Harter Offroad-Test der Yamaha Ténéré 700 World Raid 2023

Long-Range Ténéré im Extremtest auf der Bosnia Rally 2023

Mit der World Raid Version der T7 verpasst Yamaha seiner Erfolgsenduro mehr Reisetauglichkeit, längere Federwege und eine ansprechende Rally-Optik. In Bosnien zeigt sich, was damit im Gelände wirklich geht.

Die Bosnia Rally bietet ein spannendes Offroad-Abenteuer in Bosnien. Kameradschaft und intensiver Trainingsgeist sind hier zentral. Die Teilnehmer sollten die Herausforderungen mögen, Navigation beherrschen und Offroad-Fahren schätzen. Egal ob sportliche Sportenduro oder kräftiges Adventure-Bike, für jeden ist etwas dabei. Unser 1000PS-Team setzt auf die Yamaha Tenere 700 World Raid, um die knallharten Etappen zu meistern. Die Rallye umfasst fünf anspruchsvolle Etappen, die realistische Racing-Erfahrungen bieten. Hier geht es um präzises Navigieren und Meistern von Offroad-Pisten, perfekte Vorbereitung für zukünftige Herausforderungen, aber ganz ohne Wertung und Zeitmessung. Straßenzugelassene Motorräder sind Pflicht, da auch öffentliche Straßen genutzt werden. Der Fokus liegt auf anspruchsvollem Offroad-Gelände. Mit Roadbook oder Navigationsgerät erkunden wir die wilden Berge, erleben die lokale Küche und faszinierende Eindrücke. Vorausgesetzt die Yamaha Tenere 700 World Raid überlebt die Bosnia Rally...

Technische Eckdaten der Yamaha Tenere 700 World Raid 2023

Zur Übersicht, hier die wichtigsten technischen Daten zur Yamaha Tenere 700 World Raid. Mit einem Hubraum von 689 cm³, einem 4-Ventil-4-Takt-DOHC-Motor und einer Verdichtung von 11.5:1 liefert die Yamaha Tenere 700 World Raid eine Leistung von 73 PS bei 9000/min und ein Drehmoment von 68 Nm bei 6500/min. Ihr Rahmen mit Doppelschleifen-Zentralrohrkonstruktion, ein Lenkkopfwinkel von 27º und eine Nachlauf von 105 mm sorgen für Agilität. Die Federung besteht aus einer USD-Gabel vorne und einem Zentralfederbein mit Schwinge hinten, mit Federwegen von 230 mm bzw. 220 mm. Bremsen werden durch hydraulische Doppel-Bremsscheiben vorne (Ø 282 mm) und hydraulische Einzel-Bremsscheibe hinten (Ø 245 mm) erledigt. Die Reifen haben die Größen 90/90-21 M/C 54V vorne und 150/70 R 18 M/C 70V M+S hinten. Das Motorrad wurde auf unserer 1000PS-Viehwaage gemessen und wiegt fahrfertig und vollgetankt 227 kg. Sie verfügt über einen Tankinhalt von 23,0 Litern sowie einen Öltankinhalt von 3,0 Litern. Als bekannte Puristin bietet sie wenig elektronische Systeme mit an Bord. Einzig ein dreistufiges ABS, in den Stufen an, hinten aus und komplett aus, kann über das TFT-Display verstellt werden.

Fast alles geht?! - Yamaha Tenere 700 World Raid auf der Bosnia Rally 2023

Was geht mit der World Raid? Kurz zusammengefasst: Damit geht fast alles. Die World Raid übernimmt schließlich fast alles Wesentliche von der heißbegehrten Ténéré 700. Allem voran natürlich den Motor. Von Yamaha CP2 genannt, versetzt dieser Reihentwin die Hubzapfen der Kurbelwelle um 270 Grad und imitiert damit klanglich wie auch charakterlich den V2-Motor. Seine 73 PS genügen gerade abseits des Asphalts vollkommen und besonders bei niedrigen Drehzahlen wird er bekanntermaßen zum Traktor. Den kann man kaum abwürgen. Bop-bop-bop und schon geht´s den Berg hinauf, bemerkt Kollege Gregor bei einem der vielen Zwischenstopps, in denen man bei der Bosnia Rally die beeindruckende Landschaft bewundern und genießen kann. Seine Worte veranschaulichen den Charakter des T7-Motors sehr gut. Selbst wenn die Drehzahl so weit absinkt, dass man die Zündungen in den Zylindern mitzählen kann, bleibt er souverän.

Verschiedene Mappings oder eine Traktionskontrolle gibt´s bei der World Raid wie auch bei der Standard-Ténéré nicht. Warum auch? Nach leichter Lastwechselreaktion spricht der 689-Kubik-Twin samtig an und lässt sich wunderbar über den Drehgriff dosieren. Eine TC stört echte Offroader und das will doch jeder T7-Käufer sein ohnehin nur. So wie auch das ABS der World Raid. Es lässt sich zwar angenehmerweise vollständig deaktivieren, doch dafür muss man sich erstmal über den hakeligen und unpräzisen Dreh-Drück-Schalter an der rechten Lenkerarmatur durch mehrere Untermenüs im gut ablesbaren Cockpit kämpfen. Besonders nervig: Schaltet man anschließend die Zündung aus oder betätigt nur den Kill-Schalter, aktiviert sich das ABS wieder und beim nächsten Start geht die Prozedur von vorne los. Wer keine allzu langen Pausen macht, kann die World Raid einfach beim Anhalten abwürgen und umgeht so dieses Problem.

Nur nicht zu hart anpressen - Yamaha Tenere 700 World Raid Offroad-Test

Dann kann man das pure Fahren in vollen Zügen genießen. Weil auch die initial bissige Bremse sich annehmbar dosieren lässt und die World Raid sehr spurtreu über fast jeden Untergrund rauscht. Das top ansprechende, relativ soft abgestimmt Fahrwerk schluckt die Schläge kleinerer Felsbrocken mit Leichtigkeit und sorgt in Kombination mit dem Lenkungsdämpfer für viel Stabilität. Das hohe Gewicht des großen zweigeteilten Tanks ist aber weit vorne und oben positioniert und macht sich dadurch bemerkbar, dass in Kurven auf losem Untergrund das Gefühl für die Front etwas verwässert wird und das Vorderrad gefühlt etwas zum Einklappen neigt. Drückt man die World Raid aber nicht zu ambitioniert in die Kurven, sondern lässt sie frei und locker mit dezenten Impulsen laufen, minimiert sich dieses Gefühl und man kann vertrauensvoll das Tempo steigern. Die langen Federwege (230 Millimeter vorne, 220 Millimeter hinten) stellen dafür ausreichend Reserven zur Verfügung, sind aber durch tiefe Mulden nicht hundertprozentig durchschlagsfest. Weicher abgestimmt als jene der Standard-Ténéré haben sie schließlich auch einen hohen Anspruch an den Komfort auf langen Etappen.

Langstrecken-Fokus und Robustheit der Yamaha Tenere 700 World Raid

Das wird auch bei der Ergonomie spürbar. Die einteilige Sitzbank ist nicht allzu hart und bietet viel Bewegungsfreiheit, um verschiedene Positionen einnehmen zu können. Stehend passt die Kombination aus hohem Lenker und nicht zu tiefen Rasten gut, allerdings erschwert der sehr breit ausgestellte Tank einen aktiv nach vorne orientierten Stand. Hier muss sich die Sportlichkeit klar der Reichweite unterordnen.

Dass bei einer Rally kleinere Stürze dazugehören, ist klar. Um in diesen Fällen größere Schäden zu verhindern, schützen dicke Bügel Tank und Seitenverkleidungen der World Raid. Mehrfachen Bodenkontakt bei niedriger Geschwindigkeit stecken sie locker weg. Die dadurch hin und wieder leicht verbogenen Fußhebel lassen sich jedes Mal problemlos geradebiegen sehr gut. Die größte Probe stellte aber ein nicht fachgerecht angebrachter Spanngurt dar, der sich in der Speichenfelgen verfing. Ein lauter Knall ließ schon das Schlimmste vermuten, doch sowohl Felgen als auch Heckrahmen blieben unversehrt stattdessen gab der Zubehör-Gepäckträger aus dickem Aluminium nach. Glück gehabt, unser Verzurr-Fehler blieb bei der robusten Yamaha ohne Folgen.

Einheitsreifen für die Bosnia Rally 2023: Conti TKC 80

Auf unserer Tour waren wir mit einheitlicher Bereifung von Continental unterwegs - die Wahl fiel auf den TKC 80. Für den harten Offroad-Einsatz war ein bewährtes Produkte mit Nehmerqualitäten gefragt. Der TKC 80 ist mit kleineren Überarbeitungen seit insgesamt 36 Jahren am Markt erhältlich und das nicht ohne Grund, wie auch wir im Laufe der 6 Offroad-Tage feststellen durften. Der Pneu, welcher von Conti selbst als 50/50 Dualsport Reifen ausgeschildert wird, zeigte sich extrem robust, verschleißarm und verlässlich. An 8 verschiedenen Fahrzeugen montiert, war insgesamt nur ein Reifenschaden festzustellen. Letzter auch nur, weil wir auf einem schnellen Abschnitt einen Felsbrocken übersehen hatten. Somit brechen wir guten Gewissens für den Conti die Lanze und nennen den TKC 80 als echte Empfehlung für diese Art von Abenteuer. Auf Asphalt vergleichsweise leise und gutmütig im Grenzbereich, im Gelände super vielseitig einsetzbar. Ein echter Evergreen unten den Grobstollern!

Navigation auf der Bosnia Rally mit dem Garmin zumo XT2

Die Bosnia Rally beschreibt sich selbst als Roadbook-Training, es gibt jedoch auch die Möglichkeit einfach per Navigationsgerät dem Track nachzufahren. Für unsere Filmaufnahmen mussten wir teilweise Streckenabschnitte auch mehrfach befahren und da sich Roadbooks eher schlecht mit willkürlichen Richtungsänderungen und Backtracking vertragen, haben wir stattdessen auf das neue Motorrad-Navi Garmin zumo XT2 gesetzt. Dank der stabilen Halterung, robuster Technik und großem, hochauflösenden Display überlebte das zumo XT2 unbeschadet die 1000 materialmordenden Kilometer und führte uns verlässlich ans Ziel. Alle unsere Testeindrücke zu diesem High-Tech-Navigationsgerät findet ihr hier.

Leicht, doch robust - Die passenden Gepäcklösungen für die Bosnia Rally von Enduristan

Unsere Ausrüstung für die Bosnia Rally umfasste Kameraequipment, Werkzeuge, Reifenflickzeug, Ersatzhebel und ein paar Snacks. Um unsere Rücken während der anspruchsvollen Etappen nicht überzustrapazieren, haben wir den Großteil davon am Motorrad befestigt. Trotz des Offroad-Einsatzes war es entscheidend, das Gewicht möglichst gering zu halten. Daher setzten wir auf praktische Softgepäcklösungen von Enduristan, darunter Seitentaschen, Gepäckrollen, Lenkertaschen und Tankrucksäcke. Diese boten ausreichend Stauraum und hielten den Belastungen der Rallye stand. So hatten wir genug Platz für 3-Liter-Trinkblasen und schlanke Rucksäcke von Enduristan auf unseren Rücken. Die vielseitigen Montagemöglichkeiten, praktischen Features und robuste Verarbeitung machten unsere Enduristan Ausrüstung zur perfekten Wahl für die anspruchsvolle Bosnia Rally.

Fazit: Yamaha Tenere 700 World Raid 2023

Robust, ausgewogen und nutzerfreundlich – so lässt sich die Yamaha Ténéré 700 World Raid nach der Bosnia Rally beschreiben. Wer will, bezwingt mit ihr auch hartes Gelände. Wer keine weiten Strecken überbrücken muss, wird aber die Leichtigkeit der Standard T7 vorziehen. Der breite Tank der World Raid macht sich nämlich in Ergonomie und Handling bemerkbar. Das softe Fahrwerk steckt dagegen auch hartes Gelände gut weg und dank des Lenkungsdämpfers bleibt das Bike auch auf schnell überflogenen Feldwegen sehr stabil. Die komplizierte Deaktivierungsprozedur des ABS nervt auf Dauer, hier wünscht man sich eine simple „Aus“-Taste. Unterm Strich bewirbt sich die World Raid ihrem Namen entsprechend besonders bei Weltreisenden und ist in dieser Hinsicht mit großer Reichweite und viel Offroad-Komfort sehr gut durchdacht.


  • Drehmomentstarker, fein dosierbarer Motor
  • Gelungene Ergonomie
  • Hohe Reichweite
  • Potentes Fahrwerk mit viel Reserven
  • Tank ist bei steilen Bergauf-Passagen im Weg
  • Bremsen könnten auf der Straße mehr Biss gebrauchen
  • Hakeliges Drehrad und ABS-Abschaltung auf Dauer mühsam

Bericht vom 01.09.2023 | 17.272 Aufrufe

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