All-Explosive Urlaub mit 193 PS. 2 Tage Landstrasse, 2 Tage Rennstrecke - gleich schnell.
BMW S1000RR Event
Ende eines Privilegs
Kann so der Himmel aussehen? Es wäre uns zu wünschen.
Meine lieben Freunde! Wo kommen wir denn da hin, wenn jetzt jeder
Otto-Normalverbraucher
im Winter in den Süden fliegen kann, um dort unter der Sonne
statt auf
dem Schnee Motorrad zu fahren, wie es bisher nur uns Blaublütern vorbehalten war? Mit vollem Service und einer Rundumbetreuung,
wie sie es bis heute nur für uns selbst und professionelle, international erfolgreiche
Rennfahrer gab. Nach dem Motto: Kommen Sie nach Spanien, ihr Motorrad ist schon
dort! Und
dann fahren diese Leute auch noch das allerneueste Motorrad, aus dem bayrischen
Adelsgeschlecht
unserer alten Münchener Freunde. Wir sagen 'Nein' zu diesem All-Inclusive
Urlaub. Nein zum
All-Inclusive Urlaub! Luxus darf nicht leistbar werden!
Was Sie hier sehen, ist kot, der versucht,
dem Tourguide unten zu folgen.
Nein zu All-Inclusive Motorradreisen.
Also meine Freunde.
Wir mussten uns diese Veranstaltung natürlich aus der Nähe ansehen. 2 Tage
Landstrasse und 2 Tage Rennstrecke mit der neuen BMW S1000RR, Anreise per
Luftweg, Unterbringung im 4* Hotel, volle Verpflegung, Tourguides, Instruktoren und und und. Reifenmaterial,
Treibstoff und
Top-Mechaniker, die sich darum kümmern, dass sich die Motorräder zu jedem
Zeitpunkt in einem
perfekten Zustand befinden, sind auch noch inkludiert. Kurz gesagt, eine Frechheit.
Wir Journalisten
arbeiten hart - zumindest manchmal - für das Privileg, an so einem Event
teilnehmen
zu dürfen. Doch der Veranstalter
Bikepromotion ist in Zusammenarbeit mit
Alphatechnik und BMW gerade dabei, uns dieses Privileg zu entziehen. Fazit: Schlimmer als befürchtet.
Was Sie hier sehen, ist ein leicht aufsetzender
Tourguide (oder war es untersetzt?).
Wird sicher eine Altherrenausfahrt.
So eine Tour ist, wenn sie auch jeden Cent wert ist, trotzdem nicht ganz billig.
Nicht zuletzt deshalb hatten wir das Gefühl die Jüngsten in der Gruppe zu sein -
doch dieses Gefühl hatten wir leider auch schon bei sehr vielen anderen
Rennstreckenevents.
Und da es sich
hier um ein völlig neues Motorrad und nicht mehr so neue Fahrer handelte, flüsterte
ich besorgt
zu Nils: 'Na super, das wird sicher eine Altherrenausfahrt.'
Keine 30 Minuten
später wünschte ich
mir, ich würde nicht so an meinem Leben hängen. Unser persönlicher Tourguide
Thomas Thieme von
der Bikepromotion legte ein Tempo vor, das nicht nur durch bewusstes Ignorieren
von Betriebstemperaturen von Reifenmaterial und reduzierten Reibungswerten von
nassem Asphalt, sondern vor allem durch bedingungsloses Vertrauen in die Technik
zu erreichen war.
Baby...du bist nicht alleine...
Jürgen Fuchs und 175 Pferde sind auch noch da.
Ohne ABS endet die Kurve im 'Dethleffs'.
Die erste Analyse machte das wahre Ausmaß deutlich. 'Aus dem Kreisverkehr raus
wärst du garantiert gestürzt, aber die Tractioncontrol hat anders
entschieden.'Hatte einige Rutscher, im Rain-Modus aber kein Problem.' 'Ohne das
phantastische ABS hätte meine großzügige Linienwahl wohl im Wohnmobil von
Dethleffs geendet.' Elektronik gibt wenig Raum zum Stürzen. Der
Metzeler Racetec
K3 Interact, eigentlich eine echte Rennstreckenmischung, hielt die BMW schon
nach kurzer Zeit selbst bei schwerem Seegang stabil auf Kurs - und dabei war es
am Vormittag nicht mal richtig warm. Später sollte das schwarze Gold noch
beweisen, dass es sehr universell einsetzbar und jeden Cent wert ist. Nach 600
Kilometer in zwei Tagen auf der Landstrasse wurden die Walzen auf der
Rundstrecke gewetzt, wo Belastungen und damit der Verschleiss ungleich höher
sind. Und wir reden von 5 mal drei Turns.
Was? Minus 15°? Na oag. Du, ich muss jetzt auflegen.
Lecker Sachen. Toastbrot, schonend halb durch gegart. Der Koch
war durchaus stolz darauf.
Ihm schmeckt's.
Ihr auch?
Wer den Antritt einer modernen 1000er
Supersport Maschine nur schwer in Worte fassen kann, der wird nach einer Fahrt mit
der S1000RR endgültig die Sprache verlieren. Hin und wieder wurde auf der Tour
beschleunigt, dass wir uns in der Nachbesprechung vor den Onboard-Aufnahmen eine Erklärung
schuldig bleiben mussten.
Da kam eine Pause beim marokkanischen Strandgriller nicht ungelegen.
Aufgekocht wurde stilecht marokkanischer Kaffee, die Ingredienzien sind uns
zwar nicht bekannt, wir waren aber nach dem Genuss des selbigen weniger
aufgeputscht als vielmehr entspannt. Am Griller wurden Toastscheiben zu Briketts
verarbeitet, die dann mit Tomatensalsa bestrichen wurden. So appetitlich, dass
wir gerne darauf verzichtet haben.
Zum Toastbrot à la Acrylamid wurde schwarze Kaffeebrühe
Marokko-Style gereicht.
Danach war alles irgendwie total easy.
Die S1000RR stürmt die letzte Festung.
Wie jetzt? Schon wieder 270?
Es ging natürlich nicht in jeder Gruppe so
zu wie in unserer. Es gab mehrere Teams zu je 5 Fahrern, welche von zwei
Instruktoren begleitet wurden, die ihre Gruppen gemäß deren Fahrkönnen über die
wunderbaren Straßen Südspaniens führten. Auf manchen Abschnitten hatte man
griffigeren Asphalt als auf der Rennstrecke von Almeria, wo wir die nächsten
zwei Tage verbringen sollten.
Auch hier fuhren wir zur Einführung zunächst
mit Instruktoren. In Almeria gibt es einige - sagen wir - interessante
Teilabschnitte, die durchaus im Stande sind, selbst sehr erfahrene Piloten von
der Strecke, aus dem Sattel und ins Krankenhaus zu befördern. Mit Instruktoren
wie Ex-250er Pilot Jürgen Fuchs als Geleit, muß sich aber niemand Sorgen machen,
daß es fad werden könnte hinterm Lenker.
Wie bereits erwähnt gibt es auf der
Rennstrecke volle Betreuung. Einführung und Fahrtechniktipps durch Instruktoren,
Kaffee und Cola in der Box, warmes Essen zu Mittag, Transfer hin und retour.
Fähige Mechaniker bringen die Motorräder abends bis nachts wieder auf Stunde 0.
Am nächsten Morgen ist alles wieder neu, auch die Reifen. Man muß sich nur um
eines kümmern: Mit der rechten Hand die fast 200 Pferde im Zaum zu halten. Wenn
dir die Elektronik nicht ständig dabei behilflich wäre, bliebe es jedesmal bei
einem sehr kurzen Ausritt mit sehr langen Erholungsphasen.
Jürgen Fuchs steht niemandem im Weg.
Da aber der Sicherheitsanspruch sehr hoch ist und mit Gruppeneinteilung,
Instruktorenbetreuung und ideal getakteten Turns die richtigen Maßnahmen dafür
gesetzt wurden, um diesen zu erreichen, kam es kaum zu Zwischenfällen. Strenge
Organisation in lockerer Atmosphäre kommt stets allen zugute, weil Disziplin
zwar der Sicherheit dient, dem Spaß aber nicht im Weg steht.
Das hat dieser
aufregende Event einmal mehr bewiesen. Es gab nicht wenige, die sich ihre
persönliche S1000RR plus Teilen von
Alphatechnik vor Ort
gesichert haben. Wenn bei uns die Temperaturen dann auch wieder erträglich
werden und wir erst die Abdeckplane von unserem alten Gaul ziehen müssen, um zu
sehen, ob er noch wiehert, sitzen die schon im Sattel und geben den 193 PS ein
da Capo.
Schnellster Mann am Platz. Instruktor Fuchs spricht von
mehreren Ecken in Kurven. Ja, das ist sein Klapphelm.