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Zero Elektro Motorräder

2016 heißt bei Zero bessere Komponenten und mehr Reichweite!

Dieses Jahr feiert Zero sein 10-jähriges Firmenjubiläum. Mittlerweile haben sich die Bikes gemausert: Hochwertige Komponenten, langlebige Akkus und mächtiger Antrieb. Wir durften die neuen Modelle Probefahren.

Also eins gleich mal vorweg: Ich bin definitiv kein Ökofuzzi der wie blind hinter allem herläuft, was als Bio oder Grün angepriesen wird. Ich liebe das laute Knattern meines Zweitakters (von dem herrlichen Geruch ganz zu schweigen) und mein 450er Benz verblässt auf 100 Kilometer in etwa so viel Sprit wie ein Kreuzfahrtschiff. Allerdings machte mich die Hypothese von Zero-Vize Scot Harden (ein arger Andrücker vor dem Herren, hat dreimal die Baja gewonnen und ist so nebenbei damals bei der Dakar als 17ter ins Ziel gerauscht) doch etwas stutzig. Er meinte: Stellt euch eine Welt vor, in der elektrisch betriebene Fahrzeuge Standard wären. Plötzlich kommt einer daher und will euch ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor verkaufen. Seine Verkaufsargumente könnte man ganz einfach zerlegen. So haben Verbrennungsmotoren einen Wirkungsgrad von maximal 40%, beim Elektromurl spricht man von mindestens 90%. Ebenso kann sich die Leistungsentfaltung des Verbrenners nicht mit der linearen eines Elektromotors messen. Auch Abgase, Lärm und Vibrationen sucht man beim E vergebens. Bei den letzten zwei könnte man nun einhacken und argumentieren „das gehört nun mal zum Motorrad“. Aber jetzt mal ganz ehrlich, fahren wir Motorrad weil es laut ist und uns durchrüttelt? Ich für meinen Teil kann diese Frage verneinen. Mir geht’s darum, durch Kurven zu preschen, Freiheit zu erleben, hinzukommen wo andere nicht hinkommen und natürlich um mich von anderen zu unterscheiden - und vielleicht auch um cool rüberzukommen. Gerade im letzten Punkt happerts aber bei E-Fahrzeugen noch etwas. Allerdings leistet hier Tesla einen grandiosen Job und bringt Elektro Luxus Schlitten mit einem sehr sportlichen Touch. Elektro ist also nicht mehr gleich uncool.

Doch genug der hypothetischen Quaslerei, blicken wir aufs Wesentliche. 2016 feiert Zero sein 10-jähriges Firmenjubiläum. Gegründet in einer Hinterhofwerkstatt erinnerten die ersten Bikes noch eher an Mountainbikes mit E-Antrieb. Seitdem hat sich einiges getan, gerade in den letzten Jahren explodierten die Leistungsdaten förmlich und so liefern die aktuellen Akkus etwa die 5-fache Leistung von vor 6 Jahren. Auch die Nachfrage stieg und so musste auch der Betrieb angepasst werden. Mittlerweile arbeiten 120 Mitarbeiter auf über 6.000 Quadrat Metern in Santa Cruz, Kalifornien. Über die Anzahl der verkauften Bikes herrscht Stillschweigen. Ist mir aber eigentlich eh Holler, was zählt sind die Bikes. Eins gleich vorweg, mit den vorher erwähnten Mountainbikes haben aktuelle Zeros nichts mehr gemein. Beide Modellreihen, sowohl S als auch X sind vollwertige Motorräder.

Aus diesen beiden Modellreihen resultieren nun insgesamt 6 verschiedene Modelle. Bei der X sind es die FX (der Stealthfighter) mit 21/18 Zoll Enduro Bereifung und die FXS, die Supermoto Variante mit klebrigen 17 Zoll-Straßenreifen. Die S-Reihe besteht aus der Zero S, dem Streetfighter mit 17 Zoll Rädern und der Endurovariante Zero DS (Dual Sport) mit 19/17 Zoll Bereifung. Die S und die DS sind noch jeweils in einer R Variante verfügbar, die sich durch ein höheres Drehmoment und mehr Spitzenleistung auszeichnet. Die Fahreindrücke sowie einen ausführlichen Bericht zu den Modellen DSR und FXS findet ihr jweils in eigenständigen Testberichten.

Die Technik

Angetrieben werden die Zeros über Brushless Motoren. Je nach Modellreihe gibt es einen eigenen Motor der sich in der Baubreite unterscheidet. Im Gegensatz zu anderen Herstellern kommt man bei Zero ohne Flüssigkeitskühlung aus. Gab es bei den letzten Modellreihen bei zu langer Spitzenbelastung noch Schwierigkeiten mit der Temperaturentwicklung sollte das mit dem Modelljahr 2016 endgültig der Geschichte angehören. Durch eine geänderte Anordnung der Magneten erlangte man eine bessere Kühlung bei einer leicht gesteigerten Spitzenleistung. Die Stromversorgung erfolgt durch Lithium-Ionen-Akkus, deren Zellen in eigens entwickelten Zero Force Powerpacks verpackt werden. Jedes dieser Akkupacks wiegt 20 Kg und liefert 3,3 Kilowattstunden. An diesem Punkt lässt sich auch die rasante Entwicklung der Akkutechnologie gut veranschaulichen. Lieferten die 2014er- und 2015er-Modelle noch 2,8kw/h steigerte man sich im Modelljahr 2016 um 14 Prozent. Übrigens gibt Zero 5 Jahre Garantie auf die Akkupacks und verspricht ebenso, dass nach 2500 Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent der Leistung geliefert werden. Rechnet man mit einer Laufleistung von nur 130 Km (Zero gibt im Schnitt 170 Km an) pro Ladung so kommt man auf 325.000 Kilometer nach 2500 Ladungen. Nicht schlecht Herr Specht – der durchschnittliche Motorradfahrer würde also so um die 50 Jahre benötigen um die Akkuleistung auf 80 Prozent zu senken.

Die einzelnen Zero Modelle sind mit einer unterschiedlichen Anzahl an Akkus verfügbar. So gibt es etwa die FX mit nur einem Akku als 3.3 kw/h oder als 6.5 kw/h Variante. Das wirkt sich natürlich auch auf Gewicht, Reichweite und Leistung aus. Bei der ZF13 Variante der S Modelle lässt sich zusätzlich noch ein fünftes Akkupack (Power Tank) installieren. Dadurch erreicht man zwar eine Reichweite bis zu 290 Kilometer, muss allerdings das Gewichtsplus von 20Kg sowie Abstriche beim Handling in Kauf nehmen, da der Power Tank sehr weit oben im Fahrzeug installiert wird.

Die Aufladezeit hängt von der Anzahl der Akkupacks und von der Aufladeart ab. Bei einer Standard Ladung einer FX mit 3,3 kw/h muss man sich 4,7 Stunden (4,2h bei 95% Ladung) gedulden. Bei einer DSR mit 13kw/h sollte man sich 8.9 Stunden (8,4h bei 95% Ladung) Zeit einplanen. Um den Ladevorgang zu beschleunigen bietet Zero ein Schnellladegerät an, mit dem sich die Ladezeit halbieren lässt. Neu im Modelljahr 2016 ist, der optional erhältliche Charge Tank. Damit lassen sich die Zero Modelle an den öffentlichen Schnelllade Stationen unterwegs in bis zu zwei bis drei Stunden wieder vollständig aufladen. Übrigens: Die Kosten für eine Ladung bewegen sich im Bereich zwischen 1 € und 1,5 €. Also nicht einmal ein Zehntel der Kosten einer Tankfüllung.

Seit letztem Jahr werden alle Zero Modelle mit ABS ausgeliefert. Als Zulieferer für die ABS Systeme wählte man deutsche Präzision von Bosch – das ist zwar definitv nicht die günstigste aber in Punkto Qualität sicher eine der besten Lösungen. Für die offroadtauglichen Modelle, also DS, DSR und FX lässt sich das ABS für den Geländeeinsatz abschalten.

Ein kurzer Exkurs zum Thema Wartung. Muss man sich bei klassischen Bikes mindestens einmal im Jahr mit diesem Thema auseinandersetzen und für ein großes Service dann auch schon mal um die 700 € auf den Ladentisch klatschen, sieht das bei den Zeros etwas anders aus. Da es sich um wartungsfreie Brushless Motoren handelt und man bei den Akkus eigentlich auch nix servisieren kann, beschränkt sich das Service bei einer Zero auf die Kontrolle der Bremsflüssigkeit eventuell auf das Nachziehen von Schrauben.

Wie eingangs erwähnt zähle ich mich selbst nicht zu den Ökofritzen und stehe alternativen Antrieben sogar etwas skeptisch gegenüber. Allerdings war ich nach den Testrides mit den beiden Zero Modellen doch mehr als nur positiv überrascht. Wem nun, so wie meinen Kindern, meine Meinung egal ist, der sollte mal ganz kurz über seinen Schatten springen und sich hier http://www.zeromotorcycles.com/de/locator für eine Probefahrt anmelden.

Bericht von Arlo am 21.01.2016 Aufrufe: 9.679
In diesem Bericht
Über den Autor
Arlo

Gebrauchte Zero Motorräder

Zero DSR
BJ: 2016 , 2.300 km
14.490,- EUR Anfragen
Zero SR
BJ: 2016 , 1.800 km
14.490,- EUR Anfragen
Zero FX
BJ: 2015 , 850 km
9.375,- EUR Anfragen
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