Supersport ABS

ABS für alle Hondas – auch für Supersportler. Mit „Brake by Wire“ wird es möglich!

Honda ABS für Supersportler

Bei Tourenmotorrädern ist ABS seit Jahren Pflichtausstattung, spürbar nun auch die ABS Anteile bei den Allroundern und sogar bei Rollern. Die letzte Bastion der puristischen Bremser war die Supersportfraktion. Doch die Politik in der Honda Zentrale ist klar. „Bis zum Jahr 2010 möchten wir alle Motorräder über 250 ccm mit ABS ausstatten“, erläutert Honda R & D Techniker Michael Thiem. Doch bisher gab es sowohl für Techniker als auch für Verkaufsstrategen einige zu überwindende Hindernisse.

Neuland Supersportler

Zum Einen sind aus rein physikalischen Gründen Supersport-Motorräder ein heikles Thema wenn es um Notbremsungen geht. Auf trockener Fahrbahn wird selten die Haftgrenze der Reifen, also der Bereich wo ein ABS benötigt wird, erreicht. Durch die handliche Fahrwerksgeometrie mit dem kurzen Radstand drohen Supersportler vorher nach vorne zu überschlagen, wenn man zu kräftig in die Vorderbremse langt.

Zum Anderen zählen Supersportkunden zu jenen Piloten die höchste Ansprüche an Präzision, Dosierbarkeit und Berechenbarkeit stellen. Eine ratternde Vorderbremse, ein pulsierendes Gefühl am Bremshebel und nur ein Hauch von Leistungseinbußen bei der Bremswirkung ist für den Großteil der Kunden nicht Akzeptabel.

Größte Rolle spielt aber natürlich das Image. Honda fährt und gewinnt alle Motorradrennen ohne ABS. Supersportfahrer sind Helden und haben technische Hilfen nicht nötig.

Honda R & D Techniker Michael Thiem


Brake by Wire

Mit einem komplett neuen Ansatz bringt Honda nun ABS in die Welt des Supersports. Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit durften in diesen Tagen rund 100 Journalisten aus aller Welt die 3 Prototypen mit diesem neuen Bremssystem testen. Gefahren wurde auf aktuellen CBR 600 RR Modellen, ausgestattet mit dem neuen „Combined ABS for Supersport Bikes“.

Das Kernstück des neuen System hat es in sich. „Brake by Wire!“, lautet der Lösungsansatz und wird Puristen aus den Socken heben! Beim Bremsen auf Bits und Bytes vertrauen? Honda sagt nach jahrelanger intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit ein deutliches JA! Fuß- wie Handbremshebel wirken wie gewohnt auf das Medium Bremsflüssigkeit. Solange das Fahrzeug steht, ist alles wie bisher. Der Druck der in der Bremspumpe aufgebaut wird, gelangt über Bremsschläuche hin zum Bremssattel und drückt ganz normal die Bremsbeläge an die Bremsscheibe.

Sobald das Fahrzeug in Bewegung ist, wird der direkte Fluss der Flüssigkeit von der Pumpe bis zur Bremse jedoch von einem Ventil unterbrochen. Der gewünschte Bremsdruck wird nun von einem Sensor gemessen und der Gegendruck im Bremshebel gaukelt dem Fahrer vor, das alles so ist wie es immer war. Ein Aktor in Form eines kleinen High-Tech-Wunders baut den nötigen Druck auf und gibt ihn in Richtung Bremszange weiter.

Elektronisch gesteuertes "combined ABS"

Damit ist mal die Basis für alle gewünschten Regelungen geschaffen. Vorder- und Hinterbremse sind anders als bei bisherigen "CBS"-Bremssystemen nicht mehr hydraulisch kombiniert sondern arbeiten nur auf Befehle der Bits und Bytes aus der Zentraleinheit zusammen. Die Zentraleinheit gibt also bei einer harten Bremsung mit der Vorderbremse, auch den nötigen Druck an die Hinterbremse weiter. Laut Honda der Schlüssel zum Erfolg. Anders bekommt man nach Ansicht von Honda hyperagile Supersportler mit einem ABS nicht in den Griff.

 

Systemskizze vom neuen Honda Supersport ABS

 

Bewegte Bilder sind meisten besser, um technische Meilensteine zu präsentieren. Honda klärt auf, wie das neue technische System funktioniert.

Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte, klickt mit der rechten Maustaste hier und wählt "Ziel speichern unter".

Video: Honda

In der Praxis spektakulär und unspektakulär zugleich

In der Praxis ist das Ergebnis verblüffend. Das Gefühl an den Bremshebeln ist total unspektakulär und normal. Ich als großer Technikfreak habe auch grenzenloses Vertrauen und greife bei der Testfahrt mit Tempo 100 auch sofort knallhart in die Eisen. Das Gefühl sagt mir: „jetzt quietscht es gleich und außerdem gehst du übern Lenker ab“, doch das Ergebnis war spektakulär und unspektakulär zugleich. Die CBR verbeisst sich bei gespenstsicher Stabilität in den Asphalt und schert weder nach links, rechts, oben oder gar unten aus. Sie bleibt einfach nur stehen.

Profis gewinnen 5, Rookies 11 Meter

Laut Honda bleiben bei solchen Bremsungen ungeübte Piloten 11 Meter früher stehen als Piloten ohne dem neuen Wunderding. Auch geübte Piloten verlieren bei der ersten Bremsung auf unbekannten Terrain 5 Meter auf die puristische Version. Erst nach 4 bis 5 Bremsversuchen auf dem gleichen Teststück, mit gleichen Reifen, gleichen Asphalt und Temperaturbedingungen kann der Profi die Elektronik um ein paar Zentimeter schlagen.
Georg Scheiblauer, Chefinstrukter beim ÖAMTC mit unendlicher Erfahrung aus der Welt der Bremsübungen pflichtet bei: „Bei niedrigem Tempo schaffen wir Instruktoren es nach ein paar Versuchen jedes ABS System am Markt zu schlagen. Bei hohem Tempo gelingt uns das nicht. Unmöglich ist es auch dem besten Piloten, ein ABS auf unbekanntem Terrain bei der ersten Bremsung zu schlagen.

Der derzeit beste Pilot der deutschen Superbike Meisterschaft und Technikexperte Dipl.Ing. Martin Bauer aus Niederösterreich lässt im lockeren Gespräch beim Mittagessen aufhorchen: „Ich habe das System ausgiebig getestet. Bei Regenrennen würde ich es schon beim jetzigen Entwicklungsstand sofort in mein Rennmotorrad verbauen. Damit wäre ich am Kurveneingang unschlagbar. Ich habe das System bei Bremsungen in Schräglage und auf Rutschbelag getestet und war begeistert.
 

Techniker haben gut gearbeitet, nun sind die Marketingleute dran

Doch bis Martin Bauer und wir alle damit auf Strassen oder Rennstrecke für Furore sorgen können, werden aber noch zumindest ein oder zwei Jahre ins Land ziehen. Honda präsentierte hier nicht wie sonst ein fertiges Produkt welches bald in den Schauräumen steht, sondern einen Prototyp aus dem Testlabor. Wir konnten testen was zur Zeit technisch möglich ist. Nun sind die Marketingleute an der Reihe und müssen dafür sorgen, dass Supersport Kunden so ein System auch kaufen würden.
Hilfreich wäre da natürlich ein Einsatz in imageträchtigen Rennklassen. Im Moment hat das komplette System ca. 7-8kg (inoffizielle Schätzungen von Insidern). Durch die modulare Bauweise lassen sich die einzelnen Komponenten zwar elegant im Motorrad verteilen, das Mehrgewicht ist aber nicht zu leugnen. Vermutlich das derzeit größte Hindernis auf dem Weg in die MotoGP.
Ironischerweise könnte das System vor allem für jahrelange ABS Piloten sehr ungewohnt sein. Denn dieses ABS ist ein ABS, schämt sich aber ein wenig dafür und tritt sehr dezent in Erscheinung. Man merkt es zwar anhand des Ergebnisses, dass sich da etwas tut an der Bremse, spürt aber anders als bei gängigen ABS Motorrädern nicht, wenn sich das System im Regelbereich befindet.
Das Fazit vom Redakteur: Das System ist fertig und könnte für meinen Geschmack schon auf Serienmotorrädern montiert werden. Die Kunden werden es bestimmt mögen, sobald HRC damit erste Pokale geholt hat. Sinnvoll wäre es auch, dieses System auf sportlichen Naked Bikes wie zum Beispiel der aktuellen CB 1000 R, anzubieten.“

Links:

Bericht vom 12.06.2008 | 21.372 Aufrufe

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