-Hersteller auf den Plan zu rufen – 2004 brachte Honda die CBR1000RR Fireblade und Kawasaki die ZX-10R. Und siehe da, bereits im darauf folgenden Jahr kam die Suzuki GSX-R 1000 K5, die es sich mit 178 PS und 166 Kilo Trockengewicht erneut auf dem Thron der Superbikes (vorerst) bequem machte. Das besondere an diesem Modell ist, dass der Motor sogar in einigen aktuellen Suzuki-Modellen mit relativ geringen Änderungen seinen Dienst versieht – die GSX-S1000, GSX-S1000F und die GSX-S1000S Katana bedienen sich allesamt dieses außerordentlich homogenen und gut funktionierenden Triebwerks. Vor allem die Drehmomentkurve wirkt am Papier so mancher Prüfstandsläufe wie ein, mit dem Lineal schräg nach rechts oben gezogener Strich.

Die Suzuki GSX-R 1000 war technologischer Vorreiter

Das folgende K7-Modell durfte zwar erneut um 7 PS auf 185 PS erstarken, wurde im Gegenzug aber auch um 6 Kilo schwerer – wenigstens wurde der völlig neu konstruierte Rahmen steifer. Interessant ist auch, dass bei diesem Modell erstmals drei verschiedene Leistungsmodi eingestellt werden konnten – da war Suzuki in Sachen Elektronik also noch Vorreiter, während sich die Japaner heute doch recht zieren, die Elektronik-Features, die bei anderen Herstellern bereits Usus sind, auch in ihren Modellen einzubauen.

Die BMW S 1000 RR brachte die Suzuki GSX-R 1000 ins Schwitzen

Die Suzuki GSX-R 1000 des Jahrgangs 2009 wurde optisch stärker modernisiert und bekam eine, damals neuartige Showa Big Piston-Fork spendiert, konnte aber bei der Leistung nicht so stark zulegen, dass sie zum Vergleich mit der neuen BMW S 1000 RR antreten hätte können – die BMW stach die gesamte Konkurrenz von Beginn an mit noch mehr Hightech und Power aus. Damit war die „25 Jahre Suzuki GSX-R“-Edition des Jahres 2010 auch eher ein optisch von den anderen Modellen abgesetztes Modell, das jedoch technisch nicht viel Neues zu bieten hatte.

Erst Jahre später wurde die Suzuki GSX-R 1000 wieder ein echter Kracher

Dass Suzuki zu dieser Zeit durch die Wirtschaftskrise besonders gebeutelt wurde und offensichtlich auch dadurch nicht alles daran setzen konnte, sich wieder die Krone der straßentauglichen Superbikes zu holen, erkennt man daran, dass der, bis dahin übliche Zweijahres-Rhythmus so weit ausgedehnt wurde, dass eigentlich erst mit der Suzuki GSX-R 1000 L7 (seit 2011 steht ein L am Beginn, also L1 für 2011) wieder ein völlig neues Modell auf den Markt kam. Dieses hat es aber gewaltig in sich – Suzuki war wieder weitestgehend auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.

2017 - endlich wieder eine Suzuki GSX-R 1000, die ganz oben mitmischt

Vorgestellt wurde das Modell bereits Ende 2015, auf den Markt kam es dann aber erst 2017 – die Wartezeit hat sich jedoch gelohnt: Die neueste und im Grunde genommen immer noch aktuelle Suzuki GSX-R 1000 (es wurden auch für 2019 nur kleinere Retuschen vorgenommen und 2020 kommt kein völlig neues Modell) und erstmals ihre noch sportlichere Schwester GSX-R 1000 R leisten 202 PS bei 13.200 Umdrehungen und stemmen ein Drehmoment von 118 Newtonmeter bei 10.800 Touren. Damit waren die beiden Kilo-Gixxer 2017 ganz weit oben im Segment der Superbikes, das immer mehr von den europäischen Marken in Beschlag genommen wurde.

Die Zeit bleibt auch für die Suzuki GSX-R 1000 nicht stehen

Mit an Bord sind alle gängigen Elektronik-Features, die ein modernes Superbike haben sollte: Kurven-ABS, 10-fach verstellbare Traktionskontrolle, Leistungsmodi und die Suzuki GSX-R 1000 R kann zusätzlich noch mit einem Schaltassistenten samt Blipperfunktion sowie einem besseren Fahrwerk aufwarten. Die Zeit bleibt aber nicht stehen, war es 2017 noch in Ordnung, dass die Suzuki GSX-R 1000 noch kein Farb-TFT-Display besitzt, ist sie heute zusammen mit der Kawa ZX-10R das einzige Superbike, das noch auf ein LCD vertraut. Das ist natürlich nicht dramatisch, weil die Armaturen ja trotzdem gut ablesbar sind, aber die Konkurrenz zeigt, welche Gimmicks möglich sind, um im Highttech-geprägten Supberbike-Segment vorne mitzumischen.

Wie wäre es mit einer neuen Suzuki GSX-R 1000 zum 20-jährigen Jubiläum?

Kein anderer Hersteller verzichtet mehr in seinem Topmodell auf ein elektronisch verstellbares Fahrwerk und in Sachen Leistung liegt nur noch die Yamaha YZF-R1 hinter der Susi – Leistung am Papier wohlgemerkt, im wahren Leben geht es in der >200 PS-Liga ohnehin um gute Fahrbarkeit. Am Stammtisch sind die 217 PS der brandneuen Honda CBR1000RR-R Fireblade aber sicher ein Highlight. Wir dürfen uns aber schon jetzt auf eine neue, noch radikalere und insgesamt konkurrenzfähigere Suzuki GSX-R 1000 freuen – wie wäre es mit einem Paukenschlag 2021, exakt zum 20-jährigen Jubiläum, liebe Suzuki-Ingenieure?

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Bericht vom 02.01.2020 | 16.619 Aufrufe

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