kot fährt zum ersten Mal am Knie. Die Honda Speed Weekends zeigen Wirkung. Bald attackiert er die schlechteren Bestzeiten im 1000PS-Büro.
Die Vorbereitung
auf ein Rennwochenende sollte nicht unterschätzt werden, ganz im
Gegenteil. Sie sollte ebenso ernst genommen werden, wie die Vorbereitung
auf ein sportliches Event. Fahren bei Höchstgeschwindigkeit setzt
körperliche und geistige Fitness voraus. Am Vorabend sollte man deshalb
einige Grundregeln beachten.
- Genügend Schlaf:
Wer früh ins Bett geht, wird am nächsten Morgen umso frischer in den
Tag starten.
- Nichts Schweres essen:
Wie jeder Sportler weiß, ist die Ernährung das halbe Training. Optimal
ist deshalb am Tag davor nach 17.00 Uhr gar nichts mehr zu
essen.
- Alle Vorbereitungen treffen:
Leder raushängen, Helm, Handschuhe und Regenjacke sowie ev. Reisepass
rauslegen, damit in der Früh kein Stress aufkommt. Bei einer Anreise
mit dem Motorrad sollte man außerdem volltanken.
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| Tag
1
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Ich schob mir am Freitag Abend um 19.00 Uhr
eine Pizza in den Ofen und kurz danach in den Mund. Es muss eine der
größten Pizzen gewesen sein, die ich jemals verdrückt habe. Um 23.00
Uhr legte ich mich schlafen, um 4:30 Uhr sah ich, soweit ich mich erinnern
kann, das letzte Mal auf die Uhr. Um 6:00 Uhr läutete der Wecker. Panisch
suchte ich nach meinem Pass, meiner Regenjacke, schmiss alles in einen
Rucksack und fuhr tanken. Ich hatte mich lediglich um eine Sache schon
vorab gekümmert. Zwei Tage zuvor ließ ich das 6000er Service
durchführen und neue Reifen aufziehen. Die Bridgestone BT-014 hatten
tatsächlich knappe 6 Millionen Meter, zwei Ringtermine und eine Südtirol
Tour im ständigen Grenzbereich durchgehalten. Möglich haben das
sicherlich auch die Fahrwerkseinstellungen vom Grammer Klausi gemacht, der
beim Besteigen eines Motorrades immer wie wild an Gabel und Federbein
herumschraubt.
Was ich letztes Mal zu spät gekommen war,
war ich diesmal zu früh dran. Um 0-7-30 fand ich ein leeres Fahrerlager
vor. Um 9 Uhr konnte ich endlich mein Pickerl abholen und ein paar
Aufwärmrunden auf der Strecke fahren. Da traf mich auch schon ein
leichter Schock. Dieses Mal wurde Linkskurs gefahren, ich mußte mich also
auf eine völlig neue Situation einstellen. Schon nach der ersten Runde
war klar, daß es nicht möglich war, sich die Strecke, die man bereits
kennt, einfach umgekehrt vorzustellen. Denn Linkskurven sind jetzt
Rechtskurven, bergauf ist bergab und umgekehrt, jede Kurve muß anders
angefahren, neue Bremspunkte gefunden werden und tausend Sachen mehr. Ein
Horror. Dementsprechend verwirrt und frustriert eierte ich durch die
Gegend. Nach der dritten Runde musste ich abbrechen. Was war nur
los? Das ging ja letztes Mal um Welten besser.
Die Einweisung auf der Strecke durch Zwedi und Leo Schagerl fiel
flach, da sich zwei Übermotivierte eingebaut hatten und einer der beiden eine nette Ölspur
hinterließ. So wurde die Instruktion im "Trockenen" abgehalten,
also auf der Boxenstraße. Ich hätte in den Helm bröckeln können, so
schlecht war mir. Doch leider startete nach der Belehrung schon die blaue
Gruppe und das Pickerl auf meiner Verkleidung war auch blau.
Als ich rausgewunken wurde,
war dann plötzlich alles anders. Wenn du mal im wilden Strom gelandet
bist, gibt's nur noch volle Kraft voraus. Ich spürte, daß es diesmal
schon flotter zur Sache ging, keineswegs aber gefährlicher. Ich fuhr weitaus
risikoärmer, kontrollierter und ruhiger und war trotzdem schneller. Das
erkannte ich an zwei Dingen:
- Keine 50+ km/h Überholmanöver mehr: Niemand
passierte mich so, als wäre ich im Asphalt stecken geblieben.
- Ich wurde nur
mehr von halb so vielen Racern überholt, wie beim letzten Mal.
Nach dem
ersten Tag war ich trotzdem nur zu 90 Prozent zufrieden mit meiner
Leistung. Denn ich hatte mein eigentliches Ziel nicht erreicht, oder
besser: Mein Knie hatte das eigentliche Ziel nicht erreicht - Den Asphalt.
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| Tag
2 |
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Am nächsten Morgen konnte ich
etwas länger schlafen, da ich mir das Pickerl für Sonntag schon geholt
hatte. Ein großer Vorteil war natürlich, dass ich den Kurs nun schon gut
kannte. Alle anderen leider auch. Nur 5 neue Fahrer/Innen waren gekommen. Also hatte jeder wieder die gleichen Karten in der Hand.
Dann sah ich,
dass der Haliklik Fotograf in einer perfekten Rechtskurve,
die am Tag zuvor leider mit einer Ölspur und Ölbindemittel (auf dem
ersten Foto rechts zu sehen) versaut war, Stellung bezogen
hatte. Der perfekte Zeitpunkt, um das schier Unmögliche zu wagen. In der ersten Runde
fuhr ich noch normal vorbei, in der nächsten wollte ich meine Chance
nutzen. Jetzt musste es passieren: Am Ende der Geraden Geschwindigkeit
reduzieren, zwei Gänge runter und volle Konzentration. Kurve fixieren,
mit dem Arsch zum Kurveninneren rücken, Knie raus, einlenken und auf ein
Kratzgefühl warten. Oder auf den Abflug. Aber es ging alles gut, obwohl
ich etwas gewaltsam vorging. Ich hätte mich eigentlich auch früher
wieder aufrichten müssen, fuhr den Radius aber länger aus und irgendwann
machte es dann "krrrzz", oder "chrrrr" oder was weiß
ich. In meinem Kopf sangen auf jeden Fall die Engelschöre:
"Halleluja!" Es grummelte am Knie, im Leder,
im Gehirn. Bodenkontakt! Kurz, aber schön. Beim nächsten Versuch war ich
dann wieder derart vollgepumpt mit körpereigenen Drogen, dass ich es um
einiges schärfer anging und schliesslich fast die gesamte Kurve am Knie durchzog.
Und es ging wieder um die 10%, die auch
beim Wheelisieren die Entscheidung brachten. Den Hintern um 10% mehr nach
rechts, das Knie um 10% weiter raus und den Bock um 10% stärker nach
unten drücken. (Macht zusammen eigentlich 30%, aber egal).
Schneller wurde ich durch die neuentdeckte
Technik leider nicht. Im Gegenteil. Meinen Vordermann, der mich einige
Runden lang nicht abschütteln konnte, verlor ich nach der ersten,
richtigen Knie-Runde aus den Augen. Egal. Bei diesem Turn ging es nicht
mehr um Punkte und Pokale, sondern um Spaß an der Freude. |

"Das is aber noch
gar nix...

..schon besser, aber da
geht noch mehr..

..jaaaa, es kratzt, es
schleift" |
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Jetzt mußte ich noch die Kniefahrerei
mit meinem bisherigen Fahrstil, (der ja schneller war) verknüpfen. Im
letzten Turn verbrannten mich noch lediglich 5 Personen.
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Der Knopf ist aufgegangen. Knieschleifen ist kein Problem mehr...
Der böse Blick zum Fotografen: "Ich hoff', du hast das d'rauf"
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Der leider letzte Speed Weekend Termin findet auf der Rennstrecke in Brünn,
Tschechien statt. Dieses Wochenende dient gleichzeitig als Trainingslager
für mein erstes Rennen. Am 19. September werde ich beim Veranstalter Stardesign
im Sternchen-Race antreten. Allerdings wieder am Pannoniaring.
Die Prognose: Die Saison wird mit einer Niederlage enden.
Text: kot
Fotos: Haliklik Fotoservice
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