Ducati Multi D-air

Die Multistrada 1200 D-air ist das erste Serienmotorrad mit innovativem Airbag-System am Fahrer.
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Ducati Multistrada 1200 S D-air Street - der erste System-Test!

 

Als das erste ABS am Motorrad präsentiert wurde, haben wohl nur einige Visionäre geahnt, dass bereits knapp 25 Jahre später nahezu jede Maschine mit Stotterbremse geordert werden kann. Diesmal übernimmt Ducati die Vorreiterrolle und präsentiert mit dem "D-air Street" das erste kabellose Motorrad-Airbag-System am Faher - der erste Test!

 
Die Präsentation des neuartigen Airbagsystems "D-air Street" stand eindeutig unter einem guten Stern - als ich Anfang der Woche nach Bologna reiste, um das System, das Ducati gemeinsam mit Dainese entwickelt hat, erstmals zu testen, holte erst kurz zuvor der Italiener Andrea Dovizioso auf der MotoGP-Ducati beim zweiten Rennen der Saison in Austin den dritten Platz- für Ducati fast einem Sieg gleichzusetzten. Dementsprechend fröhlich und freundlich war die Stimmung, lediglich die Damen bei der D-air-Jacken-Ausgabe wirkten etwas nervös und angespannt - aber dazu später. Vorerst standen zum "akklimatisieren" eine Werksbesichtigung und eine Führung durch das hauseigene Ducati-Museum am Programm. Erst dann folgte für die gespannte Meute die große Präsentation des eigentlichen Themas: Der erste Motorrad-Airbag direkt am Fahrer, der ohne Verkabelung zwischen Motorrad und Airbag funktioniert. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010958/ducati_d-air_3.jpg

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So schnell und einfach also das Prinzip beschrieben ist, so kompliziert ist das System im Inneren. Immerhin darf der Airbag nicht bei jedem kleinen Schlagloch auslösen oder zünden, wenn man mit seiner Multistrada 1200 S D-air über holprige Straßen fährt und kleine Absätze oder Gehsteige herunterspringt - mit einer Enduro ja nicht ganz abwegig. Dafür befinden sich an der Maschine zusätzlich zu den Sensoren für das verbaute ABS, die Traktionskontrolle und das Fahrwerk weitere, doppelt abgesicherte Sensoren, die extrem sensibel einen Unfallhergang von ruppiger Fahrweise unterscheiden können.


Als erschwerende Hürde fanden die Techniker heraus, dass ein wirkungsvolles System nach spätestens 80 Millisekunden ausgelöst haben muss - ein Wimpernschlag dauert dagegen fast ewige 400 Millisekunden! Schwierige Vorgaben also für die Ducati- und Dainese-Ingenieure - aber keineswegs unlösbar. Die Sensoren des D-air reagieren bereits nach 5 Millisekunden, identifizieren die Inputs nach 12 Millisekunden als Unfall und nach 25 Millisekunden bekommt der Airbag per Funk den Auftrag, die beiden Kaltgaskartuschen zu zünden. Nach weiteren 20 Millisekunden ist er schließlich voll entfaltet und aufgeblasen - sagenhafte 45 Millisekunden, bis der volle Schutz von Brust, Rücken und den Schlüsselbeinen gegeben ist. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010958/ducati_d-air_33.jpg


Dass das System nun bei der Serienreife angelangt ist, durfte ich im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib spüren - auf meine Frage, wie sich das Auslösen des Airbags denn anfühle, wurde ich sogleich höflich gebeten, es doch sebst auszuprobieren. Die Jacke an sich ist eine typische Tourenjacke mit guter Passform und schöner Verarbeitung, wie man es von Dainese gewohnt ist. Das Airbag-System sitzt in einer Weste, die in der Jacke integriert ist, wer im Übrigen nicht gleich die ganze Jacke braucht, kann auch eine günstigere D-air-Weste kaufen. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010958/ducati_d-air_7.jpg

Das System schnürt ein - aber eher sicher, nicht beklemmend.


Für die volle Funktion muss dann nur noch der Klick-Verschluss am Bauch und der Jacken-Zipp geschlossen sein. Doch bevor ich das machen konnte, löste mein Airbag plötzlich mit einem lauten Knall aus - und kostete mich durch den Schreck sicher ein paar Jahre meines Lebens. Grund für das unmotivierte Auslösen war die Tatsache, dass der Airbag bei der Vorführung noch per Hand gezündet wurde und der Anschluss an der Jacke sehr sensibel ist - und eben zeitweise etwas "übermotiviert". Damit erklärte sich auch die Nervosität und Anspannung der Damen bei der Jackenausgabe, ich war wohl nicht der Einzige, bei dem das Timing nicht ganz passte. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010958/ducati_d-air_17.jpg
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Das Mehrgewicht von einem Kilo an der Maschine und 1,5 Kilo an der D-air-Jacke nimmt man im Falle des Falles wohl gerne in Kauf. Nicht nur Frontal-Crashes sondern auch seitliches Wegrutschen und selbst hintere Einschläge, also Auffahrunfälle werden erkannt und berücksichtigt.
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Die zusätzlichen Sensoren sind nicht die einzige Änderunung an der Multistrada 1200 S. Es gibt auch zwei Anzeigen im Cockpit, die über den Status von Fahrer- und Beifahrer-Airbag sowie den Ladezustand des Systems informieren.

Etwas Gutes hatte die Schreck-(Milli-)Sekunde aber: Ein Unfall kommt in der Regel ja auch völlig unerwartet und der Airbag öffnet wahrlich blitzartig Außerdem konnte ich dadurch feststellen, dass das System bei offener Jacke eindeutig nicht sein volles Potential ausschöpft. Beim echten Tests mit geschlossener Jacke öffnete der Airbag nämlich ebenfalls blitzartig, konnte aber nicht verrutschen und schnürte mich regelrecht zusammen. Nicht unbedingt schmerzhaft sondern eher fest verpackt und es fühlte sich wie gut eingewickelt in eine Schutzfolie an. Das Gefühl war also eher Sicherheit als Beklemmung und bei einem Sturz hat man wohl ohnehin weniger das Verlangen nach lockerer, luftiger Kleidung als nach gutem Schutz.Immerhin sind die Resultate, die das D-air erreicht, äußerst beeindruckend: Die Schlagenergie, die an den Fahrer letztlich noch weitergegeben wird, reduziert sich gegenüber einem Rückenprotektor von 18 kN auf 2,5 kN. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010958/ducati_d-air_15.jpg

Die Vorreiterrolle kostet Geld, keine Frage.


Der Preis für das D-air-System liegt bei knapp 1400 Euro für die Dainese-Jacke samt Airbag und 700 Euro für das Elektronik-Equipment auf der Multistrada 1200 S D-air. Für den Fall der Fälle ist im Übrigen ebenfalls bereits eine Lösung parat: Wurde das System bei einem Sturz ausgelöst und hat hoffentlich schlimmere Verletzungen verhindert, kann die Jacke zu Dainese geschickt werden, um den Airbag wieder zu falten und die Gaskartuschen zu füllen. Abgesehen von den eventuellen Schäden an der Jacke selbst, kostet diese "Revision" 299 Euro - für alle sicherheitsbewussten Motorradfahrer, die nicht gerade aus ärmlichen Verhältnissen kommen und ohnehin eine Ducati Multistrada 1200 S Touring erwerben wollten, eine gute Gelegenheit, mit diesem derzeit noch einzigartigen Sicherheitssystem die Vorreiterrolle zu übernehmen. http://www.motorrad-bilder.at/slideshows/291/010958/ducati_d-air_14.jpg

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Text: Vauli
Fotos:
Ducati

Bericht vom 22.04.2014 | 16.436 Aufrufe

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