Der Abgelederte praktiziert am Ring das schaltfreie Fahren mit einer R1 und zuckt auf einer ungarischen Tankstelle aus.
YAMAHA R DAYS 06
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Gevatter Winter hat sich endlich Richtung Norden verzogen und ich
konnte es kaum erwarten wieder auf dem Bock zu sitzen.
Als erstes
Testeisen habe ich gleich die FZ 1 ausgefasst, 150 PS sind ein herber
Beginn. Um nicht sofort in der Botanik zu landen, hatte ich mich für
die R Days am Pan Ring angemeldet. Ich hatte die Wahl
zwischen Probefahren der neuen Yamaha Modelle oder Linienkorrektur mit der
Ring-Fahrschule..
Egal, Hauptsache wieder auf der Rundstrecke und Kilometer
fressen. Ich bin gleich am Bock angereist um mit ein wenig mehr Fahrpraxis
am Pan Ring anzutreten. Das Wetter war nicht wie bestellt sonnig und mild
sondern bewölkt und kalt. Aber davon ließ ich mich nicht mehr abhalten.
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Bei meiner Ankunft war der
Parkplatz gut gefüllt und die ersten Fahrer bereits auf der
Strecke.
Nach der Anmeldung fasste ich eine Nummer aus und meldete mich
sofort zur technischen Abnahme an.
Technische Abnahme?
Ja, damit nicht
„verkehrsuntüchtige“ Motorräder als Lenkwaffen am Ring benutzt
werden können wird in diesem Jahr eine technische Abnahme gemacht. Das
Motorrad sollte bei den R Days betriebsbereit und sicher sein. Die Fazer
hatte die Abnahme bestanden und es ging los.
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Gruppe Weiß,
Rundenzeit über 2,20 am Pan Ring. Ich bin unwürdig!
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Ich startete die Fazer und es ging raus auf die
Strecke. Genannt hatte ich für die mittlere Gruppe. Eine weise
Entscheidung, als ich sah, wie die „gute“ Gruppe am Kabel zog. Obwohl
ich mittlerweile mindestens schon 20-mal am Ring gefahren bin ist das
erste Mal in der Saison ebenso aufregend wie das allererste Mal am Ring.
Meine Blase
drängte mich ständig auf die Toilette und kaum hatte ich das Visier
geschlossen, lief es vor Aufregung an. Die Körperhaltung hatte etwas
Spastisches und ich war so locker wie ein Stück Granit. Egal, es gab
sowieso kein Zurück und was sein muss, muss sein.
Raus aus der Boxengasse
und rein in die erste Kurve, mit der Eleganz eines Pinguins an Land eierte
ich um die Ecke. Gott sei Dank wurde es Runde um Runde besser, doch
wirklich locker war ich nicht. Die Fazer ist ein gutmütiges Motorrad
solange man den Gasgriff schont und so konnte ich den ersten Turn ohne
Einschotterung absolvieren.
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R6, R1, FZ 1,
FZ 6; MT03 können Probe gefahren werden, um Kaltdeformationen zu
vermeiden fährt ein Guide vor.
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Nachdem sich mein Puls beruhigt hatte und ich
endlich nicht mehr alle 10 Minuten starken Harndrang hatte, konnte ich
mich endlich für die Probefahrten anmelden.
Als erstes hatte ich mir die
neue R6 geschnappt. Neben der mörderischen Optik hat die R6 einen Motor
der bis 17tsd Touren dreht und das musste unbedingt erprobt werden.
Mittlerweile hatte mich der Übermut erfasst und ich meldete mich zur
„Gruppe Schnell“. Die R6 darf man getrost als Drehorgel bezeichnen. Ab
6000 U/min wacht der 600er Motor auf, bis 1000tsd geht es flott dahin,
danach wird der Vortrieb bestialisch. Das Motorrad schiebt ohne Ende an.
Ich schaffte es eigentlich nie in den Begrenzer zu kommen und schaltfaul
wie ich bin, sparte ich mir einen
Schaltvorgang da ich jeden Gang höher ausdrehen konnte.
Die neue R6
hat eine radikale sportlich Haltung zu bieten, aber trotz meiner Überlänge
hatten meine Beine Platz und ich fühlte mich rundherum wohl. Bremsen und
Fahrwerk konnte ich nicht wirklich fordern, daher kann ich nur sagen, daß
sich alles sehr fein anfühlte und ich nie in Bedrängnis geriet. Der
Kollege, der mich irgendwann in Runde zwei mit der FZ 1 überholte, bot mir
ein besonderes Schmankerl. Er fuhr alle Kurven im Supermoto Modus mit dem
Fuß am Boden. Sein Kommentar: „Geht butterweich die Fazer, da kann ma
des scho machen“ Es geht nichts über eine demütigende Durchreichung.
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R1- Ich bin
nicht schnell aber es fühlt sich so an.
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Ich hatte noch beste Erinnerungen an die R1 vom
Vorjahr und so musste ich dieses Jahr dringend das neue Modelle
ausprobieren. Was soll ich sagen, die R1 ist mein Favorit. Die Paarung aus
roher Kraft und feinster Straßenlage begeistert mich immer wieder. Über
Aussehen lässt sich vortrefflich streiten aber eine R1 im gelben Replica
Design macht mich einfach glücklich. Unsere Freundschaft auf der
Rennstrecke kann durch nichts getrübt werden. Am Gas drehen und das
1000er Aggregat schiebt ambitioniert von unten an und will gar nicht mehr
aufhören. Jede Senke auf der Strecke wird grundsätzlich mit erhobenem
Vorderrad verlassen, sofern das Gas geöffnet ist. Vor der Kurve bremsen
und runterschalten und danach wie auf Schienen durchfahren.
Noch dazu
braucht man als „Abgelederter“ kaum schalten.
Drehmoment und Leistung
sind mehr als genügend da. Ob man mit der 2ten oder 3ten aus der Kurve fährt
macht fast einen Unterschied. Der Grenzbereich ist soweit entfernt wie ein
Lotto Sechser. Aber das ist egal, man hat das Gefühl eines Herrn Rossi,
der gerade die Pole ergattert hat. So muss es sein!
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It
never rains in Southern California but at the Ring in Pannonia
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Der Vormittag verlief sehr zufriedenstellend, es
hatte nicht geregnet und ich hatte kein Motorrad als Rechen im Kiesbett
missbraucht.
Doch die dicken Wolken hielten sich über der Rennstrecke.
Die Mittagspause wurde durch sanfte Tropfen eingeläutet. Herr Mario vom
Restaurant hat eine neue Gemeinheit parat, ein Büffet! Nein das ist gar
nicht gut, mit vollem Magen kannst besser in der Botanik aufschlagen.
Total überfressen aufs Motorrad und beim harten Anbremsen kommen Marios
kulinarische Schmankerln wieder retour.
Ich hielt mich also
zurück und freute mich schon auf ein paar flotte Runden am Nachmittag.
Doch der Regen wurde intensiver und intensiver. So beschloss ich die
Heimfahrt vorzuverlegen, im Nachhinein gesehen eine üble Idee. Circa 40
Kilometer nach Sàrvar kam ich in ein Unwetter, das sich gewaschen hatte -
Sicht Null, den Handgelenkstempomaten auf 100 und im Blindflug durch die
Puszta- ein Traum!
Noch dazu hatte der Yamaha Technikus den Luftdruck
gesenkt und ich eierte auf dem Asphalt herum daß es eine Freude war. Ich
erkannte das Problem und hielt bei einer Tankstelle um Luft nachzufüllen.
Ich hatte bis dahin noch nie Luft an einer Tankstelle in Ungarn nachgefüllt
und es war gut, dass ich es noch nicht tat. Ich war nass bis auf die Knochen und
um es milde auszudrücken „auf Tausend“. Ich versuchte also die
Luftpumpe aufs Ventil der Fazer zu stecken doch es gelang mir einfach
nicht. Ähnlich dem Rubik Würfel fehlte mir einfach das logische Verständnis,
um es zu meistern. Kraftausdrücke und Verwünschungen aller ungarischen
Tankstellenpächter verließen in hoher Schlagzahl meinen Mund. Meine Hände
ähnelten farblich dem eines Kumpels im Kohlenbergewerk. Es gelang mir
schliesslich, aber ich werde nie mehr an der Tanke Luft nachfüllen, wenn es sein muss
nehme ich mir einen kleinen Kompressor im Rucksack mit. Ich erreichte die
Heimat trotz aller Widrigkeiten mit einem fetten Grinser, die Rennstrecke
bringt einfach Freude und sollte als Therapie für Depressionen von der
Krankenkasse bezahlt werden.
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Fazit:
Wer am Ring Yamahas testen will oder seine Linienwahl
verbessern möchte ist bei den R Days richtig. Für Ambitionierte gibt es
sogar ein Rennen ohne Startgeld. 70 Euro im Vorverkauf und 100 an der
Tageskasse sind christlich bzw. ihr Geld wert.
Fahrerfotos von der
Veranstaltung in den Größen 20x30cm bis 60x90cm sowie Kalender findet
Ihr auf www.haliklik.at
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Interessante Links:
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