BMW S 1000 R Test

Erster Fahrbericht mit dem neuen Nakedbike von BMW. Inklusive Onboard Video, 0-200 Test und allen Fahreindrücken.
NastyNils mit der BMW S 1000 R am Knie

BMW S 1000 R Naked Bike Test

Es wurde ruhig im Briefing Room hier auf Mallorca. 0,5 Grad und Schneefall auf den Bergen. Teilweise Schneematsch auf den Straßen und keine Aussicht auf Besserung. Das war die Ansage des BMW Guides und besonders ruhig waren nun jene Piloten welche immer über ABS, Traktionskontrolle, Heizgriffe und Co gelästert haben. Es folgte ein irrer Ritt auf rohen Eiern. Aber es folgte auch die Sonne und eine herrliche Andrückerei mit +200!

 
Es war gespenstisch und mein Vertrauen war grenzenlos. Der Belag hier ist das wohl mieseste was mir in meiner Karriere je unterkam. So muss sich Motorradfahren am Eislaufplatz anfühlen, dachte ich und gab weiter vorsichtig Gas. Doch selbst im sechsten Gang, knapp über Standgas, schlingerte das Hinterrad vor sich hin. Es regnete, der Asphalt war übel doch die Traktionskontrolle rettete mir 10x pro Minute das Leben. Irgendwie schaffte ich es dann auch auf den Berg und irgendwie haben es die BMW Ingenieure tatsächlich geschafft aus dem performantesten Superbike  der letzten 4 Jahre ein performantes aber super einfaches und sicheres Alle-Tage-Gerät zu bauen.

Keine Mondrakete - Ein ganz normales Motorrad nur mit etwas viel Leistung

Doch es war bestimmt kein Zufall sondern das Ergebnis harter Arbeit an allen Fronten. Das Motoransprechverhalten war mal ein Schlüssel zum Erfolg. Die Wünsche des Fahrers werden im Sattel der S 1000 R elektronisch vernommen und an die ECU weitergegeben. Diese öffnet dann im idealen Maße die Drosselklappen und sorgt für beinahe schon steril perfekte Beschleunigung in jeder Lebenslage. Auf der anderen Seite verrichtet im "RAIN" Modus ein Teilintegral ABS von feinster Güte seinen Dienst. Teilintegral bedeutet, dass beim Bremsen mit der Vorderbremse auch vorsichtig hinten mitgebremst wird - zur Stabilisierung. Beim Beschleunigen behütet uns die im Vergleich zur S 1000 RR deutlich aufgewertete Traktionskontrolle (ähnlich jener in der HP4) mit feinsten Regelalgorithmen. Doch halt! Wir müssen dem Leser schon jetzt verraten, dass wir hier eine vollausgestattete S 1000 R im Test haben. Also mit den Paketen "Sport" und "Dynamik". Klar kommt die S 1000 R serienmäßig mit ABS und ASC (Traktionskontrolle). Aber erst mit den Aufpreis-Paketen ums faire Geld kriegt man den Schräglagensensor, das DTC (dynamische Traktionskontrolle) sowie das DDC (dynamic damping control) und weitere feine Features. Auch das DDC ist hier im Regen eine tolle Sache, da es im "RAIN" Modus das Fahrwerk gleich automatisch softer hinstellt und man so mit mehr Vertrauen in die glitschigen Kurven geht.
 
Playlist mit Testvideo, Beschleunigungsvideo, Technikvideo und Zubehörvideo.
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BMW S 1000 R im Regen
BMW S 1000 R Seite BMS S 1000 R Foto

 
Voll Punkte im Regen! Man kommt bei härtesten Bedingungen gut ans Ziel!


Insgesamt kann man nach dem verregneten Vormittag sagen, dass BMW einen tollen Job gemacht hat. Dieses bärenstarke Nakedbike ist 100% Alltagstauglich und bringt dich in widrigsten Bedingungen relativ angenehm ans Ziel. Volle Punkte.

Eine ganz andere Welt eröffnet sich dann den Fleißigen unter uns am Nachmittag. Denn während die faulen Journalisten der gut eingeführten Printmedien den Nachmittag im Wellnessbereich ausklingen ließen, schwingten sich die jungen und hungrigen Onliner und die Pflichtbewussten unter den "Alten" wieder mit Ehrgeiz in die Sättel. Der Poker hat sich gelohnt! Es war zwar eiskalt, doch auf der anderen Seite der Insel gab es tatsächlich etwas Sonne und dank des heftigen Windes auch trockene Kurven vom Feinsten.

Kaum zu glauben, das hier Pferde fehlen! Stark wie die RR!



Die S1000R kann auch ganz anders. Ich hob das Drehzahlniveau, ging in aggressive Stellung nach vorne und visierte die Linie an. Die Strecke war schnell, sehr schnell sogar und ich zog teilweise mit 180 km/h durch die Kurven. Nicht nur über die Kuppen wheelte die nackte BMW ganz gewaltig und der Vorwärtsdrang war einfach nur brutal. Hat die Fuhre tatsächlich 30 PS weniger als die "RR"? Im Sattel fühlt sich das ebenbürtig an. Ich war viel mit meinen "RRs" gefahren und hatte ein gutes Gefühl für die Beschleunigung und das hier ist definitiv die gleiche Liga. Ich dachte kurz nach, doch ich war mir sicher die "R" hat die gleiche Endübersetzung wie die "RR". Daran konnte es also nicht liegen. Evtl. trübt der harte Fahrwind ab 200 meine nüchterne Einschätzung in der Sache, doch dieses Bike hier ist eine wahre Beschleunigungsbestie ohne den geringsten Kompromiss. Erst bei den ganz hohen Geschwindigkeiten über 230 km/h hatte ich meine BMW Superbikes stärker in Erinnerung, alles bis dahin ist ganz normal das gleiche Niveau.

 

BMW S 1000 R von vorne BMW S 1000 R von hinten

 
10 Nm mehr Drehmoment über das nutzbare Drehzahlband

Das liegt eventuell am vorteilhaften Drehmomentverlauf der "R". Denn bis 8.000 U/min hat das Nakedbike um 10Nm mehr zur Verfügung als der Supersportler. Bei der nackten Beschleunigung von 0-200 sagt das Drehmomentplus noch gar nicht so viel aus, aber in den Kurven hier punktet man damit ganz schwer. Die Elastizität des Motors ist enorm und man fährt ewig mit dem 3er. Die BMW schreit und brüllt, doch am Ende ist es immer der Reiter der "w.o." gibt und eher zu früh als zu spät um Gnade winselnd den nächsten Gang einlegt.

Ganz großes Kino aber auch in den angesprochenen schnellen Kurven. Die S 1000 R hat ja anders als einige japanische Nakedbikes kein günstiges Alteisen montiert, sondern ganz normal die voluminöse Aluschwinge samt Alurahmen aus dem weltbesten 1000er Superbike. Möglich wurde dieses Kosten-Inferno durch pragmatische Konzernrechenmodelle. Die Entwicklungskosten der meisten Komponenten wurden bereits von S 1000 RR Kunden bezahlt. Dieser enorme Entwicklungsaufwand belastet nun nicht den Preis der S 1000 R, welche das ohne Übertreibung beste Preis / Leistungspaket am Markt bietet. Aber mit ganz großes Betonung des Wortes "LEISTUNG".
 
 
Der Preis der BMW S 1000 R 2014

Der Preis der BMW S 1000 R beträgt in der Serienausstattung in Österreich inklusive der geliebten Nova 14.750 Euro und in Deutschland 12.800 Euro. Grandios!

Die Stabilität in den Kurven verdankt man also dem stabilen Chassis, die einfach schon gespenstische Ruhe auf der Autobahn bei 240 verdankt man aber auch dem DDC. "Insgesamt ein Jahr lang hat der Fahrwerksguru an der Abstimmung rumgemacht damit wir das hinkriegen", verriet mir im Gespräch der grausam andrückende Produktmanager Sepp Mächler. "Doch das Sahnehäubchen oben drauf ist dann das DDC welches hier wirklich zeigt was es kann."

Wer einmal mit diesem Gesamtpaket gefahren ist, wird nie wieder über den Fortschritt und den Einzug der Elektronik lästern. In den engen Kurven fährt sie superhandlich, in der Stadt rangiert man sie wie ein Moped und auf der Autobahn liegt sie wie Tourenbomber. Obwohl man aufrecht sitzend mit dem vollen Zug am Lenker hängt. In dieser Güte durfte ich das noch auf keinem Nakedbike erleben.
 
Ausstattungs Preise in Österreich (inkl. NoVA und MwSt):

BMW S 1000 R: € 14.750,-

Sport-Paket (inkl. DTC, Schaltassistent und Tempomat) 925,-
Dynamik-Paket (inkl. DDC, Heizgriffe, LED-Blinker und Motospoiler in Fahrzeugfarbe) 1.065,-
 
Schaltassistent
DTC (Dynamic Traction Control) inkl. 2 Fahrmodi
DDC (Dynamic Damping Control)
Heizbare Griffe
Temporegelung
Diebstahlwarnanlage 
433,-
398,-
761,-
234,-
375,-
246,
 
Ausstattungs Preise in Deutschland (inkl. 19% MWSt):

BMW S 1000 R: € 12.800,-
 
Sport-Paket
Dynamic-Paket
Schaltassistent
DTC inkl. 2 Fahrmodi
DDC
Heizbare Griffe
Temporegelung
Diebstahlwarnanlage
790,-
910,-
370,-
340,-
650,-
200,-
320,-
210,-
 

>>Bildergalerie mit allen technischen Informationen<<

BMW S 1000 R Detailaufnahmen BMW S 1000 R Detailaufnahmen
BMW S 1000 R Detailaufnahmen
BMW S 1000 R Detailaufnahmen BMW S 1000 R Detailaufnahmen

 
Sterile Perfektion - zum Glück aber auch Charakter!

Also sowohl beim Motoransprechverhalten, beim Durchzug und eben auch bei Fahrverhalten und Stabilität legte die S 1000 R eine beinahe schon sterile Perfektion hin. Diese Sterilität wäre dann der einzige Kritikpunkt welche Liebhaber von schrulligen Exoten anbrigen könnten. Doch mit einem einfachen Kniff, verpasste man der S 1000 R eine ganze menge an rauem Haudegen Charakter. Beim Schließen des Gasgriffes, werden winzige Tröpfchen Benzin nachgelegt welche ein sportlich heiseres Brabbeln hervorrufen. Da fühlen sich Freunde von alten Vergasermotoren wieder wie daheim.
 

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Sonne, heiße Eisen und tolle Kurven - das ist dann jener Punkt der Geschichte wo man als Motorradreporter immer beneidet wird. Was aber wirklich schon in Arbeit ausarten kann, ist die Verifizierung der einzelnen Fahrmodi sowie Elektronik Features. Insgesamt kann man mal ganz pauschal sagen. Über dem "Mode" Schalter sowie über den "Fahrwerks" Button kann man die S 1000 R von einer weichen Mietzekatze mit luschimäßig abgestimmter ABS-Bremse und Traktionskontrolle zu einem ultimativen und unzensurierten Machobike machen. Am Ende kann gewheelt, gedriftet und geslidet werden bis die Reifen oder die Unterhosen rauchen. Doch ich muss sagen, dass mir auch im "Dynamic" Mode (das ist der zweitschärfste) bzw. auch im "Road" Mode die Spritzigkeit toll gefällt. Auch hier wheelt das Motorrad, sanft und kontrolliert, aber immer noch herzerwärmend. Eine Verbesserung um den Faktor 10 ist das DTC-Regelverhalten im Vergleich zu meiner S 1000 RR daheim in der Garage. Denn die S1000R wird nun sanft zurück in die Erdumlaufbahn geholt und nicht mehr mit dem Vorschlaghammer.

BMW S 1000 R im Vergleich zur KTM 1290 Super Duke R

Eine oft gestellte Frage in meine Richtung war, wie die S 1000 R im Vergleich zur ebenfalls beeindruckenden Super Duke R von KTM fährt. Ich war ja einer jener Journalisten, welcher bereits beide Bikes gefahren ist. Nach meinem Ritt mit der Super Duke R hielt ich sie für unschlagbar, vor allem als ich die Leistungsdaten der BMW erhalten habe. Nach dem Test der S 1000 R muss ich jedoch sagen, dass die BMW der KTM wesentlich näher ist als es die Leistungsdaten vermuten lassen. Die KTM ist ganz klar das brutalere Motorrad mit eine Portion Leistung oben drauf und erzeugt auch deutlich mehr Aufmerksamkeit. Dort wo man die Leistung umsetzen kann, ist die KTM vorne. Aber es gibt Bereiche wo selbst das deutlich günstigere Serienbike der S 1000 R punkten kann. Und zwar mit dem Getriebe aus dem Superbike, welches auf der Rennstrecke aber auch bei Ampelstart die bessere Abstimmung bietet. In der Topausstattung rückt die S 1000 R vor allem mit dem überragenden DDC und der tollen Hochgeschwindigkeitsstabiltiät gefährlich nahe. Wir werden nun doch alle Hebel in Bewegung setzen müssen um schon bald einen Vergleichstest anbieten zu können. Es wird spannend!
Spannend ist auch das vom Start weg angebotene Originalzubehör. Zum Beispiel Akrapovic Endtopf, Schmiederäder, Carbonteile, usw. Dazu haben wir ein eigenes Interview gedreht.
 

BMW S 1000 R Fahrfoto

 

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Am Ende keine Überraschung - Eine würdige S 1000 RR Schwester

Am Ende des Tests kann man nur sagen, dass sie S 1000 R so fährt wie man es vom Schwestermodell des erfolgreichsten Supersportler der letzten Jahre erwartet - und zwar voll und ganz. 160 PS, 207 Kilo voll, irre viel Entwicklung und Feinarbeit beim Fahrwerkssetup sowie nochmal verbesserte elektronische Fahrhilfen können nur ein Testergebnis hervorbringen: Absolut phantastisches Motorrad mit keiner Schwäche!
Doch! Ältere Semester unter den Testpiloten bemängelten die schwer ablesbare, weil zu kleine Schrift, der angezeigten Fahrmodi im Display. Diese Piloten waren es auch die das zu brutale Auftreten des Bikes bemängelten - überhaupt nicht BMW-Style, war zu vernehmen. Leute denen das nicht gefällt können ja R 1200 R und Co. kaufen, der Rest erfreut sich an dem wie bereits erwähnten phantastischem Bike.

 

Interessante Links:

Text: nastynils
Fotos:
BMW

Bericht von nastynils am 09.12.2013 Aufrufe: 82.266

Gebrauchte BMW S 1000 R Motorräder

BMW S 1000 R
BJ: 2015 , 6.060 km
11.500,- EUR Anfragen
BMW S 1000 R
BJ: 2014 , 5.733 km
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BMW S 1000 R
BJ: 2015 , 4.865 km
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