Der Frischmacher - Jürgen Schulz

Der Frischmacher - Jürgen Schulz

Tüftler,Freak, Technik-Guru, Mega-Macher-Kawasaki GPz810 Uni-Trak

Wer diese Kawasaki mit Namen GPz810 Uni-Trak betrachtet, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Solch eine Akribie bei der Individualisierung seines Krades zeugt von einer tiefen Einsicht in die Werkstoffe und deren zielgenaue Anwendung. Technik, Tuning und Optik treiben die Grüne auf den Olymp des Customizing.

Der gelernte Maschinenschlosser und ausgebildete Motorradmechaniker Jürgen Schulz verwandelte einen 450-Euro-Ebay-Schnapp mit 17 Vorbesitzern in ein Opus, das höchste Handwerkskunst im Motorradbau symbolisiert, dokumentiert, noch mehr -tiert - und einfach tierisch genial ist. Innerhalb von zwei Jahren und rund 600 Arbeitsstunden trieb der Mittfünfziger die runtergewirtschaftete Fregatte aus dem Jahr 1984 raus aus ihrem tristen Schattendasein und hinein in das strahlende Rampenlicht, das ihr seitdem mit Fug und Recht an jeder Stelle ihres gestählten und athletischen Körpers gebührt. Kostenpunkt: Um die 18 000 Euro!

From Twin- to Single-Shock Suspension: Uni-Trak is born

Der Name dieser Kawasaki basiert auf der in 1983 neue eingeführten Zentralfederbein-Geschichte, mit der die Grünen ihre GPz ab diesem Baujahr modernisierten. Da muss erst ein Jürgen Schulz kommen und einem aufzeigen, dass die Kawasaki Heavy Industries - Leute ihrem Mono-Shock-System diesen Eigennamen gaben. Nachdem sie die Einzeldinger bereits im Crosser-Bereich seit 1978 einbauten und forcierten. Das schwere Straßenludern GPz erhielt also auch fortan solch einen Technologie-Transfer, nach den bis dahin üblichen Stereofederbeinen zu beiden Seiten des Hinterrades. Dem schweren Gerät sollte es Modernität in Richtung Leichterbauen (Leichtbau war immer noch weit weg) geben, verbunden mit einer qualifizierter ansprechenden Suspension.

Die Schwere nahm Jürgen Schulz aus dem Raum Saarbrücken seiner Kawa in höchstem Maße, mit einer Findigkeit, die auf privater Motorradbau-Ebene seinesgleichen sucht. „Ich hatte gar nicht vor, die Maschine jemals ins Licht der Medien zu rücken, die sollte nur für mich sein. Um meine Vorstellungen von Details zu verwirklichen und dann natürlich auch zum … FAHREN.“ Das wird er schaffen, der Herr Schulz. Denn in ganz naher Zukunft wird der TÜVler, mit dem er die Schaffensphase bereits eingehend immer wieder abglich, seinen offiziellen Segen erteilen. „Der war nur krank in der Zeit, in der die Kawa gerade fertig wurde. Im Sommer fotografierte ein Freund von mir den Zustand, in dem sie sich da befand. Mit dem Handy. Dann sendete er die Fotos an ein Motorradmagazin, das hier sehr angesagt ist. Die haben da einen neuen, einen ganz jungen Chefredakteur. Der sah die Bilder und war sofort Feuer und Flamme. Schon zu diesem Zeitpunkt bestimmte der, dass sie ganz groß auf dem Titelblatt des Magazins erscheinen wird.“ Und er hat Wort gehalten...

Wir wollen Euch hier auch nicht länger den Mund wässrig machen – was im Detail ALLES an dem Krad geändert wurde, das seine Kawa-typische Federungskomponente nun im Namen trägt – wir listen es hier nachfolgend auf: Der 783 ccm Vierzylinder wurde komplett zerlegt, glasperlengestrahlt, mit neuen Kupplungsscheiben, Lagern, Dichtungen samt Simmerringen und neuer Schaltwalze aufgearbeitet und ausgestattet. Aufgebohrt auf 810 ccm, mit Lichtmaschine und Steuerkette plus Wiseco-Kolbenkit auf Vordermann gebracht Kopf geplant, Ventilsitze und Ventile geschliffen, Einlasskanäle von 30 auf 34 mm vergrößert und poliert. Flutschhhh … is mir gezz so rausgerutscht ;-) Weiter geht’s mit Mikuni RS 34-Flachschiebervergaser mit offenen Ansaugtrichtern und Flammsieben, die „über Adapterscheiben an den Zylinderkopf geflanscht wurden.“

Bedüsung gemäß Z 900 in Kombination mit der 4-2-1-Edelstahlanlage von SR-Racing including 'Feinschliff' auf dem Prüfstand. Eigenes Aluminium-Heck, „dessen Winkel stufenlos über eine zentrale Strebe einstellbar ist, mit verstellbarem Winkel zum Eigenbaurahmen.“ Damit ist auch die Sitzhöhe verstellbar. Schwinge aufgearbeitet, mit eingeschweißten Alurohren versehen. Schwinge verstellbar im Neigungswinkel per Links-Rechts-Gewinde plus Wilbers-Federbein, passend in grün. Zur Front: Gebrauchte USD-Gabel der ZX9-R überarbeitet dergestalt: Steuerrohr ausgepresst und durch passendes ersetzt, Gabelbrücke überfräst und poliert, Tauchrohre grau gesputtert (besondere Form der Oberflächenveredelung) Lagersitze der Vorderradnabe einer Harley Sportster auf metrisch ausgespindelt, für eine Anpassung der Bremsscheiben und Adapterscheiben zur Gabel. Hinten Adapterscheiben an der Nabe einer Honda CB 750 F – Räder mit Edelstahlspeichen an Akrontfelgen in 18 Zoll.(auch leggaaahhh... Anmerk.d.Red.) Weitere wichtige Anbauteile, alle aus der ZX-Baureihe entnommen. Cockpit: Elliot-Renninstrument und MMB-Instrument. Haupt- und Zusatzscheinwerfer, Gehäuse Eigenbau Handarbeit des Jürgen Schulz. Wichtig für den Erbauer: Der Tank einer Gpz 1100 bestimmt die Gesamtlinie. Lackierung im Stile der 1980er Jahre von Willi Voss aus Karlsruhe in 'Candy Lime Green'.

Text: Sabine Welte, Fotos: Roland Schulz

Tüftler, Freak, Technik-Guru, Mega-Macher – Wer diese Kawasaki mit Namen GPz810 Uni-Trak betrachtet, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Solch eine Akribie bei der Individualisierung seines Krade zeugt von einer tiefen Einsicht in die Werkstoffe und deren zielgenaue Anwendung. Technik, Tuning und Optik treiben die Grüne auf den Olymp des Customizing © Roland Schulz

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Bericht vom 13.01.2017 | 16.877 Aufrufe

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