Komplett neue Ninja mit vielen Technikfeatures und 200 PS. Harter Test in
Qatar.
Die neue Ninja ließ die Journalisten verzweifeln. Alle waren
verrückt nach der neuen Traktionskontrolle, doch niemand bemerkte ihre Existenz.
Gab es sie nur auf dem Papier? Oder war sie stärker für uns da als uns lieb sein
sollte?
Kawasaki Ninja
ZX-10R - Erster Test vom Modelljahr 2011
Kawasaki griff bei der neuen Ninja definitiv in die
Vollen. Viel Leistung, viel Elektronik, komplett neues Chassis und ein rundum
neuer Auftritt sorgten für viel Gesprächsstoff. Auf der MotoGP Strecke in Qatar
war dann Schluß mit der Plauderstunde. Kawasaki setzte Europas Journalisten auf
die Testbikes und beobachtete ruhig und zufrieden das muntere Treiben.
Nach dem ersten Turn war ich noch nicht ganz zufrieden. Die Kawa hat 200
PS und ich erleb hier im Sattel zu wenig Action? Den Usern muss doch mit der
Onboard-Kamera etwas geboten werden! Keine unkontrollierten Wheelys am
Kurvenausgang, keine lebensrettenden Manöver der Traktionskontrolle und auch
keine spektakulären Schläge am Lenker hin zur Start-Zielgeraden. In der entscheidenden
langen Linkskurve wo man vom 2er bis hinauf in den 4er schaltet trägt es mich
außerdem noch weit nach außen und die Linie ist dahin.
Ganz nervös schilderte ich meine Sorgen Pere Riba. Geduldig hörte er sich
mein Leiden an und meinte nur trocken. "Nils! Fahr einfach noch ein paar Runden
und komm dann wieder." Doch auch Fahrer anderer Sphären wurden schon nach
wenigen Runden nervös. WM-Pilot Lazscors brach nieder als er erfuhr, dass er ganze 3
Sekunden hinter Ribas Zeit zurückliegt. "FU..!", meinte er doch Riba beruhigte
auch ihn. "Just do some more Laps, I was here several times!"
Einige Runden später zeichnete sich im Sattel der 10er Ninja ein recht klares
Bild ab. Alle reden vom Motor, der Traktionskontrolle und niemand vom Chassis.
Doch man tut dem Chassisentwickler unrecht. Der Rahmen wurde ebenso wie der
Motor komplett neu entwickelt. Das dicke Monstrum wickelt sich elegant um den
Motor und bildet so eine fast direkte Verbindung von Steuerkopf zur
Schwingenlagerung. Auch die Schwinge ist neu. Sie wirkt zwar nicht voluminös, doch sie
schwingt einen weiten Bogen nach oben und bietet so noch mehr Steifigkeit als
früher. Sie wurde jedoch ein wenig länger, der Radstand ebenso und die Gabel steht
steiler im Lenkkopf. Das Ergebnis ist beeindruckend. Die Kawasaki lenkte
in den wenigen engen Kurven flott, direkt und präzise ein. In den Wechselkurven
ist sie ebenfalls spürbar flinker als die alte 10er. Klarerweise spielt hier
auch das geringe Gewicht eine Rolle. Ohne ABS wiegt die Ninja nur 198 kg
vollgetankt. Ich würde jetzt unterm Helm noch nicht zu grinsen beginnen, würde
die Kawasaki nicht eine richtig gute Grätsche hinlegen. Sowohl beim Anbremsen
als auch beim Rausbeschleunigen und bei High-Speed wirkt sie stabiler wie eh und
jäh. Unterwegs waren wir hier auf Bridgestone BT-003 Pneus. Mag sein, dass sie
mit den radikaleren Dunlops etwas anders reagiert aber die Basis ist ausgewogen
und sehr gut balanciert.
Doch halt! Klassischer Anfängerfehler! Ich denke an Handling und Stabilität
und dabei fällt mir nix besseres ein als die nackten Geometriewerte der
Kawasaki. Vermutlich noch wichtiger ist die Lage des Schwerpunktes im Motorrad
und man muss nicht Jeremy Burgess heißen um zu erkennen, dass sich auch hier
einiges geändert hat. Die Kurbelwelle liegt 28mm höher die Getriebeeingangswelle
107 mm höher als beim alten Modell. Der Tankinhalt zum Beispiel rutschte jedoch
zum Großteil unter die Sitzbank und wieder mal wurden die schweren Elemente des
Motororrades näher zusammen gebracht.
Gibt es die Traktionskontrolle nur am Papier?
Langsam aber sicher begann ich jedoch daran zu zweifeln, dass die neue Kawa
überhaupt mit Traktionskontrolle ausgestattet ist. Ich spürte nichts. So sehr
ich mich auch bemühte und den Gasgriff melkte. Das Bike feuerte aus den Kurven
als ob unendlicher Grip vorhanden wäre. Der nächste Turn sollte die Wahrheit
zeigen. Voller Tatendrang wurden die knackigen Kurven in Angriff genommen. Viel
früher als das Zentrum meines Verstandes es für sinnvoll erachtete, wurde der
Gasgriff umgelegt. Und es passierte wieder nichts. Kein Rutscher, kein spürbarer
Regeleingriff, keine wild blinkenden Lämpchen im Cockpit. Bin ich wirklich so ein
Versager? Kann es sein, dass ich dieses elektronische Zeug gar nicht brauche und
trotz allem Eifer immer noch viel zu spät ans Gas gehe? Doch beim Wheelysieren
viel mir dann dieser ganz kleine unscheinbare Balken ganz unten im Cockpit auf.
"Bitte lieber Gott lass diese Anzeige den Traktionskontrollen-Indikator sein!",
betete ich und feuerte aus den Kurven. Ging ich hart ans Gas, kamen 3-4 schwarze
Balken zum Vorschein fuhr ich normal kamen dann und wann mal ein bis zwei LCD-Segmente ins
Bild. In der Boxengasse dann die beruhigende Bestätigung der Technikcrew zu
diesem Thema. Hätte ich nur bei der zweistündigen Präsentation besser
aufgepasst, dann wären mir die Zweifel an meinem Fahrkönnen erspart geblieben.
Traction Control wie eine Wettervorhersage - nur exakter!
Beim Fachsimpeln in der Boxengasse machten mir die japanischen Techniker
klar, was sie von anderen Traktionskontrollen am Markt halten und wie sie ihr
eigenes System sehen: "Die Drehzahl vom Vorderrad mit dem Hinterrad zu vergleichen
ist sehr simpel und hat nichts mit dem zu tun was wir hier machen!" Die Kawasaki
CPU misst in 0,005 Sekunden Schritten eine ganze Reihe von Parametern: Vorder-
und Hinterraddrehzahl (Schlupf), Änderung Motordrehzahl, Änderung
Drosselklappenstellung, Änderungen beim Schlupf, Änderung bei der
Beschleunigung. Auf Basis der letzten Messwerte und der aktuellen Messwerte versucht das System
vorherzusagen was in den nächsten 0,005 Sekunden passieren wird und reagiert
dementsprechend. Das System ist also seiner Zeit immer um diese 5 Millisekunden
voraus und korrigiert die Regelkurve blitzschnell, wenn es mit der Vorausberechnung
daneben liegt. Ist das System der Meinung, dass bei der vorliegenden Entwicklung
in den nächsten 0,005 Sekunden der Schlupf am Hinterrad eine kritische Grenze
überschreitet, beginnt es bei einzelnen Takten die Zündung abzudrehen. Kein
Wunder, dass ich im Sattel der Kawa nichts von all diesen Vorgängen merke. Denn
alle 0,005 Sekunden wird die Situation neu bewertet und es werden schrittweise
immer mehr Zündungen unterbrochen bis sich der Schlupf wieder in einem vertretbaren
Bereich eingependelt hat. Mit diesem System kommt Kawasaki den Grenzen der
Physik deutlich näher als andere Anbieter am Markt. Das wirklich irre ist
jedoch, dass der Pilot im Sattel ständig der Meinung ist es wäre ohnehin alles
in Ordnung und er könne problemlos noch früher ans Gas gehen.
Höchste Vorsicht ist also geboten, wenn man verwöhnt von Elektronik auf
ein anderes Motorrad wechselt und im Scheitel sein blaues Wunder erlebt.
Kawasaki kommuniziert übrigens recht offen was diese elektronische Fahrhilfe
kann und was sie nicht kann. Testpilot Pere Riba: "Die Traktionskontrolle ist in
erster Linie ein Tool um den Piloten schneller zu machen. Es ist kein
Sicherheitsfeature!" Das hört sich schon deutlich anders an als bei anderen
Herstellern und man spürt es auch im Sattel. Vor allem beim Wheelysieren macht
die Kawasaki genau dass, was man will und kein elektronischer Zensurator greift
dramatisch ein. Bei engagierter Fahrweise kam es klarerweise an einzelnen
Stellen vor, dass das Vorderrad sanft den Asphalt verließ aber es wurde ebenso
sanft wieder zurück in die Erdumlaufbahn befördert. Man hat aber niemals das
Gefühl zurückgehalten zu werden oder verspürt gar ein grobes Ruckeln im Sattel.
Es gibt einfach nur die pure Beschleunigung und puren Speed. Reisst man am
Kurvenausgang jedoch gemeinsam mit einem Ruck am Lenker den Gasgriff auf, dann
spürt die Elektronik was der Freak im Sattel da vorhat und lässt das Vorderrad
von der Leine. Wenn Du willst überschlägt es Dich nach hinten und wenn Du es
kannst fährst Du einen wunderschönen langen Wheely. Der japanische Techniker hat
mir versucht zu erklären wie man der Elektronik diese hellseherischen
Fähigkeiten beigebracht hat. Er sprach von verschiedenen Mustern die es im
Fahrbetrieb gibt und dass die Elektronik erkennt, wenn ein bestimmtes Muster
eintritt. Die Blackbox weiß, dass Du einfach nur schnell fahren möchtest oder
aber gerne einen Slide hättest oder eben einen Wheely. Ich hatte kein Problem
damit, dass ich nur die Hälfte von dem verstand was er sagt, aber verdammt
nochmal es funktionierte.
Ich war froh, dass ich nicht als Einziger fix und fertig mit den Nerven war.
Am nächsten Morgen blickte Kawasaki Österreich Technikguru Alois Turic mit
verschlafenem Blick in den üppig beladenen Frühstücksteller. Er habe sich die halbe
Nacht im Bett gewälzt und die technischen Unterlagen studiert um endlich zu
verstehen wie die Nippon Bande dieses Wunderwerk fabriziert hat. Am Ende hielt
er jedoch zufrieden fest: "Die japanischen Kollegen haben mit erstaunlich wenig
Hardware aber einer sehr komplexen Softwarelösung ein System entwickelt welches laut
den Fahreindrücken der Journalisten richtig gut funktioniert. Nebenbei ist es
noch sehr leicht."
Hartes Feedback vom Testpiloten
Aber es wäre unfair, den Elektronikstrebern den ganzen Ruhm alleine ernten zu
lassen. Das S-KTRC kann vermutlich auch nur deshalb so gut funktionieren weil
der Rest eine gute Basis bietet. Wie bereits berichtet, ist das Fahrzeug
handlicher aber trotzdem stabiler geworden. Zusätzlich dazu ist die
Leistungsentwicklung ausgesprochen linear und der Motor ist sehr feinfühlig zu
dosieren. Freiheitsliebende Menschen wird übrigens freuen, dass die Kawasaki
nach wie vor ohne Drive-by-Wire unterwegs ist. Für ein sauberes
Ansprechverhalten sorgt jedoch wie schon beim letzten Modell eine zusätzliche
Drosseklappe pro Zylinder welche von der ECU gesteuert wird.
Die Bremserei war auch schon beim letzten Modell astreine Ware und die neue
10er setzt diese Tradition würdig fort. Die Start-Ziel wird mit Tachospitze 294
genommen, der Anker wird geworfen das Heck wird von der Anti-Hopping-Kupplung
ganz sanft schlingernd im Zaum gehalten und der Einlenkpunkt Runde für Runde
exakt erwischt. Auch 7 Runden später war die Bremsleistung so wie bei Runde eins
und so kann man der Bremsanlage nur eine römische Eins vergeben.
Raunzen auf hohem Niveau musste ich jedoch beim Getriebe. Beim hektischen
Treiben auf der Strecke hätte ich mir etwas leichtere Schaltvorgänge gewünscht.
Auch die Kupplung war beim langsamen Start aus der Boxengasse nicht ganz einfach
zu dosieren. Niemand spricht übrigens mehr über das Thema Anti-Hopping-Kupplung.
Das Teil funktioniert einfach und trägt mit dazu bei, dass die Kawasaki in der
Bremszone sehr stabil bleibt.
Die elektronische Wunderware war neben dem herrlichen Lammbraten natürlich
Gesprächsthema Nummer 1 am Journalistenbuffet. Es ist erstaunlich wie
einheitlich man dem System eine tadellose Funktion attestierte aber wie
unterschiedlich das persönliche Resüme darauf ausfiel. Ein Italiener meinte gar,
er findet das System schlecht da es zo sportlich abgestimmt ist und man so hart
ans Gas gehen muss um irgendwas zu spüren. Tja liebe Freunde! Das S-KTRC ist
eben kein Egostreichler welches Dir mit blinkendem Lamperl bei lausigen
Rundenzeiten auf die Schulter klopft und Dich im Glauben lässt du wärst irre
früh ans Gas gegangen. Ich persönilch war zum Einen froh darüber mich beim
Kurvenspeed mit dem Werkzeug endlich gefahrlos weiter entwickeln zu können. Mit
unzensurierten Motorrädern hätte ich niemals so früh den Gasgriff geöffnet und
feststellen können, dass es ohnehin problemlos möglich ist. Andererseits stellt
uns dieses Teil vor vollkommen neue Aufgaben. Wir fahren nun Geschwindigkeiten
die eigentlich über unserem persönlichen Fahrkönnen liegen und kommen in
Situationen die wir nicht mehr verstehen. Warum bloß erwischte ich in der
schnellen Links niemals den richtigen Strich? Die offene Antwort vom
Kawa-Testpiloten hinter mir: "Ohne Traktionskontrolle wärst Du längst
abgegangen. Du sitzt komplett schlaff im Sattel und legst den Gasgriff auf
Anschlag um. Das Hinterrad war ständig am Rutscher und es wäre aber eigentlich
nötig gewesen dass Du am Motorrad arbeitest, das Gewicht verlagerst und in die
Rasten gehst!" Tja. Die neue Wunderwaffe ist also kein Autopilot und einen
nicht unwesentlichen Beitrag zum Rundenzeitenerfolg muss der Pilot immer noch
selbst beisteuern.
Auch die Reifen werden mit der Traktionskontrolle nicht nur Freude haben.
Denn während bisherige Systeme bei uns ständig so in das Fahrverhalten
eingriffen, dass die Reifen vor Gummi zerfressendem Schlupf verschont wurden,
erlaubt es uns die Kawasaki so Reifen mordend zu fahren wie es bisher nur den
Gasgriff-Henkern vorbehalten war. Doch auch für die Reifensparmeister hab ich
gute Nachrichten. Die Kawasaki Traktionskontrolle hat 3 verschiedene Modis zur
Auswahl. Die Stufe 3 ist für Regen und glitschigen Cityasphalt die Stufe 1 für
Rennstreckenasphalt. Doch selbst in Stufe 3 regelt die Kawasaki so feinfühlig,
dass man nicht das Gefühl hat am Kurvenausgang zurückgehalten zu werden. In
diesem Modus hat das Hinterrad jedoch deutlich weniger Schlupf und muss nicht
fürs Ego des Piloten leiden.
Gut genug für die Rennfahrer?
Was werden Piloten in schnellen Hobbyserien oder nationalen Meisterschaften
von dem neuen Feature haben? Wie üblich kann man aus der Zubehörpalette ein
Kitsteuergerät bestellen, welches dann nicht nur Änderungen an der Einspritzung
und Zündung erlaubt sondern eben auch umfassende Eingriffe ins S-KTRC zulässt.
Laut japanischer Entwicklungscrew ist der Kit bereits fertig, man arbeitet im
Moment nur noch an der Bedienungsanleitung. In der japanischen
Superbikemeisterschaft setzt Kawasaki übrigens auch ein ebenso aufgebautes
System ein. Die Nächte in der Garage werden für ZX-10 Fahrer also kürzer werden,
die Nächte vorm Laptop jedoch bestimmt länger. Das KTRC System ist
übrigens Serienausstattung bei jeder neuen ZX-10R. Puristen können es jedoch mit
dem Wippschalter am linken Lenker bei Stittstand deaktivieren.
Optional jedoch ist das neue Kawasaki ABS System. Es wird KIBS genannt und
ich tippe mal es steht für Kawasaki Intelligent Braking System. Bei der
Präsentation gaben sich sowohl der Marketingleiter als auch Pere Riba als
Tiefstapler. Anders als das S-KTRC ist das KIBS ein Sicherheitsfeature und ist
nicht dazu gemacht um uns schneller zu machen. "Es ist nicht gebaut um
Toppiloten Toprundenzeiten zu ermöglichen", lautete die erstaunlich offene
Antwort. Doch die folgenden Proberunden machten klar, wie weit weg sich unser
Fahrkönnen von jener Begrifflichkeit unterscheidet die Kawasaki als "TOP"
bezeichnet. Am Ende der Zielgerade werfe ich den Anker in der ersten Runde
deutlich früher als ohne ABS und merkte keinen Unterschied, in der nächsten
Runde dann am gleichen Punkt und verspürte am Hebel einen leichten Click. In
Runde Drei warf ich den Anker spät wie nie und spürte ganz leichte Clicks im
Bremshebel und pure Verzögerung an der Front. Der Bremsweg war für mich also
keinesfalls länger als ohne ABS und die Sensorik hat einen guten Job gemacht.
Und der war bestimmt nicht einfach. Denn bei Supersportmotorrädern kann es schon
vorkommen, dass bei harten Bremsmanövern das Heck besonders leicht wird und das
Fahrzeug so instabil wird. Im Extremfall kann sich das Fahrzeug samt Fahrer
überschlagen. Moderne ABS Systeme verhindern das natürlich und so wirkt auch das
KIBS einem abhebenden Heck entgehen. Sobald das Hinterrad den Boden verlässt,
erkennt die Sensorik eine Drehzahldifferenz und beginnt normalerweise den
Bremsdruck zu verringern. Besonders knifflig ist jedoch den Unterschied zwischen
einem abhebenden Hinterrad und etwas Schlupf am Hinterrad hervorgerufen durch
die Motorbremse zu unterscheiden. Die Kawa wirft in so einer Situation wieder
den Rechenschieber an und mit Daten aus der Motor ECU (Drehzahl,
Drosselklappenstellung, Gang, Kupplungsbetätigung) und den Radsensoren wird
entschieden ob es tatsächlich nötig ist den Bremsdruck zu reduzieren. FAZIT: Das
ABS System hatte für mich keinen spürbaren Nachteil, bringt in heiklen
Schrecksituationen oder bei Regen erhöhte Sicherheit mit sich. Dieses Plus muss
einem dann jedoch noch 1.200 Euro (in Österreich) wert sein.
Nicht konsequent zu Ende gedacht hat man leider beim Thema Schaltautomat.
Eigentlich ein billiges Teil aus dem Zubehörregal, benötigt man bei der ZX-10R
gleich ein Kitsteuergerät um den Schaltassistenten montieren zu können. Für ganz
schnelle Piloten jedoch egal, die haben den Kit ohnehin gekauft um die Kawa noch
besser auf ihre Bedürfnisse anpassen zu können. Ich selbst steh aber auch ohne
große Meisterschaftsambitonen und Siegeswillen auf dieses Feature und hoffe auf
innovative Zubehörhersteller die hier für Abhilfe sorgen.
Die neue Nummer 1?
Am nächsten Morgen blickte Kawasaki Techniker Alois von Kawasaki wieder müde
auf den üppig geladenen Frühstücksteller und brummte:"Jetzt sag schon Nils!
Ist sie schneller als die BMW!!!?????" Ich konnte seine Ungeduld verstehen,
wir alle wollen wissen ob das bayrische Superbike von dem grünen Gift vom Thron
gestoßen wird. Doch leider war keine BMW als Referenz mit dabei und das Niveau
beider Motorräder ist so hoch, dass eine Ferndiagnose recht unseriös wäre.
Doch ist unser Onlinemedium ja auch kein Kirchenblatt und wir wollen
ausnahmsweise auf etwas Seriosität verzichten. Bei der Motorleistung denke ich,
dass die Kawasaki deutlich über den anderen Japanern liegt und auch über der alten ZX-10R aber die Spitzenleistung der BMW um Haaresbreite verfehlt.
Alois zuckt wie von einem Voodoo Fluch belegt verkrampft zusammen. Hat da jemand
eine fette Nadel ins Herz der Voodoo-Puppe gerammt? Doch er kontert routiniert:"Du
fährst Deine BMW nun schon seit Monaten um einen Zahn kürzer übersetzt und die
Kawasaki hat einen makellos linearen Leistungsverlauf. Möglicherwise irrst Du?"
Ich schwieg und beruhigte. Denn die Frage nach der schnelleren Rundenzeit ist
damit noch lange nicht geklärt. Bei dem Chassis gelang Kawa ein ganz großer
Wurf. Etwas handlicher als der bayrische Gegner trotzdem aber stabil genug. Und
die Elektronik-Ingenieure wurden von den Kawasaki Konzernlenkern sehr weit von
der Leine gelassen und bringen Dein Hinterrad näher an die Grenze zum Gipszimmer
als bisherige Systeme.
FAZIT: Ninja Fans haben gar keine andere Wahl als die neue 10er zu
kaufen. Sie ist leichter, stärker, handlicher und trotzdem einfacher zu fahren
als jede andere ZX-10R bisher. Auch im Vergleich zu den anderen Japanern
präsentiert sich die Kawa überlegen. Neben den europäischen Bikes kommen
bestimmt auch Emotionen, Vorlieben für gewisse Farben und Formen ins Spiel. Wer
jedoch vom Antlitz der Kawa verführt wurde, der wird im Sattel keinesfalls
enttäuscht werden.
Es wird wirklich weh tun wenn man diesen wunderschönen Rahmen geschunden von
Schotter und pannonischer Erde aus dem Kiesbett schleift. Welch Kunstwerk! Bitte
niemals damit stürzen!
Kawasaki Aushängeschild Pere Riba gibt uns eine kurze Einschulung für die
Strecke in Qatar. Warum nur immer das grausame Spiel mit den Tipps für den
richtigen Gang. Dort wo er im 4-er fährt, bin ich immer noch im 3-er unterwegs.
Der Kenner erläutert dem ehrzeigzigen Nachwuchsredakteur die Ideallinie zum
Catering-Zelt auf der anderen Seite vom Fahrerlager.
"Entschuldigen Sie bitte! Können Sie lieber Hr. Riba und Sie lieber Kawasaki
Entwicklungsboss für ein Photo einmal auf beste Fachsimpel-Kumpels von NastyNils
machen? Danke!"
Zur größtmöglichen Beschleunigung bedarf es eines gewissen Schlupfs, daher lässt
S-KTRC zur Optimierung der Traktion Schlupf zu. Das ideale Schlupfverhältnis
variiert je nach Bedingungen. Das System analysiert zahlreiche Parameter, um ein
genaues Echtzeitbild der Situation zu erhalten: Vorder- und Hinterraddrehzahl
(Schlupf), Änderung Motordrehzahl, Änderung Drosselklappenstellung, Änderung
Schlupf, Änderung Beschleunigung usw. Das System ist auch in der Lage, zu
unterscheiden, ob es sich um ein sanftes Drehmoment-Wheelie oder um ein
plötzliches Aufbäumen handelt, welches gefährlich sein kann. Drehmoment-Wheelies
werden solange zugelassen, so lange eine akzeptable Beschleunigung vorliegt.
Plötzliche Wheelies werden vom System unterbunden.
Kawasaki Österreich Techniker Alois Turic zu den
wesentlichen technischen Änderungen
Die Zylinder weisen eine im Bezug zur Kurbelwelle um 2 mm versetzte Achse
auf. Dadurch reduzieren sich die Kräfte, die am Punkt des größten
Verbrennungsdrucks seitlich auf die Kolben wirken, und die Belastungsspitzen auf
die Kolben. Wir können daher einen leichteren Kolben verwenden und nebenbei
reduzieren sich auch die Reibungsverluste.
Das Layout von Kurbelwelle und
Antrieb des neuen Motors wurde komplett überarbeitet: Die
Getriebeeingangswelle befindet sich jetzt über den beiden anderen Wellen.
Die Bearbeitung der Zylinderbohrungen erfolgt bei aufgesetztem
„Dummy-Zylinderkopf“, womit sich Rundheit und Zylindrizität verbessern. Da
die Bohrungen damit genauer werden, können Kolbenringe mit weniger Ringspannung
eingesetzt werden, sodass Reibungverluste reduziert werden.
Größere Einlassventile (30 mm >> 31 mm) und größere Einlasskanäle (wie
bei der ZX1000F poliert).
Die neuen Nockenwellen ermöglichen mehr Ventilhub und andere
Ventilüberschneidungen. EINLASS: 9,7 mm >> 10,3 mm, AUSLASS: 8,5 mm >> 9,1 mm
Neue Nockenwellen, neue leichtere Kolben. Schwerer und stärker wurden
jedoch die Pleuel.
Eine Sekundärausgleichswelle reduziert Motorschwingungen. Aufgrund dessen
konnte eine Reihe von Teilen zur Schwingungsdämpfung vereinfacht werden, was zur
Gewichtsersparnis beiträgt.
Die neue, kleinere und leichtere Batterie wiegt weniger als die Hälfte
der bisherigen
Batterie (4.130 g >> 2.040 g). Die ABS-Modelle (ZX1000K) benötigen eine etwas
größere Batterie, die mit 3.080 g aber immer noch deutlich leichter ist.
Der Deckel der neuen Airbox wurde höher angeordnet, sodass die Luft
von oben in die Ansaugtrichter eintritt und eine effizientere Beatmung
ermöglicht.
Die Drosselklappengehäuse sind mit auf 47 mm Durchmesser vergrößerten
Hauptdrosselklappen bestückt (vorher Ø 43 mm), um Leistung und Gasbetätigung zu
verbessern. Die ovalen Sekundärdrosselklappen sind ebenfalls entsprechend
größer.
Die neuen Krümmerrohre bestehen aus einer hitzebeständigen
Titanlegierung und entsprechen in Länge und Querschnitt nahezu den Rennanlagen.
Dadurch ist es einfacher, die Performance der Auspuffanlage zu erhöhen indem man
einfach den Endschalldämpfer tauscht sowie den Zwischenschalldämpfer durch ein
Verbindungsrohr ersetzt.
Kawasaki ZX-10R Technische Daten
Motor:
Bauart
Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Reihenvierzylinder
Hubraum
998 ccm
Bohrung / Hub
76 x 55 mm
Verdichtung
13:1
Gemischaufbereitung
Kraftstoffeinspritzung: φ 47 mm x 4 (Keihin) mit ovalen
Sekundär-Drosselklappen, doppelte Einspritzdüsen
Nennleistung
147,1 kW (200,1 PS) bei 13.000 U/min. Mit Ram Air 209,9
PS!
maximales Drehmoment
112 Nm bei 11.500 U/min
Kraftübertragung:
Getriebe
6 Gänge
1. Gang
2,600
2. Gang
2,053
3. Gang
1,737
4. Gang
1,571
5. Gang
1,444
6. Gang
1.348
Primärübersetzung
1,681
Sekundärübersetzung
2,294 (39/17)
Fahrwerk:
Rahmen
Doppelprofil, Aluminium Druckguss
Schwinge
Aluminium Druckguss 7 teilig
Reifen vorne
120/70 ZR 17
Reifen hinten
190/55 ZR 17
Radaufhängung vorne
43-mm-Upside-Down-Gabel (Big Piston Fork) mit Druck- und
Zugstufendämpfung, einstellbarer Federvorspannung und Top-Out-Federn.