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Irrer Sport-Dreiradler!

Polaris Slingshot Test 2016

Das US-amerikanische Unternehmen Polaris, das sich mit den Marken „Victory“ und „Indian“ im Markt der Freiheitseisen immer stärker in Szene setzt, rollte wenige Tage vor der Präsentation der Indian Scout 60 einen irren Dreiradler an den Start: Polaris Slingshot. Was für Kurvengeschwindigkeiten!

In den USA fährt man den Polaris Slingshot mit dem Motorrad-Führerschein, in Europa braucht man dafür den Auto-Führerschein. Die B-Lizenz erscheint auch logischer, denn der Slingshot ist schon allein wegen seiner gewaltigen, vorderen Spurweite von zwei Metern (!) ein Auto. Aber was für eines! Hinten überträgt ein 255er Reifen auf einer 20 Zoll Felge die 173 PS aus dem 2,4 Liter Vierzylinder (General Motors) auf die Straße. Geführt wird die Felge von einer mächtigen Einarmschwinge, angetrieben von einem Zahnriemen aus Carbon. Der Slingshot hat ein klassisch zu schaltendes 5-Gang Getriebe, servounterstützte Lenkung, keinen Bremskraftverstärker, wiegt 786 kg und wird von Traktionskontrolle und elektronischem Stabilitäts-Programm innerhalb der physikalischen Grenzen gehalten. Vorweg: Beide System sind ausschaltbar, aber ich war - obwohl wir 200 km durch die Berge jagen durften - nicht mutig genug, auf die beiden, sehr gut funktionierenden Systeme zu verzichten. Was für ein Thrill, was für ein Kick!

Wahnwitzige Kurvengeschwindigkeiten!

Der Slingshot dürfte extrem gut ausbalanciert sein und eine großartige Massenzentralisierung haben, denn er erzielt wahnwitzige Kurvengeschwindigkeiten! Der tief geduckte Polaris Dreiradler pickt unglaublich am Asphalt. Die hintere Walze bringt man trotz aktivierter Traktionskontrolle beim harschen Beschleunigen relativ leicht zum Durchdrehen, was zu wunderbar einfach zu kontrollierenden Slides führt, die die Elektronik erst abfängt, wenn schon „der Hut brennt“, wie man so sagt. A propos Hut: Helmpflicht besteht in Europa für den Slingshot nicht. Überrollbügel und Sicherheitsgurte, that’s it. Es gibt auch keine Airbags und keine Bremskraftunterstützung. Letzteres ist am Anfang gewöhnungsbedürftig. Das leichte Antippen des Bremspedals erzielt fast keine Wirkung. Man braucht Druck. Hat man sich darauf eingestellt, findet man sich aber mit dem Anker, der zwar Kraft braucht, aber sehr schön zu dosieren ist, beim sportlichen Angriff sehr gut zurecht. Man kann den Slingshot auch wie ein herkömmliches Poser-Cabrio locker und entspannt fahren, aber auf den 200 Test-Kilometern ist das nur passiert, wenn einfach schon so viel Adrenalin den Körper flutete, dass man sich kurz erholen musste.

Käufer: 50 Prozent Motorradfahrer.

In den USA ist der Slingshot bereits seit einem Jahr am Markt, und sein Absatz überstieg die Erwartungen. 20.000 sind schon auf den Straßen. Der Polaris-Product Manager Kevin McNutt erklärte, dass 50 Prozent der Käufer Motorradfahrer sind. Warum so viele? Einerseits dürften Motorradfahrer die sehr dynamische Performance, die der Slingshot liefert, attraktiv finden, und andererseits dürften sie die „Schönwetter“-Ausrichtung und der fehlende Kofferraum nicht abschrecken. Hinter den Sitzen im Slingshot kann man zwar eine Tasche und etwas Gepäck verstauen, aber so richtig viel hat da nicht Platz. Torsten Zimmer, der für Victory und Indian in Deutschland und Österreich zuständig ist, rechnet im ersten Jahr mit 150 bis 200 Slingshots: „Wir haben nur wenige Händler. Man darf ja nicht vergessen, dass die Türen von Motorrad-Schauräumen oft viel zu schmal sind für den zwei Meter breiten Slingshot. Und für die Werkstatt gilt das gleiche.“ Warum der Slingshot ein Renner werden könnte, liegt auch am Preis: Denn in der Auto-Welt gibt es in der 30.000,- Euro-Liga nichts, das auch nur annähernd so sportlich zu bewegen ist und so ausgezuckt ausschaut.

Was für ein Eye-Catcher!

Die Optik des Slingshot ist überwältigend: Von vorne extrem tief, geduckt und breit, von hinten mit dem großen Einrad konkurrenzlos überraschend, und aus der Fahrerperspektive sowieso mörder, da die ausladenden Kotflügel ein irres Batman-Feeling erzeugen. Dass das Lenkrad und die Sitze nicht aus Leder, sondern aus Hartgummi sind, mag spartanisch wirken, ist aber wichtig, weil es in den Slingshot halt volle Kanne hineinregnen kann. Jedenfalls packen es die Menschen nicht, wenn man mit dem Slingshot quer aus der Ecke feuert. Und auch, wenn man nur gemütlich damit rodelt, reißen sie ihre Mobiles raus und filmen, was das Zeug hält. Keine Frage, der Slingshot ist kein Motorrad, aber er ist ein sehr sportliches Fahrzeug von Polaris, das es mir richtig arg besorgt hat. Danke!

Technische Daten Polaris Slingshot

  • 2,4 Liter Reihenvierer GM
  • 173 PS bei 6.400 min
  • 227 Nm bei 4.700 min
  • 5-Gang, Zahnriemen aus Carbon
  • 18 Zoll vorne (225er), 20 Zoll hinten (255)
  • Gewicht: 786 kg
  • Preis: rd. 30.000,- Euro
Bericht von zonko am 30.01.2016 Aufrufe: 7.049
Über den Autor
zonko

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